Die „Mechanismen der Branche“. Eine Phrase aus der Hölle. Nach elf Punkten aus den ersten neun Spielen fordern schon einige Fans den Kopf des Trainers. Klar, zufrieden darf man mit dem Saisonstart der Löwen nicht sein, aber ich persönliche erachte diese Forderung als a) überhastet und b) zum jetzigen Zeitpunkt unbegründet.

Obwohl es einen nicht wundern sollte, bin ich aber dennoch überrascht, welch stinknormaler Verein der TSV 1860 doch ist. Wenn es nicht läuft, greifen die besagten „Mechanismen der Branche“ auch bei uns. Münchens große Liebe hat zwar vielleicht ein paar positiv Bekloppte mehr, die sogar in der Regionalliga ins Stadion gehen, aber im Großen und Ganzen war es das dann auch schon… War ganz einfach die Erwartungshaltung zu hoch? Aber andererseits: Hätte man es Köllner und Gorenzel abgenommen, wenn sie vor der Saison Platz 6 als Saisonziel angegeben hätten?

Spielerisch ist der Wurm drin

Ja, auch ich bin enttäuscht vom Saisonstart der Löwen. Sowohl spielerisch als auch von den Ergebnissen her ist da sehr viel Luft nach oben. Anders als in der Vorsaison gab es bislang keine Partien, die der TSV 1860 dominiert hat und in denen Sechzig in der Offensive so kreativ war, dass der Gegner gar nicht mehr wusste, wo links und wo rechts ist.

Woran das liegt? Gute Frage. Gerne wird in den (sozialen) Medien der Flirt des Trainers mit Austria Wien genannt. Aber wieso sollte sich das so negativ auf die Mannschaft auswirken? Weil man Köllner das gemeinsame Ziehen an einem Strang nicht mehr abnimmt? Ernsthaft?

In den Giesinger Gedanken von gestern hat Thomas Enn ja die Frage aufgeworfen, woran es aktuell hapert. Auch die sachlich fundierten Kommentare unserer Leser zeigen, dass es den einen Grund nicht gibt. Das macht es extrem schwierig, die Ursache zu finden und wieder in die Spur zu kommen.

Am Einsatz mangelt es nicht

Gerade in der heutigen Zeit ist es doch so, dass Fußballer und ihre Berater ständig dahinter sind, sich zu verändern, sich zu verbessern und auch finanziell das Optimum rauszuholen. Das mag ich ihnen auch nicht wirklich vorwerfen. Warum aber sollten die Sportler jedoch ihrem Übungsleiter nicht Ähnliches zugestehen? Ganz abgesehen davon schneiden sie sich ja hinsichtlich etwaiger Prämien ins eigene Fleisch, wenn sie nicht vollen Einsatz zeigen und Punkte liegen lassen.

Fehlende Einsatzbereitschaft kann man dem Team meines Erachtens auch nicht vorwerfen. Selbst am Samstag bei der ernüchternden Niederlage gegen den FSV Zwickau haben die Löwen versucht, das Ruder noch rumzureißen. Es fehlten jedoch leider die spielerischen Mittel und – wie so oft in dieser Saison – auch der Glaube an sich selbst. Will man deswegen die „Mechanismen der Branche“ zur Anwendung bringen?

Greifen bei 1860 die “Mechanismen der Branche”?

Ist seitens des Trainers eine Abnutzung zu erkennen? Mangelt es bei ihm an Einsatz? Fehlen ihm die Ideen? Aus meiner Sicht sind alle drei Fragen eindeutig mit „Nein“ zu beantworten. In den ersten zwanzig Minuten war das ja durchaus ansehnlich, was die Löwen auf den Platz brachten. Doch statt selber in Führung zu gehen, stand es nach einem individuellen Fehler plötzlich 0:1. Erinnerungen an das Heimspiel gegen den SV Meppen wurden wach. Klar, Fußball ist ein Ergebnissport, aber es ist mir einfach zu billig, den Trainer dafür verantwortlich zu machen, dass der letzte Pass vor dem Tor nicht ankommt.  Ich bin noch immer froh, dass Michael Köllner die Löwen trainiert und wünsche mir sehr, dass er den TSV 1860 aus der derzeit sportlich unbefriedigenden Situation herausführt.

Auch die immer wieder aufkeimende Kritik an Günther Gorenzel, die gerade in diversen Kommentarspalten gerne mal ins Niveaulose abdriftet, ist schwer nachvollziehbar. Bedenkt man die wirtschaftliche Situation der KGaA, hat er mit Neuzugängen wie Marcel Bär, Yannick Deichmann und Kevin Goden – um nur mal die Neuen der laufenden Saison zu nennen – sicher nichts falsch gemacht. Die so oft geforderte Breite des Kaders wurde angepackt und umgesetzt. Wir haben halt keinen Geldscheißer… Nochmal: Will man deswegen die „Mechanismen der Branche“ zur Anwendung bringen?

