Wer den Fußball und speziell den TSV 1860 liebt, der freut sich auf jedes neue Spiel der Löwen und muss sich nicht für bestimmte Partien besonders motivieren, indem er dem medialen Hype Folge leistet, bei dem jedes Spiel gegen ein Team aus dem gleichen Bundesland als „Derby“ angepriesen wird. Insofern freuen wir uns – kaum ist das Prestigeduell gegen die kleinen Roten fertig verdaut – einfach auf den nächsten Auftritt unseres Teams gegen die SpVgg Unterhaching heute Nachmittag um 14 Uhr im Sechzgerstadion. Soweit das in Geisterspielzeiten möglich ist.

Es handelt sich also – aus der Perspektive des Verfassers dieser Zeilen – auch heute nicht um ein „Derby“, aber durchaus um ein besonderes Spiel mit viel Tradition und Geschichte. Seit den frühen 1980ern duellieren sich die Löwen mit den Vorstädtern in Pflichtspielen und es waren einige denkwürdige Schlachten dabei. So z.B. am 30. November 1988 als – wie damals üblich – auch das Heimspiel der Hachinger auf Giesings Höhen ausgetragen wurde, die Löwen 1:2 unterlagen, damit nach 20 Spieltagen sieben (Minus-)Punkte Rückstand auf den Tabellenführer hatten und sich die Wut der Fans auf Schiedsrichter und Gegner in Gewalt entlud. Wenig später brachte die Abendzeitung die Strafmaßnahme „3 Geister-Spiele im Sechziger-Stadion“ mit genau dieser reißerischen Überschrift ins Gespräch, wozu es damals allerdings nicht kam.

Zum ersten Duell zwischen dem damaligen B-Klassisten Unterhaching und den Löwen kam es in einem Freundschaftsspiel zum 50jährigen Jubiläum der SpVgg am 12. Januar 1975, das der Zweitligist mit 5:0 für sich entschied. Präsident in Unterhaching war übrigens kurz zuvor ein gewisser Engelbert Kupka geworden. Zu dieser Zeit begann der Aufstieg des Vereins, der ja um die Jahrtausendwende sogar mit einer zweijährigen Bundesligazugehörigkeit gekrönt wurde.

Wer sich für die Historie und die Statistik rund um die Spiele gegen die im Fan-Volksmund auch nur als „Bobfahrer“ Bezeichneten beschäftigt, sollte erneut nicht den Onlineauftritt des kicker Sportmagazins konsultieren. Hier werden – wie schon gegen die kleinen Roten – die Bayernligajahre einfach ignoriert. Inklusive eines Pokalspiels standen die heutigen Kontrahenten bislang in 38 Jahren 30 Mal in Pflichtspielen gegeneinander auf dem Platz.  Die Bilanz ist dabei niederschmetternd für uns Löwen: Acht Siegen (der im DFB-Pokal noch dazu extrem glücklich, in der letzten Minute der Verlängerung realisiert) stehen 13 Pleiten gegenüber.

Ob in 16 Bayernligapartien, sechs Zweitligaduellen oder den vier Treffen in der höchsten Spielklasse: Die rot-blauen Vorstädter lagen uns irgendwie noch nie so recht. In der 3. Liga ist unsere Weste aber noch weiß. Und die beiden Siege im Kalenderjahr 2019, am 1. Dezember im Sportpark bzw. am 12. März in der Heimat gehören durchaus zu den legendäreren Erlebnissen der jüngsten Vergangenheit! Das macht auch Hoffnung für heute.

Obwohl sich die derzeitigen Tabellennachbarn auf Rang neun und zehn mit Punktverlusten in der englischen Woche aus dem Aufstiegsrennen wohl endgültig verabschiedet haben, steht z.B. die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal in der kommenden Saison auf dem Spiel. Platz fünf sollte dafür reichen.

Die laufende Saison lief für Haching ähnlich der vergangenen: Nach starker Hinrunde, die mit seriösen Aufstiegsambitionen (Tabellenführung zwischen dem neunten und dem elften Spieltag) beendet wurde, kam in der Rückrunde der Einbruch. Im letzten Jahr führte er die SpVgg sogar in echte Abstiegsgefahr, heuer war’s tabellarisch zwar nicht ganz so schlimm, aber nur ein einziger Sieg aus den letzten zehn Spielen (und zwar direkt in Spiel eins nach dem Re-Start beim Absteiger Großaspach) hat sämtliche Träume von höheren Aufgaben im Münchner Südosten zunichte gemacht.

Insofern geht es heute für Haching sicher um die Ehre aber eben auch um ein versöhnliches  Saisonfinale. Die Köllner-Elf, die derlei Harmonie beim Gast natürlich zu verhindern hat, wird wahrscheinlich wieder ein wenig anders aussehen, als die Startelf am Mittwoch Abend. Allerdings erteilte der Trainer in der Abschluss-PK einer Aufstellung von verdienten Spielern im Sinne der Dankbarkeit gegenüber ihrem Schaffen bei 1860 eine klare Absage. Rotation ja, aber nur, wenn es geboten ist. Marius Willsch, der sich in der Nacht vor dem Spiel gegen Bayern übergeben und daher dann passen musste wird wohl wieder in die Startelf rücken. Er ist  – neben Sascha Mölders – der Dauerbrenner der Saison: Morgen wird es sein 34. Einsatz im 36. Saisonspiel.

Eine Anekdote aus der Vergangenheit gibt es von einem Spiel gegen Unterhaching noch zu erzählen. Die hat allerdings nicht wirklich viel mit den Vorstädtern zu tun: Es begab sich nämlich im Mai 2017, als die SpVgg als frisch gebackener Aufsteiger in die 3. Liga bei den Löwen-Amateuren zum letzten Saisonspiel der Regionalliga Bayern antrat. An diesem Abend fanden sich rund 3.000 Löwenfans im Sechzgerstadion ein und zum ersten Mal wurde ein Fangesang einem breiteren Publikum präsentiert, der in der Folge eine Kontroverse beim TSV 1860 auslöste. Bis zum heutigen Anpfiff darf der geneigte Leser nun darüber nachdenken, um welchen Gesang es sich handelt.
😉

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