Seit dem Jahr 1998 wird der bayerische Landespokal (wieder) regelmäßig jährlich ausgetragen, nachdem es in den 1940er und 50er-Jahren schon vergleichbare Ansätze für einen regionalen Pokalwettbewerbs gegeben hatte. Seit dem Neustart kurz vor der Jahrtausendwende ist der Sieger für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal qualifiziert. Bis ins Jahr 2007 durften auch Zweitvertretungen der Proficlubs an diesem, damals den Amateuren vorbehaltenen Wettbewerb teilnehmen, so auch die Amas des TSV 1860. Im aktuellen Modus mit 64 Teilnehmern – analog zum DFB-Pokal – und unter dem Namen Totopokal wird nun seit 2009 gespielt. Die Profis der Löwen nehmen seit dem Doppelabstieg im Sommer 2017 jährlich teil. Wir blicken hier zurück auf acht zurückliegende Spielrunden, an denen Sechzig beteiligt war. Und wir können vorwegnehmen: Bis auf ein einziges Mal endete das Unterfangen jeweils wenig erfreulich.

Zuletzt dreimal Aus im Viertelfinale

Nur einmal, nämlich im Corona-Spätsommer 2020 konnte 1860 den Pokal holen, zweimal war im Halbfinale Schluss, einmal in einer – wieder wegen Corona eingefügten – Zwischenrunde vor dem Viertelfinale. In der weiß-blauen Premierensaison 17/18 und zuletzt dreimal hintereinander war bereits im Viertelfinale Endstation. Diese Hürde haben die Löwen heuer immerhin schon mal überwunden!

Gewolltes Ausscheiden 2018

Als man am Ostermontag 2018 in Bayreuth gegen den stark abstiegsbedrohten Regionalliga Bayern-Konkurrenten SpVgg Bayreuth mit 1:2 den Kürzeren zog und damit im Viertelfinale ausschied, waren die mitgereisten Löwenfans durchaus ein wenig enttäuscht. Allerdings stellte sich dieses Scheitern – mit einer B-Elf – im Nachhinein als geschickter Schachzug von Coach Daniel Bierofka heraus. Die RL-Meisterschaft und dadurch realisierte Qualifikation für den großen DFB-Pokal war in jenem Jahr sowieso eine Pflichtaufgabe, die zu diesem Zeitpunkt auch absolut realistisch erschien. So ersparte Biero mit einem quasi beabsichtigten Totopokal-Aus seinem Team ein Landespokalfinale kurz vor den wichtigen Relegationsspielen um die Rückkehr in die 3. Liga gegen den 1. FC Saarbrücken Ende Mai. Die Saarländer selbst mussten nur wenige Tage vor dem Duell mit den Löwen noch ihr Pokalfinale gegen Elversberg spielen. Sicher kein Wettbewerbsvorteil. Im Sommer zuvor hatte 1860 übrigens den VfR Neuburg, den TSV Dorfen und Ligakonkurrent FC Unterföhring aus dem Cup gekegelt.

Stimmungsvolles Pokalduell im April 2018 im Bayreuther Hans-Walter-Wild-Stadion

Keine DFB-Pokal-Teilnahme nach über 25 Jahren

Gut ein Jahr später hieß der Trainer weiterhin Daniel Bierofka und im Halbfinale war bei Viktoria Aschaffenburg Schluss (2:3). Vorher hatte man sich gegen den SV Dornach, den FC Ergolding, den FC Memmingen und den TSV Buchbach souverän durchgesetzt. Das Ausscheiden in Unterfranken fiel dann in ein Phase, in der der zuvor schon sicher geglaubte Klassenerhalt in der 3. Liga nach einer Horror-Serie von fünf Niederlagen am Stück plötzlich ins Wanken geriet. Vielleicht war es also erneut richtig, sich voll und ganz auf den Ligabetrieb zu konzentrieren und den Totopokal abzuschenken. Aber nur vielleicht. Denn das Ergebnis dieses Scheiterns am Schönbusch war, dass 1860 in der Folgesaison erstmals seit der Spielzeit 1993/94 nicht mit im bundesweiten Cup-Wettbewerb dabei war. Daran mussten sich die Fans erstmal gewöhnen.