 

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Servus Bernd,

vielen Dank für deinen Diskussionsbeitrag.
Wie du im letzten Absatz bestätigt hast, hat Greilinger gegen Halle eine fehlerfreie und exzellente Partie gespielt. Ich bin in Halle im Block 10, direkt links neben dem Gästestehblock gesessen und habe daher unmittelbar das außergewöhnlich gute Zusammenspiel von ihm mit Biankadi auf der linken Seite bewundert. Die beiden haben sich blind verstanden, das war jedenfalls
mein Eindruck. Ich habe mir gedacht, aha eine neue Variante, bei der es sich lohnen könnte, sie weiter zu verfolgen. Daher frage ich mich, warum man diesen Schwung nicht mitgenommen hat.

Servus Stefan,
im Gegensatz zu dir sehe ich Philipp Steinhart als nicht Bank auf der linken Seite. Zwar sind seine Offensivaktionen insbesondere seine Diagonalpässe durchaus beachtlich aber in der Verteidigung lässt er sich viel zu leicht überlaufen. Gefühlt fallen aus meiner Sicht zu viele Gegentore über unsere linke Seite.Möglicherweise irre ich mich da.
Vielleicht kann sich da einmal der Taktik- und Statistikfuchs von diesem Forum einschalten.
Greilinger hat jedenfalls in Halle fehlerfrei gespielt. Sicher hat dazu die Dezimierung etwas beigetragen.

Servus beinander. Phillipp Steinhart ist von den defensiven Werten, abgesehen von den Abgefangenen Bällen, momentan über dem was er in der letzten Saison geleistet hat.
Bälle fängt man hauptsächlich dann ab, wenn der jeweilige Angreifer zuvor von einem anderen Gegenspieler zum Pass gezwungen wurde. Das spricht für die Theorie von Stefan, dass er oft alleingelassen wird und die Spieler im Mittelfeld auf der Außenbahn schlechter verteidigen als noch vergangene Saison.
Die Statistiken bestätigen das. Alle Spieler die bisher diese Saison offensiv auf der linken Außenbahn gespielt haben, außer Linsbichler, für den es einerseits keine Vergleichswerte gibt, der aber andererseits, im Vergleich mit seinen in Frage kommenden Kollegen, in allen relevanten Kategorien Topwerte aufweist, sind im defensiven Zweikampf um etwa 10% schlechter als in der Vorsaison und fangen zwischen 50% und 75% weniger gegnerische Pässe ab.
Des weiteren führt Steinhart zwar im Schnitt einen Zweikampf pro Partie weniger, dafür gewinnt er um 4% mehr als noch vergangenes Jahr. Dass er weniger Zweikämpfe im Schnitt führt liegt vermutlich daran, dass der TSV bislang insgesamt mehr Ballbesitz hat als vergangene Saison. Solange man selbst den Ball hat muss man nicht verteidigen.
Auch bei gewonnenen Kopfballduellen ist er mit einem Wert von knapp 60% für einen Außenverteidiger sehr gut.
In dem einen Spiel in dem Greilinger Steinhart vertreten hat muss man allerdings sagen hat Greilinger eine Spitzenpartie abgeliefert. Er war in allen für die defensive relevanten Werten überragend. Dieses eine Spiel ist aber nur eine Momentaufnahme, das darf man nicht als Maßstab nehmen.
Ich hoffe diese Fakten helfen in der Diskussion weiter.

Erstmal Kompliment an alle Schreiber hier und den Autor Stefan Kranzberg. Ich finde die Art und Weise wie unsere Löwen-Situation kritisch betrachtet wird, stil- und respektvoll. Danke, behaltet das bitte so bei und unterscheidet 60er.de von anderen Löwenmagazinen.
Ich habe mich am Wochenende sehr über beleidigende Kommentare gegen 1860-Funktionäre und Spieler geärgert -äußerst beschämend.
Und zum Artikel sage ich, wieder sehr treffend. Jeder dachte, dieses Jahr wird ein Selbstläufer, aber auch dieses Jahr müssen wir jedes Spiel die Punkte erkämpfen. Der Trainer und Günter Gorenzel sind dabei Top-Leute, die den Erfolg langfristig an die Grünwalderstraße bringen, aber wir Löwen haben keine Geduld und das müssen wir lernen. Wenn es diese Saison nichts wird, dann nächste Saison. Aber wir können es auch dieses Jahr schaffen, wenn wir den Kampf annehmen.
Schöne Grüße
Altdorfer

Stefan, ich muss dir da jetzt widersprechen:
Natürlich waren zwei Spiele, in denen die Löwen eindeutig dominant waren, nämlich Köln und Halle! Ich darf erinnern: nach Köln war allgemein der Angriff auf die Spitze ausgerufen worden und in Halle war die Dominanz unübersehbar. Wenn Sascha den Elfer nicht verballert hätte, gäbe es heute kein Krisengerede.
Allerdings gestehe ich zu:
1. Greilinger hätte nach seiner Leistung in Halle eine Aufstellung in der Startelf verdient gehabt,
2. Ich würde es im Sturm mal mit Bär und Linsbichler von Beginn an versuchen.

