Ein brennendes Banner beim Auswärtsspiel des TSV 1860 München in Schweinfurt führt die Gefahren unkontrolliert gezündeter Pyrotechnik schonungslos vor Augen. Statt immer höherer Geldstrafen bedarf es im deutschen Fußball einer ehrlichen Debatte über kontrolliertes Abbrennen. Ist es Zeit für einen Paradigmenwechsel? Ein Blick nach Skandinavien zeigt, dass es auch anders geht.

Die Fehler im System: ein gescheiterter Status Quo

Es sollte ein stimmungsvoller Support werden, endete jedoch in vereinsinternem Ärger und einer gefährlichen Situation: Beim Auswärtsspiel des TSV 1860 München beim 1. FC Schweinfurt 05 fing durch unachtsames Hantieren mit Bengalos die große “Mein Verein für alle Zeit”-Zaunfahne Feuer. Dieser Vorfall illustriert den Kern eines ungelösten Problems im deutschen Fußball. Die Kriminalisierung von Pyrotechnik verhindert deren Einsatz nicht – sie schafft vielmehr erst die Rahmenbedingungen, die ihn unberechenbar und gefährlich machen.

Seit Jahrzehnten verfolgen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine strikte Null-Toleranz-Politik. Begleitet wird diese von scharfen Einlasskontrollen, Stadionverboten und immensen Geldstrafen für die Vereine. Doch die empirische Realität in den deutschen und europäischen Fankurven sprechen eine gänzlich andere Sprache. Pyrotechnik ist aus der Ultrakultur nicht wegzudenken und wird trotz aller Sanktionen an jedem Wochenende flächendeckend eingesetzt.

Die drastischen DFB-Strafen, die sich in den Profiligen schnell auf fünf- bis sechsstellige Beträge summieren, verfehlen ihren präventiven Zweck dabei vollständig. Sie füllen primär die Kassen des Verbandes, stürzen aber insbesondere unterklassige Vereine in empfindliche finanzielle Nöte. Ein Lerneffekt auf Seiten der verursachenden Fans bleibt nachweislich aus; das Zünden wird als Teil der freien Fankultur verstanden und gegen alle Widerstände verteidigt.

Das Risiko der Illegalität: Enge, Hektik und Unachtsamkeit

Das starre Festhalten am Verbot zwingt die aktive Fanszene dazu, Pyrotechnik in dicht gedrängten Blöcken zu entzünden – ohne den nötigen Platz und oft unter großer Hektik, um einer Identifizierung zu entgehen. Genau diese Kombination aus fehlendem Raum und der Illegalität der Aktion führt zu der Unachtsamkeit, die Vorfälle wie den Brand in Schweinfurt maßgeblich begünstigt. Wenn mit über 1.000 Grad heißen Fackeln in der Enge der Kurve hantiert wird, reicht eine kleine Unachtsamkeit, um umstehende Personen oder Material zu gefährden.

Würde das Abbrennen entkriminalisiert und in einen regulierten Rahmen überführt, könnten essenzielle Brandschutzmaßnahmen greifen. Die Gleichung ist simpel: In ausgewiesenen Bereichen ließen sich die nötigen Sicherheitsabstände wahren, sodass Unachtsamkeiten im dichten Gedränge gar nicht erst zu einer Gefahr werden. Löschmittel wie Sandeimer könnten bereitgestellt und sichergestellt werden, dass ausschließlich geschulte und nüchterne Personen agieren.

Der Blick über den Tellerrand: Norwegen liefert den Erfolgsbeweis

Dass ein reguliertes Modell kein utopisches Konstrukt ist, belegt Norwegen mittlerweile eindrucksvoll in der Praxis. Dort startete die Regierung in enger Zusammenarbeit mit Fanverbänden bereits zur Saison 2024/2025 ein offizielles Versuchsprojekt in den ersten beiden Ligen. Die Ergebnisse sind derart positiv, dass das norwegische Justiz- und Kulturministerium die Sondergenehmigung im Frühjahr 2026 offiziell bis zum Ende der Saison 2027 verlängert haben. Die staatliche Evaluierung ergab klar: Die Regelung erfüllt ihren Zweck und reduziert die unkontrollierte, gefährliche Nutzung signifikant.

