Auch bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist der TSV 1860 München vertreten. Die Fahne mit dem Löwen drauf hält natürlich Skilöwe Linus Straßer hoch, der bereits zum dritten Mal an Olympischen Spielen teilnimmt. Über seine bisherigen Erfahrungen bei Olympia und seine Erwartung an die Spiele im Großraum Mailand sprach Straßer mit der Süddeutschen Zeitung.
“Das Erlebnis dahinter war wenig emotional”
Im ersten Teil des ausführlichen Interviews geht es um Straßers bisherige Erfahrungen bei den Winterspielen von Pyeongchang (Südkorea, 2018) und Peking (China, 2022). Dabei gibt Straßer detailliert Auskunft über die Emotionalität der beiden olympischen Rennen im Vergleich zu den Weltcup-Klassikern in Kitzbühel, Wengen, Adelboden oder Schladming. “Wir hatten bei den Olympischen Spielen zum Beispiel zweimal diesen riesigen Zielbereich, aber keine Zuschauer, keine Kulisse, nur eine Totenstille. Und dann heißt es: Okay, derjenige ist jetzt Olympiasieger. Aber das Erlebnis dahinter war wenig emotional.” Die Stimmung bei den genannten Klassikern sei dagegen das “Nonplusultra”. Straßer vermisste auch bei seinen bisherigen Olympiateilnahmen die olympische Atmosphäre. Die Skifahrer seien immer etwas abseits in den Bergen in Hotels untergebracht und eine Art Olympiafeeling wie Straßer es in einem Olympischen Dorf vermutet, käme da nicht auf. Auch dieses Mal sind die alpinen Herren in Bormio unter sich. Die Damen sind in Cortina d’Ampezzo. Die restlichen Sportler weit über den italienischen Alpenraum verteilt bei diesen Spielen der weiten Wege.
Bronzemedaille von Saalbach bedeutet Straßer mehr als olympische Silbermedaille
Straßer sieht seine Bronzemedaile der Ski-WM 2025 in Sallbach-Hinterglemm als seinen größten sportlichen Erfolg an. Diese habe für ihn “einen höheren Stellenwert” als die Mixed-Team-Silbermedaille von 2022, die er gemeinsam mit Emma Aicher, Julian Rauchfuss, Lena Dürr und Alexander Schmid gewann. “Als Skisportler zählt eine Einzelmedaille noch mal mehr”, betont Straßer. Außerdem sei die Atmosphäre bei der WM in Saalbach einfach einzigartig gewesen. Die Arena im Zielbereich “hatte den Charakter eines Fußballturniers.” Und das Treiben im WM-Ort sei mit “einer Stadt, in der am Abend ein großes Champions-League-Spiel stattfindet” vergleichbar gewesen. “Man sieht Heimfans, Auswärtsfans, alle leben in Erwartung dieses großen Ereignisses. Das geht nur an den Orten, an denen der Sport so gelebt wird wie hier bei uns.” Offenbar war das in Pyeongchang und Peking nicht der Fall.
“Ich fahre hin, um eine Medaille zu gewinnen”
Straßer reist nach Bormio, “um eine Medaille zu gewinnen.” Der mittlerweile 33-Jährige möchte in Norditalien endlich seine erste olympische Einzelmedaile holen. Es ist vielleicht seine letzte Chance. Zu viel Druck möchte sich Straßer vor seinem Start bei den olympischen Spielen nicht machen: “Solange man dort mit einem Ergebnisdruck ankommt und das Gefühl hat, die Ehre des DSV verteidigen zu müssen, kann man aus meiner Sicht weder eine WM noch Olympia richtig genießen.” Dankbar ist Straßer dem DSV, legt aber im gleichem Atemzug wert daruf, dass Skifahren eben ein Individualsport ist. “Meine Karriere wäre nie so verlaufen ohne die Unterstützung, die ich dort erhalten habe. Aber in erster Linie fahre ich um Medaillen und Pokale für mich.”
Favoriten kommen aus Norwegen und Frankreich
Zu den Favoriten dür den Olympia-Slalom zählt Straßer die drei Norweger Atle Lie McGrath, Timon Haugan und Henrik Kristoffersen sowie Clement Noel aus Frankreich, der sich 2022 die Goldmedaille sicherte. Aus Straßers Sicht fast ein gewisser Nachteil: “Die müssen, der Rest kann.” Den Slalomhang in Bormio hat Straßer noch gar nicht befahren. Dabei handelt es sich um den wenig steilen Zielhang der Abfahrtstrecke Stelvio. “Irgendjemand hat letztens von einer Skiwiese gesprochen, aber ich schaue es mir vor Ort einfach in Ruhe an und lasse das auf mich zukommen”, gibt Straßer sein Motto für die Spiele von 2026 aus.
Sechzger.de wünscht Linus viel Glück und wir hoffen, dass er mit einer Olympiamedaille für den TSV 1860 München aus Italien zurückkehrt.
Bildquelle: TSV 1860 München e.V.










