Das geklaute Tor beim letzten Heimspiel des TSV 1860 München gegen den FC Energie Cottbus sorgte zuletzt deutschlandweit für Diskussionen. Schiedsrichter Felix Bickel entschuldigte sich bereits während des Spiels bei den Löwen für seine Fehlentscheidung, die aufgrund des 5:1-Heimsiegs am Ende keine Bedeutung hatte. Linienrichter Marco Scharf hatte angegeben, eine Werbebande habe ihm den Blick versperrt – dafür gibt es aber eigentlich vor dem Spiel Netz- und Spielfeld-Kontrollen der Unparteiischen.

Dr. Werner: “Krasse Fehlentscheidung”

Nachdem der Ball von Kozuki gut einen Meter über der Linie war, ohne dass es die Schiedsrichter erkannten, sprach 1860-Geschäftsführer Dr. Christian Werner von einer “krassen Fehlentscheidung”, nahm aber Bickel zugleich in Schutz. “Der Unparteiische ist uns gegenüber sehr transparent und selbstkritisch mit der Situation umgegangen. Felix Bickel hat sich noch während des Spiels für die Fehlentscheidung entschuldigt”, sagte Werner gegenüber liga3-online.de.

VAR light als Lösung

Um solche krassen Fehlentscheidungen zukünftig zu verhindern, brachte Dr. Werner zudem den VAR light ins Spiel. Auch wenn man mit den vorhandenen Bildern von MagentaSport sicherlich nicht alle Szenen zu hundert Prozent auflösen könne, wäre es eine Möglichkeit ohne Mehrkosten mit den vorhandenen Mitteln die Fehler zu reduzieren. Die Schiedsrichter könnten sich die vorhandenen TV-Bilder der Telekom am Spielfeldrand ansehen und ihre Entscheidungen auf dem Rasen überprüfen. “Wir verfügen über die nötigen technischen Hilfsmittel – wir könnten den Schiedsrichtern damit bessere Möglichkeiten bieten, um einen fairen Wettkampf zu gewährleisten. Der DFB muss sich im Interesse aller Beteiligten diesem Thema annehmen und einen Weg finden, die Häufung der Fehlentscheidungen zu minimieren”, sagte Werner.

Über 200 Fehler in der dritten  Liga

Babak Rafati analysiert jede Woche für liga3online.de die Schiedsrichter-Entscheidungen der Drittligaspiele. Über 200 Fehlentscheidungen kamen dabei in dieser Saison bereits zum Vorschein. Den Königsweg, wie man dem entgegenwirken kann, gibt es sicherlich nicht. Aber vielleicht ist der VAR light ja ein Ansatz, wenigstens die Anzahl der groben Fehlentscheidungen zu minimieren – beim (Nicht-) Tor von Kozuki hätte diese Möglichkeit sicher zu einer anderen Entscheidung geführt. Nun ist der DFB gefordert, einen gangbaren Weg für alle Drittligisten und die Schiedsrichter zu finden, denn so kann es in der neuen Saison schlichtweg nicht weitergehen…

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Esperanza

Ein Problem ist sicher, dass die 3. Liga als Ausbildungs- und Durchgangsstation für Unparteiische betrachtet wird, die auf die ganz großen Weihen als Bundesligaschiris hoffen. Das führt zu einem unguten hypernervösen Verhalten auf dem Platz, das psychologisch erklärbar ist. Kompensiert wird es mitunter durch auffällige Arroganz.

Der Verbandsproporz hat außerdem zur Folge, dass nicht die Besten dabei sind, sondern jeder Landesverband automatisch entsendet, auch wenn er grad gar keine fachlich geeigneten Kandidaten hat.

Last edited 11 Monate zuvor by Esperanza
Siggi

Man darf nicht den Fehler begehen, dieses Tor einfach aufzuaddieren. In unserem Fall also ein 6:1 anzunehmen. Solche Situationen können den Spielverlauf dermaßen verändern, dass zum Beispiel nach einem gegebenen 1:0 von Kozuki am Ende Cottbus 1:2 gewinnt. Man kann nun argumentieren, dass unsere Sechzger dermaßen gut drauf waren, dass sie sowieso gewonnen hätten. Vielleicht waren sie aber nur deswegen so stark unterwegs, weil es diese Fehlentscheidung gab. Wer weiß das schon?
Die mehr als 200 Fehlentscheigungen, die Rafati festgestellt haben will, sind dessen fachliche Einschätzung in der Nachbetrachtung, aber nichtsdestotrotz subjektiv. Wenn man seine Bewertungen liest, merkt man, dass es nicht immer so eindeutig war. Auch Videobilder zeigen nicht immer alles so genau und auch die Zeitlupe zeigt so manches verzerrt.