Dass “legal” hierbei nicht “völlig unreguliert” bedeutet, veranschaulichen die strengen Parameter, unter denen das Zünden in Norwegen abläuft. Sie bilden den exakten Gegenentwurf zum unachtsamen Hantieren im Block:

  • Klare Zonen: Es gibt maximal zwei definierte und ausgeschilderte Bereiche pro Arena. Diese verfügen über gekennzeichnete Fluchtwege und gewährleisten klare Sicherheitsabstände.
  • Strenge Kategorisierung: Es sind ausschließlich zugelassene, handgehaltene Bengalos der Kategorie P1 erlaubt.
  • Personenbezogene Auflagen: Wer zündet, muss über 18 Jahre alt, nüchtern und für den Umgang geschult sein. Zudem ist eine Identifizierbarkeit zwingend erforderlich – Vermummung ist ausgeschlossen.
  • Inklusion und Gesundheitsschutz: Das Abbrennen muss so geschehen, dass Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen (z. B. Asthma) nicht gefährdet oder vom Stadionerlebnis ausgeschlossen werden. Vor jedem Spiel muss zudem proaktiv die Feuerwehr informiert werden.

Bemerkenswert: Der norwegische Fußballverband setzt auf Kooperation statt Eskalation und hat im Zuge dessen sogar die Geldstrafen für das weiterhin verbotene, unkontrollierte Zünden gesenkt.

Auch in Deutschland gab es bereits vielversprechende Ansätze: Im Februar 2020 genehmigten die Behörden und der DFB beim Zweitligaspiel des Hamburger SV gegen den Karlsruher SC erstmals offiziell das kontrollierte Abbrennen von Rauchtöpfen im Stadioninnenraum. Dass die Erkenntnis eines nötigen Paradigmenwechsels allmählich breiteren Rückhalt findet, zeigte zuletzt auch ein Vorstoß der FDP in der Bremer Bürgerschaft, die sich explizit für Pilotprojekte für sichere, legale Pyrotechnik aussprach.

Pragmatismus statt Ideologie

Das Festhalten am Status quo ist angesichts der Faktenlage weder sicherheitstechnisch noch wirtschaftlich zielführend. Das ewige Katz-und-Maus-Spiel zwischen Fans, Vereinen und Verbänden bindet enorme Ressourcen und erhöht die Gefahr in den Kurven durch Enge und Unachtsamkeit, anstatt sie einzudämmen.

Es ist an der Zeit, dass DFB und DFL die ideologischen Gräben verlassen und sich einer pragmatischen Lösung öffnen, wie sie in Skandinavien längst bewiesene Realität ist. Ein legaler, regulierter Rahmen für den Umgang mit Pyrotechnik würde die Gegebenheiten in den Stadien anerkennen, Emotionen respektieren und gleichzeitig das höchste Gut im Fußball schützen: die körperliche Unversehrtheit aller Zuschauer. Der Vorfall in Schweinfurt sollte nicht der Anlass für die nächste unverhältnismäßige Geldstrafe sein, sondern der Startschuss für ein längst überfälliges Umdenken.

Soll 1860 proaktiv vorangehen?

Warum sollte ein Traditionsverein mit einer der größten und lebendigsten Fanszenen des Landes nicht proaktiv den Weg des norwegischen Modells vorschlagen? Die Löwen-Führung könnte den Vorfall von Schweinfurt nutzen, um mit einem klaren Konzept auf den DFB, die lokalen Sicherheitsbehörden und die eigene Fanszene zuzugehen. Das Angebot: Der TSV 1860 München stellt sich ab der kommenden Saison als offizielles Pilotprojekt zur Verfügung.

Nutzt man die verbleibenden Wochen der aktuellen Spielzeit, um sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und strenge, aber legale Rahmenbedingungen zu erarbeiten, ließe sich beweisen, dass passionierte Fankultur und maximale Sicherheit keine Gegensätze sein müssen. Es wäre ein mutiger, aber längst überfälliger Schritt. Wer das Problem der Pyrotechnik wirklich lösen will, darf nicht länger nur reagieren und sanktionieren – er muss aktiv eine sichere Alternative gestalten.

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AckermeisterTSV

Die Ultras über die viele hier so despektierlich schreiben sind JEDES Spiel im und ums Stadion an den selben Orten anzutreffen. Anstelle im Internet den Maulhelden zu spielen, sprecht sie halt mal persönlich an, wenn es euch angeblich so wichtig ist? Nein, aber blöd Daherreden könnt’s am besten!

