Die Mitgliederversammlung des TSV München von 1860 e.V. am vergangenen Sonntag hatte einiges zu bieten. Natürlich haben wir uns an das Liveticker-Verbot gehalten und keine Infos aus dem Zenith nach außen dringen lassen. Hier kommt unsere Zusammenfassung mit Teil 1:

Teilnahme der Mitglieder sehr gering

Insgesamt kamen zu den besuchsstärksten Momenten 245 stimmberechtigte Mitglieder in die Kulturhalle in Freimann. Die Corona-Situation, die 3G+-Regel sowie die fehlende Opposition für die anstehenden Wahlen ließen viele Mitglieder sich wohl dazu veranlassen, den schönen Sonntag anderweitig zu verbringen. Auch deshalb war die Veranstaltung erfrischend schnell (nach ca. viereinhalb Stunden) vorbei.

Einmarsch der Musikanten

Bevor es losging, zog die neu gegründete Musikkapelle des TSV 1860 um Dirigent Anton Hörger in die große Eventhalle ein – kurz hatte man das Gefühl, beim Anstich der Wiesn im Bierzelt zu sitzen, wenngleich die Temperatur in der Veranstaltungsstätte eher der eines zugigen Herbsttages im Olympiastation glich. Nach zwei gespielten Stücken dankte Präsident Robert Reisinger, mahnte jedoch an, eine Mitgliederversammlung des TSV München von 1860 dürfe nicht ohne den Sechzger-Marsch beginnen, den die Musikanten sogleich anstimmten.

Reisinger dankt treuen Mitgliedern und  dem e.V.-Management

Dann kam der Bericht des Präsidenten. Robert Reisinger dankte den Mitgliedern des TSV 1860 für ihre Treue – trotz Pandemie zählt der Verein 23.105 Mitglieder und konnte somit während Corona sogar wachsen – alles Andere als eine Selbstverständlichkeit, während diese Jahrhundertkrise viele Einzelpersonen in finanzielle Schieflage gebracht hat und 90 Euro Mitgliedsbeitrag da durchaus schmerzen können oder gar unmöglich werden. Reisinger dankte ausdrücklich dem Vereinsmanagement um Viola Oberländer, die rund um die Uhr vor der Veranstaltung diesen Tag organisiert hatte, und hob erneut die großartige Arbeit der Angestellten und ehrenamtlich Aktiven des e.V. hervor.

Neuordnung der Fanbetreuung und Turnhalle – Votum der Mitglieder

Der Präsident kam im Anschluss auf die Neuordnung der Fanbetreuung beim TSV 1860 zu sprechen – durch die nun bei den Löwen direkt angesiedelte Fanclubbetreuung um Felix Hiller seien die Fanclubs in Zukunft (noch) besser betreut. Den Skandal um die ARGE thematisierte Reisinger hingegen nicht.

Dann kam der Bericht des Präsidenten auf die Turnhalle zu sprechen: nach einer kurzen Einleitung hinsichtlich der Vorgeschichte der überdachten Sportflächen des e.V. (Halle in der Auenstraße) machte der Präsident erneut deutlich, wie immens wichtig eine vereinseigene Turnhalle für den TSV (und auch die Jugendmannschaften, die in der KGaA eingegliedert sind) sei. Im August sei der Vorbescheid für den Bau der Turnhalle von den Behörden positiv ergangen, (Anmerkung der Redaktion: der Vorbescheid stellt noch keine Baugenehmigung dar, sondern bestätigt meist nur die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit eines Vorhabens) welcher nun 3 Jahre bindend sei. Spätestens nach Ende dieser drei Jahre, so Reisinger, würde er sich die stehende Turnhalle auf dem e.V.-Gelände wünschen.

Die bestehenden Hürden für den Hallenbau

Ein paar Hürden gebe es aber noch: zwei Konstellationen gibt es, die beide die Zustimmung des Mehrheitsgesellschafters der KGaA benötigen. Dazu muss man wissen, dass die Gebäude und Infrastruktur des Trainingsgeländes auf einem Grundstück stehen, welches sich weder im Eigentum des TSV München von 1860 e.V., noch in dem der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA befindet. Das Grundstück ist ein sogenanntes “Erbpacht-Grundstück”, dessen Eigentümerin die Landeshauptstadt München ist. Dieses Grundstück ist in Erbpacht befristet der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA überlassen (gegen Erbpachtzins, vergleichbar mit einer Miete), an welche Ex-Präsident Wildmoser seinerzeit mit ihrer Gründung den Erbpachtvertrag vom e.V. übertrug – ein Fehler, wie Reisinger am vergangenen Sonntag feststellte.

Die baulichen Anlagen auf dem Gelände gehören der KGaA, der e.V. hat ein im Erbpachtvertrag verbrieftes Nutzungsrecht für seine sportlichen Aktivitäten.

