Es war etwa zwanzig nach Neun am gestrigen Sonntag Abend, als ich im Block J der Westkurve stand und ernsthaft darüber nachzudenken begann, wie man insbesondere im heute Abend aufzuzeichnenden sechzger.de-Talk 228 die durch das zweite Heimunentschieden hintereinander (und dann auch noch gegen den Tabellenletzten Havelse) doch ein wenig eingedämmte Euphorie erklären und besprechen sollte. Gerade in unserem Podcast- und Youtube-Format und im Speziellen im Livetalk im Bamboleo Ende Juli haben wir von sechzger.de vor der Saison ja den Mund schon ganz schön voll genommen und eine souveräne Aufstiegssaison angekündigt. Alle Träume schon nach fünf Spielen ausgeträumt? Trotz ungeschlagener Bilanz in der Liga und einem zumindest in der ersten halben Stunde souveränen Auftritt gestern Abend gegen die Niedersachsen plötzlich doch auf dem Boden der Tatsachen angekommen? Darüber machte ich mir meine Gedanken… Und dann kam Patrick (nicht Bernd, aber ob ich diesen immer wiederkehrenden Lapsus nochmal aus mir rausbekomme?) Hobsch und die Euphorie war wieder da… last minute wieder einmal.
Aachen, Stuttgart, Havelse – dreimal last minute
Die drei jüngsten Ligaspiele in dieser Saison haben die Löwen in der buchstäblich allerletzten Minute noch zu ihren Gunsten wenden können. In Aachen fielen in der 89. und der ersten Minute der Nachspielzeit die späten Treffer zum Sieg, gegen Stuttgart war es – lt. kicker.de – die siebte Minute in der overtime, die die erste Niederlage verhinderte. Und gestern die sechste, als Patrick Hobsch richtig stand. Mehr last minute geht nicht. Und selbst in Essen am ersten Spieltag fiel der verdiente Ausgleich relativ spät im Spiel, in der 68 Minute. Lediglich gegen Osnabrück bei der Heimpremiere Anfangs August machten die Löwen schon früh alles klar, führten kurz nach der Pause 3:0 und gewährten diesmal den Gästen einen relativ späten Treffer. Seit dem dritten Spieltag am Tivoli sind Verlaat & Co. die uneingeschränkten Experten für last minute.
Last minute bei den Löwen: Leid oder Genuss?
Da fragt man sich doch: Muss das denn wirklich sein? Müssen unsere Fan-Nerven wirklich jede Woche derartig strapaziert werden? Andererseits bringen es die unterschiedlichen Befragten in unserer seit dieser Saison neuen Rubrik der Stimmen zum Spiel nach solchen Ereignissen häufig auf den Punkt: Diese emotionalen, manchmal dreckigen und durchaus auch oft glücklichen Treffer, die last minute fallen, bringen die Fan-Seele am stärksten in Wallung. Und ist das wiederum nicht eigentlich genau das genau, was wir wollen?
Wo geht die Reise heuer hin?
Last Minute ist ein Begriff, den viele Menschen im Allgemeinen (auch) mit einer sehr kurzfristigen Reisebuchung zu einem dann meist günstigen Preis verbinden. Wir buchen die Punkte, die uns Ende Mai zurück in die zweite Liga befördern sollen offensichtlich auch gerne sehr kurzfristig. Und nachdem so eine Saison ja irgendwie auch wie eine lange Reise daherkommt, passt die Metapher im doppelten Sinne. Wollen wir hoffen, dass unsere weißblaue Reise möglichst erfolgreich weitergeht. Ob last minute oder mit frühzeitiger Buchung der Siege ist mir persönlich eigentlich dann egal.
Nicht aus der Ruhe zu bringen
Faszinierend finde ich es allerdings, zu beobachten, wie sich unsere Mannschaft auch in den Schlussphasen der Spiele nicht aus der Ruhe bringen lässt. Da wird weiterhin kontrolliert und konzentriert der Weg zum gegnerischen Tor gesucht, niemand verfällt in Hektik oder agiert überhastet. Die Aktionen sind geprägt von dem Glauben, den Ball noch über die Linie befördern zu können. Bislang behielt das Team ja auch jeweils recht. Wie echte Schnäppchen-Profis, die genau wissen, wann der richtige Moment ist, last minute zuzuschlagen.
Last Minute nicht immer gleich last minute
Übrigens: Ich habe erst an diesem Wochenende über ein Onlineportal, das last minute Reisen – unter genau dieser Bezeichnung – bewirbt und anbietet, für die Länderspielpause im Oktober einen kleinen Kurzurlaub gebucht. Fast vier Wochen vor Reiseantritt… Gemessen daran, wie unsere Löwen den last minute Begriff in dieser Saison leben, ist das allerdings eher eine weit vorausschauende langfristige Planung, oder?
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Wir sind jetz das Leverkusen 2024 in Liga 3.
Die hatten aufm Weg zum.Titel auch nicht jeden Spieltag die Top-Performance aber dafür eben den Kampfgeist und Willen bis zur letzten Minute.Und genau das is es was zählt am Ende.
Das stimmt schon, dennoch täte man gut daran, die “Auszeiten” schnell zu verkürzen, weil das nicht immer klappen wird, erst in der Nachspielzeit die wichtigen Buden zu machen.
Nach dem 5. Spieltag hatte Leverkusen bereits ein Last-Minute-Tor zum Ausgleich auswärts gegen den FCB (damals 1. TP) in der AA geholt. Die Löwen erzielten diese hingegen gegen Kellerkinder (Havelse 20., Aachen 16., Stuttgart 14., davon zwei im GWS. Auch wenn die Punkteausbeute etwas anderes suggeriert, Stand heute ist der Beweis noch nicht erbracht, dass 60 die Heimschwäche des letzten Jahren gänzlich überwunden hat. Für mich gibt es keine Gründe, jetzt schon vom Aufstieg zu träumen. Trotz der Zugänge der Bundesligastars sind die Leistungen doch eher mau und unbeständig.
Da bin ich dieses Mal voll bei Dir. Mir macht die spielerische Entwicklung insgesamt eher Sorgen. Es wird nicht jedes Wochenende ein Last-Minute-Tor fallen. Wir sollten lieber schauen, dass wir unsere merkwürdigen Auszeiten auf dem Platz abstellen. Sich nur weiter auf das Glück zu verlassen, wäre keine gute Idee. Auch wenn ich die Zielstrebigkeit und den Kampfgeist natürlich honoriere.
Sorgen?
Nein!
Wer geglaubt hat, dass wir unsere Spiele locker gewinnen werden, hat sich nur von ein paar Namen blenden lassen. Andere können auch gut kicken und dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann, ist eine Binsenweisheit.
Nur wenn ein Spiel glücklich verläuft, kann man mal überlegen gewinnen. Ansonsten wird hart um jeden Meter gekämpft und i.d.R. entscheidet dann die Summe der Kleinigkeiten, wer nach Schlusspfiff jubeln darf.
Die Saison wird noch lang und hart. Wir sollten uns darauf einstellen, dass es keine leichten Siege geben wird.
Falsche Wortwahl!
Hier wird nix SUGGERIERT, die Punkte sind Real!
Von Aufstieg hat hier auch keiner gesprochen aber das in der Mannschaft Biss und Wille steckt kann man auch an so späten Toren erkennen. Niemals Aufgeben, das ist auch ein Unterschied zur letzten Saison unter Gianakis.