Grundsätzlich bin ich Fan des TSV 1860 – und kein Fan davon, einzelne Spieler besonders hervorzuheben: Der Star ist die Mannschaft – das gilt immer und besonders in dieser Saison. Auch bei unserem Kapitän – Sascha Mölders – gilt dies: Ohne eine funktionierende Mannschaft wäre auch der Kapitän auf verlorenem Posten – das gilt auf einem Schiff ebenso wie bei einer Fußballmannschaft.

Was der Löwen-Kapitän aber insbesondere in dieser Saison leistet, ist dann doch ein paar extra lobende Zeilen wert – wobei das, was mir positiv aufgefallen ist schon deutlich früher losging:

Zur Rückrunde 2015/16 auf Leihbasis vom FC Augsburg gekommen, wechselte er in der folgenden Saison fest zu unserem TSV 1860 – um mit einer Mannschaft mit Aufstiegsambitionen schlussendlich abzusteigen. Jeder Löwenfan erinnert sich noch an die Szenen nach dem Abstieg gegen Regensburg in der Allianzarena – Sascha Mölders schrieb die Löwenfans am nächsten Tag direkt auf Facebook an:

“Ich kann jeden verstehen der uns beschimpft, bespuckt oder sonst was. Ich bin auch Fußballfan und stand früher auch in der Kurve und habe die Spieler beschimpft wenn sie so eine Scheisse gespielt haben wie wir zur Zeit. Mir tun die Fans unendlich Leid und kann die Reaktionen gestern zum Teil verstehen. Das hat sich ja nicht nur kurz angestaut, sondern über einen langen Zeitraum. Die opfern Ihre Zeit und ihr Geld und geben das Letzte Hemd für den Verein. Und ich bin mir nicht sicher ob jeder das letzte Hemd zurück gegeben hat.

Ja ich bin kein guter Fußballer, aber rennen und kämpfen kann man immer!!! Muss man immer. Ich wurde dahergehend auch oft beleidigt dass ich zu schlecht bin. Kann nur kämpfen und kein Fußball spielen. Aber mir kann niemand absprechen dass ich nicht alles gegeben habe.

Niemand weiß wie es hier weiter geht. Fakt ist, ich habe keinen Vertrag mehr bei 1860 München und möchte mich deswegen von Euch verabschieden und Danke sagen für die 1,5 Jahre wo ich größtenteils wahnsinnig unterstützt wurde.” 

Aber Sascha Mölders überlegte es sich anders: Er wollte bei den Löwen beim Projekt Wiederaufstieg mithelfen – und so kickte er auf einmal anstatt in der 1. Bundesliga wie noch zwei Jahre zuvor in der vierten Liga – 19 Tore in dieser Liga waren für den Wiederaufstieg wichtig, noch wichtiger waren seine drei Tore in den beiden Aufstiegsspielen gegen den 1. FC Saarbrücken.

Die Löwen und Sascha Mölders spielten wieder in der dritten Liga. Nach zwei Spielzeiten dort sollte jedoch Schluss sein – im Herbst 2019 verkündete Mölders sein Karriereende.

Dann kam Corona – ein Sascha Mölders in Topform hatte offensichtlich keine Lust seine Karriere in einem leeren Stadion zu beenden und hängte noch einmal ein Jahr dran – natürlich bei den Löwen, obwohl es mehrere Angebote gab:

„Ich musste mich zwischen Geld und Liebe entscheiden. Und hier bin ich!“

– verkündete Mölders nach der Vertragsunterzeichnung.

Zum Glück für die Löwen: Nicht nur dass er mit 12 Toren in 17 Spielen in denen er fast komplett durchspielte die Torschützenliste der dritten Liga anführt – auch als Kapitän ist er enorm wichtig: Wenn er den jungen Lorenz Knöferl nach seinem Debüt in den Arm nimmt und ihm Mut zuspricht. Oder wie erst am Freitag gegen Wehen Wiesbaden gesehen, als er sich nach seinem Anschlusstreffer zum 1:2 umgehend den Ball schnappte, zum Mittelkreis spurtete und seine Mitspieler noch einmal heiß machte – kurz darauf fiel der 2:2 Ausgleich.

Wenige Tage zuvor hatte er noch via Magenta verkündet, was den TSV 1860 seiner Meinung nach ausmacht und damit vielen 1860-Fans aus dem Herzen gesprochen:

Sechzig München passt nicht in eine Fußball-Arena. Das ist einfach so. Wenn du in dem Tunnel stehst, bevor du auf den Rasen kommst, das riecht nach Fußball. Fußball ist nicht Schickimicki und so. Fußball ist: Stehplatz, Bier in der Hand, Bratwurst, Mannschaft anfeuern, nach Schweiß stinken und die Mannschaft versucht, das zurückzugeben. Und genau das ist Sechzig München.“

Sascha Mölders ist ein Glücksfall für den TSV 1860. Nach dem Spiel in Kaiserslautern sagte er schon im Fernsehen, dass im Sommer nicht Schluss sein wird – gegenüber seinem ehemaligen Trainer Rudi Bommer wurde er noch deutlicher:

„Er wolle gerne nochmal ein Jahr 2. Liga spielen”.

Hoffentlich mit den Löwen.

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