Der Frauen- und Mädchenfußball in München ist in Bewegung. Wie der TSV München von 1860 e.V. und der FFC Wacker München 99 e.V. kürzlich in einer gemeinsamen Pressemitteilung bestätigten, befinden sich beide Vereine derzeit in „intensiven und konstruktiven Gesprächen“ über eine mögliche strategische Zusammenarbeit. Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Die Gespräche seien in einer frühen Phase, verschiedene Modelle würden ergebnisoffen geprüft, heißt es von Vereinsseite. Ziel sei es, die sportliche und strukturelle Weiterentwicklung in München voranzutreiben.

Um die Tragweite und die potenziellen Synergien dieser Sondierungsgespräche zu verstehen, lohnt ein Blick auf die ambitionierten Ziele der jüngeren Vergangenheit – und auf die harte sportliche Gegenwart beider Klubs.

Die Vision von 2024: Die Nummer zwei hinter dem FC Bayern werden

Im Frühjahr 2024 schlug der FFC Wacker München bereits einen neuen strategischen Weg ein. Damals wurde die Versicherungsgruppe „die Bayerische“ als neuer Hauptpartner präsentiert. In der Süddeutschen Zeitung formulierten Martin Gräfer (Vorstand der Bayerischen) und Wacker-Präsident Salih Aydogan seinerzeit klare und ambitionierte Ziele für das Projekt.

Gräfer betonte die gesellschaftliche Komponente und die Förderung von Chancengleichheit, machte aber auch sportliche Ambitionen deutlich: Man wolle nachhaltige, professionelle Strukturen schaffen. Das erklärte Fernziel des Sendlinger Traditionsvereins lautete 2. Bundesliga. Der FFC Wacker sollte sich als unangefochtene Nummer zwei im Münchner Frauenfußball hinter dem übermächtigen FC Bayern etablieren. Ein echtes „Leuchtturmprojekt“ für den Frauen- und Mädchenfußball in der Landeshauptstadt sollte entstehen.

Die sportliche Realität 2026: Abstiegskampf trifft auf Aufstiegseuphorie

Zwei Jahre nach diesen formulierten Zielen zeigt der Blick auf die aktuellen Tabellen jedoch, wie steinig der Weg im Leistungssport ist. Die sportlichen Voraussetzungen, unter denen sich der TSV 1860 und der FFC Wacker nun an den Verhandlungstisch setzen, könnten gegensätzlicher kaum sein.

Beim FFC Wacker München herrscht in der 1. Mannschaft aktuell sportliche Anspannung. Das Team spielt zwar in der dritthöchsten Spielklasse, der Regionalliga Süd, befindet sich dort im Frühjahr 2026 aber in einem handfesten Abstiegskampf. Mit 17 Punkten rangiert Wacker derzeit auf dem 10. Tabellenplatz und damit auf einem direkten Abstiegsrang. Konstanz und personelle Stabilität fehlten zuletzt, sodass der Blick zwingend auf den Klassenerhalt gerichtet werden muss. Besser sieht es im Unterbau aus: Wacker profitiert von seiner jahrzehntelangen Tradition im Frauenbereich. Die U20/Zweite Mannschaft mischt in der Landesliga mit, und auch im Jugendbereich – etwa bei den B-Juniorinnen (U17) – verfügen die Sendlingerinnen über etablierte Strukturen, die in den bayerischen Top-Ligen vertreten sind.

Gänzlich anders ist die Stimmungslage an der Grünwalder Straße. Die erst 2020 neu gegründete Frauenfußball-Abteilung des TSV 1860 München reitet weiterhin auf einer Euphoriewelle. Die Löwinnen haben im bayerischen Amateurfußball jüngst die Ernte ihrer Aufbauarbeit eingefahren: Die erste Mannschaft hat sich die Meisterschaft in der Kreisliga und den damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga gesichert. Auch die U23 feierte vorzeitig den Aufstieg. Die Entwicklung verläuft organisch und rasant, getragen von einer großen Begeisterung im Vereinsumfeld und einer stetig wachsenden Infrastruktur im Nachwuchsbereich. Allerdings ist man von den Leistungsligen des DFB (Regionalliga aufwärts) noch etwas entfernt.

Synergien als logischer Schritt?

