Das Transferfenster neigt sich dem Ende zu. Nun ist es an der Zeit, die Aufstiegsfavoriten der Liga neben den Löwen genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer hat das Zeug zum Aufstieg? Wer kann überhaupt aufsteigen? Und welche Mannschaften könnten dem TSV 1860 München den Titel streitig machen? Diesen Fragen gehen wir in einer sechsteiligen Serie auf den Grund. Den Anfang macht Wacker Burghausen.
Transfers
Die Transferperiode 2026/27 unterscheidet sich bei Wacker Burghausen durchaus von den vergangenen Jahren. Insgesamt verpflichteten die Altöttinger sieben externe Spieler. Auffällig: Keiner der Neuzugänge ist älter als 23 Jahre, zudem kommen fast alle aus der Regionalliga. Damit hat sich die Transferstrategie im Vergleich zu den vergangenen Jahren leicht verändert. Während Wacker zuvor Spieler aus unterschiedlichen Altersklassen verpflichtete, setzt der Verein nun verstärkt auf junge Spieler mit Regionalliga-Erfahrung.
Neben den sieben externen Neuzugängen kehrten Tobias Duxner und Adrian Hofherr von ihren Leihen aus der Bayernliga zurück. Außerdem rückten sechs Spieler aus der eigenen Jugend in den Profikader auf. Zu den interessantesten Neuzugängen zählt Marc Sodji. Der 23-jährige, groß gewachsene Stürmer bringt bereits viel Regionalliga-Erfahrung mit und wechselte von Chemie Leipzig nach Burghausen. Ebenfalls interessant ist Noah Wagner. Der Defensiv-Allrounder kann sowohl auf der Sechserposition als auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden. Wagner wurde in der Jugend des SC Freiburg ausgebildet, absolvierte bereits zwei Spiele in der 3. Liga und kommt auf rund 50 Einsätze in den Regionalligen.
Für die bislang größte Aufmerksamkeit sorgt allerdings ein Spieler aus der eigenen Jugend: Moritz Leitner. Der Youngster hat sich bereits früh in den Vordergrund gespielt und ist eine der spannendsten Personalien im aktuellen Kader. Doch nicht nur im Kader gibt es ein neues Gesicht. Auch auf der Trainerbank hat sich etwas verändert: Matthias Ostrzolek hat das Amt von Lars Bender als Cheftrainer übernommen.
Auf der Abgangsseite gibt es dagegen nur drei nennenswerte Veränderungen. Alexander Sorge kehrte nach nur einem Jahr zu seinem ehemaligen Verein Kickers Offenbach zurück. Filip Ilic, der auch bei den Löwen ein Probetraining absolvierte, das Trainerteam jedoch nicht überzeugen konnte, wechselte zu Bocholt. Der hoch veranlagte Tom Sanne, der sein Potenzial in Burghausen bislang nicht konstant abrufen konnte, schloss sich Drochtersen an.
Kader
Der Kader von Wacker Burghausen ist vor allem eines. Jung. Mit einem Altersdurchschnitt von 22,6 Jahren ist die Mannschaft deutlich jünger als der Kader des TSV 1860 München, der im Vergleich bei 24,2 Jahren liegt.
Angeführt wird die junge Mannschaft von Kapitän Felix Bachschmid, der bereits seit 2018 für Wacker Burghausen spielt. Zuvor war er unter anderem beim TSV 1860 München aktiv. Neben Bachschmid im Mittelfeld findet sich mit Moritz Bangerter ein weiterer ehemaliger Löwe. Er stand bislang in jedem Spiel in der Startelf und ist wie Bachschmid ein wichtiger Bestandteil des stark besetzten Burghauser Mittelfelds.
Komplettiert wird das Zentrum durch Noah Wagner, Alexaner Gordok und Moritz Leitner. Letzterer hat bereits früh auf sich aufmerksam gemacht und in vier Spielen zwei Tore vorgelegt und selbst vier Treffer erzielt. Damit dürfte er bereits das Interesse einiger höherklassiger Vereine geweckt haben. Leitner wurde auch deshalb für ein Spiel suspendiert, da seine vertragliche Zukunft noch offen ist. Ob das der Teamchemie schadet, bleibt abzusehen.
In der Defensive sind Benedikt Schwarzensteiner und Torhüter Markus Schöller gesetzt. Schwarzensteiner stand bislang jede Minute auf dem Platz. Schöller ist mit 31 Jahren der älteste Spieler im Kader und bringt damit wichtige Erfahrung in die junge Mannschaft. In der Abwehr komplettieren Jannis Turtschan, Neuzugang Maximilian Schuhbauer, Adrian Hofherr und Konstantin Gertig die Optionen. Besonders auf den Außenverteidigerpositionen dürfte es dabei noch Konkurrenz um die Stammplätze geben.
