Das AZ-Interview mit Gernot Mang liefert nach der bitteren Last-Minute-Niederlage in Duisburg vor allem eines: keine Abkehr vom eingeschlagenen Kurs. Weder sportlich noch beim Grünwalder Stadion. Im Gegenteil. Der Präsident des TSV 1860 macht deutlich, dass Sechzig trotz des Rückschlags im Aufstiegsrennen weiter an sich glaubt und dass auch der Wechsel im Münchner Rathaus an den Ausbauplänen für das Sechzger nichts ändern soll.

Duisburg schmerzt – aber Mang bleibt bei seiner Linie

Dass die 1:2-Niederlage beim MSV Duisburg Spuren hinterlassen hat, verhehlt Mang nicht. Er spricht von einem Spiel, das Sechzig „nie verlieren darf“, weil die Mannschaft gerade defensiv viel richtig gemacht habe und mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte. Wer das Interview liest, merkt aber schnell: Der Präsident will aus diesem Rückschlag kein Signal der Resignation ableiten.

Damit bleibt Mang bei genau der Haltung, die er zuletzt immer wieder betont hat: nicht klein denken, nicht kleinreden, nicht klein machen. Die Serie ist gerissen, ja. Aber die Grundüberzeugung bleibt bestehen, dass diese Mannschaft auch nach Duisburg noch in der Lage ist, eine starke Schlussphase der Saison zu spielen.

Toto-Pokal: sportlich Nebenschauplatz, wirtschaftlich alles andere als nebensächlich

Besonders klar wird Mang beim Toto-Pokal-Halbfinale in Regensburg. Für ihn ist das Spiel „sehr wichtig für Sechzig“ – und das ist keine Floskel. Denn der Pokal ist eben nicht nur ein Zusatzwettbewerb, sondern der realistischste Weg zurück in den DFB-Pokal.

Das ist sportlich reizvoll, wirtschaftlich aber fast noch bedeutsamer. Zusatzeinnahmen, Aufmerksamkeit, mit etwas Glück ein attraktives Heimspiel-Los. All das kann ein Verein wie der TSV 1860 gut gebrauchen. Dazu kommt der emotionale Faktor. Mang spricht offen davon, dass es „einfach schön“ wäre, endlich wieder einen Titel zu gewinnen. Das dürfte jeder Löwe unterschreiben.

Kein Nachtreten gegen Reiter

Interessant ist der politische Teil des Interviews vor allem deshalb, weil Mang sich sehr bewusst wertschätzend zu Reiter äußert. Obwohl Dieter Reiter als FC-Bayern-Fan vielen Löwen naturgemäß nicht besonders nahestand, vermeidet Mang jede Form von Schadenfreude über dessen Wahlniederlage.

Stattdessen bedankt er sich ausdrücklich für die zuletzt konstruktiven Gespräche. Das ist bemerkenswert, aber folgerichtig. Schließlich war es gerade in den vergangenen Monaten gelungen, Bewegung in die festgefahrene Stadionfrage zu bringen. Unter Reiter wurden die Gespräche mit dem Verein intensiver, die Erbpachtlösung und eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht, deren Ergebnisse im Juni erwartet werden. Genau an diesem Punkt hatten wir gestern bereits angesetzt: Der politische Übergang im Rathaus startet nicht bei Null, sondern auf einer inzwischen deutlich belastbareren Grundlage.

Wechsel im Rathaus: eher Chance als Risiko

Noch spannender ist natürlich die Frage, was der neue Oberbürgermeister Dominik Krause für die Zukunft des Grünwalder Stadions bedeutet. Auch hier bleibt Mang in der AZ klar positiv. Er gratuliert dem neuen Stadtchef, verweist auf dessen Stadionbesuch gegen Aue und zeigt sich zuversichtlich, die Ausbaupläne gemeinsam weiter vorantreiben zu können.

Das deckt sich mit dem, was über Krauses bisherige Position bekannt ist. Als Giesinger hat er mehrfach erkennen lassen, dass für ihn das Grünwalder Stadion zum Viertel gehört und nicht als Störfaktor betrachtet wird. Zugleich hat er im Wahlkampf bewusst keine Luftschlösser gebaut, sondern Gespräche „auf Augenhöhe“ und eine moderne Lösung in Aussicht gestellt.

Die Grundidee bleibt dieselbe: modernisieren, ohne den Charakter zu verlieren

Entscheidend ist dabei, dass Mangs Aussagen im neuen Interview nahtlos an das anschließen, was er bereits vor ein paar Wochen in der AZ gemeinsam mit Verena Dietl formuliert hatte. Damals ging es nicht nur um Zahlen, Machbarkeit und Finanzierung, sondern um das Grundverständnis des Projekts. Das Grünwalder soll eben nicht durch irgendeinen gesichtslosen Neubau ersetzt werden, sondern als Stadion mit Charakter in Giesing erhalten und weiterentwickelt werden.

Dieser Gedanke schwingt auch jetzt wieder mit, wenn Mang von einem CO2-neutralen Stadion spricht und sogar soziale Nutzungen mitbedenkt. Das ist mehr als nur ein bauliches Detail. Es ist der Versuch, das Projekt politisch breiter anschlussfähig zu machen: als modernes Stadtstadion, das sportlich funktioniert, städtebaulich sinnvoll ist und gesellschaftlich einen Mehrwert liefert.

25.000 plus Charakter plus tragfähige Finanzierung

An den inhaltlichen Eckpunkten hat sich ohnehin nichts geändert. Mang hatte zuletzt klar von „mindestens 25.000“ Zuschauern gesprochen und zugleich betont, dass der Umbau nicht über höhere Ticketpreise auf dem Rücken der Fans finanziert werden soll. Auch das ist wichtig, weil sich daran zeigt, wie der Verein das Projekt verkaufen will: nicht als Prestigeobjekt, sondern als wirtschaftlich vernünftige und identitätsstiftende Zukunftslösung für den Profifußball in Giesing.

Die offene Flanke bleibt natürlich die Finanzierung. Aber auch hier gilt: Die entscheidende Phase beginnt erst mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie. Danach wird sich zeigen müssen, wie belastbar die Modelle wirklich sind. Der OB-Wechsel ändert daran wenig. Er verändert eher den Gesprächspartner als die Aufgabenstellung.

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moosham_michA

gut gesprochen, löwenhäuptling!
inhaltlich und strategisch sehr weise.

randpositions_loewe

Oh heiliger Mang gib uns heute. Eines der vielen eigentlich nichtssagenden Interviews unseres Präsidenten ohne nennenswerte Neuigkeiten.

Magic

Klingt alles sehr gut durchdacht.