Herzlich Willkommen zur Taktiktafelanalyse des Spiels 1.FC Magdeburg – TSV 1860 München. Sowohl Christian Titz als auch Michael Köllner änderten nichts an der gewohnten systematischen Grundausrichtung ihrer Teams. Es spielten also die Hausherren im 4-3-3 gegen die Sechzger im 4-1-4-1.

Der 1.FC Magdeburg spielte gegen den TSV 1860 München wie gewohnt offensiv mit Augenmerk auf eigenen Ballbesitz und Spielkontrolle. Die Löwen setzten dieser so erwarteten Spielweise eine auf Umschaltmomente und Konter ausgelegte vertikale Taktik entgegen.

Aus dem 4-1-4-1 verschoben die Löwen bei Ballbesitz auf 4-3-3. 4-3-3 wurde auch gegen den Ball im Pressing gespielt. Erst nachdem Magdeburg die vorderste Linie des TSV 1860 überspielt hatte, erfolgte die Verschiebung zurück auf die Grundformation 4-1-4-1. Dressel als Box-to-Box Spieler unterstützte dann Moll im defensiven Mittelfeld, und tief in der Hälfte des TSV 1860 München entstand gegen den Ball somit ein 4-2-3-1.

Magdeburg hatte einen ähnlichen Plan für das Spiel gegen den Ball, verschob aus dem 4-3-3 in der Rückwärtsbewegung auf 4-5-1, setzte das je länger das Spiel dauerte immer besser um, und stellte sich schnell auf die vertikale Taktik des TSV 1860 München ein.

Im Positionsspiel gelang den Sechzgern während der gesamten Partie nicht viel. Bei Umschaltmomenten, die oft im letzten Drittel nicht präzise genug ausgespielt wurden, wurden die Löwen sporadisch gefährlich.

Magdeburg kontrollierte und dominierte, nach der ersten Viertelstunde, in der sich das Team von Christian Titz in einer kurzen Findungsphase befand, Ball und Gegner, abgesehen von einer weiteren ausgeglichenen Phase in Halbzeit zwei, mehr oder weniger nach Belieben und zeigte warum sie zurecht da stehen wo sie stehen: Nämlich als verdienter Meister der dritten Liga auf Platz eins.

Bevor wir uns das Spiel im Detail ansehen, ein Blick auf die wichtigsten Statistiken.

Die wichtigsten Statistiken des Spiels 1.FC Magdeburg – TSV 1860 München

  • Ballbesitz TSV 1860 31% – 1.FCM 69%
  • Passgenauigkeit TSV 1860 74% – 1.FCM 89%
  • Defensive Zweikampfquote TSV 1860 62% – 1.FCM 70%
  • Schüsse/aufs Tor TSV 1860 12/3 – 1.FCM 23/8
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) TSV 1860 16,87 – 1.FCM 7,95

Analyse der statistischen Werte

Ballbesitz

Dass Magdeburg deutlich mehr Ballbesitz haben würde als der TSV 1860, davon war wenn man Magdeburgs Saisonstatistik in diesem Bereich ansieht schon vor dem Spiel auszugehen. Die ballsicheren immer präzise spielenden Festungsstädter führen die Statistiktabellen in vielen Bereichen an, aber nirgends so deutlich wie beim Ballbesitz. Von daher war die Taktik sich auf Umschaltmomente und Konter zu konzentrieren sicherlich richtig gewählt. Diese muss man aber dann präziser ausspielen als der TSV 1860 München das getan hat. In der ersten halben Stunde konnte der TSV 1860 München trotz geringerem Ballbesitzes doppelt so viele Schüsse absetzen als die Gastgeber. Durch das präzise Spiel des 1.FC Magdeburg waren die Spieler des TSV 1860 gezwungen im Spiel gegen den Ball viel zu laufen, was mit fortlaufender Spieldauer merklich Kräfte und Konzentration schwinden ließ.

Passgenauigkeit

Die hohe Ballbesitzquote war schlussendlich eine Folge des präzisen Passspiels der Hausherren. Von Beginn an ließen die Festungsstädter die Kugel in ihren Reihen gut zirkulieren und und der TSV 1860 musste Fehler im Stellungsspiel und bei den Verschiebungen durch erhöhte Laufarbeit ausmerzen. Die Passquote der Magdeburger von 89% ist absolut überirdisch aber verglichen mit deren Durchschnittswert von 86% über die Saison hinweg nicht unbedingt überraschend.