Sieg und DFB-Pokal gegen Frankfurt

In der nächsten Spielzeit gelang dem TSV 1860 der große Wurf im bayerischen Landespokal! Nach längerer Unterbrechung des Fußballbetriebs wegen der Corona-Pandemie fand das Finale gegen die Würzburger Kickers erst am 5. September im leeren Sechzgerstadion statt. Auf dem Weg ins Endspiel hatten die Löwen nach Siegen bei der FT Schweinfurt, dem TV Aiglsbach, dem TSV 1865 Dachau (im Elfmeterschießen!) im Herbst 2019 – noch vor frenetischen Zuschauern – die SpVgg Unterhaching erneut im Elfmeterschießen eliminert. Das Halbfinale beim FC Memmingen wurde nicht ausgetragen, sondern 1860 zog kampflos ins Finale ein. Hier benötigte man dann schon wieder die Entscheidung vom Punkt, bei der die Löwen letztlich mit 4:1 die Oberhand behielten. Die 1. Runde im DFB-Pokal fand übrigens nur eine Woche später statt. Vor ebenfalls leeren Rängen auf Giesings Höhen unterlag 1860 knapp dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Spezieller Modus 2020/21

Ebenfalls von Corona geprägt verlief der Totopokal-Wettbewerb in der Spielzeit 2020/21. Die Ansetzungen der verschiedenen Runden und der Einfluss örtlicher Gesundheitsbehörden auf den Wettbewerb kann hier nochmal nachgeschlagen werden. Die vier bayerischen Drittligisten (1860, Ingolstadt, Unterhaching und Türkgücü) griffen erst im Frühjahr 2021 in den Wettbewerb ein und begegneten sich Ende März 2021 in einer Zwischenrunde, die als Halbfinale im (natürlich leeren) Sechzgerstadion ausgetrugen wurde. Die beiden Münchner Vereine setzten sich jeweils durch und im “Finale” unterlagen die Löwen dann Türkgücü, was Ex-1860-Torwart Michael Hofmann zu euphorischen Veitstänzen animierte. Den Pokal holte Türkgücü dann Ende Juni in Illertissen, qualifizierte sich so für den DFB-Pokal und schied in der späteren ersten Runde vor 2.800 Zuschauern auf Giesings Höhen gegen Union Berlin aus. Und die Löwen? Die zogen als Vierter der 3. Liga auch in den Pokal ein und sorgten mit Siegen über Darmstadt 98 und Schalke 04 – endlich wieder vor vollen Rängen – für Furore. Erst im Achtelfinale war dann Schluss. Bei einem Geisterspiel gegen den KSC Anfang 2022.

TSV 1860 Türkgücü Toto-Pokal Grünwalder Stadion 30.03.21
Das übliche Bild während der Corona-Pandemie. Leere Ränge in Giesing.
TSV 1860 Türkgücü Toto-Pokal 0:1
Torjubel bei Türkgücü. Nach dem goldenen Tor gegen 1860.

Halbfinal-Aus in Aubstadt

In der Saison 2021/22 konnte sich 1860 zum dritten Mal in Serie und zum bis heute letzten Mal für den DFB-Pokal qualifizieren. Dies aber erneut über den vierten Rang in der Abschlusstabelle der 3. Liga und nicht über den Totopokal. Immerhin überwinterte man aber, nach Siegen in Birkenfeld, beim BSC Bayreuth, in Burghausen und – mal wieder – in Buchbach im Pokalwettbewerb und erreichte das Halbfinale – wie heuer. Das damalige Aus in Aubstadt Ende März 2022 war allerdings ähnlich bitter, wie das folgende dreimalige frühzeitige Scheitern in den Jahren danach. Nach einem uninspirierten 1:1 in der regulären Spielzeit lieferten die Löwen ein komplett lustloses Elfmeterschießen ab und zogen mit 2:3 verdient den Kürzeren.

