Wie wir am Donnerstag aus dem Landgericht München I berichtet haben, stand in der dritten Runde Müller gegen die TSV 1860 Geschäftsführungs-GmbH vor allem eine Frage im Zentrum: Reicht das, was 1860 als Pflichtverletzung wertet, wirklich für eine fristlose Kündigung? Mit den zusätzlichen Details der Süddeutschen Zeitung wird das Bild nun klarer – und für die Kündigungsseite unbequemer. Ist Müller gar ein Bauernopfer?

Der “Missbrauch” soll keiner gewesen sein

Der wichtigste Punkt: Laut SZ hat das Gericht den seit Monaten herumgereichten Vorwurf, Müller habe Mittel aus dem Überbrückungsdarlehen 2023 “missbräuchlich” eingesetzt, abgeräumt. Begründung: Im Darlehensvertrag 2023 finde sich keine entsprechende Einschränkung, die diese Interpretation trägt. Wenn das stimmt, fällt das moralisch aufgeladene Kernnarrativ (“zweckwidrig”, “trickreich”, “hinterrücks”) in sich zusammen.

Budget: sichtbar im Anhang – und kein Automatismus “Schaden”

Auch bei der Budgetdiskussion (4,5 Mio. vs. rund 4,9 Mio. Euro) wirkt die Lage nach SZ-Informationen weniger wie eine “Täuschung”, sondern vielmehr wie ein Streit über die Auslegung. Das Gericht soll sinngemäß betont haben: Eine Budgeterhöhung bedeute nicht automatisch einen wirtschaftlichen Nachteil für den Darlehensgeber – und zudem sei die Erhöhung beim Abruf am 11. Juli 2024 im Anhang erkennbar gewesen.

Die 4,5-Mio.-Klausel 2024: Nachträgliche Fixierung mit Zweck?

Besonders brisant wird es beim Blick auf den späteren Darlehensvertrag (Oktober 2024), in dem plötzlich eine 4,5-Mio.-Fixierung ausdrücklich auftaucht. Laut SZ soll das Gericht hierzu einen bemerkenswerten Eindruck geäußert haben: Diese Festlegung habe “offensichtlich” dazu gedient, die Kündigungs- und Abberufungsverpflichtung auszulösen. Müller spricht in diesem Zusammenhang von “Postrationalisierung” – also einer Begründung, die im Nachhinein passend gemacht wird.

Seeböck: HAM-Seite stärker im Spiel als viele wahrhaben wollen

Hinzu kommt eine Aussage, die die Verantwortungslinie verschiebt: Verwaltungsrats-Vize Sebastian Seeböck wird von der SZ so wiedergegeben, dass Pflichtverletzungen oder eine Trennung Müllers weder im Beirat noch im Verwaltungsrat vorab Thema gewesen seien. Stattdessen sei die Kündigung im Zusammenspiel von HAM und deren anwaltlicher Vertretung vorbereitet worden; das damalige Präsidium habe den Schritt dann im Rahmen von 50+1 umgesetzt.  Die SZ benennt das in der Überschrift so: “Ein Investor, der 50 + 1 zieht”

Wenn das Hauptargument wackelt, wackelt die ganze Geschichte

Je mehr der “Missbrauch”-Vorwurf juristisch wegbricht, desto stärker drängt sich eine andere Deutung auf: Müller als Bauernopfer eines Macht- und Einflusskonflikts – nicht als Hauptverursacher eines klaren Fehlverhaltens. Und damit rückt zwangsläufig die Frage nach der Verantwortung in den Vordergrund: Wer hat die Eskalation vorangetrieben, wer hat welche Narrative gesetzt? Und wer nimmt am Ende die Kosten und den Schaden für den Klub in Kauf?

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1860ZELL

Der Grund des Rausschmisses von Müller liegt alleine bei Ismaik.

Während des VR-Wahlkampfes fabulierte Ismaik schon von Personalwechsel. Müller hat HI dann seine Grenzen aufgezeigt und den Spruch mit dem Clown losgelassen. Es war für HI dann eine weitere Demütigung, als er nicht mehr freien Zugriff auf die Räumlichkeiten der KGaA bekam und er eine andere Bleibe für ein Treffen mit seinen Jüngern suchen musste. Da hat Mueller einfach zu wenig Respekt gegenüber Ismaik gezeigt. Mueller hat zu Beginn des Verfahrens angegeben, er habe die finanzielle Situation mit den Darlehen rechtlich prüfen lassen. Er konnte also ganz entspannt die weitere Einfalt von Ismaik abwarten.

Ich beurteile die Situation so, dass Müller in seiner arroganten Art Ismaik vorgeführt hat und der darauf reingefallen ist und jetzt wohl mehr als 400 TEUR wird zahlen müssen.

Drew60

Wie ich mir gedacht habe . Diese seltsamw Zusammenarbeit zwischen Ham und Präsidium war der Bruch zwischen dem Präsidium und VR . Der VR ist seiner Arbeit nachgekommen und hat Reisinger nicht mehr Nominiert für die nächste Wahl .

Jetzt stellt sich die Frage was war der wirkliche Grund warum Mueller gekündigt wurde ?

MalikShabazz

„ Muellers fristlose Demission fiel in eine Phase, in der das damalige e.V.-Präsidium um Robert Reisinger und Karl-Christian Bay von der Investorenseite mit dem Damoklesschwert einer drohenden Insolvenz massiv unter Druck gesetzt wurde – oder sich, je nach Sichtweise, unter Druck setzen ließ.“ Aus dem SZ Artikel

Vorstopper

Das mag alles sein, nur frage ich mich, warum dieser Müller überhaupt eingestellt wurde.

MalikShabazz

Ich kann in der kurzen Zeit, in der er da war, seine Arbeit nicht wirklich beurteilen. Vor allem bei einem Finanz GF braucht es doch eine Zeit, bis Dinge greifen.

Die Präsentation von Müller und Werner hat mich auch nicht überzeugt, vor allem das, wo und wie er Sechzig als „Marke“ verortet hat.

Die fristlose Kündigung hat mich extrem genervt, da sie mich an die Power Arä erinnert hat, als die KGaA dadurch desöfteren vorm Arbeitsgericht krachend verloren hat.