Vor dem Hintergrund dieser sportlichen Ausgangslage ergibt die Prüfung einer Kooperation für beide Seiten viel Sinn. Der FFC Wacker München bringt die Spielklassen-Zugehörigkeit im höherklassigen Bereich, etablierte Jugendstrukturen und jahrzehntelange Erfahrung im reinen Frauenfußball mit. Der TSV 1860 München wiederum verfügt über eine enorme Strahlkraft, eine wachsende und hochmotivierte Basis, Fan-Unterstützung sowie das Momentum fortlaufender sportlicher Erfolge im Breitensport.

Sollten die „ergebnisoffenen Prüfungen“ in ein konkretes Kooperationsmodell münden, könnte genau das entstehen, was Gräfer und Aydogan 2024 avisierten: Ein starkes, vereintes Fundament, das mittelfristig tatsächlich den Angriff auf die 2. Bundesliga erlaubt – gebündelt aus der Tradition von Wacker und der Wucht des TSV 1860.

5 1 vote
Artikelbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
21 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Fred

Die grundlegende Idee ist durchaus nachvollziehbar. Auf der einen Seite der FFC Wacker, der irgendwie nicht vorwärts kommt und vermutlich gerne die Aufmerksamkeit der Löwenfrauen hätte. Auf der anderen Seite die Löwenfrauen, die erfolgreich sind aber auf dem Trainingsgelände nicht Fuß fassen. Die Kooperation wäre dann sinnvoll, wenn der FFC Wacker entsprechende Flächen übrig hätte. Aber an der Demleitnerstraße platzt bereits jetzt alles aus den Nähten. Mit dem FC Wacker (auch sehr ambitioniert) , dem FFC Wacker und Hellas teilen sich drei Vereine die Flächen, was vor allem in der dunklen Jahreszeit zu enormer Dichte führt. Da ist einfach kein Platz mehr. Und hier endet die Sinnhaftigkeit, zumal der Abstieg der FFC Damen in die Bayernliga besiegelt ist. Ich bin wirklich gespannt wie das aussehen soll. By the way – das letzte Heimspiel der FFC Damen verfolgten 64 Zuschauer. Vor 2 Jahren wollten die Verantwortlichen der FFC Damen ins GWS… Spricht für sich.

_Flin_

Weiß nicht, was sowas soll.

Die Spielerinnen und Trainerinnen haben sich ihre Aufstiege erspielt, erkämpft und verdient. Und aus meiner Sicht auch das Recht, sich in einer höheren Liga zu beweisen. Frauenfussball ist bei 1860 Breitensport. Da könnte man sich am grünen Tisch 3 Aufstiege organisieren. Und dann wäre man nicht mehr 1860, und die erfolgreichen Spielerinnen und Trainerinnen wären bis auf ein, zwei wenige (wenn überhaupt) in irgendwelchen zweiten Mannschaften unterwegs.

Geld würde man damit sowieso nicht verdienen, nur mal wieder höhere Kosten haben.

Also warum sollte man das tun? Da spreche ich als Vereinsmitglied.

Last edited 19 Tage zuvor by _Flin_
Eurasburger1860

Hat nicht unser Hauptsponsor diese Idee schonmal verfolgt, da die Bayrische ja bei beiden Vereinen engagiert ist?

Grundsätzlich ist mir Frauenfußball tatsächlich nicht wichtig genug, dass ich mich da in der einen oder anderen Richtung verkämpfe.
Mir hat der eingeschlagene Weg sehr gut gefallen, auch mit dem gleichzeitigen Aufbau einer Nachwuchsinfrastruktur.
Eine Löwinnenmannschaft als zweiter Erlösbringer im umgebauten Sechzgerstadion funktioniert nicht mit einer Landesligamannschaft, von daher kann ich die Idee gut verstehen.
Wenn man das macht, dann aber mit aller Konsequenz unter unserem Namen und unserem Spielrecht.

Kraiburger

Ich kapiere dieses professionelle Frauen-Fußball-Gedöns sowieso nicht mehr. Vor ein paar Jahren hieß es, dass die Existenz einer Damenmannschaft Voraussetzung für das Erlangen einer Herren-Profilizenz bei DFL/DFB sei. Das war dann auch für die letzten Altherren-Vereine wie 1860 und Dortmund der Grund, sich für den Frauen-Fußball zu öffnen.

Für den Frauenfußball insgesamt bedeutete dies jedoch, dass in einer ersten Liga, die vor 10 Jahren noch Turbine Potsdam, FFC Frankfurt und SGS Essen beheimateten, heute wiederum die selben Vertreter spielen wie bei den Herren auch.

