Es ist eine Nachricht, die der Stadiondebatte in Giesing eine völlig neue Dynamik verleihen könnte: Die Landeshauptstadt München hat ihr Konzept für die Olympia-Bewerbung überarbeitet. Wie am Freitagmittag aus dem Rathaus bekannt wurde, ist das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße nun überraschend als Austragungsort für das olympische Fußballturnier vorgesehen. Für den TSV 1860 München und die geplante Stadiongesellschaft könnte sich daraus ein historischer finanzieller Hebel ergeben.
Grünwalder Stadion als Fußball-Spielort geplant
Bei der Vorstellung der angepassten Beschlussvorlage am Freitag präsentierten Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Sportreferent Florian Kraus (Grüne) ein Konzept der “kurzen Wege”. Offenbar auf dezidierten Wunsch des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wurden die Spielstätten neu geordnet.
Die bemerkenswerteste Änderung: Das Grünwalder Stadion, das in früheren Konzepten lediglich für Rugby-Wettbewerbe angedacht war, rückt in den Fokus des olympischen Fußballs. Während die Finals in der Allianz Arena stattfinden sollen, sind ausgewählte Gruppenspiele im Olympiastadion und eben in Giesing geplant. Der Stadtrat wird über dieses Konzept bereits am 20. Mai abstimmen.
Der Zeitplan: München und Deutschland in der Favoritenrolle
Die Vorzeichen für eine erfolgreiche Bewerbung stehen nach Einschätzung von Experten überaus gut – und das auf zwei Ebenen:
- Nationaler Vorentscheid: München gilt als klarer Favorit für die deutsche Bewerbung. Die Entscheidung des DOSB soll im Herbst dieses Jahres fallen. OB Krause äußerte bereits die Hoffnung, zur Wiesn-Zeit nicht nur mit dem Ministerpräsidenten anzustoßen, sondern den Zuschlag feiern zu können.
- Internationale Vergabe (IOC): Auch im globalen Rennen um die Sommerspiele 2036 (oder 2040) hat Deutschland derzeit sehr gute Karten. Der Grund: Das IOC setzt zunehmend auf Nachhaltigkeit und bereits existierende Infrastruktur. Viele internationale Mitbewerber könnten bis 2036 ihre geplanten Sportstätten und Verkehrskonzepte nicht rechtzeitig realisieren. Die endgültige Vergabe durch das IOC könnte im Laufe des nächsten Jahres erfolgen.
Was das für den Stadionausbau und den TSV 1860 bedeutet
Wie heute ebenfalls durch die Abendzeitung bekannt wurde, hat die Stadt München jüngst den zeitlichen Druck aus der geplanten Sanierung des Grünwalder Stadions genommen. Was auf den ersten Blick wie eine Verzögerungstaktik wirken könnte, ergibt im Kontext der Olympia-Bewerbung nun großen strategischen Sinn.
Sollte das Grünwalder Stadion tatsächlich zur olympischen Spielstätte werden, ändert sich die Finanzierungsarchitektur für den Ausbau fundamental. Die geplante Modernisierung und die angestrebte Erbpachtlösung (wir berichteten) bekämen eine völlig neue Grundlage:
- Fördergelder des Bundes: Olympische Sportstätten werden massiv durch Bundesmittel und teilweise auch durch das Land bezuschusst. Ein “ligatauglicher Ausbau”, wie ihn der neue Koalitionsvertrag vorsieht, ließe sich somit exzellent mit den Anforderungen an ein olympisches Fußballstadion synchronisieren.
- Finanzielle Entlastung der Stadiongesellschaft: Für den TSV 1860 München, der den Ausbau künftig über eine eigene Stadiongesellschaft (Erbpacht) stemmen will, wäre dies ein enormer Vorteil. Die Kreditsummen, die der Verein oder private Investoren aufbringen müssten, würden durch staatliche Zuschüsse für die Olympia-Ertüchtigung deutlich sinken.
- Politischer Rückenwind: Infrastrukturprojekte, die an das Prädikat “Olympia” geknüpft sind, genießen in der Regel oberste Priorität in den Genehmigungsverfahren und bei der Bereitstellung öffentlicher Mittel für das Umfeld (Verkehrsanbindung, Sicherheit).
Eine einmalige strategische Chance
Die heutige Ankündigung ist ein starkes Signal. Wenn die laufende Machbarkeitsstudie in wenigen Wochen die baulichen Obergrenzen für das Grünwalder Stadion definiert, können diese direkt mit den Anforderungen eines olympischen Turniers abgeglichen werden.
Für die Vereinsführung des TSV 1860 München bedeutet dies: Die Gründung einer Stadiongesellschaft ist wichtiger denn je, um als strukturierter Partner der Stadt bereit zu stehen, wenn es um die Verteilung möglicher Förder-Millionen aus Berlin geht. München bringt sich in Position für Olympia – und Giesing könnte auf Jahrzehnte hinaus davon profitieren.
Bild: CR-Fotos











Es tut mir leid, aber der Artikel erinnert mich zu sehr an eine löwentypische Euphorie aller “…nächstes Jahr steigen wir auf und kaufen einen Brasilianer…”.
Bis es tatsächlich zum Zuschlag für Deutschland und München für die Ausrichtung von Olympischen Sommerspielen kommt sind noch sehr viele und sehr große Hürden zu nehmen. Wenn man es dann tatsächlich geschafft haben sollte, ist eine Fertigstellung des Ausbaus des Grünwalders frühestens im Sommer 2035 oder gar erst 2039 möglich. Vorher wird es nicht möglich sein, weil es keine verbindliche Entscheidung und keinen Fluss an Geldmitteln geben wird.
Und wer würde dann noch mit Engagement und großen finanziellen Mitteln den Umbau finanzieren, sollte sich das IOC doch anders entscheiden (in einigen Jahren)?
Das Ding ist doch: Vor 2028 oder 2029 rollen auf Giesings Höhen sowieso keine Bagger an. Während der Bauphase müssen wir ja zwingend ins Olympiastadion ausweichen – aber das wird bekanntlich gerade selbst noch bis 2027/2028 generalsaniert und ist für den Spielbetrieb nicht verfügbar.
Wir „warten“ also gar nicht auf das IOC, sondern sind sowieso an den Zeitplan vom Olympiastadion gebunden. Wenn die Olympia-Vergabe dann 2027 über die Bühne geht, passt das zeitlich sogar wie die Faust aufs Auge: Dann hätten wir genau rechtzeitig zum Baustart die fixen Förderzusagen und Zuschüsse in der Tasche. Im besten Fall gibt uns Olympia also einfach den ultimativen finanziellen Rückenwind für den Umbau!
Puh..mich stimmen diese Meldungen so was von positiv. Da krieg ich fast schon Milcheinschuß und gleichzeitig läuft mir Testosteron den Rücken runter durch die Ritze.
Wenn das alles so läuft, wie es zur Zeit durchgedacht und zukünftig praktikabel durchsetzbar geplant wird, dann, ja dann haben wir eine Heimat „für alle Zeit“. Fuck, wird das geil werden!