In der Heimstadt der SpVgg Bayreuth empfing der BSC Bayreuth in der 2. Runde die Löwen
Erfolgreiches Elfmeterschießen. Die Löwen im Achtelfinale in Burghausen
Endstation Elfmeterschießen. Die Löwen scheitern im Halbfinale in Aubstadt

Dreimal Enttäuschung im Viertelfinale

Über das Abschneiden der Löwen im Totopokal in den folgenden drei Spielzeiten sollte man dann – zur Schonung des Nervenkostüms – eigentlich den Mantel des Schweigens hüllen. Wir versuchen, es kurz zu machen. Unter drei verschiedenen Übungsleitern war jeweils bereits im Herbst Endstadion. Und aufgrund der Lage in der 3. Liga war – zumindest in den letzten beiden Spielzeiten – zu diesem Zeitpunkt eigentlich auch schon klar, dass die – nicht nur finanziell – so lukrative Qualifikation für den DFB-Pokal für die Folgesaison kein Thema sein würde.

Illertissen…

Im September 2022, als Michael Köllner noch das Zepter an der Seitenlinie schwang und beim Regionalligisten in Illertissen das Aus kam, lag 1860 in der Liga immerhin noch auf einem aussichtsreichen zweiten Tabellenplatz. Dass man sich am Saisonende sechs Plätze dahinter wiederfand und die DFB-Pokal-Quali deutlich verpasste, ahnte zu jenem Zeitpunkt allerdings noch keiner. Im Totopokal hatte man sich zuvor gegen den SV Rödelmaier, TuS Feuchtwangen und Türkgücü München durchgesetzt.

Im Regen von Illertissen scheitert 1860 im Viertelfinale des Totopokals 22/23

Pipinsried…

Maurizio Jacobacci heißt der Trainer, den man mit dem Viertelfinal-Aus gegen den Bayernligisten FC Pipinsried unweigerlich verbindet. Im Sommer hatte man sich noch in Stockheim, Aindling und Hain durchsetzen können. An einem tristen November-Nachmittag scheiterten die Löwen dann jedoch an genau dem Ort, an dem fünfeinhalb Jahre zuvor noch die umjubelte Meisterschaft in der Regionalliga Bayern eingetütet worden war. Inklusive tausender Löwenfans auf der legendären Naturtribüne, mit Platzsturm und fröhlichen Feierlichkeiten. Wesentlich schönere Erinnerungen an Ppinsried.

Jubel bei den Gastgebern: Pipinsried besiegt die Löwen im Viertelfinale des Totopokals 23/24.

…und Haching

In der vergangenen Saison schließlich kam nach Erfolgen in Kasendorf (18:0!), Thalhofen (10:0!) und Memmingen die SpVgg Unterhaching, Ligakonkurrent, aber bereits auf sehr sicherem Weg in Richtung Abstieg –  in der 3. Liga seit Monaten sieglos – ins Sechzgerstadion. Rene Vollath erwischte einen schwarzen Tag im Tor und die Löwen schieden nach einer indiskutablen Leistung mit 1:3 aus. Für Löwendompteur Argirius Giannikis war dann zwei Monate später Feierabend an der Grünwalder Straße. Wenig tröstlich, dass im März dann wenigstens das Heimspiel in der Liga gegen die Vorstädter unter Trainer Patrick Glöckner gewonnen werden konnte. Für eine DFB-Pokalqualifikation reichte es zum dritten Mal in Serie nicht.

Das Abschneiden der Löwen im Totopokal im Überblick:

2017/18   Viertelfinale   SpVgg Bayreuth – 1860 2:1
2018/19   Halbfinale   Viktoria Aschaffenburg – 1860 3:2
2019/20   SIEG   1860 – Würzburger Kickers  5:2 n.E.
2020/21   Zwischenrunde   1860 – Türkgücü München 0:1
2021/22   Halbfinale   TSV Aubstadt – 1860 4:3 n.E.
2022/23   Viertelfinale   FV Illertissen – 1860 1:0
2023/24   Viertelfinale   FC Pipinsried – 1860 1:0
2024/25   Viertelfinale   1860 – SpVgg Unterhaching 1:3

 

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