Das vertikale Spiel, welches der TSV 1860 München bei eigenem Ballbesitz durchzusetzen versuchte ist aufgrund dessen, dass die Pässe dabei meist sehr lang gespielt werden müssen um das nötige Tempo ins Spiel zu bekommen logischerweise nicht in dem Maße präzise, wie in Spielen in denen man den Gegner mit Kurzpassspiel im Mittelfeld selbst ins Laufen bringen kann. Die Passgenauigkeit bei den langen Pässen ließ leider sehr zu wünschen übrig. Die auf Konter ausgelegte Taktik sorgte dann auch dafür, dass für den Kampf um einen möglichen zweiten Ball in den seltensten Fällen genügend Spieler in Position gelaufen gewesen wären um einen solchen überhaupt führen zu können.

Defensive Zweikampfquote

Bei der defensiven Zweikampfquote an sich kann man den Sechzgern keinen Vorwurf machen, dass sie zu niedrig gewesen wäre. Allerdings war er oft so, dass die Spieler des TSV 1860 München gegen Magdeburg oft zu lange gebraucht haben, bis sie in der Position waren, um überhaupt einen Zweikampf gegen den Ball führen zu können. Das schnelle genaue Passspiel gut abgestimmte Laufwege und Verschiebungen bei Magdeburg sorgten dafür, dass die Sechzger dem Geschehen wenn die Hausherren in Ballbesitz waren meist hinterherliefen. Somit kamen die Sechzger oft nicht in die Position überhaupt einen defensiven Zweikampf führen zu können.

Schüsse

Als Folge der Kombination dieser Faktoren steht am Ende ein Schussverhältnis von 23:12 aus der Sicht des 1. FCM. Zwölf Schüsse in einer Partie sind nun nicht unbedingt sehr viele, allerdings schießen die Sechzger im Schnitt diese Saison nur dreimal öfter aufs gegnerische Gehäuse als am Samstag in Magdeburg. Das Problem war wie so oft nicht die Schusshäufigkeit, sondern die Genauigkeit.

Die Schüsse die einen xG Wert haben bei dem man von einem Treffer ausgehen könnte, waren entweder zentral auf den Kasten und somit eher leichte Beute für Reimann im Kasten des 1.FC Magdeburg, oder von den Spielern des TSV 1860 neben oder über das Tor geschossen. Blocken konnte Magdeburg nur zwei Schüsse des TSV 1860. Von den restlichen zehn Schüssen waren leider nur drei dabei, die Reimann im Kasten des 1.FC Magdeburg überhaupt Arbeit verschafften. Lex hatte beim Stand von 0:0 (16.) die größte Chance der Löwen im Spiel. Unglücklich setzte er das Leder dabei über den Kasten der Festungsstädter.

Dass der Dauerdruck und das Dauerfeuer mit oft mehreren Schussversuchen während derselben Offensivsituation von Magdeburg irgendwann zu einem Tor führen würden, war bereits während der zweiten Viertelstunde der ersten Halbzeit selbst für die größten Optimisten nicht zu übersehen. Nichtsdestotrotz muss man den Sechzgern für aufopferungsvolles Verteidigen des eigenen Tores in der ersten Halbzeit ein Kompliment machen. Theoretisch braucht sich keiner beschweren wenn der TSV 1860 München mit drei Gegentoren zum Pausentee in die Kabine geht. Damit ist auch die Höhe des Magdeburger Sieges absolut verdient für Magdeburg.

PPDA

Bei einem Spiel in dem die Taktik des einen Teams auf Ballkontrolle und Kombinationsspiel ausgelegt ist und beim anderen auf Umschaltspiel und Konter brauchen wir nicht über die PPDA reden. Dieser Wert existiert zwar als Zahl auf dem Papier sagt aber nicht viel über das Spiel gegen den Ball aus, weil andauerndes Pressing, in den Zonen wo die Aktionen gegen den Ball für die PPDA gemessen werden, im Normalfall, bei einer solchen Taktik nicht vorgesehen ist. Zudem ist es für die Mannschaft die auf Ballbesitz und Ballkontrolle geeicht ist genau andersherum. Angriffspressing und Gegenpressing sind entscheidende Faktoren um Ballkontrolle zu erlangen, von daher ist der PPDA Wert der auf Konter lauernden Mannschaft hoch und des das Geschehen kontrollierenden Gegners niedrig.

