Wie wir bereits in unserer detaillierten Analyse beleuchtet haben (siehe: Welche Folgen hat der Zwangsabstieg?), steht seit Kurzem endgültig fest: die vierte Liga ruft. Der TSV 1860 München muss in die Regionalliga absteigen. Nachdem die vom DFB geforderte finanzielle Lücke von 2,7 Millionen Euro nicht rechtzeitig bis zum Stichtag am Mittwoch um 17 Uhr geschlossen werden konnte, wurde den Löwen die Drittliga-Lizenz verweigert.
Nun hat die Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA in einem umfassenden Frage-und-Antwort-Katalog Stellung zu den dramatischen Entwicklungen der vergangenen Wochen bezogen. Dabei wird deutlich: Die KGaA wehrt sich vehement gegen das Vorgehen der Investorenseite und bereitet juristische Schritte vor.

Darlehenskündigung kam ohne Vorwarnung

Ausgangspunkt der aktuellen Insolvenzgefahr und des Lizenz-Verlusts war eine überraschende Kündigung bestehender Darlehen. Diese erfolgte durch Mitgesellschafter Hasan Ismaik (HAM International). Laut Angaben der KGaA erfolgte dieser Schritt am 21. Mai. Lediglich 13 Tage vor Ablauf der Frist für das Zulassungsverfahren – „ohne jegliche Vorwarnung und Vorverhandlung“. Zeitgleich sei ein umfangreicher Forderungskatalog an die KGaA und den e.V. übergeben worden.
Die KGaA betont in ihrer Mitteilung, dass eine plötzliche Finanzierungslücke zuvor faktisch nicht existiert habe. Die Finanzplanung für die kommenden Spielzeiten sei im Aufsichtsrat – in dem die HAM International den Vorsitz und die Stimmenmehrheit hat – noch im Juni des Vorjahres ordnungsgemäß und mehrheitlich beschlossen worden.

Kalkulierte Eskalation: HAM forderte faktischen Regelbruch

Neue Details, die durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung ans Licht kamen, dokumentieren die Verweigerungshaltung auf Seiten der Investoren auf der Zielgeraden. Der e.V. hatte noch am Dienstagvormittag eine Vertragsversion ausgearbeitet, die Ismaiks Forderungen akzeptierte – allerdings versehen mit dem zwingenden Vorbehalt: „soweit verbandsrechtlich zulässig“. Genau diesen entscheidenden Passus lehnten die Anwälte von HAM in der Nacht zum Mittwoch rigoros ab. Man verlangte eine Lösung „ohne Schlupflöcher“. Die Investorenseite forderte vom e.V. und der KGaA folglich die bedingungslose Umsetzung ihrer Vorgaben, selbst wenn diese gegen DFB-Statuten und die 50+1-Regel verstoßen hätten. Ein solches Vorgehen hätte den Lizenzentzug ohnehin unweigerlich nach sich gezogen.

HAM wollte Eintrittsgelder verpfänden

Als perfides Alternativszenario brachten die HAM-Anwälte laut SZ zudem eine Verpfändung aller Eintritts- und Dauerkartengelder der kommenden zwei Jahre an einen Dritten ins Spiel – gepaart mit der Vorgabe, keine neuen Schulden zu machen. Ein Konstrukt, das einem wirtschaftlichen Tod auf Raten gleichgekommen wäre. Stattdessen ließ Hasan Ismaik am Mittwochnachmittag um 17:24 Uhr, kurz nachdem die Frist endgültig abgelaufen war, die Öffentlichkeit per Whatsapp-Nachricht an die SZ lediglich lakonisch wissen: „Sad day.“

Drei Kanzleien einig: Kündigung ist rechtlich unwirksam

Die Geschäftsführung nimmt diese Entwicklung nicht kampflos hin. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, haben drei voneinander unabhängige Rechtsanwaltskanzleien den Sachverhalt geprüft. Sie kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Kündigung der Darlehen durch die HAM juristisch unwirksam sei.
Die KGaA bewertet das Vorgehen, die Gelder exakt zu dem Zeitpunkt zu entziehen, an dem sie planmäßig abgerufen werden sollten, als „nicht nachvollziehbar und auch nicht redlich“. Um die Interessen der Gesellschaft zu wahren und Schaden abzuwenden, kündigte die Geschäftsführung an, rechtliche Schritte gegen Hasan Ismaik und die HAM einzuleiten. Dass die Schuld an der Eskalation insolvenzrechtlich ausschließlich bei der HAM und nicht bei der KGaA oder dem Stammverein zu suchen ist, wurde durch entsprechende Beratungen untermauert.

Ausblick: Steht der Kooperationsvertrag vor dem Aus?