Auf den Flügeln ist Burghausen quantitativ eher dünn besetzt, verfügt dafür aber über Qualität und Tempo. Mit Noah Agbje, der in der vergangenen Saison in 31 Spielen 11 Scorerpunkte sammelte, und Noa Gabriel Simic stehen zwei schnelle Außenspieler zur Verfügung.
Im Sturm zeichnet sich aktuell ein Zweikampf zwischen Neuzugang Marc Sodji und Timothée Diowo ab. Beide bringen unterschiedliche Qualitäten mit und dürften im Laufe der Saison um den Platz im Angriffszentrum kämpfen.
Taktik
Matthias Ostrzolek, der zuvor zwei Jahre als Spielertrainer beim TSV Schwaben Augsburg tätig war, passt seine Mannschaft häufig an den jeweiligen Gegner an. Die Grundformation ist meist ein 4-2-3-1, wobei auch ein 4-3-1-2 zum Einsatz kommen kann. Gegen den Ball formiert sich Burghausen häufig in einem engen 4-4-2. Dabei setzt die Mannschaft auf ein laufintensives Pressing, das schnelle Ballgewinne und daraus resultierende Umschaltsituationen ermöglichen soll. Generell ist das Spiel der Burghauser schnell und laufintensiv, sicherlich auch eine Folge des sehr jungen Kaders. Eine zentrale Rolle im Aufbau nimmt Moritz Leitner ein. Er soll die Bälle schnell auf die Außen verteilen oder sich nach Zuspielen aufdrehen und dadurch Tempo auf die gegnerische Abwehrkette bringen.
Auffällig ist, dass viele Tore nach schnellen Ballgewinnen oder Abprallern entstehen. Das aggressive Pressing sorgt immer wieder für Situationen, in denen Burghausen den Gegner zu Fehlern zwingt. Auch nach Standards, insbesondere Ecken, ist die Mannschaft gefährlich.
Eine Schwäche zeigt sich dagegen bei Flanken und hohen Bällen. Hier könnte es für Burghausen gegen Mannschaften mit körperlich starken Angreifern und einer direkten Spielweise schwieriger werden.
Reicht es für den Aufstieg?
Wacker Burghausen zählt ohne Frage zu den Aufstiegsfavoriten der Regionalliga Bayern. Die Mannschaft verfügt über viel Talent, Tempo und eine klare taktische Idee. Die große Frage wird sein, ob die junge Mannschaft auch in schwierigen Phasen konstant bleibt. Gerade über eine komplette Saison können fehlende Erfahrung und Formschwankungen zum Problem werden. Die letzte Profisaison liegt für Wacker bereits einige Jahre zurück. Seit dem Abstieg aus der 3. Liga konnte der Verein den Sprung zurück in den Profifußball bislang nicht realisieren. In dieser Saison scheint die Ausgangslage jedoch vielversprechend.
Auch die Voraussetzungen für einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga scheinen grundsätzlich gegeben. Das Stadion erfüllt die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen, und auch finanziell dürfte Wacker über die nötigen Grundlagen verfügen auch dank des neuen Gesellschafters Sebastian Rothwinkler. Ob die Mannschaft sportlich tatsächlich den entscheidenden Schritt machen kann, wird sich allerdings erst im Laufe der Saison zeigen.
Blick in die Zukunft
Für den TSV 1860 München kommt es dabei zu einem direkten Duell am 26. September 2026 in Burghausen.
Was meint Ihr? Hat Wacker Burghausen das Zeug zum Aufstieg und was ist Eure Prognose?










Aufschlussreiche und spannende Einblicke! Ich hatte wie die meisten Fans unsere Gegner in der Regio nicht auf dem Schirm. Auch wenn es noch ein paar Wochen bis zum Spiel sind, weiß ich jetzt wenigstens ungefähr, woran wir bei Wacker sind.
Starke Analyse. Ob es für einen Aufstieg reicht, kann man aktuell noch nicht wirklich sagen. Aber dadurch, dass wir mitspielen eher unwahrscheinlich 😉 Auffällig auf jeden Fall heute bei dem 4:5 gegen Vilzing: Nach 0:4 nochmal den Ausgleich geschafft, allerdings begann die Aufholjagd erst als Moritz Leitner ausgewechselt wurde. Könnte durchaus sein, dass die Posse um seine Person einen Riss hinterlassen hat … Gegen uns gibts in einem Monat definitiv eine Niederlage.