Servus Reinhard,

ich sehe das ein wenig anders. Gegen Köln wurde zwar hoch gewonnen, dominant fand ich es aber nicht. Gerade vor der Pause hatten die Löwen gewaltig viel Glück, dass man nicht 1-2 Gegentreffer kassierte.

Bei Halle gebe ich Dir bedingt recht. Das war eine ordentliche Leistung, wobei man nicht vergessen darf, dass Sechzig da eine Stunde lang in Überzahl agierte und dafür erstaunlich wenige Torchancen kreierte. Bezüglich des Elfers stimme ich Dir zu.

Zu 1.) Ja, kann man so sehen, wobei ich den Steinhart als LV insgesamt schon deutlich stärker erachte als den Fabi. Die Entscheidung kann ich also nachvollziehen, obgleich Greilinger seine Sache zuletzt gut gemacht hat.

Zu 2.) Das sehe ich ganz genauso. Einen Versuch wäre es wert und die beiden könnten sich in der Tat gut ergänzen.

beim “Flirt mit Austra Wien” ist der Zeitpunkt ganz entscheidend .
Nicht nach Ende der Saison sondern finale Verhandlungen in Wien wenige Tage vor dem vorletzten Saisonspiel vs. FC Bäh2 – das geht gar nicht !!
Wirkte er nicht bei den beiden letzten Partien der Saison merkwürdig emotionslos und abwesend ?
Bei mir , vielenSpielern und den Verantwortlichen des TSV 1860 hat er damit leider entscheidenden Kredit verspielt !!
Trauert er aktuell vielleicht immer noch dem untersagten Karrieresprung (?) nach Wien nach .
Für mich ist das der Hauptgrund der Misere .

Auch als Fan von Michael Köllner halte ich den Zeitpunkt für Gespräche mit einem potentiellen Neuverein für vollständig verfehlt. Für mich arbeitet MK viel mit persönlicher Ansprache mit den Spielern. Er vermittelt ihnen einen Teamgedanken mit Geschlossenheit und füreinander einstehen. Und dann kommt er zwei Spieltage vor dem Saisonende daher und zerstört den Spielern diese emotionale Verbundenheit mit Verein und Team. Leider unsäglich, auch wenn ein Jobhopping heute zum Standard gehört. Nur leider passt Ansprache und Verhalten nicht zusammen.

Insoweit kann ich micht nur anschließen: “Bei mir, vielen Spielern und den Verantwortlichen des TSV 1860 dürfte er damit leider entscheidenden Kredit verspielt haben!!

Was auch für großes Unverständnis bei Spielern und Vorgesetzten ausgelöst haben dürfte, ist die Wahl des neuen Vereins. Ohne jeden Zweifel ist Wien eine tolle Stadt. Ist aber der FK Austria Wien ein toller Verein? OK, Austria spielt in der östereichische Bundesliga. Aber wie lange noch? Zwar hat Austria eine tolle Arena angemietet, welche aber eher dürftig besucht wird. Und die Löcher in der Kasse scheint bei Austria nicht viel kleiner als bei 1860 zu sein. Und was sportlich gemeldet wird klingt wie für 1860 geschrieben: “Die Austria wirkte in ihrem Bestreben gegen den zunächst sehr tief stehenden Gegner immer wieder etwas überhastet, lange Bälle in die Spitze wurden oft, weil ungenau, verschenkt. Nur einmal kam man in der ersten Hälfte vielversprechend vor das Tor, …”

Wenn das zutrifft, wird es Michael Köllner schwerfallen, aus der selbst gebastelten Falle auszusteigen.

Servus zell,

des Zeitpunkt der Kontaktaufnahme hat natürlich Austria Wien bestimmt und nicht Michi Köllner. Die sind ja schließlich an ihn herangetreten.

Die Frage ist für mich mehr, warum er sie zum damaligen Zeitpunkt nicht einfach hat abblitzen lassen oder ein Gespräch für nach der Saison angeboten hat. Fakt ist, dass das Thema von Mai jetzt bis in den September hinein nachhallt und ich prophezeihe, dass wir uns im Oktober auch noch damit beschäftigen werden.