Während die KGaA aktuell im Modus einer Notgeschäftsführung agiert und gemeinsam mit Insolvenzrechtsexperten versucht, den Geschäfts- und Spielbetrieb für die Regionalliga aufrechtzuerhalten, bleibt der TSV München von 1860 e.V. als Mutterverein von den finanziellen Verwerfungen unberührt. Neben diesen existenziellen Überlebensfragen müssen im Hintergrund auch weitere Begleiterscheinungen des Abstiegs bewältigt werden – wie etwa der bereits anderweitig thematisierte Rückzug des Hauptsponsors „Die Bayerische“ sowie die anlaufende, unbürokratische Rückerstattung der Drittliga-Dauerkarten (per E-Mail an tickets@tsv1860.de).

Das Tischtuch ist zerschnitten

Doch die inhaltlichen Gräben zwischen den Gesellschaftern scheinen nach den Ereignissen der letzten Wochen endgültig unüberwindbar. Wenn die KGaA nun offen rechtliche Schritte gegen den eigenen Mitgesellschafter einleitet und ihm unredliches Verhalten vorwirft, ist die Basis für eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit de facto nicht mehr vorhanden. Vor diesem Hintergrund ist es sehr gut vorstellbar, dass als nächste weitreichende Konsequenz aus diesem Drama auch eine Kündigung des Kooperationsvertrages zwischen dem TSV 1860 e.V. und der HAM International folgen wird. Ein Festhalten an diesem Vertragswerk wirkt angesichts des nun eskalierenden Rechtsstreits und des entzogenen Vertrauens kaum noch realistisch.

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floar

Nur so – und nicht anders. Mit der gebotenen Konsequenz und unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten. Auch wenn der Weg schwierig wird und erhebliche Anstrengungen erfordert, führt einfach kein Weg mehr an einer Trennung vorbei. Mittlerweile scheint diese Einschätzung von einem großen Teil der Beteiligten geteilt zu werden.

Für die Außendarstellung des Vereins ist die aktuelle Situation geradezu verheerend. Außenstehenden, die die Entwicklungen und Hintergründe der vergangenen 20 Jahre nicht aus nächster Nähe verfolgt haben. kann man verdenken, dass sie die Verantwortung pauschal auf alle Beteiligten verteilen – aui Verein ebenso wie auf den Investor. Doch genau das macht die Situation frustrierend: Immer wieder dieselben Hintergründe erläutern und dieselben Missverständnisse ausräumen zu müssen ist auf Dauer schlicht erschöpfend.

Mein Dank gilt allen, die derzeit daran arbeiten, den EV auf der Intensivstation zu halten und dafür vermutlich unzählige Stunden ihrer eigenen Lebenszeit investieren müssen. Ebenso danke ich für die sachliche, faire und ausgewogene Berichterstattung. Leider gibt es pur noch wenige Quellen, die diesem Anspruch tatsächlich gerecht werden. 

 

Tini

Na hoffentlich ziehen sies durch.

Darock

Hoffentlich ist das der Anfang vom Ende mit dem schlechtesten Investor seit es Investoren gibt 🙂

Befreiung
Loewenpranke
Chemieloewe

Der e.V. muss jetzt raus aus der 60-KGaA, wenn HI sich weiter an der 60-KGaA festkrallt, nicht begreifen will, dass Schluss, Aus, Feierabend für ihn bei 60 ist, sich weigert auszuscheiden u. nicht gehen will. Der e.V. muss jetzt mit aller Kraft Alles unternehmen, sich von HI/HAM zu trennen, egal wie. Alles andere, ein weiter mit HI/HAM ist für 60 weiterhin tödlich u. absolut perspektivlos.

Last edited 1 Stunde zuvor by Chemieloewe
_Flin_

Wenn die Klausel “soweit verbandsrechtlich zulässig” der Hinderungsgrund war, die Zeche nicht zu bezahlen, ist es soweit. Volle Attacke. Raus mit dem!

Koopvertrag kündigen. Schadensersatzklagen einreichen. Schuldenschnitt durchsetzen.

Und obendrein eine Ausschlußklage wegen Vertragsbruch, grober Pflichtverletzung durch vorsätzliche Schädigung der Gesellschaft sowie Leistungsverweigerung durch hartnäckige Blockade von lebensnotwendigen Gesellschafterbeschlüssen.

Last edited 1 Stunde zuvor by _Flin_
Linksblau

Sehr erfreulich, dass jetzt endlich die Scheidung betrieben wird.

Auch wenn es sicher Risiken gibt: Lieber ein Ende mit Schrecken …

Francis Underwood

Sehr gute Zusammenfassung, vielen Dank für die Arbeit!

