Mitte Februar hatten wir einen Gastbeitrag des Journalisten und sechzger.de-Lesers Kersten Beyer veröffentlicht, der von der Fahrt der erst im Oktober 2025 gegründeten Fanvereinigung Teuflische Löwen aus der Pfalz zum Spiel des TSV 1860 in Großaspach gegen die Zweitvertretung des VfB Stuttgart berichtete. Dieser Tage erreichte uns nun ein weiterer Beitrag aus dem Südwesten der Republik. Er hat die große Solidarität und Anteilnahme in der Pfals an den jüngsten Entwicklungen rund um unsere Löwen zum Thema.

Freundschaft zwischen 1860 und dem FCK

Die aktuelle Situation des TSV 1860 München hat in der Pfalz eine unglaubliche Welle der Solidarität und Spendenbereitschaft ausgelöst. Da sind zum einen die waschechten Sechziger, die dem Verein seit Jahrzehnten die Treue halten. Ganz viele erinnern sich an die Fanfreundschaft zum 1. FC Kaiserslautern, die ihren Höhepunkt in den 1990ern und den 2000er Jahre hatte. Die Verbindung wird nicht mehr ganz so intensiv gelebt wegen der jahrelangen unterschiedlichen Ligenzugehörigkeit, zudem sind in der heterogenen Anhängerstruktur beider Vereine in den letzten Jahren neue Verbindungen geknüpft worden. Doch unzählige Kontakte sind geblieben, werden zum Teil in der dritten Generation weitergelebt.

“Fußball in München ist für mich Sechzig”

Der im vergangenen Herbst ins Leben gerufene Fanclub Teuflische Löwen startete mit elf Gründungsmitgliedern. Aktuell sind es 30 Männer und Frauen, bis zu zehn Anhänger feuern die Löwen bei nahezu jedem Spiel an. Mitinitiator Oliver Frey (23) aus Kapsweyer berichtet: “Es ist wirklich unfassbar. Gerade unsere älteren Mitglieder sind mehr als gerührt von dieser Unterstützung. Alleine in den letzten acht Tagen haben wir sieben neue Mitglieder aufgenommen.” Frey schildert zahlreiche Begegnungen: Eine 77-jährige Rentnerin, die noch nie in einem Stadion war, hat einem Mitglied nach dem Spendenaufruf im Handystatus einfach 50 Euro vorbeigebracht (“Fußball in München ist für mich Sechzig, das muss so bleiben”).

Den Schal vom Opa um den Hals

Der “Local Hero” des südpfälzischen Amateurfußballs heißt Christian Liginger. Der 38-jährige Mittelfeldregisseur ist Spielertrainer des FC Bienwald Kandel, wegen des Wappentiers werden die Bienwaldstädter ebenfalls “Löwen” genannt. In der vergangenen Saison war er Torschützenkönig der Landesliga. Mit 27 Treffern hat er seinen Klub zur Meisterschaft geschossen. Bei gemeinsamen Stadionbesuchen trägt sein vierjähriger Sohn Paul die allererste Originalversion des rot-blauen Fanschals, den Liginger als kleiner Junge von seinem Opa geschenkt bekam. Vor dem Abflug zum Saisonabschluss nach Mallorca sammelte er bei seinen Spielern spontan Geld für die Spendenaktion “Freiheit für Sechzig”. “Löwen unterstützen Löwen, das ist doch selbstverständlich”, meint er.

Löwenstüberl in der Pfalz

Der 74-jährige Gerhard Schmalz, seit Jahrzehnten hat er die Zahl 1860 auf dem Autonummernschild, spendete ebenfalls 50 Euro (“Ich durfte mehrmals neben einem sehr freundlichen Radi auf der Tribüne sitzen”). Im weiß-blauen Löwenstübel von Ernesto Katus in Jockgrim haben schon viele 60-Anhänger Siege am TV gefeiert und gemeinsam Niederlagen verarbeitet. “Ich bin jetzt stolzes Mitglied der Teuflischen Löwen und habe dem TSV 1860 zum Einstand 60 Euro gespendet für bessere Zeiten. Es kann nur noch aufwärts gehen”, sagt der Rentner.

Daggi in beiden Westkurven bekannt

Verschiedene Mitglieder und Gönner der Teuflischen Löwen haben aus ihrer Privatschatulle bis jetzt rund 500 Euro gesammelt. Markus Hohl (53) aus Freckenfeld war als Fünjähriger erstmals auf dem Betzenberg, der Gegner hieß 1860 München (“Beide Vereine haben mich damals eben ausgesucht, seitdem bin ich ihnen treu”). Er ist ebenso stolzes Neumitglied beim TSV 1860, wie Dagmar Schüttler. Die 64-jährige Arzthelferin aus Offstein sagt: “Nach dem Abstieg des FCK in die dritte Liga habe ich auf der Heimfahrt vom letzten Spiel im Bus Mitgliedsanträge verteilt. Daran fühlte ich mich wieder erinnert.” Sie lebt die Fanfreundschaft der beiden Traditionsvereine wie keine andere. Es gibt kaum einen Anhänger in beiden Westkurven, der “Daggi” nicht kennt. Ihr ganzes Haus ist geschmückt mit selbstgemachten Gartenzwergen mit den Wappen beider Vereine, aktuell verschenkt sie an gute Freunde selbstgegossene Löwen und Teufel aus Wachs, auf dem Betzenberg oder im Grünwalder Stadion trägt sie stets einen roten und einen blauen Schuh. Sie spricht vielen pfälzischen Sechzgerfans aus dem Herzen: “Ich habe das alles erstmal sacken lassen müssen. Ich war mehrere Tage nicht ansprechbar, doch nächste Saison bin ich natürlich wieder dabei.”

Ex-FCK-Stürmer Hotic: “Sechzig darf nicht untergehen!”

Kultstatus auf dem Betzenberg genießt Stürmer Demir Hotic, er hat die Fanfreundschaft viele Jahre hautnah miterlebt. Der Doppeltorschütze beim 3:2-Sieg in der Champions League 1991 gegen den FC Barcelona hat in den sozialen Medien seine Betroffenheit geäußert. Wir haben ihn angerufen. Seine Meinung: “Natürlich fragt sich jeder, wo das ganze Geld geblieben ist. Doch jetzt müssen die ehemaligen FCKler Manfred Paula und Marco Haber den Mut haben und die jungen Löwen loslassen, das sind gute Jungs. Ich habe manches Mal gemeinsam mit Karl-Heinz Wildmoser fröhlich von 57 auf 60 gezählt. Dieser große Traditionsverein darf nicht untergehen.”  

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Titelfoto und Fotos im Beitrag: Kersten Beyer

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4 Comments
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Loewe2004

Und wieder mal ein Hass und Hetzkommentar von OG, der wohl wieder grosse Resonanz bei den Schmierblättern findet.
Nix wie raus aus dem eV – Hetzer sind das Letzte was wir jetzt gebrauchen können
ELIL

Siggi

Es ist schon verblüffend, dass sich immer wieder ehemalige Spieler und Altfunktionäre finden, die so wenig über den Verein, die Strukturen und die tatsächlichen Verantwortlichkeiten wissen, obwohl sie selbst Teil des Konstruktes waren. Jetzt können sie (Gott sei Dank) nicht mehr mitbestimmen und sind frustriert. Die Aussagen von Peter Helfer sind gleichermaßen entlarvend wie erschreckend.

Muckl

Sechzig und der FCK 🦁👹👍🏼