Das Spiel

1.Halbzeit

TSV 1860

Zu Beginn der Partie schien der Plan auf Umschaltmomente und Konter zu setzen für die Löwen tatsächlich aufzugehen. Mit, einer Schusschance zu Beginn durch Biankadi (2.) einigen, abgesehen vom Spiel im letzten Drittel, guten Angriffen, Lex’ Riesenchance nach einer Viertelstunde und einer Defensivleistung die für den 1. FC Magdeburg in der Anfangsviertelstunde keinen Schuss zuließ, sah es zunächst so aus als könnte der TSV 1860 München dem 1.FC Magdeburg tatsächlich Paroli bieten und früher oder später eine der Chancen die sich aus dem vertikalen Spiel ergaben nutzen. Die Chance für Stefan Lex in der 16. Minute schien dann die Initialzündung für Magdeburg gewesen zu sein. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen die Hausherren komplett die Kontrolle über die Partie und spielten den TSV in mehreren Situationen sprichwörtlich “schwindlig”.

Die zunächst hoch angelegte, aber nicht wirklich aktive Pressinglinie des TSV 1860 wurde von Magdeburg mit zunehmender Dauer in der ersten Halbzeit immer weiter zurückgedrängt. Im Verlauf des Spiels, weil die Verschiebungen auf die defensive Formation beim TSV 1860 zu spät erfolgten, entstanden vor allem im Mittelfeld Lücken im Raum. Dieser Raum konnte, von den Spielern des 1.FC Magdeburg, je länger die Partie dauerte immer besser besser ausgenutzt werden. Ob auf den Flügeln oder auf den Halbpositionen Räume entstanden war dabei nicht relevant. Magdeburg stieß mit großem Eifer und einer unfassbar hohen Präzision immer dort hinein wo Platz war.

Magdeburg kombiniert schnell und genau

Der 1.FC Magdeburg kombinierte bei Ballbesitz schnell und genau, nutzte die Räume die der TSV 1860 München anbot und verteidigte gegen das Positionsspiel wenn der TSV 1860 München es überhaupt schaffte den Ball lange genug in den eigenen Reihen zu halten im 4-5-1. Dass den Löwen dies gelang war allerdings eher selten der Fall.

Magdeburg setzte den TSV 1860 nach der Anfangsviertelstunde für den Rest der ersten Halbzeit gehörig unter Druck. Ein Angriff nach dem anderen brandete bis ins letzte Drittel des TSV 1860 München. Von zwölf Versuchen der Magdeburger nach der 15. Minute in die Box des TSV 1860 München zu spielen konnten zwar sechs durch die Verteidiger der Sechzger abgefangen werden, die andere Hälfte führte aber zu sage und schreibe vierzehn Ballkontakten des Drittliga-Meisters im Strafraum des TSV 1860. Bis auf vier dieser Ballkontakte waren alle zentral oder halbzentral vor Hillers Kasten. Fünf dieser Ballkontakte waren Schüsse. Bis zum Pausentee dank Hiller und fehlender Präzision seitens des 1.FCM blieb das jedoch ohne Folgen für die Löwen.

Die einzige wirkliche Chance nach der ersten Viertelstunde und Lex’ Schuss über den Kasten, gab es für die Löwen nach einer Ecke. Lang konnte den Kopfball jedoch nicht gut genug platzieren. Zwei weitere Schüsse des TSV 1860 in Halbzeit eins waren von weit außerhalb der Box und schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt.

Somit ging es beim Stand von 0:0 in die Halbzeit zum Pausentee.

2. Halbzeit

Früher Druck von Magdeburg

So wie die erste Halbzeit geendet hatte ging es zu Beginn der zweiten weiter. Magdeburg drückt und wollte das Führungstor erzielen, der TSV 1860 versuchte sich mit Befreiungsangriffen. Magdeburg war erfolgreicher bei seinem Vorhaben. In der 51. Minute schepperte es zum ersten Mal als Condé die Kugel zum 1:0 versenkte.

