Schon wieder sind rund eineinhalb Wochen vergangen, ja, verflogen muss man sagen, seit sich unser Leser Tobi zuletzt zu Wort gemeldet hat. Nachdem er Anfang Juni die Frage “Darf man?” an sich und unsere Leser*innen stellte und zehn Tage später einige psychologische Betrachtungen zum Aushalten des Schweigens formulierte, erfreut er uns heute mit einem offenen Brief.
An wen dieser wohl gerichtet ist…?

Liebe Löwen,

ich möchte mich bei Euch bedanken. Dafür, dass Ihr diesen Brief lest, aber vor allem dafür, dass Ihr trotz allem noch hier seid.

Auch dann, wenn wir mit dem Rücken an der Wand stehen. Auch, wenn es mal nichts zu feiern gibt. Gerade dann, wenn es eigentlich keinen Grund mehr gibt zu bleiben – aber Ihr es trotzdem tut.

Manchmal ist zu bleiben eine Entscheidung. Manchmal bleibt man, weil es einfacher ist. Manchmal, weil man sich an eine Hoffnung klammert. Und manchmal ist es einfach das Einzige, was bleibt, wenn alles andere sich zu verändern droht.

Meine “Karriere” bei Sechzig begann als kleiner Bub an Vaters Hand. Bei Euch war es vielleicht ganz anders.
Vielleicht im Grünwalder Stadion, vielleicht in der Allianz Arena. Vielleicht bei einem anderen Verein, vielleicht gab es nie einen anderen für Euch. Vielleicht war es nur Zufall, vielleicht wolltet Iihr es genau so. Vielleicht war es einfach Schicksal.

Trotzdem stehen wir hier zusammen im dunkelsten Teil des Tunnels und versuchen, das stecknadelgroße Licht zu erkennen. Auch wenn es noch weit entfernt scheint, ist es das Einzige, woran wir uns orientieren können.

Nicht jeder bekommt im Leben die Chance, Geschichte zu schreiben. Manche bekommen diese Chance einfach vor die Füße gelegt. Und vielleicht ist das genau der Punkt, an dem wir alle unterschiedlich werden. Wer traut sich, sie aufzuheben, und wer lässt sie liegen?

Vielleicht liest diesen Brief niemand. Vielleicht landet er nie dort, wo ich ihn hinschreiben wollte. Aber falls doch, möchte ich euch eines wissen lassen:

Bleiben war nie das Gegenteil von Gehen. Das wäre zu einfach – und einfache Antworten gibt es bei Sechzig nur selten. Bleiben war schon immer das, was übrig bleibt, wenn alle anderen Optionen einfacher wirken.

Bei uns Löwen ging es nie um Einzelne. Wir sind ein Kollektiv. Gemeinsam werden wir stark, wie noch nie. Gemeinsam sind wir der Verein.

Und genau deswegen schreibe ich diesen Brief nicht an Euch, sondern an Dich. An Dich, der gerade entscheidet, ob er bleiben soll oder nicht.

Vielleicht wirst Du später von Titeln erzählen. Von gewonnenen Spielen und erreichten Zielen.
Heute kannst Du Dich entscheiden, ob Du eine Geschichte erzählst oder ob Du ein Teil davon wirst.

Denn meine “Löwenkarriere” begann als kleiner Bub an Vaters Hand und endet mit meinem letzten Atemzug.
Deine Löwenkarriere darf hier nicht enden.

Man wird Dich nie fragen, ob es logisch war zu bleiben. Nur, ob Du geblieben bist, als es einfacher gewesen wäre, zu gehen.

Denn bei Sechzig zu bleiben war noch nie eine Entscheidung. Bei Sechzig zu bleiben war selten das Einfachste.
Vielleicht ist genau das die Hoffnung, an die wir uns klammern.
Und vielleicht ist Sechzig das Einzige, was bleibt, während alles andere sich zu verändern droht.

Aber bleibst Du?

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3 Comments
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age

Jetzt erst recht!

„Der Löwe befreit sich von seinen Fesseln!“
Nichts ist treffender als das

Kraiburger

Oida,

freilich bleib ich!

Und wenns drum geht, dass unser Verein jetzt Geschichte schreibt, dann bin ich dabei und unterstütze ihn dabei!

Ist doch gar keine Frage!

Geh ma´s o!