Seit wenigen Tagen erscheint Noch-Verwaltungsratsmitglied Nicolai Walch auf der Homepage des Vereins auch als Mitglied des Aufsichtsrats. Bereits sein Einstand bot ein Kuriosum, denn direkt erwartete ihn eine einstweilige Verfügung. Im sechzger.de Interview berichtet Walch über die Hintergründe und wagt einen Blick in die Zukunft der Löwen.

Aufsichtsrat Nicolai Walch im Interview

Nicolai, du bist aus dem Beirat bereits zurückgetreten und deine Zeit im Verwaltungsrat endet mit dem Tag vor der Mitgliederversammlung. Wirft man einen Blick auf die Website der KGaA, wirst du als Mitglied des Aufsichtsrates aufgeführt. Handelt es sich hierbei um einen redaktionellen Fehler?

Nein. Nachdem kurzfristig ein Platz frei geworden ist und es in der aktuellen haftungsträchtigen Situation der KGaA sehr schwierig bis unmöglich ist, einen Ersatz zu finden, habe ich mich auf Wunsch des Präsidiums sehr spontan zur Verfügung gestellt, um auch in der Krise zu versuchen, den e.V. mit möglichst viel Mut und Haltung zum Wohle der weiterhin noch bestehenden KGaA zu vertreten.

Handelt es sich um ein „Blitz-Comeback“, wie von einem kommerziellen Blog kolportiert?

Nein, meine Entscheidung, sämtliche Ämter niederzulegen, gilt weiterhin. Am Samstag werde ich gemäß weiterhin bestehender Rücktrittserklärung aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Den Sitz im Aufsichtsrat werde ich niederlegen, sobald die aktuelle Phase vorbei ist.

Einstweilige Verfügung zum Einstand

Wie war Dein Einstand im Aufsichtsrat?

Noch vor meiner förmlichen Annahme des Amtes, hatte ich eine – gelinde gesagt – lächerliche einstweilige Verfügung im Beschlusswege ohne Anhörung auf dem Schreibtisch liegen. Ein herzliches Willkommensgeschenk zum Einstand! Antragsteller war Biel Ballester Relat, Antragsgegner sind neben mir Gernot Mang, Sebastian Seeböck und Herbert Bergmaier.

Worum geht es in diesem Rechtsstreit?

Der Vorsitzende lud kurzfristig zu einer Sitzung ein, um sich zum Thema “Sanierung der KGaA” auszutauschen und ggfs. Beschlüsse zu fassen. Die Antragstellerseite fühlte sich hiervon überrumpelt und befürchtete ein abgekartetes Spiel ausgerechnet zwischen uns e.V.-Vertretern und dem von Hasan Ismaik berufenen Herbert Bergmaier. Uns wird ein „kollusives Zusammenwirken“ vorgeworfen.

Keine Teilnahme an AR-Sitzung

Klingt komisch, war es wirklich so?

Natürlich nicht. Aber festhalten, es wird noch kurioser: Wir e.V.-Vertreter haben exakt aus denselben juristischen Gründen, die Ballester Biel Relat zu plagen schienen, an der Sitzung gar nicht erst teilgenommen und dies mit derselben Stoßrichtung begründet, wie der Antragsteller im gerichtlichen Verfahren vortragen ließ. Leider hatte die Gegenseite im Zeitpunkt der Antragstellung noch keine Kenntnis darüber. Warum sie anschließend trotzdem noch am Verfügungsbeschluss festhielt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Im Nachhinein lässt sich sagen, dass Herbert Bergmaier zum Wohle der Gesellschaft handeln wollte, während sowohl Biel als auch der e.V. dem Braten nicht trauten. Typisch Sechzig!

Werdet Ihr Rechtsmittel einlegen?

Wir haben bereits die Vertretung angezeigt und Akteneinsicht beantragt. Ich bin mehr als zuversichtlich, auch dieses Verfahren erfolgreich abzuschließen.

“Masterplan” als Teil einer Diffamierungskampagne?

HAM lässt sich nun von Dr. Peter Gauweiler vertreten. Dieser hat öffentlich in den Raum gestellt, dass der e.V. einen von langer Hand geplanten “Masterplan” umsetze, übersetzt gesagt, bewusst auf die Insolvenz hinarbeite. Ist da was dran?

Es handelt sich um einen schwerwiegenden Vorwurf, der komplett an den Haaren herbeigezogen ist. Dieser ist m.E. Teil einer gezielten Diffamierungskampagne. Wo sachliche Argumente nicht vorhanden sind, wird eben auf derartig schmutzige Methoden zurückgegriffen.

