Die geplante Regionalligareform ist nach monatelangen Verhandlungen vorerst gescheitert – und mit ihr auch die Hoffnung vieler Vereine und Fans auf eine transparentere und sportlich fairere Aufstiegsregelung. Ärger gibt es wegen kurzfristigen Änderungen am Kompassmodell und Querschüssen von süddeutschen Lokalfürsten.

Kurzfristige Änderungen am Kompassmodell sorgen für Unmut

Von der vom DFB eingesetzten Arbeitsgruppe – bestehend aus Vertretern der Regional- und Landesverbände – wurde in den letzten Monaten das Kompassmodell erarbeitet. Das Konzept sieht vier Regionalliga-Staffeln mit je 20 Teams und einer dynamischen Zuordnung vor, die sich an den Entfernungen zwischen den Spielorten orientiert.

Nun wurde das Kompassmodell jedoch vier Tage vor der Abstimmung entscheidend verändert:

  • Statt der ursprünglich vorgesehenen 20er-Staffeln sollten es plötzlich nur noch 18 Teams pro Liga sein.

  • Auch die Abstimmungsregeln wurden verschärft: Aus einer bundesweiten Abstimmung wurde eine Befragung der einzelnen Regionalverbände, was diesen de facto ein Vetorecht einräumte.

Dass Vereine und Verbände über ein Modell abstimmen sollten, das unmittelbar vor der Entscheidung modifiziert wurde, sorgte vielerorts für Kopfschütteln. Entsprechend laut fiel anschließend die Kritik aus mehreren Regionalligen aus.

Fanbündnis protestiert, Vereine boykottieren die Abstimmung

Das Bündnis Fanszenen Deutschlands, welches den Prozess bereits im Vorfeld kritisch verfolgt hatte, meldete sich nach Bekanntwerden der Änderungen gewohnt kämpferisch zu Wort und prangerte das Vorgehen an. Zudem riefen die Fans die Vereinsvertreter dazu auf, „die anstehende Abstimmung unter diesen Umständen nicht durchzuführen“.

Unter anderem der Drittligist Hansa Rostock schloss sich diesem Aufruf prompt an und teilte auf seiner Website mit:

„Wenn diese Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel – und genau das machen wir nicht mit.“

Der Protest wirkte zumindest teilweise: Die Verbände wurden durch den Aufruf der Fanszenen sowie den Zusammenhalt einer Mehrheit der Vereine massiv unter Druck gesetzt und kehrten schließlich zum Modell mit 20er-Staffeln zurück.

Bayern und Südwest blockieren Kompassmodell

Im Südwesten stimmten die Vereine mit einer großen Mehrheit (93,1%) für das Regionenmodell. Dieses würde vorsehen die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern in zwei neue Staffeln zusammenzuführen. Die Regionalligen West und Südwest bleiben hingegen in ihrer bisherigen Form bestehen. Die Vereine des BFV stimmten mehrheitlich (52,4%) für die Ausarbeitung neuer Modelle. Die Regionalverbände aus Südwest und Bayern fielen schon während dem Ausarbeitungsprozess immer wieder mit augenscheinlichen Verschleppungstaktiken auf.

Währenddessen stimmten die Regionallverbände West (60,9%), Nord (61,5%) und Nordost (76,3%) mit breiter Mehrheit für das Kompassmodell mit 20er-Staffeln.

Deutschlandweit fordern 95,6 % der befragten Vereine ein neues Regionalligasystem. In dieser vereinsübergreifenden Abstimmung erhielt das Kompassmodell mit 50,9 % die absolute Mehrheit. Dahinter folgen das Regionenmodell (23,3 %) und der Ruf nach einem völlig neuen Entwurf (21,3 %).

Die Regionallverbände müssen endlich lernen Privilegien aufzugeben

Seit Jahren wird über verschiedene Modelle diskutiert. Immer wieder werden Arbeitsgruppen eingesetzt, Vorschläge ausgearbeitet und Kompromisse gesucht. Am Ende scheitert das Vorhaben jedoch stets an den Partikularinteressen der einzelnen Landes- und Regionalverbände. Besonders der Südwesten und Bayern geben in dieser Debatte seit Jahren kein gutes Bild ab.

Das Bündnis deutscher Fanszenen, in dem auch die aktiven Gruppen der Westkurve 1860 München vertreten sind, schließt sein Statement passend und mahnend ab:

“Die Verbände dürfen sich sicher sein, dass es keinen Weg mehr an einer grundhaften Veränderung ihrer Ausrichtung und Politik vorbei gibt. Wir werden nicht locker lassen – ihr habt es nicht anders verdient.”

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3 Comments
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_Flin_

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.

Besitzstandswahrung und Bürokratentum, mehr können wir nicht mehr. Und das Ergebnis ist bestenfalls Mittelmässigkeit.

Wie die DFB Auswahl beim aktuellen Turnier mal wieder eindrucksvoll bewiesen hat.

Priorität A: Niemand soll sich wund liegen.

Priorität B: Sollte sich doch jemand wund liegen, muss schnell ein Schuldiger gefunden werden. Am besten einer, der mit der Sache nichts zu tun hat, aber beim letzten Im-Kreis-Auf-Die-Schulter-Klopfen-Wie-Toll-Man-Ist nicht dabei war.

Last edited 30 Minuten zuvor by _Flin_
HassanUltraxD

Lok Leipzig lässt grüßen.. die schaffen es auch nicht mehr raus