Kraiburger

Um auch bei 1860 mal ein wenig bei der Wahrheit zum Thema “Kosten für den Verein” zu bleiben:

1860 hat seit der Rückkehr in die dritte Liga insgesamt 441.000 Euro an Geldstrafen bezahlen müssen. Das sind heruntergerechbet pro Spiel und Zuschauer 19 Cent.

Im selben Zeitraum sind die Ticketpreise im Schnitt grob um 17 Euro pro Soiel und Zuschauer hinauf gegangen.

Kann mir doch niemand erzählen, dass die Geldstrafen nicht auf die Eintrittspreise umgelegt werden.

Im Vergleich zu den mittlerweile horrenden Preissteigerungen sind die Geldtrafen sogar Peanits.

Last edited 1 Monat zuvor by Kraiburger
Kraiburger

Könnten wir mal kurz einen Blick auf andere Länder werfen, zB Argentinien? Das Video ist etwa 1 Jahr alt.

RECEBIMENTO INSANO! Festa HISTÓRICA da torcida do River Plate na semifinal da Libertadores! (29/10) – YouTube

Esperanza

Spinnst du? Du kannst doch sowas nicht ohne Triggerwarnung verlinken. Pyro-Gegner könnten nachhaltig traumatisiert werden.

Last edited 1 Monat zuvor by Esperanza
Eurasburger1860

Es ist so gut wie alles schon gesagt, nur nicht von jedem….
So lange der DFB/DFL das Geld mitnehmen kann, werden sie es mitnehmen. Den dortigen Verantwortlichen ist der Euro näher als die vermeintliche Sicherheit.
Die restlichen Erzählungen sind Unfug und vorgeschoben um s.o.

moosham_michA

irgendwas läuft hier verkehrt. wenn ich zum fussball gehe, dann wegen dem geschehen auf dem rasen samt dem erlebnis des gemeinschaftsgefühls (anfeuern, feiern, miteinander leiden).
im kino oder im biergarten brauch ich auch keine pyroshow. und wenn ich feuerwerk sehen möchte, schau ich an sylvester aus dem fenster, fahre zb zum “Kölner Lichter”event oder genieße videos.

gleiswuffi

Kann man überhaupt in einer Subkultur von außen ein (umsetzbares) Regelwerk installieren? Was machen wir, wenn es gebrochen wird? Und machen wir uns nichts vor, es wird gebrochen werden. O.k. ist jetzt meine persönliche Meinung, aber Provokation ist und bleibt ein Teil, ein Stilmittel der Ultrabewegung.

Peter Gratz

In Österreich gab/gibt es an einigen Bundesliga Standorten solche Regelungen. Da darf dann in der ersten Reihe am Zaun gezündet werden. Soweit ich das mitbekommen habe wurde sich dann da die meiste Zeit daran gehalten. Ausnahmen waren Jubiläen, Derbies oder Protestaktionen. Wenn man das ganze nach dem Sicherheitsaspekt beurteilt wurde damit die Anzahl der potentiell sehr gefährlichen Situationen massiv gesenkt. 
Aber natürlich ist es schwierig da alle mit ins Boot zu holen und die Interessen der Veranstalter und Verbände mit denen einer Nonkonformität als Grundeinstellung verstehenden Subkultur in Einklang zu bringen.

tsvkoksa

Siehe Innsbruck zB

Fusel

Fände das norwegische Modell sehr wünschenswert aber das wird der DFB nicht machen.
Die Lachen sich doch ins Fäustchen…
Einerseits lebt die Fankultur und man lobt die deutsche Fanszenen als die besten der Welt und andererseits kassiert man auch noch Geld. Für den DFB eine Win-Win Situation.
Ich muss aber trotzdem nochmal ansprechen, dass ich es einfach nicht verstehen kann wie man es in Kauf nimmt unserem klammen Verein jährlich eine negative sechsstellige Summe in die Bilanz schreiben zu lassen.
Wenn wir wieder mal schwarze Zahlen hätten hab ich ehrlich kein Problem damit – Pyro gehört ins Stadion genau so wie Bier – aber aktuell einfach nicht.