Zustimmung des KGaA-Mehrheitsgesellschafters notwendig

Zurück zu den beiden Konstellationen: Variante a – und bevorzugt vom e.V. zu ziehen – ist, den Erbpachtfläche räumlich aufzutrennen und wie folgt neu zu ordnen: Bestehendes Trainingsgelände samt Gebäuden auf die KGaA, der derzeitige Parkplatz und gleichzeitig der Bauplatz für die geplante Turnhalle auf den e.V.. Hintergrund dessen ist, dass die Fördergelder von Landeshauptstadt und Freistaat für den Bau der Turnhalle an die Voraussetzung geknüpft sind, dass der bauende Verein Eigentümer oder zumindest Besitzer des jeweiligen Grundstücks ist. Als Eigentümer würde dem e.V. das Grundstück gehören müssen, was bei Erbpacht nicht der Fall ist – jedoch ist man als Erbpachtnehmer Besitzer (wie der Mieter einer Wohnung auch deren unmittelbarer Besitzer ist). Dieser Trennung müssten der Mehrheitsgesellschafter der KGaA zustimmen – und wohl auch die Landeshauptstadt München als Eigentümerin, was wohl lediglich Formsache sein dürfte.

In der zweiten Konstellation – Variante b – würde keine Teilung des Erbpachtvertrags erfolgen, jedoch würde der e.V. durch eine vertragliche Regelung mit der KGaA (hier gilt 50+1 nicht) eine Bauerlaubnis auf deren Erbpachtgrundstück benötigen. Fördergelder gäbe es hier dann jedoch keine.

Vorteil für die KGaA: der e.V. würde aus den bestehenden Gebäuden ausziehen, die die KGaA dann anderweitig nutzen könnte. Zudem ließe sich eine Nutzungsmöglichkeit für die der KGaA-unterstehenden (Jugend-)Mannschaften vereinbaren – man könnte es auch “win-win” nennen. In Konstellation 1 würde die finanziell hoch verschuldete KGaA sogar weniger Erbpachtzins bezahlen müssen.

Grafiken der Halle werden vorgestellt

Die Mitglieder durften dann die schicken Pläne der neuen Turnhalle bestaunen: eine Dreifach-teilbare Halle mit ausziehbaren Tribünen, Vereinsgaststätte, Fitnessstudio, Vereinsmuseum und e.V.-Geschäftsstelle.

Zudem wurden die Grafiken für die neuen Parkplätze vorgestellt: diese sollen auf zwei Ebenen am Ostrand des Geländes, also an der Grünwalder Str., angebracht werden. Zudem gibt es Pläne des Architekten, auf dem Parkdeck noch Flächen für Ticketing, neues Löwenstüberl und Fanshop mit Blick auf den Einserplatz unterzubringen. Reisinger betonte jedoch, dass hierfür e.V. und KGaA gemeinsam diese Flächen stemmen müssten.

Mitglieder votieren für Weiterverfolgung des Hallenprojekts

Zum Ende holte sich der Präsident für das Projekt Turnhalle nochmals das Votum der Versammlung ein, welches sich durch die gestiegenen Baukosten erheblich verteuern dürfte. Ursprünglich waren 13 Millionen Euro veranschlagt, es dürften aber ca. 20 Millionen Euro werden, so der Präsident. Die überwältigende Mehrheit stimmte dem Projekt zu.

In Teil 2 geht es weiter mit der Wahl des Verwaltungsrats, des Ehrenrats sowie Kassenprüfern und des Seniorenvertreters. Zudem gab es Satzungsänderungsanträge, die Wahl des Wahlausschusses und am Ende noch Fragen aus dem Plenum, die nicht wirklich zu einer e.V.-Veranstaltung passten.

 

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Woher kommen die 20 Mio. für die Halle? Alleine vom e. V. oder auch von der KGaA?

Von der KGaA gibt es genau 0,00 € Gelder.

Neben den Eigenmitteln des e.V kann mit Zuwendungen von Land, Stadt und Sportverbänden gerechnet werden. Dazu kommen noch Fremdmittel.

Danke

Ich habe es so verstanden, dass man davon einen großen Teil gefördert bekommen kann, aber die Voraussetzung dafür ist, dass die Erbpacht zwischen KGaA und eV neue aufgteilt werden muss. Nichtsdestotrotz plant der eV mit einer freiwilligen Sonderumlage und Spenden noch Kapital von den Mitgliedern einzusammeln. Außerdem soll viel durch Eigenleistung erbracht werden, wie gerade bei der Sanierung des NLZ.

Der Hallenbau ist ein reines Vereinsprojekt. Die KGaA könnte sich in ihrer aktuellen wirtschaftlichen Verfassung ein solches Vorhaben auch nicht leisten.

Im Moment ist Bauen so teuer wie noch nie, weil das Kapital nach München drängt, Zinsen niedrig sind und unheimlich viel Bewegung am Markt ist. Wenn der Peak überwunden, kann es auch wieder anders ausschauen.