Hat das den Frauenfußball nun wirklich besser und eigenständiger gemacht, oder nur noch zum bedingten Anhängsel der Herren?

Und trotzdem und obwohl es diese Bedingung gab (und ich weiß wirklich nicht, welches Wort dafür nun eigentlich besser ist), hat sich die Frauen-Bundesliga unter der Ägide ihrer Herren-Vereine nun “emanzipiert”, und will sich ohne DFB und DFL selbst vermarkten. Kapier ich nicht ganz.

Irgendwie haben beim Frauenfußball nun zuviele Herrenschädel gemerkt, dass man damit richtig schön Kohle verdienen kann. Und jetzt wird der Bereich auch auf Teufel komm raus durchkommerzialisert und amerikanisiert.

Und ich weiß grad nicht, ob und wie mir das gefällt, dass wir auch hier mitmischen wollen.

Aber wahrscheinlich ist es mir wurscht. Ähnlich wie mir Handball oder Red Bull München wurscht ist. Und ich aber trotzdem gerne zu Sechzig gehe, auch wenns die Damen sind. Und ich mich natürlich freuen würde, wenn irgendwann da mal meine Tochter mitspielen sollte. Und natürlich freue ich mich auch, wenn unsere Mädels gewinnen. Aber ich weiß nicht, ob ich mich darüber freue, wenn es dafür einen der Mannschaften rund um Turbine Potsdam, FFC Frankfurt oder SGS Essen weniger gibt. Weil Wacker zähle ich auch mit in diese Riege.

raineranton

Ich persönlich schaue mir lieber die Frauen-Fussball WM oder EM an, als von den Herren. Mir erscheint der Frauenfussball (noch) ehrlicher zu sein, als bei den Herren. Hier wird nicht so rumgejammert oder gemeckert wegen Schiri-Entscheidungen. Und es wird gefightet bis zum Ende. Leider werden hier die Tuniere immer mehr aufgebauscht. Weil auch Fifa und Uefa merken, dass Frauen-Fussball immer populärer wird. Was Frauenfussball in Deutschland anbelangt, muss der DFB bald mal den Schalter umlegen, zu mehr Professionalität. Im Vergleich zu England, Spanien und Frankreich hinkt Deutschland meilenweit hinterher.

_Flin_

Kohle verdienen? Die Bundesligistinnen machen im Durchschnitt 2.2 Mio Verlust pro Saison.

Kraiburger

Okay.

Ganz ehrlich: Wenn dem so ist, dann ergibt das für mich sogar Sinn.

Dann sagen sich alle Bundesligisten: “Wenn wir den ganzen Bumms schon durchführen müssen, damit wir die Lizenz kriegen, dann praktizieren wir das wenigsten so, dass am Ende das Minus so klein wie möglich ist!”.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob das Rad derzeit nicht überspannt wird, indem man reihenweise Traditionsvereine aufkauft und den Damen den ganzen Bundesligazirkus überstülpt.

Man kann sich auch fragen, ob es wirklich notwendig ist, dass unsere Damen bei sowas mitspielen.

Aber wer bei der letzten FA-JHV ordentlich zugehört hat, der kennt die Antwort schon.

sauerkraut

Da hat man sich jetzt was aufgebaut, was auch weiter wachsen kann. Und dann, vor lauter Ungeduld, will man ein paar Ligen überspringen und nebenbei den Wacker retten, indem man den Blaustern mit dem Löwen überklebt und ihm ein paar hundert Zuschauer verschafft.
Was wird denn dann überhaupt aus unseren Frauen? Werden die dann zur dritten und vierten Wacker-Mannschaft?

So gefällt mir das gar nicht.

Es dürfen gern Wacker-Spielerinnen zu uns wechseln. Wir können auch Spielgemeinschaften in bei D- und E-Juniorinnen bilden, wenn wir da keine Trainigsplätze oder nicht genügend Spielerinnen haben. Aber sonst geht mir das zu weit.

sauerkraut

Kleiner Nachtrag: Vielleicht klöppelt man mit Canva sogar ein kombiniertes Logo zusammen.

