Eine Hommage an die BLF von Bernhard L.:

Die Blue Lions Forstenried

Am 01.07.1985 war es soweit: Sieben Gründungsmitglieder hatten sich aufgrund ihrer Liebe zum TSV München von 1860 e.V. zusammengetan, um einen Fan-Club zu gründen und so erblickte der mittlerweile älteste noch existierende Fan-Club innerhalb der Stadtgrenzen Münchens das Licht der Welt. Natürlich gibt es mit den Giesinger Löwen einen noch älteren, immer noch bestehenden Fan-Club in der Stadt – dieser wird aber beim TSV nicht mehr offiziell als solcher geführt und gelistet.

Oliver Christian, der seit dem ersten Tag als Präsident der Blue Lions Forstenried fungiert, und auch trotz unterschiedlicher vereinspolitischer Ansichten der Mitglieder in all den Jahren nie für diese Position in Frage stand, ist wohl einer der bekanntesten Löwenfans überhaupt, wenn man mal von den Allesfahrern wie Wöll, Hell oder Fehling absieht. Viele Mitglieder kamen und gingen, einer war aber immer da: der Oli. Es gibt obendrein wohl niemanden, der unter den in Fan-Clubs organisierten Kutten beim TSV einen ähnlichen Beliebtheitsgrad aufweist, wie der Präsi der Blue Lions.

Die aktuelle Mitgliederzahl

Von anfangs sieben Mitgliedern wuchs die Mitgliederzahl des Fan-Clubs bis zum Ende der 90er Jahre (also der fußballerisch erfolgreichsten Zeit seit Gründung der Blue Lions Forstenried) auf über sechzig Personen an und hat sich in den letzten Jahren bei um die vierzig Personen eingependelt.

Nicht nur in der Fanlandschaft des TSV sind die BLF – nicht zuletzt wegen des in den Anfängen des Fan-Clubs noch regelmäßig erscheinenden Fanzines „Blue Lions Times“ – eine feste Größe, auch bundesweit gehören die Damen und Herren aus Forstenried zu den Aushängeschildern der Löwen. Sogar international wird dem Fan-Club Aufmerksamkeit zuteil; so bat zum Beispiel Jahr 2018 die größte finnische Sportzeitung unter anderem einige Mitglieder der Blue Lions Forstenried zum Interview, um sich zur aktuellen Situation des TSV 1860 zu äußern. Dieser Bekanntheitsgrad liegt mitunter sicherlich auch an so schillernden Mitgliederpersönlichkeiten wie z.B. dem mittlerweile leider viel zu früh verstorbenen Thomas Hackenberg, der zu Lebzeiten in der Kurve bekannt war wie ein bunter Hund. Welch große Lücke er hinterlassen hat, zeigte sich nicht zuletzt dadurch, dass die Ultras des TSV ihm nach seinem Tod bei einem Heimspiel sogar ein Spruchband widmeten. Der Thomas genannt „Hacke“ war durch seine mitreißende und immer fröhliche Art, seinen Humor und permanente Sangesfreude in der Kurve einfach ein Aushängeschild dieses Fan-Clubs.

Auch Helmut „Lydia“ Lüdersdorf, das erste Ehrenmitglied der Blue Lions und leider mittlerweile ebenfalls verstorben, oder auch Berthold „Bottel“ Albertz, der Anfang der 90er Jahre viele Mitglieder aus Metalszene für den Fan Club rekrutieren konnte, waren seinerzeit innerhalb der Kurve des TSV bekannte Namen. Andererseits hat natürlich auch die Offenheit gegenüber Fans und Fanvereinigungen anderer Vereine viel zur Beliebtheit der Blue Lions in den Fanszenen beigetragen. So gibt es auch in der Satzung der Blue Lions einen Passus der genau dies, nämlich freundschaftliche Bande zu anderen Fan-Clubs und -szenen zu bilden, fordert. Es bestehen deshalb logischerweise freundschaftliche Bande zu mehreren Fan-Clubs des 1. FC Kaiserslautern, allen voran die „Rote Flut Jettenbach“. Einige Mitglieder der Jettenbacher sind sogar ebenfalls bei den Blue Lions Mitglied – ob das umgekehrt auch zutrifft, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Weitere Kontakte zu anderen Fanclubs

Des Weiteren pflegen die Blue Lions freundschaftliche Kontakte mit Fan-Clubs der Offenbacher Kickers, des SC Paderborn 07, des SV Werder Bremen oder auch des FC Aarau in der Schweiz – und als wahrscheinlich einziger Fan-Club der Löwen überhaupt sogar eine Freundschaft mit einem Pendant des roten Lokalrivalen. Sachen gibt’s… Auf diese Freundschaft angesprochen und wie das funktionieren kann, bekommt man von den Mitgliedern der Blue Lions die Antwort: “Ja, mei. Des is genauso a lustiger Haufen wie wir, nur hoid in der andern Farb, und wennst damit a Problem hast dann derfst gern mit deim Psychiater drüber reden.“

