Mit großen Hoffnungen wagte Kristian Böhnlein im zarten Fußballeralter von 28 Jahren den Sprung von der SpVgg Bayreuth in den Profifußball. Bei den Löwen lief für den sympathischen Franken sicher nicht immer alles nach Wunsch und besonders in seiner ersten Saison wurde er nur selten für den Spieltagskader in der 3. Liga berücksichtigt. Nun verlässt Böhnlein den TSV 1860 nach zwei Jahren wieder und schließt sich dem FC Schweinfurt 05 an.

sechzger.de:

Servus Kristian! Zunächst mal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst für dieses Interview. Hat in Schweinfurt das Training schon wieder begonnen?

Kristian Böhnlein:

Die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt jetzt Anfang August. Ich freue mich auf die neue Mannschaft und den Verein.

sechzger.de:

Kürzlich kam ja die Nachricht, dass Testspiele in Bayern bis zum 16.08. untersagt sind, dann die Kehrtwende. Der Re-Start der Pflichtspiele ist aber noch immer für Anfang September angedacht. Deine Meinung dazu?

Kristian Böhnlein:

Es ist schwierig, da eine klare Linie zu finden, gerade für die Testspiele. Meiner Meinung nach sollte es jedem einzelnen Sportler bzw. Verein selbst überlassen bleiben, ob er spielen möchte oder nicht. Aber die Gesundheit geht natürlich vor.

sechzger.de:

Kommen wir auf Deine Zeit bei den Löwen zu sprechen: Wie lautet Dein Fazit zu den vergangenen zwei Jahren? Trotz insgesamt nur 12 Drittliga-Einsätzen zufrieden oder doch ein wenig enttäuscht? Den Versuch wars aber doch so oder so wert, oder siehst Du das anders?

Kristian Böhnlein:

Ich bereue es zu keiner Zeit, dass ich den Schritt gewagt habe. Auch wenn es sportlich nicht wie erhofft gelaufen ist, bin ich sehr dankbar für die Zeit bei den Löwen. Die Stimmung im Grünwalder Stadion und die Menschen, die ich bei 60 kennen gelernt hab, möchte ich nicht missen. Klar ist aber auch, dass ich sportlich eine größere Rolle spielen wollte.

sechzger.de:

Bei 1860 rechnet man Dir sehr hoch an, dass Du trotz der wenigen Einsatzzeiten zu keiner Zeit für Ärger gesorgt hast und Dich sehr positiv auf die Stimmung in der Mannschaft ausgewirkt hast. Ähnliches gilt auch für Markus Ziereis, der jetzt zu Deinem Ex-Klub nach Bayreuth wechselt. Fiel es Dir schwer, Dir trotz der schwierigen Situation Dein sonniges Gemüt zu bewahren?

Kristian Böhnlein:

Ich glaube das gilt für einige Spieler. Markus Ziereis oder auch Eric Weeger, der keine Minute gespielt hat, haben keine schlechte Laune verbreitet und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt! Natürlich ist man persönlich enttäuscht, wenn man nicht dabei ist, aber man muss das große Ganze sehen. Deswegen habe ich immer das Beste gegeben, meine Mitspieler unterstützt und gehofft, dass ich meine Chance bekommen werde.

sechzger.de:

Du galtest innerhalb des Teams als eine der Schafkopf-Koryphäen. Aus welchen Kollegen bestand denn in der Regel die Schafkopf-Runde?

Kristian Böhnlein:

Ja in der Regel bestand die Runde aus Marius Willsch, Stefan Lex, Markus Ziereis und mir. Jedoch kommt es ab und an vor, dass ein gewisser Herr Lex dann lieber Gesellschaftsspiele spielt, also sind des Öfteren unser Zeugwart Steges oder unsere Waschfrau Tanja eingesprungen. Auch unser Co-Trainer Franz Hübl ist während der Corona Zeit mal eingestiegen und hat gleich mal Lehrgeld bezahlt. 🙂

sechzger.de:

Sind das auch die Spieler, mit denen Du auch privat am meisten zu tun hattest? Wie hat man sich denn den Tagesablauf eines Fußballprofis überhaupt vorzustellen?

Kristian Böhnlein:

Der Tagesablauf hängt immer von der Trainingszeit ab. Bei zweimal Training am Tag ist es meistens so, dass du dann nicht mehr rausgehen möchtest, sondern einfach nur regenerieren. Die Mannschaft hat sehr gut harmoniert und von daher war es so, dass viele Spieler was miteinander unternommen haben. Aber die Schafkopfrunde hat natürlich auch außerhalb von 60 das ein oder andere mal stattgefunden! 🙂

sechzger.de:

Sportlicher Höhepunkt Deiner zwei Jahre in Giesing war wohl Dein Tor beim KFC Uerdingen, oder? Der Treffer und der anschließende Jubel blieben auf jeden Fall im Gedächtnis. Oder gabs andere Situationen, die für Dich wichtiger und prägender waren?