Francis Underwood

Ein guter Artikel, der auch viele Ansatzpunkte und Recherchen enthält. Folgende Schlussfolgerung finde ich jedoch völlig daneben:
” Das starre Festhalten am Verbot zwingt die aktive Fanszene dazu, Pyrotechnik in dicht gedrängten Blöcken zu entzünden – ohne den nötigen Platz und oft unter großer Hektik, um einer Identifizierung zu entgehen. Genau diese Kombination aus fehlendem Raum und der Illegalität der Aktion führt zu der Unachtsamkeit, die Vorfälle wie den Brand in Schweinfurt maßgeblich begünstigt. Wenn mit über 1.000 Grad heißen Fackeln in der Enge der Kurve hantiert wird, reicht eine kleine Unachtsamkeit, um umstehende Personen oder Material zu gefährden.”

Zwingt sie dazu..!? oder die Szene ist dann eben so schlau und brennt dann eben nichts, weniger, besser, etwas anderes oder wie auch immer was ab.
Aber jetzt zu sagen, wäre nicht passiert wenns erlaubt wäre finde ich absolut den falschen Ansatz. Die Fans sollten, wenn sie es schon tun obwohl es verboten ist, Woche für Woche eigentlich zeigen, dass es trotz Abbrennens KEINE gefährlichen Situationen, KEINE Spielunterbrechungen, KEINE Verletzten usw gibt. Sie sollten den Verband eigentlich davon überzeugen, dass sie es können und dass man gemeinsam einen Weg finden könnte. Mit diesen Aktionen (auch wenn ungewollt), dem ständigen weiteren Abbrennen und auch dieser fast schon Täter Opfer Umkehr-Denkweise glaube ich aber, dass der Verband weiter auf Durchzug schalten wird

Posicelli

Ob die Geldstrafen berechtigt sind oder nicht ist doch nur ein Aspekt. Auch wenn die Gefahr für Verbrennungen minimiert werden sollte, es bleibt hochgradig Umweltschädlich und Gesundheitsschädlich.
Die Zeiten ändern sich , ich finde 12 Zylindermotoren sind technische Wunderwerke und trotzdem würde ich mir kein Auto mit so einem Motor kaufen. Die Zeiten sind vorbei.
Pyro setzt Metalloxide frei die hochgiftig sich. Vom Feinstaub braucht man nicht zu sprechen.
Fußball braucht so einen Sch…..
nicht.

Siggi

Einer Lösung wie im Artikel beschrieben, könnte ich sogar als Pyro-Gegner zustimmen.

Linksblau

Sorry, die Zeiten ändern sich und es gibt auch immer mehr Menschen, die aus Gründen des Umweltschutzes an Sylvester auf’s Böllern verzichten. ( Und im Idealfall an Lacher statt Kracher o.ä. spenden).

Ich mag die Pyros auch nicht akzeptieren weil sie Da Kultur gehören – genausowenig wie ewig stehende Autos mit lauter Musik und laufenden Motor (die halten sich oft auch für cool).

Tatsache ist, dass Pyros keine Tore schießt, sondern Geld kostet, dass besser investiert werden könnte.

Dennis M.

Sehe ich auch so. Wenn wir Geld in Unmengen hätten (wie PSG zB), dann würde ich sagen: klar, Pyro ist Teil des Stadionerlebnisses etc… wir haben es nicht und der Sport steht im Vordergrund. Also dann geht’s halt nicht. Zudem ist es verboten. Man kann manche Gesetze/Regeln hinterfragen, es sind aber dennoch Regeln.

Kraiburger

Welchen Betrag müssten wir denn auf dem Konto haben, damit du Pyro geil finden würdest?

Dennis M.

Der Betrag müsste so beziffert sein, dass uns die Pyrostrafen nicht weh tun würden. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Kraiburger

Okay, wenn wir also Geld wie Heu haben, dann ist Pyro cool. Wenn dann aber der DFB die Stafen erhöht, weil sie merken dass sie uns mehr abzwacken können, dann ist Pyro nicht mehr cool? Verstehe ich das richtig?

Ist das wirklich konsequent zu Ende gedacht von dir?

Dennis M.

Der Unterschied der Strafen zwischen Liga 1,2 und 3 sind nicht immens. Der HSV ist Spitzenreiter in Liga 1 mit ca 600.000 Euro an Strafen. Es gibt viele Vereine, die da weit darunter liegen. Wenn die Einkommensseite erheblich mehr ist, dann schmerzt sowas natürlich weniger. 1860 ist Dritter der Strafentabelle der 3. Liga. Wir können es uns einfach nicht leisten.

Stefan Kranzberg

Habt Ihr den Artikel gelesen und verstanden, dass es eben genau darum geht, dass Pyro kontrolliert abgebrannt werden soll und eben nicht mehr zu Geldstrafen führt?