Fakt ist: Die Investorenseite hat sehr kurze Zeit vor der Deadline die bestehenden Finanzierungsvereinbarungen außerordentlich und fristlos gekündigt und auch außerhalb der Verträge die notwendigen finanziellen Mittel nicht in die gemeinsame Gesellschaft eingebracht. Niemand konnte mit dieser Situation rechnen und die Kündigung der Darlehensverträge hat rechtlich keinerlei Grundlage. Diese wird mit angeblichen Pflichtverletzungen der Geschäftsführung begründet. Warum wurde dann zwei Tage (!) zuvor der Vertrag mit Manfred Paula im paritätisch besetzten Beirat einstimmig verlängert? Hinzu kommt, dass vor der Kündigung nicht einmal eine Abmahnung erfolgt ist, was bei den behaupteten Nebenpflichtverletzungen zwingend erforderlich gewesen wäre. Meiner Ansicht nach steht der Kündigung der Darlehensverträge die Unwirksamkeit auf die Stirn geschrieben.

Im weiteren Verlauf hat der e.V. eine Kompromisslösung vorgelegt, obwohl er hierzu nach einhelliger Einschätzung unserer Anwälte nicht verpflichtet war. HAM konnte oder wollte darauf nicht eingehen und legte wiederum sehr kurzfristig einen englischsprachigen Vertrag mit Bedingungen vor, die die Gesellschaft lediglich kurzfristig am Tropf gehalten hätte. Wir können und dürfen nichts unterzeichnen, bei dem man Verpflichtungen gegenüber unbekannten Dritten eingeht. Mit offenen Karten zu spielen, ist Grundvoraussetzung für eine partnerschaftliche Einigung. Der Gesamtvorgang war ein grober Verstoß gegen die gesellschaftsrechtlichen Treuepflichten der HAM gegenüber der KGaA.

Die Krise wurde allein durch Dealbreaker HAM hervorgerufen. Uns ehrenamtlichen Funktionären sowie der Gesellschaft wurde dadurch die Hölle auf Erden bereitet, ganz zu schweigen von den treuen Fans, die Ihre Dauerkarten schon bezahlt hatten und jetzt um ihr Geld bangen müssen.

“Wer schreit, hat Unrecht.”

Berichten zufolge ist die Fortführung einer öffentlichen Kampagne zu befürchten. Wie geht Ihr damit um?

Wir sehen das ganz entspannt. Wer schreit, hat Unrecht, und wer zu solchen Methoden greifen muss, dem fehlen die sachlichen Argumente. Wir lassen uns da nicht einschüchtern, weder vom Kapital noch von großen Namen. Auch wir haben unsere Netzwerke. Unterschätzt Giesing nicht! Für einvernehmliche Lösungen sind wir aber natürlich jederzeit offen. Ich bin ein Freund davon, immer das persönliche Gespräch außerhalb von Paragrafen und Öffentlichkeit zu suchen.

Ist aus Deiner Sicht die Insolvenz noch zu vermeiden?

Auf jeden Fall. Hier ist aber nun HAM am Zug. Die Investorenseite kann völlig unproblematisch zur Vertragstreue zurückkehren und dadurch die Zukunft der KGaA sicherstellen. Festzuhalten bleibt aber, dass die Uhr erbarmungslos tickt. Wir sind weit fortgeschritten in der Frist zur Stellung des Insolvenzantrags. Unsere Hand bleibt ausgestreckt.

“50+1 bei 1860 ist für die Ewigkeit gesichert!”

War die Kündigung des Kooperationsvertrags rechtlich fundiert?

Natürlich. Die Kündigung war kein Schnellschuss aus der Emotion heraus, sondern vielmehr das eindeutige Ergebnis unserer externen Anwälte. Der erforderliche wichtige Grund liegt klar auf der Hand.

Was sind die wesentlichen Auswirkungen der Kündigung?

Zunächst entfällt dadurch die Verpflichtung des e.V., keine Mannschaften in den höheren Ligen zu melden. Im Verhältnis zu HAM darf der e.V. selbst oder über eine neue Gesellschaft wieder den Profispielbetrieb organisieren und auch die Lizenz bei sich behalten.

