Dank eines Last-Minute-Treffers von Hobsch setzten sich die Löwen gestern Abend glücklich, aber über 90 Minuten betrachtet verdient, mit 3:1 gegen den TSV Havelse durch. Dabei gab es, wie so oft in den letzten Wochen, gleich mehrere strittige Schiedsrichter-Entscheidungen. Zu einem guten Teil fielen diese zu Gunsten der Löwen aus, wie Schiedsrichter-Experte Babak Rafati auf liga3-online.de analysiert. Der Kicker bewertete die Leistung von Referee Michael Näther mit der Note 4,5.
Freistoß für Havelse und Gelb gegen Verlaat…
… hätte es laut Rafati geben müssen, als Verlaat seinen Gegenspieler Nassim Boujellab im ersten Durchgang an der Strafraumgrenze klar am Bein traf, die wie TV-Bilder belegen. Einen Freistoß gab es nicht. Zur entsprechenden Szene schreibt Rafati:
Boujellab legt sich den Ball an Verlaat vorbei, und dieser kann ihn nur durch Beinstellen stoppen. Das ist ein Foulspiel, und es hätte einen Freistoß sowie eine gelbe Karte gegen Verlaat wegen Unterbindung einer guten Angriffschance geben müssen. Das Vergehen ist knapp außerhalb des Strafraumes (auf der Linie, die am äußeren linken Rand des Halbkreises vor dem Strafraum ist, die sich aber nicht mit der Strafraumlinie kreuzt, daher außerhalb), sodass es dann einen Freistoß hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, das Vergehen aber gar nicht zu ahnden.
Platzverweis gegen Havelse nach Notbremse an Haugen…
… hätte es im ersten Durchgang geben müssen, als Haugen auf dem halblinken Flügel geschickt und von seinem Gegenspieler Plume gelegt wurde. Plume sah dabei Gelb. Rafati ist folgender Meinung:
Plume foult seinen Gegenspieler Haugen und bringt ihn zu Fall. Das ist unstrittig ein Foulspiel. Bei der Frage, ob eine klare Torchance vorliegt oder nicht, ist Folgendes zu berücksichtigen: Auch wenn ein weiterer Verteidiger noch vermeintlich eingreifen kann, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering. Daher liegt eine klare Torchance vor. Bei der Flugrichtung des Balles ist zu beachten, dass wenn Haugen nicht gefoult worden wäre, er nicht so weit von Ball entfernt wäre, wie es nach dem Foulspiel den Anschein macht. Er wäre zügig am Ball und der Ball wäre nicht frei auf den anderen Verteidiger zugerollt. Daher wäre hier die rote Karte vorgeschrieben. Eine Fehlentscheidung, nur die gelbe Karte zu zeigen. Hier muss eine Kommunikation mit dem Assistenten erfolgen, der von der Seite eine optimale Perspektive hat und dadurch besser die Entfernungen der jeweiligen Spieler zum Ball und zum Tor einsehen kann.
Niederlechner hätte vor der Pause Rot sehen müssen…
… als er seinen Gegenspieler Düker auf Höhe der Mittellinie im ersten Durchgang mit gestrecktem Bein oberhalb des Knöchels traf. Dazu schreibt Rafati:
Niederlechner geht mit gestreckten Bein und unkontrolliert mit offener Sohle in den Zweikampf und trifft Düker oberhalb des Knöchels. Das ist ein böses Foulspiel, denn dabei wird die Gesundheitsgefährdung des Gegenspielers billigend in Kauf genommen. Bei diesem Trefferbild ist die Ausgangslage sehr klar. Das ist eine rote Karte. Eine Fehlentscheidung, dieses klare Vergehen nicht zu sehen und entsprechend zu ahnden. Der Grund ist aber offensichtlich. Der Schiedsrichter ist in einer schlechten Position und schaut seitlich auf die Szene. Er fokussiert sich zudem zu sehr auf das Ausweichen, um nicht im Weg zu stehen. Dadurch hat er ein verzerrtes Bild und kann den Vorgang nicht wahrnehmen. Er pfeift sogar verzögert, weil er noch nicht einmal einen Treffer sieht. Er pfeift erst, als er sieht, wie sehr sich Düker am Boden wälzt und womöglich Schmerzen hat.
