Die Uhr tickt unerbittlich: Morgen, am 3. Juni um 17:00 Uhr, läuft die Nachweisfrist beim DFB ab. Dem TSV 1860 München fehlen 2,7 Millionen Euro, um die Lizenz und damit den Verbleib in der 3. Liga zu sichern. Gerissen wurde diese Liquiditätslücke durch die HAM International, die zugesagte Darlehen extrem kurzfristig kündigte und weitere finanzielle Mittel an einen Forderungskatalog knüpfte.

Der Rückzieher beim Vorkaufsrecht

Wie wir hier auf sechzger.de bereits vor einigen Tagen berichtet haben, hat Hasan Ismaik laut eigener Aussage die weitreichendste seiner Forderungen mittlerweile fallengelassen: Der e.V. muss nicht auf sein Vorkaufsrecht verzichten (ursprünglich Punkt 7, die sogenannte “Exit-Unterstützung”). Dass dieser Punkt von der Liste gestrichen wurde, ist bezeichnend. Offenbar hat die Investorenseite im letzten Moment erkannt, dass diese plumpe Einmischung in die Gesellschafterrechte des Stammvereins rechtlich kaum haltbar und in der Öffentlichkeit als reine Erpressung demaskiert war.

Die verbleibenden Nebelkerzen und das selbst gebuddelte Loch

Was von der ursprünglichen Liste bleibt, sind angebliche Sorgen um Compliance, Controlling und Ausgabendisziplin. Diese Argumentation muss nüchtern betrachtet als Nebelkerze eingestuft werden. Die Investorenseite stellt seit Jahren den Aufsichtsratsvorsitzenden; strukturelle Mängel hätten von den Kontrollgremien jederzeit behoben werden können. Die KGaA wird zudem jährlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert.

Noch paradoxer wird es beim beklagten Finanzbedarf: Die 2,7 Millionen Euro resultieren maßgeblich aus einer Etat-Erhöhung, die die Vertreter der HAM im Aufsichtsrat kraft ihrer Stimmenmehrheit und gegen das ausdrückliche Votum der e.V.-Vertreter durchgedrückt hatten. Erst das Millionenloch buddeln, das eigene Budget verabschieden und sich im Nachgang über fehlende Ausgabendisziplin beschweren – das entbehrt jeder kaufmännischen Logik.

Das juristische Bumerang-Szenario: Liquiditätskollaps und Millionenklage

Sollte die HAM bis morgen kein Geld fließen lassen und der TSV 1860 infolgedessen die Drittliga-Lizenz verlieren, droht dem Investor ein handfestes juristisches Nachspiel mit einem doppelten finanziellen Bumerang-Effekt. KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula hat die Darlehenskündigung mangels ordnungsgemäßer Abmahnung und Fristsetzung (§ 314 Abs. 2 BGB) bereits formal als rechtsunwirksam zurückgewiesen. Das löst eine folgenschwere Kettenreaktion aus:

Erstens: Die KGaA hat bereits einen Großteil der Dauerkarten für die kommende Saison verkauft – explizit für Profifußball in der 3. Liga. Ein Zwangsabstieg in den Amateurbereich stellt eine klare Leistungsstörung dar. Wenn in der Folge massenhaft Fans das schon bezahlte Geld für ihre Dauerkarten zurückfordern, gerät die KGaA sofort in einen massiven, zusätzlichen Liquiditätsengpass. Um die KGaA dann vor der sofortigen Insolvenz zu bewahren – was für Ismaik den Totalverlust seiner Anteile bedeuten würde –, müsste er genau dieses Loch notgedrungen auslegen und ausgleichen.

Zweitens: Nach deutschem Recht macht sich die Seite, die einen Darlehensvertrag unberechtigt kündigt und Auszahlungen verweigert, voll schadensersatzpflichtig. Wenn die KGaA nachweisen kann, dass die vertragswidrige Kündigung kausal zum Lizenzentzug geführt hat, könnte sie Ismaik im Nachgang für den gesamten wirtschaftlichen Schaden (TV-Gelder, Sponsorenausfälle, Regressansprüche) in Regress nehmen. Die aktuelle Blockadehaltung birgt also potentiell ein enormes Haftungsrisiko für den Investor selbst.

Bei Abstieg: Geld zurück?

Es ist das gute Recht eines jeden Einzelnen, im Falle eines Zwangsabstiegs die Dauerkarte zurückzufordern. Wir alle haben für teures Geld ein Produkt gekauft, das explizit “3. Liga” heißt. Wird uns dieses Produkt verweigert, steht uns unser Geld rechtlich zu. Ich persönlich – und viele, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe – werden von diesem Recht definitiv Gebrauch machen. Jeder zurückgeforderte Euro erhöht den unmittelbaren Druck auf die Verursacher dieser Krise und zwingt sie, die finanzielle Suppe, die sie der KGaA eingebrockt haben, selbst auszulöffeln.

Es gibt kein “2017 2.0” !

Man darf sich auf der Investorenseite keinen Illusionen hingeben: 2017 wurde der brutale Fall noch durch die hochemotionale Rückkehr in das Grünwalder Stadion abgefedert werden. Das hat damals unglaublicherweise eine ganz neue Euphorie entfacht und die Löwen-Familie zusammengeschweißt. Aber diese Karte ist ausgespielt. Einen solchen emotionalen Rettungsanker gibt es nicht mehr.