Andererseits ist nun das Vorkaufsrecht des Vereins bei einem etwaigen Anteilsverkauf der HAM entfallen. Dies wird aber durch einen ganz entscheidenden Vorteil mehr als aufgewogen. Die Übernahmeklausel, nach der HAM oder ein Nachfolgeinvestor beim etwaigen Entfallen der 50+1 Regelung die komplette Macht übernehmen kann, ist weggebrochen. 50+1 bei 1860 ist für die Ewigkeit gesichert!

Grundsatzurteil - Hannover Kind
Choreographie der Münchner Löwen – 50+1 unverhandelbar! Quelle: muenchnerloewen.de

Gemeinsamer Weg zur Sanierung der KGaA als Wunsch

Was wäre dein Wunschszenario zur Überwindung der Krise?

HAM und der e.V. reichen sich die Hand. Hasan Ismaik macht es wie Dietmar Hopp und gibt den Fans die Anteile zurück. Wir finden darüber hinaus einen gemeinsamen Weg zur Sanierung der KGaA unter Beteiligung des Vereins. Am Ende reichen wir uns die Hände und Hasan ist jederzeit bei uns willkommen und bleibt ein Teil der Löwenfamilie. So könnte man aus einem jahrelangen Missverständnis ein außergewöhnliches Märchen mit schönem Ende machen. Träumen darf erlaubt sein.

Und wenn wir je wieder Anteile verkaufen sollten, geschieht das nur mit dem JA der Mitgliederversammlung. Dies sollte aber nur aus einer Position der Stärke heraus geschehen und niemals wieder überhastet und unter Zeitdruck. Nur so funktioniert erfolgreicher Investorenfußball.

Wie sieht Deine persönliche Zukunft bei 1860 aus?

Ich freue mich sehr darauf, wenn die aktuelle, belastende Situation überwunden ist. Mein Rücktritt steht weiterhin. Ich kann es kaum erwarten, wieder bei den Blue Vikings im Block H der Westkurve zu stehen und laut unsere Lieder zu singen. Auch darf ich dann wieder zu jemandem, der mir auf die Nerven geht, ein deutliches „Schleich Dich“ sagen und muss nicht mehr den Politiker spielen.

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11 Comments
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Joerg

Wenn ich jetzt mal so nachdenke was aus dem “kleinen Web-Löwen” so geworden ist, allergrösste Anerkennung, ich wünsche dir mehr als nur ein glückliches Händchen bei den anstehenden Aufgaben und für den letzten Absatz Spass

Kraiburger

In diesem “Abschiedsinterview” mangelt es jetzt überhaupt nicht an Klarheit und Deutlichkeit.

Nicolai, ich bin wirklich froh und stolz darüber, dass du unseren Verein so lange aufrichtig vertreten hast. Und ich bin gespannt, wann du zu mir das erste mal “Schleich dich!” sagst. 🤣

Ich freue mich aufs nächste Bier zusammen!

Stefan Kranzberg

Helles oder Weißbier?

Kraiburger

Ich glaub, ich hab ihn irgendwann vom Weißbier überzeugt, weils einfach gemütlicher ist!

BlueMav

Aber Dunkles!

BataviaSepp

Danke für deinen unermüdlichen Einsatz Nicolai!!

Dass was du für unseren TSV geleistet hast, ist wirklich nicht in Worte zu fassen!!

 

Freue mich schon auf die ersten Stadionhoiben mit dir 😉

GoerlitzerLoewe

Ich ahne für morgen nichts Gutes. Irgendwie habe ich das Gefühl wir knicken wieder ein und haben den sogenannten “Investor” weiter an der Backe. Und der ganze Schmarrn läuft weiter wie bisher.

MalikShabazz

Da les ich was komplett anderes raus.
Alle Argumente sind auf unserer Seite. Man bietet Hasan einen Abgang mit Würde an. Wenn er den nicht möchte, dann nicht.
Das Ergebnis bleibt das gleiche: wir sind eigenständig.

GoerlitzerLoewe

Glaubst du das er dem e.V. die Hand reicht und nachgibt? Das kann er nicht. Schon allein wegen Stolz und Ehre und was weis ich was der noch hat 🧐

MalikShabazz

Das Hand reichen ist, dass er den Fans die Anteile schenken darf. Oder eine KGaA ohne Spielrecht vor der Insolvenz bewahren. Er hat so viele tolle Möglichkeiten.

Niederbayernloewe

Was Gutes und Ismaik in einem Satz wird es definitiv nicht geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auf eine Eskalation hinaus laufen wird.

Wenn man diesen Artikel jedoch liest wird mir alles andere als Angst und Bange. Der E.V. hat die Geschichte meiner Meinung nach bestens im Griff.