Nach diesem Treffer des 1.FC Magdeburg folgte eine stärkere Phase des TSV 1860 München. Greilinger hatte nur drei Minuten Später die Chance den Ausgleich. Sein Kopfball nach einer Ecke ging aus aussichtsreicher Position jedoch wie bei Lang in der ersten Hälfte über das Tor.

Sechzig hält noch dagegen

Danach folgte die ausgeglichenste Phase der Partie. Obwohl Magdeburg weiterhin mit 30% mehr Ballbesitz agierte als der TSV 1860 waren Passanzahl, Passgenauigkeit und Anzahl der Schüsse der beiden Teams nahezu gleich. Nun war auch die nötige Aggressivität im Pressing der Löwen zu finden. Etwa in der Mitte des zweiten Durchgangs war das Spiel des TSV so wie man es sich über neunzig Minuten gewünscht hätte. Aggressiv gegen den Ball, präziser als der Gegner beim Passspiel, ausgeglichenes Schussverhältnis. Lediglich bei den defensiven Zweikämpfen war der 1.FC Magdeburg in dieser Phase klar überlegen. Aus den Schussversuchen in dieser guten Phase für die Löwen konnte aber leider nichts Zählbares erspielt werden.

Die Entscheidung

So kam es wie es kommen musste und Ito netzte in der 75. Minute von kurz vor der Strafraumgrenze mit einem präzisen Flachschuss durch Steinharts Beine hindurch zum vorentscheidenden 2:0 ein.

Danach folgte noch ein kurzes Aufbäumen der Löwen die sich noch nicht geschlagen geben wollten. Eine Doppelchance von Deichmann und Tallig quasi im Gegenzug nach dem Anstoß brachte nichts ein. Ebensowenig Deichmanns Schuss wenig später als er mit seinem schwächeren Linken schießen musste. Der letzten Versuch Sechzig nochmal in Schlagdistanz zu bringen kam von Tallig in der 80. Minute ging aber weit über Reimanns Kasten.

In der Nachspielzeit vollendete der 1.FC Magdeburg seine gute Leistung mit zwei weiteren Treffern.

Die Tore

Hier könnt ihr Euch die Tore in der Zusammenfassung noch einmal ansehen.

Auf eine detaillierte Beschreibung der Treffer verzichte ich diesmal. Zusammenfassend kann man sagen, dass alle Gegentreffer eine Kombination aus verfehltem Stellungsspiel des TSV 1860 und präzisem Kombinationsspiel des 1.FC Magdeburg waren. Da muss man weder Fehler bei den Löwen genauer herausstellen noch einen Spieler beim Gegner besonders loben.

Fazit

Hätte hätte Fahrradkette. Das was wäre wenn das jetzt wieder in den Sozialen Medien und Foren die Runde macht geht mir auf die Nerven. Man hat gegen die Mannschaft die, über die komplette Saison hinweg, das Maß aller Dinge in dieser Liga war eine Halbzeit lang hinten die Null gehalten, leider die Riesenchance auf die Führung nicht nutzen können und am Ende absolut verdient verloren. Dass der TSV zur Halbzeit noch nicht hoffnungslos zurückliegt ist allein Marco Hiller zu verdanken.

Wie Lautern am Sonntag gespielt hätte wenn der TSV 1860 München gegen Magdeburg gewonnen hätte weiß keiner. Jedoch allein die Tatsache vorauszusetzen sie hätten sowieso verloren halte ich für sehr vermessen.

Der verpassten Relegation sollte man keine Träne hinterher weinen. Ich persönlich denke, keine der Mannschaften die für Platz drei in Frage kamen hätte gegen Dynamo Dresden in Hin- und Rückspiel eine Chance zu bestehen. Somit werden wir auch in der nächsten Saison vermutlich die Reise an den Betzenberg antreten.

Mit einem Sieg am kommenden Samstag gegen die zweite Mannschaft des BVB können sich die Löwen den vierten Platz und damit die Teilnahme am DFB Pokal sichern. Darauf die volle Konzentration zu legen ist nun die oberste Pflicht aller Akteure in weiß-blau. Mit den punktgleichen Osnabrückern und Waldhof Mannheim nur einen Zähler dahinter ist und bleibt es nach wie vor spannend.

Datenquelle. Wyscout

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