Zugegeben: Der Verfasser dieser Zeilen und Betrachtungen wurde von einem aufmerksamen Leser auf die Tatsache hingewiesen, die hier besprochen wird. Und wir sollten den Parallelen vielleicht auch nicht zu viel Bedeutung beimessen. Oder doch? Am Ende steht in der Geschichte auf jeden Fall ein Happy End. Das würden wir in der Gegenwart auch so nehmen. Mit Handkuss.

Werner Lorant übernimmt nach dem Abstieg

Wir reisen zurück ins Jahr 1992. Die Löwen sind im Frühsommer zuvor nach nur einem Jahr Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga wieder in die damals drittklassige Bayernliga abgestiegen, in der man – nach dem Linzenzentzug von 1982 – zuvor schon neun lange Jahre ein trauriges Dasein gefrist hatte, das zwar von der unerschütterlichen Treue der Löwenfans, aber auch von vielen, vielen sportlichen Enttäuschungen und nur wenigen Höhepunkten geprägt war. Zum Neustart im Sommer ’92 kam ein neuer Trainer an die Grünwalder Straße, der sich in den Folgejahren einen großen Namen beim TSV 1860 München machen sollte: Werner Lorant.

Mauer Start mit zwei Unentschieden

Vor der Spielzeit wusste keiner so recht, wo man als Zweitligaabsteiger eigentlich stand, der sofortige Wiederaufstieg war aber logischerweise das klare Ziel. Doch der Saisonauftakt war wenig vielversprechend. Die beiden ersten Spiele gegen den SC 08 Bamberg (2:2) und bei der SpVgg Fürth (1:1 vor 7.000 Zuschauen am altehrwürdigen, noch kein bisschen ausgebauten Ronhof) endeten nur Unentschieden. Die Parallele zu dieser Saison 2026/27 schon erkannt? Klar, damals war die Enttäuschung über die beiden Remis zum Start deutlich größer, als Anfang August 2026 – die Punktausbeute war aber identisch.

Erster Sieg im dritten Spiel…

Weiter ging es vor 34 Jahren dann mit einem knappen 2:1 Sieg (im “Glutofen Sechzgerstadion” wie die Abendzeitung am Montag danach titelte) über den TSV Verstenbergsgreuth. Dieser Verein trat damals noch mit einem eigenen Team im ambitionierten Amateurfußball an und war noch nicht – wie später dann – mit dem Löwengegner des vorangegangenen zweiten Spieltags dieser Saison fusioniert worden. Diesem ersten Saisonsieg im dritten Spiel (wie heuer in Memmingen) folgte damals ein weiterer Erfolg: Ein 1:0 beim TSV Eching. Zwei Unentschieden und zwei Siege zum Auftakt. Das kennt wir aus den letzten Wochen.

…Pokal-Aus nach dem zweiten Liga-Sieg

Und damit nicht genug: Nach den ersten vier Ligaspielen folgte die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal. Mit Dynamo Dresden schaute am 18. August 1992 ein zwei Ligen höher beheimatetes Team vorbei, dem der Außenseiter TSV 1860 auf dem Rasen lange Paroli bot, sich aber letztlich – ein wenig unglücklich – mit zwei Gegentoren geschlagen geben musste (1:2). Rund 15.000 Zuschauer waren damals – wie heute – beim Pokalspiel auf Giesings Höhen zugegen. Freilich war das Stadion damals nur etwa halbvoll. Nicht alles lief im Sommer 1992 wie heuer.

1992 folgten fünf Siege

Damit endet die belegbare Parallele – zunächst. Und wie ging es dann 1992 weiter? Nun, die Löwen spielten selten gut, eilten aber von Sieg zu Sieg. Fünfmal in Folge gingen Roland Kneißl & Co. vom Platz, ohne auch nur ein Gegentor kassiert zu haben. Gegen die SpVgg Weiden (3:0 vor nur 4.500 Zuschauern im Sechzgerstadion an einem Mittwochabend Ende September), im Auswärtsspiel gegen die kleinen Roten (1:0 vor immerhin 6.200 im Grünwalder Stadion), gegen Jahn Regensburg mit Trainer Karsten Wettberg (1:0, 10.000 Zuschauer) in Memmingen (1:0) und gegen den 1. FC Passau (4:0, 7.500) hielt die Serie von damit sieben Siegen am Stück. Just, als mit dem überzeugenden Sieg über die Niederbayern der Knoten geplatzt schien, kam der FC Starnberg daher. Am 10. Spieltag setzte es in Unterhaching (wo die Starnberger das Heimspiel gegen die großen Löwen austragen mussten) gegen den Aufsteiger die erste, sehr bittere Niederlage der Saison (2:3).

Aussichten auf diesen Spätsommer

Übertragen in die Gegenwart würde das bedeuten, dass wir uns nun auf Siege gegen Landsberg, in Vilzing, gegen Schwaben Augsburg, in Fürth und gegen den 1. FC Nürnberg II freuen dürften. Die nächste Niederlage würde im zehnten Ligaspiel der Saison in Burghausen drohen. Andererseits: So kleinteilig müssen die Parallelen zu 1992 ja nicht unbedingt weitergehen.

Zwei Aufstiege hintereinander

Uns würde eine Analogie des Großen und Ganzen schon genügen.
Wer erinnert sich?
Am Ende der Spielzeit 1992/93 stand – nach einer Aufstiegsrunde mit u.a. dem SC Norderstedt, also einem Verein aus dem hohen Norden der Republik – die direkte Rückkehr in den Profifußball. Und nur ein weiteres Jahr später war dann der Bundesligaauftstieg in Meppen zu bejubeln. Die Löwen waren völlig sensationell durch die nächsthöhere Liga durchmarschiert.
Entsprechend in der Gegenwart gedacht steht also schon im Frühsommer 2028 die Rückkehr des TSV 1860 in die 2. Bundesliga auf dem Spielplan.
Nehmen wir, oder?

Nur vier analoge Gegner

Noch ein Nachsatz: Für die wirklich historisch interessierten Leser*innen ist die Betrachtung der – rein bayerischen – Ligagegner aus der Saison 1992/93 im Vergleich zu 2026/27 vielleicht noch von Belang. Eigentlich sind es nur vier Vereine, die damals wie heute gegen 1860 antraten: Die kleinen Roten, der FC Memmingen, der 1. FC Schweinfurt und die SpVgg Bayreuth. Hinzu kamen damals noch der FC Augsburg und die SpVgg Fürth, die jeweils mit ihren ersten Mannschaften in der “Amateuroberliga Bayern”, wie sie offiziell hieß, mitspielten.

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Titelbild: Aufstiegs-Platzsturm in Giesing am 13. Juni 1993: Die Löwen sind nach nur einem – erneuten – Jahr in der Bayernliga zurück im bezahlten Fußball.

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Bezugsperson

Auch wenn es, sorry, thematisch ein bisserl abdriftet: Wie schön ist bitte dieses Titelbild!? Eine rappelvolle und beflaggte Westkurve. Reinste Ästhetik für meine Augen. Schon immer fasziniert mich die Zaunfahnenkultur bei Sechzig. Schön, dass sich dieser Oldschool-Vibe im Sechzgerstadion etwas erhalten konnte – bis heute (spontan fallen mir Zaunfahnen wie Giesinger Löwen, Blue Warriors, die neue/alte LfgR-Fahne und diverse weitere ein). Man kann nur hoffen, dass das auch in der Zukunft erhalten bleibt und möglich ist, wenn die Westkurve notwendigerweise modernisiert wird.