Posicelli

Habt ihr verstanden das es eben nicht nur ums Geld geht?

Dennis M.

Den Vorschlag kann man ja machen, aber momentan ist es verboten und belastet die Vereinskasse. Schwachsinn da jedes Spiel rumzuzündeln, wenn kein Geld da ist. Das leidige Thema nervt aber sowieso. Wird Zeit, dass man mal an Kohle kommt. Immer wie so eine Kirchenmaus da rumpfuschen…

Niederbayernloewe

Ein Kampf gegen Windmühlen…
Ich geb dir vollkommen Recht, solange es verboten ist sollten die Ultras drauf verzichten um einfach den Sport nicht zu schädigen.

Aber das ist ja irgendwo das leidige Thema im Verein – Sportlicher Erfolg vs. Romantik. Die ewigen “Grantler” der Stehhalle vs die besoffenen Ultras in der Kurve. (Überspitzung ;-))

120.000€ im Jahr wäre meines Wissens nach das Gehalt eines guten bis sehr guten 3. Liga Spielers.

Und wir könnten wirklich jeden brauchen!

Ich war auch Jahre Lang mit im Stadion dabei und ich kann verstehen, dass dieses Gegurke viel aushaltbarer ist nach einigen Kaltgetränken in der Kurve hinter Fahnen und mit deinen Jungs im Arm. Man bekommt schlichtweg nicht so viel vom Spiel mit.

Heute muss ich sagen – ich ringe jedes Mal mit mir den Fernseher einzuschalten weil mir Woche für Woche schlecht wird. (ich mach es natürlich trotzdem)

Ich muss ehrlicherweise sagen – und da glaube ich spreche ich für viele andere Löwenfans. Ich hab dieses seelenlose Gemurmel sowas von satt…man möchte einfach mal zumindest halbwegs ansehnlichen Fußball sehen – die Erwartungshaltung ist eh schon so tief.

Also findet man es dann auch im Umkehrschluss nicht so toll, dass die Ultras ein ums andere mal nicht vorhandene Kohle zum Fenster raus zündeln.

Ich denke aber auch hier wird man wie in so vielen Themen nicht auf einen nenner kommen.

Zu sagen die Ultras werden hier zu irgendetwas gezwungen finde ich aber geradezu lächerlich.

kolumbus

Das ist einfach nur eine bodenlose und auch ahnungslose Aussage. Woher bist du dir denn so sicher, dass dir Ultras so besoffen sind?

Und man kann von Pyro halten, was man will, aber eine Sache ist doch vollkommen klar: Die Fans, das Stadionerlebnis und 1860 als Subkultur im Gegensatz zum roten Mainstream sind das einzige, was unseren Verein noch attraktiv für Jugendliche macht.

Und dafür sorgt alleine die organisierte Fanszene, nicht die vielen stimmungsfaulen Bierdimpfeln auf der Gegengerade und schon gar keine Sofa-Gscheidhaferl. Die organisierte Fanszene, die übrigens auch regelmäßig Benefizaktionen macht oder bei der NLZ-Renovierung mit anpackt.

Meinungen können auseinandergehen, aber zeig doch mal den nötigen Respekt, vor dem Herzblut, das da investiert wird.

Versteh mich nicht falsch: jeder kann Spiele anschauen, wo und wie er will. Ich bin selber kein Ultra und da extrem weit weg davon. Aber die Fans, die 1860 den letzten verbliebeben Hauch von Bundesliga geben, für alles verantwortlich zu machen ist billig und dreist.

Dennis M.

Die Ultras könnten dem Verein aber helfen sich der Bundesliga zu nähern, anstatt sich ihr immer weiter zu entfernen. Jede Saison fehlt irgendwas. Nie ist der Kader gut zusammengestellt auf allen Positionen. Dafür sind nicht die Ultras verantwortlich. Sie könnten aber helfen..

daOstl

Frage: Wer hilft dem Verein in der Summe zum erreichen seiner Ziele mehr?