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10 Comments
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Dom

Vor der budgeterhöhung waren unsere einzigen Neuzugänge Volland,niederlechner und Jakob. Wären also statt aus reinen finanziellen Gründen aus sportlichen Gründen zu 99% abgestiegen mit dem UrsprungsKader. Gibt es eigentlich sonst irgendwelche Angebote von den Verantwortlichen(HAM/EV) warum wir sowenig Budget jedes Jahr zur Verfügung haben für den sportlichen Bereich und trotzdem minus dabei machen bevor es zu den Budget Erhöhungen kommt, die das Minus noch weiter erhöhen. Wie möchte man das Problem lösen ausser einen neuen Investor zu finden der Löcher stopft..

_Flin_

Wir haben nicht wenig Budget zur Verfügung. Es ist nur immer grösser als unsere Einnahmen.

Die Ursachen dafür sind unter anderem
– eine Merchandise, die nicht uns gehört
– ein NLZ, das grösser ist, als wir uns leisten können
– ein Stadion, das veraltet ist und suboptimale Erträge liefert (Anzeigentafel, Logen, Business Seats etc.)
– Zinsen
– zu selten im DFB Pokal

_Flin_

Am liebsten 3.Liga mit Konsolidierungskurs nächstes Jahr. Dann will ich auch keine Dauerkarte zurück. Es ist Ismaiks gutes Recht, dauerhafte Finanzlöcher nicht stopfen zu wollen. Bei selbstverursachten Löchern, deren Stopfung vertraglich zugesichert ist, sieht das anders aus.

Auch bei Insolvenz und Abstieg will ich keine Dauerkarte zurück.

Sollte Ismaik uns aber erneut in die “4” zwingen, ohne dass dadurch Konsequenzen in Form von Insolvenz und Kündigung des Koop-Vertrags erfolgen, dann können die mich alle mal und ich will mein Geld zurück.

Last edited 10 Minuten zuvor by _Flin_
Elilfant

Ich verstehe die Argumentation im Artikel so: Wenn Ismaik uns in die 4 zwingt, dann zwingen wir die KGaA durch die Rückforderung der Dauerkarten in die Insolvenz.

Vorstopper

Gute Zusammenfassung der momentanen Situation. Wieso es in einem höchst umstrittenen, ausschließlich den eigenen finanziellen Interessen dienenden Blog, immer noch genügend User gibt, die Hasan seinen Krampf abnehmen bzw ihn auch noch unterstützen, ist mir ein Rätsel.
Ich frage mich auch seit dem Einstieg des Kreditgebers, ist er wirklich so naiv/doof oder wird nur miserabel beraten?
Ohne massiven Gesichtsverlust kommt er aus der Geschichte nicht mehr raus. Entweder er zahlt, dann ist sein Erpressungsversuch völlig ins Leere gelaufen und zukünftig wird niemand mehr seine Drohungen ernst nehmen, oder er lässt seine angeblich so geliebten Löwen ein zweites Mal vorsätzlich in die Regionalliga absteigen.
Ich hoffe stark, der eV bleibt standhaft und wir werden diesen Typen endlich los!
Freiheit für 60
#ohneHasan

Peter

Ich finde dafür nur eine schlüssige Erklärung, die ich aber nur vermuten und nicht beweisen kann.

Robert von Giesing

Tik tak, tik tak…. OHNE HASAN!!

Last edited 48 Minuten zuvor by Robert von Giesing
Kraiburger

Ich hätte ganz gerne eine schonende Variante, in der wir kommende Saison in der dritten Liga ohne Hasan um den Aufstieg mitspielen.

Aber wenn ich mich entscheiden muss, ob wir nächste Saison lieber ohne Hasan, oder um den Aufstieg in der dritten Liga spielen, dann würde ich lieber ohne Hasan spielen. Und dann im Jahr drauf um den Aufstieg in der dritten Liga.

Oh Mann, mir graut vor morgen!

Bleibt Standhaft, Löwen! Wir stehen bei euch!

Abedi_Loewee

Ismail hat eigentlich keine andere Wahl, als zu zahlen. Vermutlich wird er es auch tun, 60 grade so weiter am Leben erhalten und der Kreislauf beginnt aufs Neue. Nächstes Jahr sitzen wir dann wieder mit ähnlichen Meldungen beisammen, nach einer mittelmäßigen Saison, in der wir 8. oder so wurden. Weil einerseits nie genug Kohle für Qualität da ist, aber trotzdem Spieler geholt werden, die dem Nachwuchs den Weg versperrt. Ich hoffe sehr, dass ich falsch liege und wir doch mal den Ausreißer nach oben haben, dass endlich jemand kommt und uns von Ismaim befreit. Ich stimme dem zu, der Gang in die 4. damals und die Hoffnung auf einen reinigenden Spirit war groß, eigentlich kaum zu wiederholen, gleichzeitig fühle ich mich auch so müde und leer und einfach nur genervt, dass ich die Variante mit Abstieg und Trennung vom Scheich mittlerweile fast schon attraktiver finde, als eine nochmal 10 Jahre andauernde Zeitschleife mit “Wir steigen auf”-Parolen und Ernüchterung, dass wir einfach noch nicht so weit sind, obwohl das eigentlich auch jederzeit offensichtlich war. 

Viel Pessimismus, tut mir leid, aber dennoch habe ich die Hoffnung nicht ganz verloren, dass der positive Twist noch kommt und vielleicht kurz bevorsteht…..

Abedi_Loewee

Und nur, um es klarzustellen: Ich nehme jede Variante ohne Ismaik lieber, das hat keinen Einfluss auf meinen Support zum Verein, selbst wenn es zwei +x Ligen runtergeht.