Nur 1:1 in Fürth, wieder eine Führung verspielt, erneut in alte Muster verfallen – so lässt sich der gestrige Abend im Ronhof wohl kurz und schmerzhaft zusammenfassen. Auch wenn die Löwen vor der Pause durchaus zu gefallen wussten, kann man auf Seiten des TSV 1860 nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis und der Art und Weise, wie dieses zustande kam.
Warum kein Drängen auf die Vorentscheidung?
Nein, die Löwen haben nicht enttäuscht, denn sie haben in der ersten Hälfte angedeutet, zu was sie in der Lage sind. Dennoch muss ich gerade in dieser Spielphase zur Kritik ansetzen, denn nach der frühen Führung des TSV war dem Gegner die Verunsicherung anzumerken. Warum hat man da nicht konsequenter auf den zweiten Treffer gedrängt und vielleicht eine Art Vorentscheidung erzwungen? Sechzig hat das Spiel kontrolliert, keine Frage, aber der absolute Wille, das zweite Tor zu erzielen, war kaum erkennbar.
Ein Schuss von Niederlechner nach einer Standardsituation, eine Aktion von Ott nach einem Fehler der Fürther im Spielaufbau – recht viel mehr Zwingendes war da nicht, was zu einem 0:2 hätte führen können, oder? Und wenn es ganz unglücklich läuft, gleichen die Franken sogar noch vor der Pause durch ihre erste echte Torchance aus…
Leistungseinbruch und fehlende Lernkurve
Warum dann nach dem Seitenwechsel so ein Bruch im Spiel des TSV 1860 erfolgte, ist auch nach einmal drüber schlafen nicht wirklich erklärbar. Vermutlich durften sich die Fürther in der Kabine einiges anhören, aber sollten die Löwen nicht in der Lage sein, darauf reagieren zu können und selbst wieder das Heft in die Hand zu nehmen? Stattdessen kassierte man mal wieder einen Elfmeter (diesmal absolut gerechtfertigt) und hatte nicht den Eindruck, als sei ein Lerneffekt aus den Erlebnissen der Vorwochen eingetreten.
Zwar konnte man den Gegner in der Folge zumeist erfolgreich vom eigenen Tor fernhalten und auch offensiv wieder Akzente setzen, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, da könne noch mehr als ein Punkt für 1860 herausspringen. Und da sind wir wieder bei der finalen Konsequenz, die ich auch in dieser Spielphase in den Angriffsbemühungen vermisst habe. Dass man sich in der Schlussviertelstunde (inklusive Nachspielzeit) auch noch den Luxus gönnte, ohne Ideengeber Tunay Deniz zu agieren, war vermutlich nicht nur für mich überraschend.
Ein Punkt? Eigentlich zu wenig…
Zum Abschluss meiner Giesinger Gedanken komm ich nun zum Punkt: Wir müssen Spiele gewinnen! So schön es auch ist, weiterhin ungeschlagen zu sein, so unbefriedigend ist es auch, dass man sich immer wieder um den Lohn für seine Mühen bringt und auch diesmal nur einen Zähler auf der Habenseite verbuchen kann.
Der eingeschlagene Weg ist natürlich richtig, das bereits Geleistete kann man gar nicht positiv genug herausstellen – und doch ist man nun an einem Punkt, an dem man bereits zu viele Zähler (unnötig) verschenkt hat und sich selbst in Zugzwang bringt. Verlieren ist aufgrund des Tabellenbildes fast schon verboten, um die Tabellenspitze nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und stellen die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors dar. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.











Ich kann Enttäuschung verstehen. Denn wenn man nicht enttäuscht wäre, wär’s einem vermutlich Wurst, was da auf dem Platz so passiert.
Aber Hätte der Fürther Torwart nicht den einen Ball so irre gehalten, würd heute niemand im Kleinen schon wieder die großen Fehler suchen.
Die Mannschaft kämpft und tut alles. Auf dieser Basis wird sich langfristig Erfolg einstellen. Und da gehört die Phase aktuell genau so dazu. Generalisieren, egal ob ins positive oder negative halt ich für emotional verständlich, aber hoffentlich nicht ausschlaggebend für sportliche Entscheidungen.
Die Fehler gestern lagen in der mangelhaften Chancenauswertung zum einen und in der Tatsache, dass man sich nicht schnell genug auf die geänderte Spielweise und den Elan der Fürther nach der Pause einstellen konnte zum anderen.
Ansonsten gilt nach wie vor das, was Thomas Miller in der Halbzeitpause des letzten Heimspiels gegen Schwaben Augsburg gesagt hat.
Ja, stimmt im Großen und Ganzen, was Du mit Deinen Giesinger Gedanken zum Ausdruck gebracht hast, Stefan.
Ich hatte heute schon unter dem Artikel “1:1 – TSV 1860 lässt bei SpVgg…” meine Ansichten zu unseren (Fan-)Erwartungen gepostet.
Wir haben in Rekordzeit unter schwierigen Bedingungen eine RL-Mannschaft zusammengestellt, die jetzt nicht vollkommen chancenlos gegen teilweise seit Jahren bestehende Teams antreten muss. Darunter einige sog. “Zweitvertetungen”, die sich aus dem jeweiligen Profi-Kader bedienen können, wenn Ihnen danach ist.
Wir sind dahingehend schlecht bestückt, weil keine höherklassige erste Mannschaft besteht. Unsere Erste ist halt “nur” viertklassig.
Stell Dir mal vor, wir hätten nicht so häufig remis gespielt, sondern stattdessen gewonnen?
Was wäre da jetzt für eine Euphorie und – logisch, wir san ja Sechzge – der Aufstieg in die 3. Liga reine Formsache.
Im umgekehrten Fall, wir hätten bereits jetzt schon einige Niederlagen erlitten anstelle der Unentschieden: Zeter und Mordio wäre angesagt. Trainerdiskussion sehr wahrscheinlich.
Also mal schön gechillt bleiben und nicht schon wieder in die immer gleichen Reflexe verfallen. Es gibt keinen Grund den eingeschlagenen Weg zu verlassen und dieses Team muss sich erst finden, bevor daraus etwas Nachhaltiges entstehen kann.
Es muss rechtzeitig vor dem Gegentor gewechselt werden, ein zweiter Kopfball starker Stürmer eingewechselt werden.
Ob man bei eigener Führung einen zweiten, kopfballstarken Stürmer bringen muss, weiß ich jetzt nicht. Aber dass man nach der Pause viel zu passiv agierte, war offensichtlich.