Was nach einem Stammtisch-Kalauer klingt, hat sich gestern auf der Pressekonferenz der Löwen wirklich so abgespielt und ist eine Frage, die von einem akkreditiertem Reporter gestellt worden ist. Komplett zu sehen in der gestrigen Pressekonferenz ab Minute 05:30:

„Herr Köllner, Sie sind ja ein sehr gläubiger Mensch. Glauben sie, he (das „he“ klang wie ein unsicheres lachen über den schlechten Wortwitz der da gleich kommt), dass der Sieg heute Kraft gibt um die nächsten vier Spiele auch noch zu gewinnen, ist das überhaupt möglich gegen so starke Gegner und was könnte dann passieren wenn man die vier Spiele gewinnt?“

Gestellt wurde diese Frage an Michael Köllner im übrigen von dem Reporter, der ihm vor wenigen Tagen noch vorgerechnet hat, dass man noch 18. werden könnte und der bei der Dienst-Wagenübergabe an Michael Köllner Anfang des Jahres mit etlichen Fragen zum Thema „Reisinger“ auffiel. Nein, es war nicht der Blogger.

(Von dieser Veranstaltung ist auch das Bild)

Vermutlich um den Coach gleich einmal darauf aufmerksam zu machen, dass es bei diesem Verein vielen Leuten um alles geht – nur nicht um einen erfolgreichen TSV 1860.

Wenn nach einem Fußballspiel in geselliger Runde im Sportlerheim oder der Kneipe jemand sagt „ich bin ein gläubiger Mensch, ich glaub ich trink noch ein Bier“ – dann hat dieser Witz einen so langen Bart, dass niemand mehr darüber lacht.

Wenn bei einer Pressekonferenz nach einem Profi-Fußballspiel von einem Reporter dieses Wortspiel gebracht wird, dann schäme ich mich fremd.

Glauben ist Privatsache. Glauben gibt Menschen Kraft, Hoffnung und Zuversicht.

Ich selber bin kein religiöser Mensch. Für mich persönlich gibt es zu viele Fragezeichen in den großen Büchern und ich orientiere mich eher an „Fakten“ als an „glauben“. Dennoch freut es mich, wenn der Glauben Menschen Halt, Hoffnung und Zuversicht gibt. Egal von welcher Religion.

Der Glaube ist etwas, was respektiert gehört. Es ist nichts, über was man dumme Witze machen sollte, schon gleich gar nicht als Reporter in der Öffentlichkeit.

Dass Michael Köllner diese Frage gewohnt souverän gemeistert und die Grenze zwischen „Glauben“ und „Fußball“ deutlich aufgezogen hat, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ein paar Pressekonferenzen gibt es noch diese Saison – der Löwe darf gespannt sein, was da noch kommt.

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