Die Polizeikosten bei Hochrisikospielen werden in Bayern nicht auf die Vereine umgelegt. Das verkündete der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU) am gestrigen Mittwoch in einer Sitzung des bayerischen Landtags. Die Profiklubs im Freistaat, insbesondere die finanziell schwächeren Drittligisten, können also aufatmen. Außerdem kündigte Hermann noch eine Ausweitung des Pilotprojekts Stadionallianzen auf alle Spiele der ersten drei Ligen in Bayern an.

Bayern verzichtet auf Kostenumlage

Nach dem viel beachteten Urteil des Bundesverfassungsgericht zur Praxis der Stadt Bremen, die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen dem Veranstalter in Rechnung zu stellen, ist nun die endgültige Entscheidung gefallen. Obwohl das Höchstgericht eine solche Umlage als rechtmäßig anerkannt hat, wird der Freistaat Bayern nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Schon in den vergangenen Monaten hatte es in dieser Richtung immer wieder Signale seitens der Entscheidungsträger gegeben. Nun hat sich das Kabinett offiziell zu diesem Vorgehen entschlossen. Wie die Münchner Abendzeitung berichtet, war diese Entscheidung den bayerischen Profivereinen schon vor einigen Wochen bei einem Termin im Innenministerium mitgeteilt worden. Eine Rolle in der Entscheidungsfindung soll auch der Umstand gespielt haben, dass die Einstufung von Spielen in die relevante Kategorie fast ausschließlich im Gefährdungspotential durch die jeweiligen Gästefans begründet liegt.

Kosteneinsparungen durch Stadionallianzen

Da die Kosten für Polizeieinsätze beim Fußball trotzdem sinken sollen, werden andere Wege bestritten. Aus diesem Grund wird das Pilotprojekt Stadionallianzen nun für alle Profispiele im Freistaat eingeführt. Die Idee stammt aus Baden-Württemberg und soll dort schon zu Minderausgaben von ca. 2 Mio. Euro geführt haben.

Doch was verbirgt sich hinter diesem Namen? In die Risikobewertung vor den Heimspielen sollen nun auch die Fanprojekte der beteiligten Vereine intensiv eingebunden werden. Diese verfügen aufgrund ihrer Arbeit und Ausbildung über eine bessere Einschätzungsfähigkeit in Bezug auf das Konfliktpotential zwischen den Fanlagern als Polizei und Behörden. Völlig überzogene Polizeiaufmärsche, wie sie besonders in der jüngeren Vergangenheit oft zu beobachten waren, werden so hoffentlich eher wieder zur Ausnahme.

Außerhalb der südlichen Bundesländer wird das Konzept noch in Hessen, Niedersachsen Berlin, Bremen und Sachsen angewendet bzw. erprobt. Im Gegensatz zu BW macht das Beispiel Niedersachsen im Hinblick auf die Maßnahmen bei den letzten großen Derbies leider wenig Hoffnung auf fundamentale Veränderungen.

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Aymen1860

Bin ja selten einer Meinung mit der bayrischen Staatsregierung. Aber hier mal ein großes Lob an Herrn Hermann.

Kraiburger

Vielen Dank auch an die Grünen (insbesondere an Löwenfan Max Deisenhofer) für das Einbringen des Antrags, der nun 1:1 von der CSU-Regierung übernommen und umgesetzt wurde.

Robert von Giesing

Schon komisch, das ganze Land ist im Genderwahn, Toleranz hier und da. Demonstrationen für Demokratie und gegen Ausgrenzung und Fremdenhass und beim Fussball wird gepöpelt, randaliert und und und nur weil die eine andere Vereinsfarbe und Wappen tragen als man selbst.

Last edited 9 Monate zuvor by Robert von Giesing
Kraiburger

Möcht echt nicht wissen, auf was für einem Stammtisch du gestern warst …

Siggi

Wieso? Was hat er denn Schlimmes gesagt? Stand hier nicht auch irgendwo, dass sich nun auch 60er Hooligans zu Schlägereien verabreden? Es ist doch tatsächlich eine seltsame Gesellschaft, in der wir jetzt leben.

Last edited 9 Monate zuvor by Siggi
Stefan Kranzberg

Stand hier nicht auch irgendwo, dass sich nun auch 60er Hooligans zu Schlägereien verabreden?

Was heißt denn “nun”? War das nicht immer schon so?

Posicelli

Dadurch wird es ja nicht besser, nur weil es schon immer so war

Vorstopper

Wer es braucht trifft sich. Kein Grund sich Sorgen zu machen.

Posicelli

Durch Schläge auf den Kopf ist noch keiner schlauer geworden.
Und wenn man es kleinlich sehen will kostet es unser aller Geld.

randpositions_loewe

Was stört es dich wenn sich erwachsene Menschen in Absprache gegenseitig aufs Maul hauen, ohne irgendwelche Unbeteiligte zu behelligen.

Posicelli

Was glaubst Du, wer bezahlt die Behandlung im Krankenhaus, wenn einer dieser Schwachmaten behandelt werden muß?

randpositions_loewe

Die gleiche Krankenkasse, die für irgendwelche „Schwachmaten“ bezahlt, die nicht Skifahren können, aber trotzdem meinen unbedingt den Abfahrtshelden spielen zu müssen.

Posicelli

Und das ist für dich das gleiche?

randpositions_loewe

Bzgl. der Krankenkasse, und dass die Allgemeinheit für selbstverschuldete Verletzungen aufkommt, sehe ich tatsächlich keinen Unterschied.