Fährt eigentlich jemand am Samstag zum Flughafen zur Fanshop-Eröffnung?
So auf a Glaserl Wein? Social Media springt im Dreieck..
Wenns nicht so traurig wäre..

raineranton

“a Glaserl Wein”!? – Woosss, du gehörst also nicht zu den “Yuppies”, die laut dem user “blaua” sich immer vor jedem Spiel 6 Hoibe neipfeifen und als Sechzger-Fans ausgetauscht werden müssten!?!😜

Francis Underwood

Ich versuche mal aufzuklären 😉

Doch, ich gehöre schon zu diesen (was ist ein Yuppie) Fans, die sich vorm Spiel ein paar Bier genehmigen.. Logisch, geh ja nicht in die Kirche 😉

“Glaserl Wein” war bezogen auf die Fanshop-Eröffnung… Sechzig ist ja umgeben von lauter VIPs und Influencern.. 😉 Den Rest lass ich dich selbst recherchieren..
Nur so viel: Persönlich wäre ich sehr froh, wenn wir wieder das 60 werden, das wir mal waren. (einigermaßen) bodenständig, ehrlich, und uns darauf besinnen und dran denken, wo wir herkommen.. Wir sind kein schicki-micki, wir sind kein mit Anzug in die Alm, wir sind kein ich verklage die eigenen Fans wegen einer “Markenverletzung”..
Sorry, musste raus 😉

raineranton

Bin ich voll bei dir. Ich persönlich fand den “blaua”-Beitrag über die Sechzger-Fans von heute überzogen. Ich seh in Giesing keine Yuppies vor dem Spiel rumlaufen. Eigentlich nur “normale” Leute. Wenn man uns Sechzger-Fans als “normal” bezeichnen kann…

Francis Underwood

Wo steht der Beitrag? Unter welchem Artikel?
Ich finds bei uns eigentlich auch ziemlich normal/angenehm.

Francis Underwood

Gerade gefunden und gelesen.. Ja, finde ich auch überzogen.. Aber: Es ist für vermutlich alle/viele gerade ein wenig viel..

Ich würde die Fans nicht/nie alle pauschal über einen Kamm scheren. Und ja, auch mich ja in den letzten Jahren im Stadion einiges gestört. Aber deswegen würde und sollte man sich nicht untereinander so angehen..
Aber ja, wichtig wäre auch für die Fanszene, dass es wieder eine große Szene gibt, die den Ton (in Sachen Stimmung und Co) angibt..

_Flin_

Ich fand den Kommentar gemein.

Bei mir sind’s auch oft nur zwei-drei Halbe. Bevor ich mich über die Woche unterhalte und darüber schimpfe, wos scho wieda für an rechten Scheissdreck zamspuin.

Und sinds mal 0 Halbe, ärger ich mich weil ich es doch eigentlich besser weiss.

Vorstopper

Das überlege ich mir noch. Allerdings, wann sonst gibt’s die Gelegenheit Finanzminister Hubsi Aiwanger mal so nah zu kommen?

Francis Underwood

Meinst der Hubsi kommt tatsächlich noch? Des wird ja eine brutale Veranstaltung..
Stimmung grad irgendwie am Ende, kein Plan wie es weiter geht, aktuell keine Kohle und dann eröffnet 60 am Flughafen einen Fanshop. So mit Anzug, Einstecktuch und so… Sekt, Luftballons, Trikots für 100 Euro 😉

Kann der Verein nicht irgendwie dafür sorgen und kommunizieren, dass das mit uns nichts zu tun hat?

D.Pest

Aiwanger hält die Eröffnungsrede und wenn der Bub 10 Meter unfallfrei geradeaus laufen kann, sofort verpflichten und dann spielt vielleicht auch noch Phill Collins a Stunde..

 

Francis Underwood

Hubsi als künftiger Social Media Manager! Collins macht Rahmenprogramme rund um die Spiele..
Wird schon alles wieder

Bluemuckl1860

Einen solchen Antrag gab es schon mal bei einer MV, gestellt von Ulla Hoppen.
Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen aber vom Präsidium Reisinger nicht umgesetzt.
Im Nachhinein leider…

D.Pest

Wow! Da verbirgt sich vermutlich jede Menge Sprengsatz in den Schreiben bzw. Aufforderungen, für die die HAM gerade stehen soll und muss. Richtig so, ist eh schon egal, nichts mehr zähneknirschend abnicken, All in und raus damit!

Niederbayernloewe

Ich würde die KgaA mit allen Mitteln absaufen lassen. Weg mit diesem unberechenbaren HI.

Der wollte nie verkaufen, er wollte einfach nur Rache nehmen für die damalige 9.

Dieser Typ ist einfach nur eine Schande!

Weg mit ihm – koste es was es wolle!

Benjisson

Liebe kennt keine Liga aber Hauptsache #OhneHasan