Gleich zu Beginn ein Ratschlag von mir: kauft Euch Baldrian und Blutdrucksenker, solange es sie im Raum München noch gibt! Es erwartet uns ein Herzschschlagfinale auf der Zielgeraden dieser Saison in der dritten Liga. Nach den gestrigen Ergebnissen ist definitiv klar, dass die Top4 der Tabelle allesamt bis zum letzten Spieltag im Rennen sein werden (mit einer kleinen Ausnahme). Durch den gestrigen Punkt, haben die Löwen sich mindestens ein Endspiel um den Relegationsrang am letzten Spieltag in Ingolstadt gesichert und können immer noch aus eigener Kraft aufsteigen. Was alles noch möglich ist, werden wir anhand eines weithin unterschätzten Fachbereichs der Mathematik wissenschaftlich berechnen: der Fußballarithmetik!

Aber bevor wir – entsprechend der Infrastruktur an Münchner Grundschulen – die Rechenschieber (und nicht die Excel-Tabelle!) rausholen, werfen wir einen Blick zurück auf das Spiel in Wehen gestern.

Ein Spiel für eine laaaange nächtiche Diskussion

Könnte man mit seinen Spezln Bier trinken und Fußballspiele in einer Boazn gemeinsam analysieren, würde man möglicherweise zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Gedanken ziemlich alkoholisiert aus einem Giesinger Stüberl treten und sich wundern, dass die Sonne gerade im Aufgang begriffen ist. Man hat doch lediglich mit seinen Spezln über das Spiel geredet und einfach keinen gemeinsamen Nenner gefunden, ob die Löwen nun 2 Punkte zu wenig eingefahren haben, glücklich einen Punkt gewonnen haben oder die Punkteteilung gestern eigentlich ganz gerecht war.

Wie viele Nächte habe ich in meinem Leben schon so verbracht…

Rückblick auf das gestrige Spiel

Und gestern? Also, ich denke, wir können auf das Spiel gesehen mit dem Punkt sehr zufrieden sein. Natürlich waren die Löwen zwischen der 20. und 30. Minute überlegen und hätten in Führung gehen können. Dann fiel der ärgerliche Gegentreffer, vor der Halbzeit hätten Tallig und Mölders dann gut und gerne ausgleichen können. Dafür hatte Wehen 2-3 Konter, bei denen sie eigentlich das 2:0 schießen müssen und dann wäre Schicht im Schacht gewesen. In der 80. Minute dann das glückliche 1:1 durch Steinhart. Aus meiner Sicht doppelt glücklich. Zum einen natürlich, weil der Ball von ansonst sehr starken Wehener Verteidiger Mockenhaupt abgefälscht wurde, zum anderen, weil der TSV 1860 München in der Spielphase davor ziemlich einfallslos und groggy gewirkt hatte. Tja und dann kurz davor noch der Kopfball von Belkahia… Da kann man schon mal eine Nacht drüber diskutieren!

Was machen die anderen?

Zum Glück konnte von den Aufstiegskonkurrenten gestern nur Dresden gewinnen und sich Gewinner des Spieltags fühlen. Rostock und Ingolstadt spielten unentschieden so wie wir. Übrigens beide in Heimspielen.

Die Geschichte der Fußballarithmetik

Erfunden wurde die Fußballarithmetik vom Mathematik- und Physiklehrer Klaus Rieß zwischen dem 08.06. und 13.06.1986. Anlass dafür war der damals 11-jährige Thomas Enn, der in einer Mathestunde irgendeinen Schmarrn gemacht hat und dafür mit einer Strafaufgabe bedacht werden sollte. Herr Rieß gab mir die Chance, diese Strafaufgabe nicht machen zu müssen, wenn ich ihm mathematisch korrekt aufzeigen könnte, bei welchen Ergebnissen, die deutsche Nationalmannschaft noch das Achtelfinale der damals laufenden WM in Mexiko erreichen könnte. Die Deutschen hatte im ersten Spiel 1:1 gegen Uruguay gespielt und das zweite mit Ach und Krach 2:1 durch Tore von Völler und Klaus Allofs gegen Schottland gewonnen. Gegen die formstarken Dänen witterte die deutsche Öffentlichkeit dann das Vorrundenaus und die damals ca. 64 Millionen Westdeutschen ergingen sich in bangen Berechnungen, mit welcher Ergebniskonstellation die Deutschen denn eine Runde weiter kommen könnten. Der kleine Thomas Enn konnte diese Konstellationen auf jeden Fall einwandfrei aufzeigen und wurde mit den bis heute unvergessen Worten: „Du bist ein wahrer Fußballarithmetiker!“ gelobt und die Strafaufgabe wurde ihm erlassen.

Die Deutschen verloren übrigens das dritte Gruppenspiel gegen Dänemark mit 2:0 und zogen dank eines 0:0 zwischen Schottland und Uruguay dennoch ins Achtelfinale ein. Am Ende wurden sie im Finale von Argentinien 3:2 geschlagen.

