Die Ausgangslage scheint derzeit klar: Fußballspiele mit Fans im Stadion sind für die meisten unvorstellbar – der einzige Spielbetrieb der unter großen Anstrengungen möglich scheint, sind die sog. „Geisterspiele“ – also Spiele, die ohne Zuschauer stattfinden. Die Vereine und Verbände wünschen sich diese Größtenteils – nicht zuletzt wegen der Sponsoring-Einnahmen, ohne die viele Vereine vermutlich Pleite gehen würden. Alleine schon deswegen wird man versuchen, die Geisterspiele mit aller Macht durchzuführen. Aber ist das auch für die Fans ein wünschenswertes Szenario? Wir beleuchten Pro & Contra und bitten euch um eure Meinung.

Pro:

Das größte Pro: Die Wettbewerbe würden ausgespielt werden, ;Meister,  Auf- und Absteiger sowie evtl. Europa-Cup-Teilnehmer würden sportlich ermittelt werden. Zudem würden wohl die meisten Sponsoren-Verträge erfüllt, TV-Gelder würden fließen. Das würde vielen Vereinen das überleben sichern – das wollen natürlich auch die Fans.

Zudem argumentiert man damit, dass die Spieltage den Fans ein Stück Normalität in Corona-Zeiten zurückgeben würden: Man würde sich wieder über Fußball anstatt über Virologen und die Ausgangssperre Gedanken machen – Ablenkung schadet in diesen Zeiten sicherlich nicht.

Contra:

Der Aufwand auch für Geisterspiele wäre enorm: Ausnahmegenehmigungen in allen Bundesländern und Städten wären erforderlich, Mannschaften, Betreuer, Schiedsrichter etc. müssten vermutlich über Wochen von der Außenwelt in Hotels abgeschirmt werden, um eine Infektion und Verbreitung zu verhindern. Viele innerdeutschen Flüge wurden gestrichen, zudem ist jeder Flug, jede Reise wegen den vielen Kontakten ein Infektionsrisiko. Die Bayern auswärts im Bus in den Ruhrpott? Schwer vorstellbar.

Der sportliche Wettbewerb wäre nicht mehr gegeben: Dass die Atmosphäre bei Heimspielen ein entscheidender Faktor sein kann, will niemand ernsthaft bestreiten – es gibt dazu ja auch Statistiken. Wenn also der BvB bei Schalke in der Arena vor Zuschauern spielen musste bzw. durfte (und über ein 0:0 nicht hinaus kam), dann ist es einfach ein Nachteil wenn das Rückspiel im Westfalenstadion ohne Zuschauer stattfinden soll.

Geisterspiele waren bis jetzt ja eine Strafe für ein Fehlverhalten – die Atmosphäre bei ihnen ist gruselig. Ist es ein Stück „Normalität“, wenn man anstatt im Stadion seiner Mannschaft zuzujubeln dies auf einmal alleine vor dem Fernseher machen „darf“ und dann die leeren Ränge im Stadion und Null Atmosphäre sieht?

Die rund halbe Million Zuschauer die an jedem Spieltag im Stadion mitfiebert, wird das anders sehen. Die vielen Millionen, die sich die Spiele normalerweise in der Kneipe oder in einer größeren Gruppe daheim vor dem Fernseher ansieht, wird das vermutlich auch anders sehen.

Stell Dir vor Dein Verein wird Meister und Du „darfst“ das alleine daheim vor dem Fernseher feiern. Oder Deinem Verein fehlt im entscheidenden Spiel am letzten Spieltag gegen den Abstieg daheim die Unterstützung des Publikums. Ist das die Normalität, die uns die Geisterspiele zurück geben sollen?

Wenn es dazu dient, dass mein Verein überleben kann – dann akzeptier ich die Geisterspiele natürlich. Aber den sportlichen Gedanken oder das „Erlebnis Spieltag“ für Fans, egal ob im Stadion oder in der Kneipe führen diese Ad absurdum.

Was ist eure Meinung zu Geisterspielen?

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