Wer dem Sport-Geschäftsführer des TSV 1860, Günter Gorenzel regelmäßig zuhört, der weiß: Der Österreicher hat eine klare Vorstellung, welche Rolle die 3. Liga im deutschen Fußball auszufüllen hat. Im Rahmen der LÖWENRUNDE vor dem Heimspiel gegen die Würzburger Kickers am Freitag Vormittag gewährte Gorenzel den Zuhörern wieder einmal Einblick in seine konzeptionellen Überlegungen und hielt sich auch mit deutlicher Kritik am Verband nicht zurück.

Gorenzels Vorstellung von einer Ausbildungsliga

Als “Ausbildungsliga” bezeichnet man die 2008 eingeführte dritte Profiliga verbandsseitig gerne und schmückt sich mit der DFB-eigenen Liga, wie mit einem Feigenblatt. Für Gorenzel wäre eine logische Schlussfolgerung aus dieser Bezeichnung, dass die Vereine gezwungen werden, sechs für eine deutsche U-Nationalmannschaft berechtigte Spieler im Spieltagskader stehen zu haben, von denen mindestens drei Akteure drei oder mehr Jahre im NLZ des jeweiligen Vereins ausgebildet wurden. “Und mindestens einer muss spielen.” Dies hätte viele positive Begleiterscheinungen für die Vereine. Die Reduzierung der Personalkosten und die Stärkung des eigenen Nachwuchses und der NLZs sind Gorenzel zufolge die wichtigsten.

Angleichung an die DFL. Macht das Sinn?

Die Realität sieht derzeit aber ganz anders aus: Nur vier solche “U-Spieler” müssen von den Vereinen am Spieltag mominiert werden. Und um die Bedingungen in der 3. Liga an jene in den beiden DFL-Ligen anzugleichen, wurde vor dieser Saison beschlossen, dass die Spieltagskader nicht mehr nur achtzehn, sondern zwanzig Spieler umfassen dürfen. Eine proportionale Erhöhung der für den Kader geforderten Anzahl der U-Spieler – die Günter Gorenzel hier erwarten würde – ging damit nicht einher.

Die Entscheidung über die Vergößerung der Kader hat der DFB den Managern der Drittligavereine überlassen. Denkbar knapp, nämlich mit 11:9 stimmten sie für die besagte Angleichung an Bundeliga und 2. Bundesliga. Für Gorenzel wenig überaschend: “Vereine stimmen immer aus einem Eigeninteresse heraus ab.” Als Demokrat akzeptiere er natürlich so ein Votum, aber seine Kritik am DFB hält er dennoch nicht zurück:Mit einer Ausbildungsliga hat die 3. Liga nichts zu tun. Im Prinzip haben wir im Moment ein Wettrüsten in Richtung 2. Liga. … Aus meiner Sicht fehlt hier ein schlüssiges Konzept.”

Klare Worte. Ob diese in der Otto-Fleck-Schneise gehört werden?

 

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