(heute statt “Sechzig um Sieben”)

Der 27.11.1999 hat sich bei vielen Löwenfans unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt: Es läuft die 85. Minute, die Löwen greifen an, Martin Max legt den Ball auf Thomas Riedl ab, dieser schießt aus rund 25 Metern auf´s Tor von Oliver Kahn und der Ball schlägt unhaltbar halbhoch rechts ein. In den folgenden Minuten passiert nichts mehr und beim Schlusspfiff brechen alle Dämme – die Löwenspieler und ihre Fans feiern, als wären sie eben Weltmeister geworden. Mindestens. Etwas mehr als 22 Jahre waren seit dem letzten Derbysieg der Löwen gegen die Bayern vergangen – viele Jahre davon trennten Bayern und Sechzig zwei Ligen. Viele Fans die in der Nordkurve feierten waren beim letzten Sieg noch nicht einmal geboren oder zu klein um sich zu erinnern – oder es war eine halbe Ewigkeit her. So wie dieser Tag aus der heutigen Perspektive…

Es sollte der Auftakt zur erfolgreichsten Saison von 1967 bis zum heutigen Tage sein – am Ende wurden die Löwen vierter in der 1. Bundesliga und scheiterten in der Qualifikation zur Champions-League denkbar knapp an Leeds United.

Pikant-Bemerkenswert: Obwohl der TSV 1860 seine beste Saison seit mehr als dreißig Jahren spielte und trotz eines natürlich ausverkauften Derbys hatten die Löwen am Saisonende einen Zuschauerschnitt von gerade einmal etwas mehr als 32 000 – bei den meisten Spielen war die große, flache Schüssel nicht einmal zur Hälfte gefüllt und verströmte eine dementsprechende Atmosphäre.

Bayern und Löwen sind sich selten einig – was das Olympiastadion angeht, so herrschte hier eine zuvor kaum gekannte Einigkeit: Zu groß, zu flach, die meisten Plätze zu weit vom Spielfeld entfernt, nicht vollständig überdacht (und wegen dem Urheberrechtsschutz der bis 2080 gilt auch quasi nicht umbaubar), ein Zeltdach unter dem sich im Winter kalte Wirbel bilden wie sonst nur in der Antarktis – Bayern und Löwen wollten nur noch raus und bauten gemeinsam die Arena. Der Rest ist bekannt.

Inzwischen sind die Anforderungen an Fußballstadien enorm gestiegen: War das Olympiastadion Austragungsort zahlreicher Europacup-, EM- und WM-Spiele, so fordert heute selbst die zweite Liga eine komplette Überdachung des Stadions, dieser ist im Olympiastadion bis 2080 ebenso unmöglich wie ein Stadion-in-Stadion-System wie es in Leipzig mit dem Zentralstadion (in welchem die Löwen 1992 beim VfB Leipzig antraten) und der Red-Bull-Arena (2014 & 2016 waren die Löwen hier bei RB Leipzig zu Gast) verwirklicht wurde. Was bleibt? Zum einen natürlich die Gewissheit, dass der TSV 1860 hier nie wieder dauerhaft einziehen wird, weil dieses Stadion für Spitzenfußball gänzlich ungeeignet und mit den heutigen Regularien auch gar nicht mehr zulässig ist. Zum Glück.

Es bleibt aber auch für viele die Erinnerung an den WM-Titel 1974, das EM-Finale 1988, Champions-League-Finale, den Zuschauerrekord aufgestellt durch den TSV 1860 gegen Augsburg, das CL-Quali-Spiel gegen Leeds United (mit 56 000 Zuschauern nicht ausverkauft) und viele weitere Spiele.  Für mich ist das Olympiastadion vor allem der Ort des Triumphes vom 27.11.1999 – an diesen Tag erinnere ich mich gerne.

Kleiner Wermutstropfen: Da das Stadion ja leider doch sehr außerhalb liegt, verteilte sich das feierwütige Löwenvolk auf die ganze Stadt. Wir feierten übrigens an diesem Abend in der Stadionwirtschaft im Sechzgerstadion, in der hunderte Löwenfans nach dem Spiel für einen Rekordumsatz sorgten. Im Sechzgerstadion – wo auch sonst. Damals – heute – immer.

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