Die Reform der Regionalliga ist nach wie vor nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Das Kompassmodell gewinnt bei immer mehr Vereinen an Zustimmung. BFV-Präsident Christoph Kern hält allerdings weiterhin am Erhalt der eigenständigen Regionalliga Bayern fest – und nimmt auf einmal die 3. Liga in die Verantwortung.
Kompassmodell findet immer mehr Befürworter
Das Kompassmodell sieht künftig vier Regionalligen vor. Die derzeit rund 90 Vereine würden dabei nach geografischer Nähe auf die neuen Staffeln verteilt. Mithilfe von KI soll anhand der kürzesten Fahrtstrecken jährlich eine möglichst sinnvolle Einteilung vorgenommen werden. Dadurch könnten die Zusammensetzungen der Ligen von Saison zu Saison leicht variieren.
Neben Fans und Vereinen aus dem Osten, bei denen die Unterstützung seit jeher hoch ist, machen sich nun auch immer mehr Vereine im BFV für das Kompassmodell stark: Felix Magath, Sportvorstand von Viktoria Aschaffenburg, bezeichnete das Kompassmodell als „guten und sicher richtigen Ansatz“. Auch die SpVgg Bayreuth soll sich eine Zuordnung zur neuen Ost-Staffel vorstellen können. Die Oldschdod erhofft sich so mehr Einnahmen durch höhere Zuschauerzahlen.
In Bayern wächst der Druck – während der BFV querschießt
Damit gerät ausgerechnet der Bayerische Fußballverband zunehmend unter Druck. BFV-Präsident Christoph Kern hält aber augenscheinlich stur am Erhalt der Regionalliga Bayern fest. Dafür spricht auch, dass der BFV im Frühjahr, nachdem man sich in der AG Regionalligareform eigentlich schon auf zwei Modelle geeinigt hatte, eigene Überlegungen ins Spiel gebracht und ein sogenanntes Zwei-Phasen-Modell vorgeschlagen hat. Dabei sollten die fünf Regionalligen zunächst bestehen bleiben, und im Laufe der Saison die oberen Tabellenhälften in vier Aufstiegsstaffeln zusammengeführt werden. Ein Querschuss, der bei anderen Landesverbänden und der Aufstiegsinitiative für Unmut sorgte.
Anschließend fand sich bei einer, von weiteren Störfeuern begleiteten, bundesweiten Abstimmung Ende Juni keine Mehrheit für eine Umsetzung der Reform. Nach einer kurzfristigen Änderung der Abstimmungsregeln bekamen einzelne Regionalverbände de facto ein Vetorecht, welches dazu führte dass das Kompassmodell trotz einer absoluten Mehrheit unter den Vereinen von den Verbänden aus Bayern und Südwest verhindert werden konnte.
Christoph Kern: “Nicht bereit, die Regionalliga Bayern einfach so aufzugeben.”
Gegenüber der AZ lässt BFV-Präsident Kern verlauten: “Wir haben unsere Vereine schon mehrfach zusammengeholt, aber bei uns hat keines der Modelle eine überzeugende Mehrheit gefunden. Entsprechend bin ich nicht bereit, die Regionalliga Bayern einfach so aufzugeben.” Proteste gegen die aktuelle Regelung hält Kern dabei ebenfalls für den falschen Weg.
Stattdessen bringt er erneut einen anderen Lösungsansatz ins Spiel. „Kurzfristig ist eine Lösung meiner Meinung nach nur über die 3. Liga zu finden“, sagte er der AZ. Eine Lösung über die 3. Liga wäre höchstwahrscheinlich nur über eine Aufstockung auf 22 Teams und 5 Absteiger zu realisieren. Ein Vorschlag, der jedoch von der 3. Liga bereits vor ein paar Wochen abgeschmettert wurde. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: „Die 20 Clubs der 3. Liga weisen im Zuge der geplanten Regionalliga-Reform nochmals darauf hin, dass die 3. Liga mit der Einführung eines vierten Abstiegsplatzes bereits 2018 ihren Beitrag zu einem Lösungsprozess geleistet hat. Dieser Schritt bedeutete erhebliche sportliche Konsequenzen für die Drittligisten sowie eine erschwerte Planbarkeit und erfolgte in dem Vertrauen, dass im Gegenzug auf Ebene der Regionalligen eine tragfähige Reform umgesetzt wird. Eine entsprechende Gegenleistung ist jedoch bis heute ausgeblieben.“
Streit um Macht und Interessen
Der Konflikt beschränkt sich natürlich nicht nur auf Bayern. Vor allem Vereine und Funktionäre aus dem Osten verlieren zunehmend die Geduld mit den Regionalverbandspräsidenten Christoph Kern (Bayern), Stephan Schaffert (Nord) und Peter Frymuth (West).
