Bereits letzte Woche wurde im Rahmen einer stimmungsvollen Veranstaltung an das Europapokalfinale in Wembley am 19.05.1965 erinnert, diesen Mittwoch folgt im Bamboleo eine weitere. Wahrscheinlich werden nur die wenigsten unserer Leser damals schon dabei gewesen sein, deshalb blicken auch wir gerne 60 Jahre zurück.

Let’s go to Wembley

Während man heute schon froh wäre, mal das Finale im Toto Pokal zu erreichen und neidisch auf den DSC Arminia Bielefeld blickt, der am kommenden Samstag im Endspiel des DFB Pokals stehen wird, waren die Löwen damals nur noch einen Sieg entfernt vom ganz großen Triumph. Und der Ort der Handlung war ein ganz besonderer: Wembley! In der Weihestätte des englischen Fußballs stieg heute vor 60 Jahren das Finale um den Europapokal der Pokalsieger zwischen Munich 1860 und West Ham United.

Dramatischer Einzug ins Europapokalfinale

Die Löwen hatten sich durch den DFB-Pokalsieg am 13. Juni des Vorjahres in der Hitzeschlacht von Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt (2:0) für den damals noch ausgetragenen Wettbewerb der europäischen Pokalsieger qualifiziert und nach Siegen über US Luxemburg, den FC Porto, Legia Warschau und den AC Turin das Endspiel erreicht. Das Halbfinale hatte es – ganz Löwen-like – in sich gehabt: Nach einer 0:2-Niederlage in Norditalien und einem 3:1-Sieg auf Giesings Höhen griff damals weder die – inzwischen ja abgeschaffte – Auswärtstorregel, noch ging es in die Verlängerung. Ein Entscheidungsspiel musste über den Finaleinzug entscheiden. Und das gewannen die Löwen acht Tage später in Zürich mit 2:0.

10.000 Löwenfans bei 0:2-Niederlage in Wembley dabei

So machten sich Mitte Mai dann erneut rund 10.000 Löwenfans auf die Reise in die britische Hauptstadt, um dem Endspiel um den Europapokal beizuwohnen. Sie stellten allerdings in Wembley nur gut ein Zehntel der 97.974 Zuschauer. Schwierig zu beantworten, ob Radi & Co. in diesem Finale letztlich am starken Gegner um Kapitän Bobby Moore scheiterten oder ob der Vorteil für West Ham, auf quasi gewohntem Terrain in der eigenen Heimatstadt antreten zu dürfen, den Ausschlag gab. Sechzig lieferte einen großen Kampf, am Ende stand aber eine 0:2-Niederlage. Mit einem Doppelschlag in der 70. und 72. Minute hatte Alan Sealey alle Träume der Sechzgerfans von einem internationalen Titel beendet. Dass die geschlagenen Löwen von Fans und Medien zurück in der Landeshauptstadt dennoch euphorisch empfangen und gefeiert wurden, kennt man auch aus der neueren Geschichte unseres Vereins. Alles ganz normal bei Münchens großer Liebe.

Europapokalfinale – größter Erfolg der Vereinsgeschichte

Gleichwohl es gut dreißig Jahre später, in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts erneut eine Phase diverser Europapokalspiele für den TSV 1860 gab, auf die eine große Zahl unserer Leser – aufgrund eigener Beteiligung – begeistert zurückblicken darf, bleibt das Finale von 1965 doch der größte internationale Erfolg für den Verein. Dass man sich mit einem Erfolg am 19. Mai vor 60 Jahren noch heute erster deutscher Europapokalsieger der Geschichte nennen dürfte, sei hier ebenfalls erwähnt. Ein Jahr später schaffte das Borussia Dortmund mit einem Sieg im gleichen Wettbewerb über den FC Liverpool im Hampden Park in Glasgow. Das grämte allerdings keinen Sechzger. Der TSV war zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft, die gut drei Wochen später fixiert wurde.

Die Aufstellung der Löwen

Trainer Max Merkel schickte am 19.5.1965 folgendes Team auf den Rasen von Wembley:

Radenkovic – Wagner, Kohlars – Bena, Reich, Luttrop – Heiß, Küppers, Brunnenmeier, Grosser, Rebele

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Dennis M.

Eine internationale Nacht nochmals zu erleben wäre glaube der Lebenstraum schlechthin als 60 Fan💪. Vielleicht wird es uns eines Tages nochmals gelingen :)… Musste während des Spiels aber auch öfters daran denken. War ein genialer Abend gestern und Glückwunsch an die SGE!