Kristian Böhnlein:

Sicherlich war der Treffer gegen Uerdingen der emotionalste Moment und der Jubel danach mit Hendrik Bonmann war witzigerweise abgesprochen, weil ich meinte, ich komme zu ihm wenn ich treffe. Aber auch mein erster Einsatz im DFB-Pokal und das Spiel gegen die Bayern Amateure waren prägende Momente.

sechzger.de:

Unter Michael Köllner kamst Du zuletzt ja regelmäßig zum Einsatz. Bestand da doch nochmal Hoffnung Deinerseits, der Vertrag bei 1860 könne doch noch verlängert werden?

Kristian Böhnlein:

Für mich war es ja relativ früh klar, dass ich zu Schweinfurt wechseln werde und die Kommunikation mit Michael Köllner war sehr gut. Er wusste, wenn er mich braucht, kann er sich auf mich verlassen. Deshalb war ich in Richtung Verlängerung sehr realistisch und habe mir da auch keine Hoffnungen mehr gemacht – auch wenn ich natürlich gerne bei 60 geblieben wäre.

sechzger.de:

Welche Unterschiede konntest Du denn zwischen der Herangehensweise Deiner beiden Trainer bei 1860, Daniel Bierofka und Michael Köllner, ausmachen? Was zeichnet die beiden denn jeweils besonders aus?

Kristian Böhnlein:

Daniel Bierofka war ein sehr emotionaler Trainer, der viel über den Willen und körperliche Stärke trainiert hat. Michael Köllner ist sehr kommunikativ und lässt sehr offensiv und variabel spielen und trainieren. Ich denke aber, jeder Trainer hat seine eigene Herangehensweise.

sechzger.de:

Wieso lief es aus Deiner Sicht auf einmal unter Köllner (16 Spiele ungeschlagen)? Was hat er anders gemacht als sein Vorgänger?

Kristian Böhnlein:

Wir haben, als er gekommen ist, schon zwei spiele gewonnen gehabt. Er sprach immer davon, dass wir jetzt eine Serie starten und hat uns sehr viel Glauben und Stärke vermittelt. Ich denke, dadurch haben wir selbstbewusster gespielt und konnten diese Serie starten.

sechzger.de:

Wie empfandest Du als Spieler denn das Tiefstapeln der sportlichen Führung zu Beginn der letzten Saison? Das klang ja so, als stünde man als Absteiger quasi schon fest.

Kristian Böhnlein:

Wir hatten natürlich einige Abgänge und zu Saisonbeginn einige Verletzte. Tim Rieder und Dennis Erdmann kamen erst spät dazu und man konnte nicht davon ausgehen, dass sich die jungen Spieler wie Noel Niemann, Leon Klassen und Fabian Greilinger gleich so gut einbringen auf dem Platz. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass wir schlechter als andere Mannschaften aufgestellt sind.

sechzger.de:

Wie nimmt man denn als Spieler das Umfeld von 1860 wahr? Bekommt Ihr sowas wie die mitunter etwas kruden Twitter-Nachrichten von Hasan Ismaik oder Klagen seitens der Merchandising GmbH gegen Fans überhaupt mit? Wird der ausgerufene Konsolidierungskurs innerhalb der Mannschaft thematisiert? Sind so Sachen wie Mitgliederversammlungen oder Präsidentenwahlen für Euch irgendwie von Bedeutung?

Kristian Böhnlein:

Das Umfeld für Spieler ist bei 1860 überragend: vom Trainingsgelände über Mitarbeiter bis hin zu den Fans. Wir als Spieler wurden informiert über solche Dinge, aber da wir das nicht ändern können, hat es uns auch nicht so stark interessiert, sondern wir haben uns auf Fußball und Dinge, die wir beeinflussen können, fokussiert.

sechzger.de:

So, jetzt aber genug von Sechzig! Bei Dir steht mit dem FC Schweinfurt 05 eine neue Aufgabe bevor und wie es aussieht, wird die bereits begonnene Saison fortgesetzt. Da alle Spiele von Aufsteiger Türkgücü annulliert wurden, startet Ihr als Tabellenführer in die restlichen Partien. Das Ziel kann folglich nur Meisterschaft und Aufstieg lauten, oder?

Kristian Böhnlein:

Sicherlich ist es eine komische Ausgangssituation, eine alte Saison mit neuen Spielern zu Ende zu spielen. Wir wollen definitiv auch am Ende der Saison an der Spitze stehen und das Ziel 3. Liga verfolgen wir natürlich!

sechzger.de:

Der Wechsel nach Unterfranken stand ja relativ früh fest. Welche weiteren Interessenten gab es denn? War eine Rückkehr nach Bayreuth gar kein Thema?

Kristian Böhnlein:

Ja, ich hatte sehr gute Gespräche mit Markus Wolf und Tobi Strobl, sie haben mir von Anfang an ein gutes Gefühl vermittelt. Auch die Rahmenbedingungen in Schweinfurt sind hervorragend. Von Bayreuth hat sich niemand gemeldet, von daher stand dieser Gedanke gar nicht zur Debatte.

sechzger.de:

Lieber Kristian, nochmal vielen Dank für dieses doch recht ausführliche Interview. Du wirst in Giesing jederzeit wieder mit offenen Armen empfangen werden und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

Kristian Böhnlein:

Vielen Dank auch an sechzger.de! Ich werde natürlich – sobald es wieder möglich ist – das ein oder andere Spiel meiner Löwen im Grünwalder live verfolgen!

Das Interview führte Stefan Kranzberg.

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