Ein fleissiger Leser

Michael Köllner verfolgt seit seinem Einstieg beim TSV 1860 vor fast zwei Jahren die vielfältige Berichterstattung rund um Münchens große Liebe intensiv. Nicht selten ließ der Oberpfälzer seine Zuhörer in der LÖWENRUNDE aufhorchen, wenn er bei seinen Ausführungen aus den Tiefen weiß-blauer Internetforen zitieren konnte oder direkt auf zuvor in einer der fünf Tageszeitungen geschriebenes Wort einging. Es gehört offensichtlich zu seinem Verständnis von Professionalität, auch diesen wichtigen Bereich eines Traditionsvereins zu verfolgen und gegebenenfalls zu kommentieren. Am heutigen Freitag in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Viktoria Berlin machte der Löwendompteur aber deutlich, dass es auch bei ihm Grenzen gibt. Von der Diskussion um die Einlassungen von Olaf Bodden zur Physiognomie Sascha Mölders’ habe er nicht ein Wort verfolgt, berichtete der Coach.

Verändertes Mediennutzungsverhalten?

Grund genug für den Vertreter von sechzger.de direkt nachzuhaken: Ob er in einer Zeit, in der der Ton rund um 1860 rauher und kritischer gegenüber seiner Arbeit und den Leistungen der Mannschaft werde, als in den erfolgreichen Monaten zuvor, selektiver an die Berichterstattung heranginge, war die Frage.

“Ich verstehe die Diskussion. Es ist ja nicht so, dass die Presse sagen kann: ‘Der Köllner kann 38 Mal verlieren und wir finden ihn immer noch super’.”

Michael Köllner hat also Verständnis für die Gemütslage von Medienvertretern und Fans. Man habe durch die letzte Saison eine hohe Erwartungshaltung geschürt, der man aktuell noch nicht gerecht werde. Für die daraus folgenden Kommentare – speziell, aber nicht nur – in den Sozialen Medien hat Köllner teilweise Verständnis. Er weiß aber auch, dass Fans – und das gilt wohl speziell für die Löwenfans – dazu neigen, das Negative besonders zu betonen. Für ihn bedeutet das:

“Ich versuche, nicht grundsätzlich zu sagen ‘Sowas gebe ich mir nicht’, sondern ich muss am Ende für mich selektieren: Was tut meiner Psyche gut? … Wenn mir meine Frau die Überschrift vorliest, ‘Sechzig ist im freien Fall’, dann frage ich mich aber natürlich schon… Wenn das schon der freie Fall ist, dann möchte ich den richtigen freien Fall nicht kennenlernen.”

Köllner kennt das Geschäft

Aus seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg, den er im Frühjahr 2017 aus dem Keller der 2. Bundesliga holte und gut ein Jahr später sensationell in die Erstklassigkeit führte, kennt er die emotional sensible Lage bei einem typischen Traditionsverein. Im Februar 2019, nur rund acht Monate nach dem umjubelten Aufstieg, griffen am Valznerweiher die Mechanismen des Fußballgeschäfts und Köllner wurde entlassen. Aufgrund dieser Erfahrungen dürfte ihn zumindest nicht überaschen, dass auch im Umfeld von Sechzig München wenig Zwischentöne, sondern in der Regel nur himmelhohes Jauchzen oder deprimiertes Klagen zu vernehmen ist. Wieviel er davon an sich heranlässt, liegt in seiner eigenen Hand.

 

 

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Situationsgerecht fand ich die Ausführungen von GG. Hat betont, dass viele Gespräche zwischen Trainer und Sport-GF stattfinden. Auch überzeugten die Aussagen zu den strategischen Überlegungen. Auch die Hinweise zu den abgestimmten Personalentscheidungen überzeugten.

Für mich war das alles verklausuliert eine Rückendeckung für den Trainers