Angewandte Fußballarithmetik

Aktuell stellt sich die Top4 der Tabelle wie folgt dar (Ausgangslage):

  1. Dresden 69 +27
  2. Rostock 67 + 18
  3. TSV 1860 65 + 36
  4. Ingolstadt 65 + 10

Zwei Spiele sind noch zu absolvieren, maximal noch 6 Punkte für jedes Team zu holen. Wir berechnen hier jetzt aus der Sicht jedes einzelnen Teams, wie es sich einen sicheren Aufstiegsplatz sichern kann. Getreu Michi Köllners Motto „wir schauen nur auf uns“.

Dynamo Dresden

Dynamo Dresden hat den Relegationsplatz schon mindestens sicher. Denn durch unser Direktduell mit Ingolstadt ist die maximale Punktzahl, die der Viertplatzierte erreichen kann, 69. Und das auch nur, wenn Ingolstadt-1860 Unentschieden endet. Aufgrund der ggü. Ingolstadt 17 Tore besseren Tordifferenz kann Ingolstadt nicht mehr an Dresden vorbei ziehen. Gibt es bei Ingolstadt – 1860 einen Sieger, kann der Viertplatzierte nur auf maximal 68 Punkte kommen. Holt Dresden seinerseits noch einen Sieg, also 3 Punkte, sind sie vom sicheren Aufstiegsplatz nicht mehr zu verdrängen.

Dresden spielt noch daheim gegen Türkgücü und in Wehen.

Hansa Rostock

Rostock hat als Zweitplatzierter 2 Punkte Vorsprung auf Ingolstadt und uns. Da der Viertplatzierte maximal auf 69 Punkte kommen kann (s.o.), ist den Hanseaten Platz 3 bei einem Sieg nicht mehr zu nehmen. Um Platz zwei sicher buchen zu können, muss Rostock zwei Siege einfahren, denn die Löwen könnten Sie mit 71 Punkten und dem besseren Torverhältnis noch überholen.

Rostock spielt noch in Unterhaching und daheim gegen Lübeck.

TSV 1860 München und FC Ingolstadt

Ingolstadt und 1860 können gemeinsam abgehandelt werden, da lediglich das Torverhältnis unterschiedlich ist. Und zwar mit +26 Toren zu Gunsten der Löwen. Durch die 2 Punkte Rückstand auf Rostock, müssten sowohl 1860 als auch Ingolstadt beide Spiele gewinnen. Ingolstadt müsste hoffen, dass Rostock noch maximal 3 Punkte holt. Sechzig würde sogar Zweiter werden, falls Rostock 4 Punkte holt, da die Löwen das bessere Torverhältnis haben (Danke für den Hinweis, Sechzigcore!). Dann hätte der Sieger des Direktduells 71 Punkte, Rostock 70 (bzw. für Sechzig sogar 71) und der Verlierer des Direktduells maximal 68 Punkte. Dresden wäre für beide nur noch im Falle von maximal einem Unentschieden der Sachsen und zwei eigenen Siegen zu überholen.

Platz 3 ist dagegen für Ingolstadt nur mit zwei Siegen in den beiden ausstehenden Spielen sicher zu erreichen. Gewinnen die Löwen das Spiel gegen Rot II am Sonntag nicht, können sie wegen des Torverhältnisses trotzdem noch von den Löwen in jeder Konstellation durch einen Sieg überholt werden. Der einzige Unterschied ist, dass dem TSV 1860 bei einem Sieg im Derby in Ingolstadt auf Grund des Torverhältnisses maximal ein Unentschieden zu Platz 3 langen würde. Verliert Ingolstadt sein Spiel in Duisburg, könnten die Löwen mit einem Derbysieg übrigens Platz 3 schon sicher einfahren und für Ingolstadt ginge es um nichts mehr.

Und wie wahrscheinlich ist die jeweilige Konstellation?

Das kann ich Euch auch nicht sagen, Herr Rieß hat nur die Fußballarithmetik aber nicht die Fußballstochastik erfunden. Ich werde auf jeden Fall beim Homeschooling in den nächsten beiden Wochen verstärkt Fußballarithmetik auf den Stundenplan setzen!

Und mal in schauen, wer in der zweiten Liga auf Rang 16 kommt…

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Von wegen Fußballarithmetik. Man stelle sich mal vor, die Spieler würden sich mit so was beschäftigen. Da versteht man sofort, warum Köllner sagt, dass ausschließlich das nächste Spiel interessiert und sonst gar nix. Sonst wirst du plemplem.

Vielen Dank für die Giesinger Gedanken und die Taktiktafeln vor und nach den Spielen. Ihr macht einen phantastischen Job! Hut ab!

@Sechzigcore: Da hast Du Recht und auch wieder nicht. Bei der Betrachtung von Hansa ist es ja so geschrieben wie Du meinst. Bei Sechzig und Ingolstadt bezieht sich die Aussage auf beide Mannschaften und da gilt Deine Rechnung nur für Sechzig, nicht aber für Ingolstadt.

OK krass 😁 aber ich meine einen Fehler entdeckt zu haben. Wenn 60 6 Punkte holt dann kann Rostock auch 4 (nicht 3) Punkte holen und wir sind trotzdem zweiter oder?