A) Gscheidhaferl die im Internet oder gelegentlich im Stadion vorher und hinterher alles besser gewusst haben, sich aber gering bis gar nicht engagieren für den Verein. Leute, die sich über die Stimmung im Stadion beschweren, selbst aber nichts zur Stimmung beitragen. Leute, die sich über alles mögliche beschweren, selbst aber außer schlaue Tipps was alles falsch läuft und besser gemacht werden soll nichts handfestes zur Verbesserung beitragen. Die braucht’s auch, das ist klar. Sind schließlich auch Fans. Und lieben den Verein. Aber lieben etwas, was wir momentan leider nicht sind: in Liga 2 oder höher. Und weil das das Maß aller Dinge sein soll und der Wunsch nicht erfüllt wird, unter anderem angeblich wegen den paar Euros wegen Pyro wird auf den Ultras rumgehackt. Im ernst? Für 100.000 Euro im Jahr bekommt man einen Mittelmäßigen bis guten 3. Liga Spieler. Der macht keinen Aufstieg aus! Ohne Ultras, siehe Punkt B fehlt weit mehr in Summe!

B) Die Ultras, die mit all ihrem Herzblut in ihrer Freizeit Choreos machen, Spenden für gemeinnützige Projekte sammeln, Aufkleber designen und unter die Leute bringen, daheim und Auswärts für Stimmung sorgen, ihren letzten Euro für 60 geben würden, Affenlaute brüllende “Zuschauer” aus dem Stadion werfen usw. Das alles schafft öffentliche Wahrnehmung, was sich jeder Sponsor wünscht und trägt unter dem Strich zu einem satten plus in der Aussenwirkung bei.

Mal einfach gerechnet: stellen die Ultras sämtliche Aktivitäten ein, also auch Pyro, bleibt ein dickes minus bei 60 stehen. Weniger Zuschauer, weniger Stimmung, die Gegner treten stärker auf im 60 er, haben ein Heimspiel, Kindergärten, Krankenhäuser usw. bekommen keine Spenden mehr von unseren Fans, insgesamt weniger Medienpräsenz, weniger Sponsoreneinnahmen, 60 wird ein weniger attraktiver Verein für Spieler und Funktionäre. Ist es das, was wir wollen? Ich nicht!

MalikShabazz

Es geht in dem Text nicht um ein „Wünschdirwas“ sondern wie man es pragmatisch lösen könnte.

Ein Verbot samt Strafen hat bisher wohl nichts gebracht, oder?

Kraiburger

Das Umweltschutzargument lasse ich gelten, sollte aus genau diesem Grund irgendwann das Böllern an Silvester verboten werden.

Solange aber am 31.12 jeder Typ, der noch nüchtern genug ist um ein Feuerzeug gerade zu halten, böllern darf, solange sehe ich keinen Sinn darin, ein System wie das oben genannte aus Norwegen, in Fußballstadien zu verbieten. Und an Silvester interessieren sich die Besoffenen auch nicht für Umweltschutz.

Linksblau

Mit der Argumentation kannst Du alles rechtfertigen, weil irgendwo gibt es ja immer jemanden ….

Posicelli

Total bescheuertes Argument!
Wenn mein Nachbar seine Frau vermöbelt, kann ich das auch.

Last edited 1 Monat zuvor by Posicelli
Kraiburger

Unterstell mir nicht so eine Behauptung!

Ich schreibe, dass ich es fadenscheinig empfinde, aus Umweltschutzgründen Pyro im Stadion nicht zu legalisieren, während die selbe Debatte beim richtigen Silvester-Böllern nicht geführt wird.

Wenn sie das Silvester-Böllern aus Umweltschutzgründen tatsächlich mal verbieten würden, dann würde ich das Argument auch im Stadion gelten lassen. Aber andersherum funktioniert es einfach nicht. Und mich hier deshalb hinzustellen als würde ich Gewalt gegen Frauen befürworten, geht einfach zu weit!

Posicelli

Den letzten Satz, hab ich so nicht gesagt oder gemeint.
Aber der Vergleich mit Silvester ist völliger Unsinn weil es diese Diskussion eben sehr wohl gibt. Und schon seit Jahren.
Für das Missverständnis entschuldige ich mich.

Linksblau

Du hast aber schon meinen Ausgangspost gelesen: Ich bin gegen Pyros egal ob im Stadion oder an Sylvester, genauso wie gegen “warm laufen lassen” von Verbrennern.

Verhindern kann ich nix davon (da helfen auch die aktuellen Spritpreise nicht), aber den ein oder anderen würd ich schon gerne überzeugen, dass Umweltschutz nicht nur für grüne Spinner ist und dass der Bielflieger in der Nachbarschaft kein Alibi für mein Verhalten ist.