Das beste wäre jetzt einfach ein Befreiungsschlag gegen Verl und dann gleich ein Heimsieg gegen Viktoria Berlin. Dann wendet sich die Stimmung wieder zum Guten. Wenn das ausbleibt, wird es spannend. Was ich sehr bedauern würde, weil ich glaube, dass Michi Köllner langfristig ein sehr guter Trainer für die Herausforderungen bei 1860 ist und uns Kontinuität auf der Trainerposition mal gut tun würde. Aber die Mechanismen der Branche…

Ciao

Thomas

Eine Emotionslosigkeit konnte ich in der Tat nicht feststellen.

Und ob er bei den Spielern und Verantwortlichen Kredit verspielt hat, ist rein spekulativ. Oder gibt es dafür konkrete Beweise oder Anhaltspunkte?

Zuerst versauen uns die Österreicher durch ihre Klage zum EuGH die Einführung einer Ausländermaut auf teutschen Autobahnen.
Dann macht uns Austria Wien unseren Michael Köllner madig, indem sie mit ihm hinterhältig und böswillig über eine Verpflichtung verhandelt und so in perfider Weise unseren sicheren Aufstieg verhindert.
FUCK the HABSBURGERS!
(Zur Klarstellung: Das war ein satirischer Debattenbeitrag)

Häufig wird gefordert, Deichmann solle nicht als Außenverteidiger sondern im Mittelfeld agieren. Könnte diese Umstellung Wirkung zeigen?

Gibt es gute Gründe, warum entgegen dem Hinweis vom Kassenwart, Trainer Köllner weiterhin an Mölders festhält?

Zur Frage mit Deichmann: Keine Ahnung, kann ich nicht beantworten. Wein oder Lang rechts hinten kann man schon mal probieren, solange Willsch und Goden nicht zur Verfügung stehen.

Bezüglich Mölders kann vermutlich nur Michael Köllner eine Aussage treffen.

Es bringt nix, auf Belkahia einzudreschen, denn man hätte das Spiel auch 3-2 gewinnen dürfen.

Wir sind vorn nicht durchschlagskräftig. Da muss der Hebel angesetzt werden. Es tut mir leid um Sascha als Mensch, aber jetzt muss der Generationswechsel vollzogen werden und Sascha als Ergänzungsspieler gebracht (wie König auf Seiten der Schwäne. Vielleichtp schaffen wir diese Saison noch den Turnaround, nächste Saison müssen wir es! Und da sollte sich nicht eine neue Offensive einspielen müssen. Daher jetzt der Personalwechsel auf dem Platz (nicht auf der Bank!) Ind ggfs die Umstellung auf 3er-Kette (wenns hilft)

Ich habe in meinem Kommentar keineswegs auf Belkahia eingedroschen, aber dass es ein individueller Fehler von ihm war, steht doch außer Frage, oder?

Ja, auch ich denke, dass man im Sturm durchaus mal den Tim Linsbichler (oder gar den Lorenz Knöferl) von Beginn an bringen könnte. Was kann man verlieren?

Das Experiment Dreierkette hat sich in der Vorbereitung als nicht praktikabel erwiesen. Dafür haben wir leider nicht das geeignete Spielermaterial in der Innenverteidigung. Dass das mit der Viererkette aber auch so problematisch werden würde, war m.E. nicht absehbar.

Ich sehe seit Wochen kein Spielsystem mehr, hohe Bälle auf Mölders, Querpässe im Mittelfeld, wenig Bewegung. Die Standards sind eine Katastrophe. Hier ist eine Kritik am Trainer schon angebracht, genauso an den oft späten Wechseln. Ebenso das Festhalten an Mölders und Moll trotz schwächer Leistungen. Ich hoffe, die nächsten Spiele sind erfolgreich, ansonsten wird die Diskussion noch größer werden….

Jein. Ich verstehe was Du meinst und kann es teilweise auch nachvollziehen. Aber gerade zu Beginn schaut das ja meistens ganz gefällig aus. Dann gerät man in Rückstand und die Struktur ist hinüber…

Ich sehe das mit dem Einsatz ähnlich. Allerdings kann ich auch die verstehen, die nach dem Spiel “Wir wolln’ euch kämpfen seh’n” rufen.
Ich hatte gegen Zwickau zwar nicht das Gefühl, dass die Spieler keinen Bock haben. Allerdings hatte ich auch nie das Gefühl, dass sie es mit aller Macht erzwingen wollen. Es fehlt mir ein bisschen der Trotz / vielleicht sogar die Wut, ein “Jetzt erst Recht”, wenn man sich mal wieder ein unnötiges Gegentor fängt. Das man den Sieg mit allen Mitteln erzwingen will.

Bis zur vergebenen Chance von Stefan Lex hatte ich schon das Gefühl, dass sie es rumreißen wollten. Danach ging der Glaube an sich selbst aber gewaltig den Bach runter.