Ampelkarte gegen Volland war berechtigt…
… auch wenn viel diskutiert wurde, dass der Treffer von Volland beim Platzverweis doch erst erfolgt sei, nachdem der Schiedsrichter bereits abgepfiffen hatte. Stimmt, sagt Rafati, aber…
Erste gelbe Karte: Unabhängig davon, ob der Freistoß vom Schiedsrichter freigegeben war oder nicht, ist es die Angelegenheit des Schiedsrichters, das festzulegen. Wenn ein Spieler dennoch, wie es Volland in dieser Szene tut, derartig zu Werke geht und die Freistoßausführung verhindert, weil er der Meinung ist, dass der Freistoß noch nicht wieder freigegeben wurde, zieht es zwingend die gelbe Karte nach sich. Somit eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, Volland die gelbe Karte zu zeigen.
Zweite gelbe Karte: Auch wenn richtigerweise auf Abseits entschieden wurde, rechtfertigt es nicht danach (auch in der Spielunterbrechung) einen Verstoß zu begehen, der ungeahndet bleibt. In der zeitlichen Abfolge ist spieltechnisch zunächst das erste Vergehen zu ahnden. Somit gibt es Abseits. Danach passiert ein gelbwürdiges Foulspiel, und somit kann das spieltechnisch zwar nicht mehr bestraft werden (also kein Freistoß wegen Foulspiel, sondern zuvor wegen Abseits), aber im Bereich der persönlichen Strafe muss dieses noch geahndet werden. Somit liegt eine richtige Entscheidung vor, Volland, der bereits gelb-verwarnt war, folglich die gelb-rote Karte zu zeigen. Das Ganze dauert nur ein wenig zu lange, sicherlich auch weil der Schiedsrichter etwas überrascht ist.
Schlechte Schiedsrichter-Noten bei Löwenspielen
Es ist nicht das erste Mal, dass Münchens große Lieber in dieser Saison Glück hat bei den Entscheidungen der Schiedsrichter. Ein weniger glückliches Händchen hatte bislang der Schiedsrichter-Einteiler bei der Besetzung der Löwen-Spiele – wenn auch meist zu Gunsten der Löwenspiele.
Dies zeigen die entsprechenden Noten des Kicker: 4,0 – 4,5 – 5,0 – 4,5 – 4,5
Gerade noch ausreichend bis mangelhaft, Versetzung gefährdet würde wohl die Diagnose in einem Schulzeugnis lauten…











wenn man alle umstrittenen szenen zusammennimmt (es gab noch mehr), war der schiri neutral und der sieg war in ordnung, 2x aluminium…
Jedenfalls wurde Havelse nicht wirklich benachteiligt. Für beide Mannschaften jeweils eine rote Karte nicht gegeben. Es gleicht sich also aus.
Bliebe einzig die nicht gegebene Gelbe gegen Verlaat und das ist dann mit Verlaub eher Pipifax. Deren Trainer ist ein schlechter Verlierer und sollte sich eine andere Brille zulegen
Sechzig ist in der Rafatitabelle dreimal bevorteilt und zweimal benachteiligt worden. So viel nimmt sich das nicht. Zudem ist das Ganze recht hypothetisch. Eine einzige Entscheidung, die anders gefällt worden wäre, hätte ab diesem Moment den weiteren Verlauf des Spiels geändert. Wie dann am Ende das jeweilige Spielresultat ausgesehen hätte, weiß niemand. Eine Mannschaft in Überzahl ist keineswegs automatisch am Schluß die Gewinnerin.
Ungeachtet der Bewertung von Rafati, dem Magenta-Moderator und weiteren Kommentatoren, bin ich mir bei der Szene mit Niederlechner nicht so sicher, ob das wirklich glatt rot ist. Niederlechner spielt den Ball, Düker nicht, kommt also einen winzigen Moment zu spät. Gelb hätte es dann für das vehemente Heranrauschen auch getan.
Sorry, aber da widerspreche ich Dir vehement. Das war ein übles Foul, egal, ob er eine Zehntelsekunde früher am Ball war oder nicht. Das rechtfertigt gar nichts. Man kann wirklich von Glück reden, dass der Havelser Spieler nicht eine üble Verletzung davongetragen hat.
Hm, kann man so sehen, aber: der Angriff galt ganz klar dem Ball, den er auch gespielt hat! Danach kam die (sehr harte) Berührung. Daraus zwingend rot? Ich bleib da eher bei der blauen Brille.
Wie seht ihr denn die Szene beim 2:2? Finde es schon etwas grenzwertig, wie der Torschütze seinen Gegenspieler Voet mit zwei ausgestreckten Armen von sich wegschubst um dann natürlich völlig frei im Strafraum zu stehen? Ist das noch normales Zweikampfverhalten?
Hm, Voet hat sich da sehr leicht schubsen lassen und war sowieso nach vorne unterwegs. Für einen Pfiff reicht das eher nicht.