Geschichten aus 35 Jahren Blue Lions Forstenried

Geschichten um die Blue Lions gäbe es sehr, sehr viele zu erzählen, aber das würde wohl den Rahmen hier sprengen. Einige kleine und lustige Anekdoten will ich Euch aber dennoch nicht vorenthalten:

Wie vorhin bereits beschrieben, sind die Blue Lions weit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus bekannt. Und so begab es sich im Jahre 1996, dass zwei Mitglieder der Blue Lions beschlossen, ihren Jahresurlaub auf Mallorca zu verbringen. Eines Abends saß man in einer bekannten Trinkhalle in der Schinkenstraße und trank gemütlich vor sich hin, als plötzlich mehrere eher unfreundlich wirkende Gestalten an den Tisch der beiden Herren kamen. Aufgrund der eindeutigen BLF-shirts, die sie trugen, rechneten die zwei schon damit, nun möglicherweise von Fans eines rivalisierenden Clubs angemacht zu werden oder sogar mit noch Schlimmerem. Aber weit gefehlt. „Ja wat is denn dat, überall auffe Welt kannse hinfahn, awa de Blue Lions von die Sechziga wirse nich los…“ Der Herr, der diesen Satz auf die beiden Löwen losließ, war – wie sich herausstellte – ein Mitglied des SG Wattenscheid 09 Fan-Clubs „Lorheide Pandas“, der auf einem Fan-Club-Fußballturnier wohl schon lustige Momente mit anderen Mitgliedern der Blue Lions erlebt hatte. Manchmal ist die Welt echt klein…

Eine andere lustige Geschichte, die den Pragmatismus unter manchen der BLF-Mitgliedern recht gut beschreibt, ist die folgende: Während eines sommerlichen Fan-Club-Turnier bei den VfB Stuttgart-Fans „Die Treuen“  hatte ein Mitglied der Blue Lions offensichtlich Gefallen an einem weiblichen Wesen gefunden und aufgrund der zeitlich begrenzten Situation – und wohl auch dem Alkoholpegel geschuldet – beschlossen, anstatt einen subtilen Flirt zu starten, lieber den zwischenmenschlichen Frontalangriff zu wagen. Er stellte sich also vor das sich auf einer Schaukel schaukelnd befindliche Geschöpf und begann das, nennen wir es mal Gespräch, mit den äußerst langsam vorgetragenen Worten: „Äh…, Du… Servus…, mogst… Du… mit… mir… Vegln?“  Hat ungefähr genauso gut funktioniert wie im Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“… Die Dame stand von der Schaukel auf und gab dem Herren wortlos (und natürlich aufgrund dieser Unverschämtheit zurecht) die vermutlich heftigste Watschn, die je zwischen Neckar und Isar verteilt wurde. Selbige Watschn wurde dann äußerst lapidar und mit absolutem Desinteresse mit den  wieder sehr langsam vorgetragenen Worten: „Na… guad…, dann… trink.. i… no… a… Hoibe.“ zur Kenntnis genommen. Diese Situation hat sich so in das Gedächtnis der damals Anwesenden eingebrannt, dass sie auch heute noch immer gern mal erzählt wird. We call it a Klassiker.

So könnte man noch weitere Anekdoten wie die Bifi Story, den „ja scho Stereo“ Moment, oder auch das: „geh weg, da kumma die Wuidn“-Kapitel hier erzählen – aber das bleiben vorerst doch lieber Insider. Aber wer weiß:  Vielleicht schreib ich darüber irgendwann mal ein Buch, Stoff genug wäre auf alle Fälle vorhanden.

Das Logo der Blue Lions Forstenried

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf das Logo der Blue Lions Forstenried eingehen: Seit einigen Jahren wird dieses mit dem 1860-Wappen inmitten eines Tatzenkreuzes von manchen Leuten ohne jeglichen ersichtlichen Grund in die rechte Ecke gestellt. Was natürlich hanebüchener Unsinn ist, denn die BLF sind politisch genauso heterogen wie alle anderen nicht politischen eingetragenen Vereine auch. Das Tatzenkreuz als solches hat eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht und ist ursprünglich aus dem sogenannten griechischen Kreuz entstanden. Wer dazu mehr wissen will, der informiere sich bitte auf Wikipedia.

Liebe Blue Lions:
Wir gratulieren Euch ganz herzlich zum 35-jährigen Bestehen und freuen uns schon auf die kommenden Jahre mit Euch!

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[…] Jahren doch deutlich nachgelassen. Und ja, einzelne persönliche Verbindungen bestehen noch immer, aus Sympathien wurden Freundschaften und das ist nicht wegzudiskutieren. Aber sonst? So allgemein? Fokussiert man sich heutzutage […]