Die Blicke im Löwenumfeld beginnen sich voller Vorfreude auf Sonntag zu richten. Vor dem Derby gegen die Zweitvertretung aus der Seitenstraße spricht Vitus Eicher über seine Verbundenheit zum TSV 1860 München, die Rückkehr ins Tor der Löwen und die besondere Rivalität innerhalb der Landeshauptstadt. Für Vitus Eicher schließt sich mit dieser Saison zurück zwischen den Pfosten des Löwentors ein Kreis. Mit zehn Jahren kam der Torhüter zum TSV 1860 München, arbeitete sich durch die Jugendmannschaften und schaffte schließlich auch den Sprung zu den Profis.

Nach achteinhalb Jahren beim 1. FC Heidenheim kehrte er im Sommer an seine alte Wirkungsstätte zurück. Eigentlich war seine aktive Karriere zu diesem Zeitpunkt bereits beendet – Eicher sollte als Torwarttrainer kommen, um die nächsten Schritte zu gehen –, doch die besondere Situation im Sommer führte zum Comeback. Im Interview mit dem kicker blickt Eicher auf seine Zeit bei Sechzig zurück und spricht über das bevorstehende Derby.

Der Weg zurück nach Hause

Beim TSV 1860 München durfte Eicher seine ersten Schritte im Herrenfußball machen und zum ersten Mal Profiluft in der 2. Bundesliga schnuppern. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm sein Profidebüt in Frankfurt vor ausverkauftem Haus. Ins kalte Wasser geworfen, durfte Eicher zum Schlusspfiff einen 2:0-Sieg feiern. Ein weiteres Erlebnis, das er zu seinen prägendsten zählt, ist das Relegationsspiel gegen Holstein Kiel.

“Wenn man im Stadion war, vergisst man die Stimmung nicht”

Die Atmosphäre sei für ihn ein bisschen surreal gewesen. Für seine Leistung in diesem damals alles entscheidenden Spiel, wurde Eicher zum Spieler des Spiels gewählt.

Nach seinem Wechsel nach Heidenheim im Januar 2017 schien dieses Kapitel zunächst abgeschlossen. Im Sommer 2025 endete dort allerdings seine aktive Karriere. Eicher wollte dem Fußball jedoch erhalten bleiben und sollte zukünftig bei 1860 als Torwarttrainer arbeiten.

Durch die außergewöhnlichen Umstände des vergangenen Sommers eröffnete sich ihm jedoch eine andere Möglichkeit: Weil die Löwen zunächst nur wenige Spieler unter Vertrag hatten, wurde er gefragt, ob er sich ein schnelles Comeback vorstellen könne. Eicher nahm sich eine Nacht Bedenkzeit, was allerdings nicht heißt, dass die Entscheidung halbherzig ausfiel.

“Wenn, dann mache ich es richtig”

Er ordnete den restlichen Alltag dem Sport unter, um möglichst schnell wieder auf das körperlich erforderliche Niveau zurückzukommen.

Dass er nun ausgerechnet bei seinem Herzensverein wieder zwischen den Pfosten steht, macht die Rückkehr für ihn besonders. Eine gewisse Romantik gehöre dazu, räumt Eicher ein. Vor allem aber habe er noch einmal richtig Lust auf die Aufgabe gehabt und wolle dem Verein in seiner schwierigen Lage helfen.

Auch gegen die zweite Mannschaft ein besonderes Spiel

Diese Verbundenheit zu Sechzig prägt auch Eichers Blick auf das anstehende Spiel gegen die Zweitvertretung der unliebsamen Nachbarn. Schon während seiner eigenen Zeit in der U21 waren die Duelle besondere Höhepunkte. Es waren Spiele, auf die man sich als Nachwuchsspieler freute, nicht zuletzt, weil sich das Grünwalder Stadion zu diesen besonders gut füllte und Fans beider Lager für eine besondere Kulisse sorgten.

Für Eicher ist es die Rivalität zweier Vereine innerhalb einer Stadt. Während die Bayern längst ein Global Player sind, verbinden wahre Münchner eine besondere Nähe zu den Löwen.

“Die wahren Münchner sind ganz viele Löwen”

Es ist ein Selbstverständnis, das er bei Sechzig wahrnimmt. Dass der TSV selbst in der Regionalliga eine solche Aufmerksamkeit erfahre, zeige, welchen Stellenwert der Verein weiterhin habe. Entsprechend besonders seien die Aufeinandertreffen auch.

Gleichzeitig macht Eicher keinen Hehl daraus, dass das Duell mit der zweiten Mannschaft nicht mit den früheren Derbys gegen die Profis vergleichbar ist. Wer diese Spiele erlebt habe, wisse, dass es nicht dasselbe sei. Trotzdem sei die Partie etwas Besonderes.

Druck auf den Löwen

Dass die Fans dem Derby entgegenfiebern, ist auch bei der Mannschaft angekommen. Spätestens nach dem späten Heimsieg über Bayreuth, habe man an der Kurve gemerkt, worauf sich der Fokus in den kommenden Wochen richte. Die Gesänge ließen keinen Zweifel daran, welche Bedeutung die Begegnung für die Anhängerschaft hat.

Für die neu zusammengestellte Mannschaft gelte es allerdings weiterhin, von Spiel zu Spiel zu denken und die nötigen Punkte zu holen. Auch im Derby gehe es zunächst um drei Zähler. Eicher weiß aber, dass die Partie für die Anhänger einen höheren Stellenwert besitzt.

Auf die Frage, ob Sechzig mehr Druck habe als der Stadtrivale, antwortet Eicher schnell und unmissverständlich:

“Der Druck liegt schon bei uns”

Daran gebe es für ihn keinen Zweifel. Dass der sportliche Erfolg des Vereins über einem einzelnen Spiel stehe, sei zwar klar, dennoch würde Eicher nur zu gerne mit einem Erfolgserlebnis aus dem Duell gehen.

Auf einen konkreten Ergebnistipp will er sich nicht festlegen. Als Torhüter wäre ihm ein Spiel ohne Gegentor am liebsten – entscheidend sei am Ende aber vor allem der Sieg.

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1 Kommentar
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1860ZELL

Passt zwar nicht zum Thema, aber was das nächste Ziel sein sollte:

“Die dritte Liga ist „Fußball pur“, sagt der DFB. Da ist was dran”

https://www.sueddeutsche.de/sport/3-liga-zuschauer-beliebtheit-kommentar-li.3564526