Besonders deutlich wurde das zuletzt bei Daniel Meyer, Sportdirektor des Halleschen FC. Er warf den Verantwortlichen vor, es gehe „nur um Macht und persönliche Interessen“, sprach von einem „Boykott von innen“ und einem „fatalen Zeichen“ für den deutschen Fußball.
Auch die DFB-Spitze soll weiterhin hinter dem Kompassmodell stehen.
Drei Wege zur Reform
Trotz der bisherigen Blockade ist die Regionalligareform noch lange nicht vom Tisch. Der NOFV hat dafür einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt:
Zunächst sollen sich die Regionalverbände ohne Beteiligung des DFB noch einmal zusammensetzen und über das Kompassmodell sowie weitere Reformvarianten beraten. Parallel soll DFB-Präsident Bernd Neuendorf das Gespräch mit den Verbandschefs suchen und zwischen den Parteien vermitteln.
Sollte auch dieser Versuch scheitern, will der NOFV einen Antrag auf Einführung des Kompassmodells bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag stellen. Dieser müsste innerhalb von neun Wochen einberufen werden. Nach den derzeitigen Stimmenverhältnissen wäre dort sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit für das Kompassmodell möglich – vorausgesetzt, die Verbände aus West und Nord orientieren sich am Votum ihrer Vereine.
Rot-Weiss-Erfurt Chef Franz Gerber, prominenter Verfechter einer Reform und des Kompassmodells, gibt sich kämpferisch: „Es kann passieren, dass wir Stufe drei benötigen. Keinesfalls werden wir aufgeben – und das steht felsenfest.“











Na hoffentlich kommt bei der Verweigerungshaltung des BFV niemand beim DFB und den anderen Verbänden auf die Idee die RL Bayern vom Aufstieg in die 3. Liga auszuschließen.
So wäre das “Problem” doch schnell gelöst, nur noch 4 direkte Aufsteiger und in Bayern bleibt man unter sich.
Achtung: Sarkasmus aus…
Der BFV-Präsident behauptet doch, dass es in Bayern keine Mehrheit für das Kompassmodell gäbe, ist das so. Alle an einen Tisch und die Vereine sollen abstimmen. Diese Relegation (wie eigentlich jede Form von Relegation) ist zu tiefst unsportlich und muss schnellstens abgeschafft werden.
Auch wenn uns das jetzt selbst schaden würde, soll die 3. Liga bitte den 4. Abstiegsplatz abschaffen. Damit könnte man den Druck auf die Landesverbände deutlich erhöhen und eine schnelle Lösung wäre realistischer.
Ich persönlich wäre Grundsätzlich für das Kompassmodell, allerdings macht mir der Einsatz von KI dabei große Sorgen. Hoffentlich kommt es dabei noch zu einem Umdenken.
Die 3 liga sollte in 2 staffeln aufgeteilt werden mit jeweils 14 vereinen. Ohne 2te mannschaften. Viele traditionsklubs würden profitieren. 4 staffeln regionalliga
Das ist ja ein absoluter Schmarrn. In welcher Welt soll eine aufgeteilte Liga mit 26 Spieltagen für Sponsoren interessant sein?
Wie immer und überall, ob EU-Parlament oder hier beim DFB, ist ein Vetorecht der Tod einer Demokratie und ein sicheres Kriterium dafür, dass nichts vorwärts gehen kann. Eine 2/3-Mehrheit bildet i.d.R. immer eine ausreichende Mehrheit ab, ohne dass Querulanten verhindern können, dass sie mit ihrem Dickkopf notwendige Reformen aus Eigennutz blockieren dürfen.
Wie ist hierzu die Meinung des TSV? Weiß man das?
Die Löwen sind bereits letztes Jahr der Initiative Aufstiegsreform 2025 beigetreten, die das ganze Thema Regionalligareform überhaupt erst wieder auf die Karte gebracht hat.
Es ist also davon auszugehen das der Verein die Reform weiterhin unterstützt.
Hinter Einer Reform grundsätzlich stehen sie…vielleicht ja. Aber hinter welchem Modell genau?
Konkret: steht der Verein TSV 1860 ebenfalls hinter dem Kompassmodell, so wie z.B.Bayreuth und Aschaffenburg?