United Sixties

Das werden sicherlich gute Gründe sein, um ggf. gemeinsam Trainingsplätze am Dantestadion anzubieten und die Jugendförderung der Mädchen /Frauen zu forcieren. Eine wichtige und tolle Alternative IN der Stadt zu den Roten außerhalb in Unterhachingen.
Das Ziel 2. Bundesliga im Visier gefällt mir und sollte auch für unsere Herrrenprofis oberstes Leistungsgebot bleiben …und hoffentlich schon bald für beide Teams im NEUEN SECHZGER STADION auf Giesings Höhen im stimmgewaltigsten, modernsten innerstädtischen Fußballstadion Deutschlandweit !

Bruck Loewe

Hab mal ein Blick auf die Tabelle geworfen um zu sehen wieviel Spiele des noch sind.

Noch ein Spiel für den FFC Wacker.Das heißt,die sind bereits fix abgestiegen in die Bayernliga.Nach dem Abstieg der Roten Frauen II in die RL Süd gibts dann somit kein Spiel FFC gg Bayern II.Dafür dann aber FFC gg Stern in der Bayernliga

Robert von Giesing

SpVgg 1860 Wacker München oder wie wollen die sich dann nennen? Finds sehr komisch und wir sollten lieber bei uns bleiben als so ein Konstrukt zu planen

Joerg

TSV 1860 München reicht doch

Leon Kleemann

Ich finde den bisherigen Weg des Frauenfußballs bei Sechzig sympathisch und kann mich als Fan & Mitglied uneingeschränkt damit identifizieren. Besonders im Vergleich zu anderen Profivereinen, welche sich einfach das Spielrecht höherklassiger Frauenfußballvereine gekrallt haben, waren wir bisher erfrischend bodenständig.

Wenn Dorfverein A mit Dorfverein B aufgrund fehlender Perspektive eine Spielgemeinschaft gründet, finde ich das nachvollziehbar. Von uns erwarte ich andere Lösungen um den bisher erfolgreichen Weg weiterzugehen, auch wenn es schwieriger ist und er länger dauert.

Thomas Enn

Ich finde das auch einen guten Weg und sehe keinen Grund, diesen nicht weiter zu beschreiten.

Vielleicht könnte aber die begrenzte Infrastruktur an der Grünwalder Straße und in München generell eine Rolle bei diesem Gedankengang spielen.

randpositions_loewe

Das vom Autor skizzierte Szenario halte ich für tief verwerflich. Kaufen wir uns die Spielklasse jetzt schon am grünen Tisch, dann sind wir auch nicht besser als RB. Martin Gräfer stört das sicher nicht. Von Autoren bei Sechzger.de hatte ich es nicht erwartet.

MalikShabazz

Eine Kooperation von zwei Traditionsvereinen, die in den unteren Ligen des Frauenfußball vertreten sind, mit der RB Übernahme von Makranstädt zu vergleichen, ist wild.

randpositions_loewe

Der Autor beschreibt es doch genau so, dass Wacker die Spielklasse einbringt und wir als Kooperationspartner davon profitieren. Meines Erachtens ist das prinzipiell also durchaus vergleichbar.

Ich verstehe nicht warum man, bloß weil es anscheinend irgendwem zu langsam geht, die bisherige tolle Entwicklung der Frauen-Fußballsparte nicht entsprechend weiterführt.

MalikShabazz

Hier wird eher ein win-win beschrieben. An der GWS114 haben wir zu wenig Trainingsplätze für zu viele Mannschaften. Da man bei den Frauen wachsen möchte, auch im Jugendbereich, wird man hier zwangsweise an die infrastrukturellen Grenzen stoßen. Ich denke, das wird der Hintergrund dieser Kooperation sein.

randpositions_loewe

Dann miete ich mich halt bei Wacker ein, falls die tatsächlich Infrastruktur übrig haben. Was ich mir bei den drei Plätzen aber auch nicht vorstellen kann. Dazu muss ich weder kooperieren, noch mich an der Spielklasse von Wacker bedienen.

Joerg

Ja, genau so ist es, ich fand den Gedanken von Gräfer zunächst nicht schlecht, habe das dann aber bei der Übernahme von Jahn Calden (Regionalliga) durch den KSV Hessen Kassel gesehen was passieren kann KSV 1 gerade so Klassenerhalt in der Regionalliga, KSV 2 (alt Hessen Liga) noch immer abstiegsgefährdet, und noch keine Identifikation…. Jahn Calden hat einfach unten wieder angefangen und stehen vor dem Aufstieg in die Bezirksliga……
So kann es gehen, muss nicht, aber eine Warnung ist es allemal