Heute vor 31 Jahren betrat der TSV 1860 München nach über 13 Jahren Abstinenz wieder die ganz große Bundesliga-Bühne. Und er tat dies an einem würdigen Ort. Nämlich im Westfalenstadion in Dortmund. Dass das erste Erstligaspiel für eine große Zahl der rund 5.000 mitgereisten Löwenfans zum Saisonauftakt gegen den am Saisonende verdienten Deutschen Meister mit 4:0 verloren ging, war an diesem besonderen Tag zwar ernüchternd, aber irgendwie eher Nebensache. Und die Leistung auf dem Platz nährte sowieso die Hoffnung, der absolute Außenseiter der Bundesliga-Saison 1994/95 könnte am Ende vielleicht doch den Klassenerhalt schaffen.

Andy Möller über Thomas Miller: “Absolut fair”
Die Löwen waren in der vorangegangenen Spielzeit 1993/94 als erster Verein im deutschen Profifußball durch die 2. Bundesliga durchmarschiert. Akteure wie Thomas Miller, Rainer Maurer oder Armin Störzenhofecker hatten gut ein Jahr vor dem Auftritt in Dortmund noch gegen den SV Lohhof und den FC Starnberg um Bayernligapunkte gerungen. Nun standen sie Superstars wie Matthias Sammer, Stephane Chapuisat oder Andreas Möller gegenüber. Letzterer sagte nach der Partie über seinen Gegenspieler Miller: “Ich kannte diesen Mann bislang nicht. Mir wurde nur gesagt, dass er keine Gnade kennt und recht derb einsteigt. Jetzt kenne ich ihn. Er hat stark gespielt gegen mich und absolut fair.”

Bis zur 44. Minute halten die Löwen ein 0:0
Viel Lob erhielten die Löwen für ihren ersten Bundesligaauftritt nach so vielen Jahren. Und dennoch waren sie gegen den Tabellenvierten der Vorsaison letztlich chancenlos und unterlagen verdient mit 0:4. Bis kurz vor der Pause hielt 1860 sein noch Tor sauber. Man erspielte sich sogar die eine oder andere eigene Torchance. In der 44. Minute wurde jedoch eine Flanke von Karl-Heinz Riedle länger und länger und segelte in die Maschen des von Rainer Berg gehüteten Tors. Der Anfang vom Ende. Die Borussen legten nämlich direkt nach. Stephane Chapuisat erhöhte nach einem Doppelpass mit Stefan Reuter direkt vor dem Pausenpfiff auf 2:0.
Dortmunds Publikum staunt über 1860
Die Löwen kamen aber keineswegs demoralisiert aus der Kabine. Die 42.800 Zuschauer im damals damit noch ausverkauften Westfalenstadion, das aufgrund der offenen Ecken noch ein ganz anderes Erscheinungsbild hatte als heutzutage, staunten über den frechen Aufsteiger. Vor allem über den rechten Flügel, wo Neuzugang Jens Dowe wirbelte, liefen die Angriffsbemühungen. Grund zum Jubeln hatten aber auch im zweiten Spielabschnitt letztlich nur die Gastgeber. In der 76. und kurz vor dem Abpfiff erhöhten Thomas Franck und Michael Zorc humorlos auf den Endstand von 4:0.

Ab Spätherbst läuft der Löwenexpress
Die tz titelte am Montag danach von vielen “Komplimenten für die Löwen” und zitierte in ihrer Überschrift den Coach: “Lorant: Aber wir müssen noch viel lernen”. Der Lerneffekt dauerte dann allerdings noch eine Weile. Die drei Heimspiele nach dem Auftakt in Dortmund wurden im Olympiastadion ausgetragen und gingen (gegen Stuttgart, Schalke und die Roten) allesamt klar verloren. Der erste Sieg gelang erst Ende Oktober, am 10. Spieltag mit einem 4:0 gegen den SC Freiburg. Natürlich auf Giesings Höhen! Vor damals 28.000 begeisterten Zuschauern. Gut einen Monat zuvor hatte man an gleicher Stelle schon den Bundesligakonkurrenten Bayer Leverkusen im Elfmeterschießen aus dem DFB-Pokal gekickt. Im damals ersten Spiel des Ende August aus Innsbruck geholten Neuzugangs Manni Schwabl im Löwentrikot. Und etwas später wurde auf dem Transfermarkt nochmal zugeschlagen und zwei wichtige Säulen der folgenden Erfolgsjahre, Peter Nowak und Olaf Bodden verpflichtet.
Frühzeitiger Klassenerhalt im Frühsommer 1995
Am Ende dieser – in vielerlei Hinsicht denkwürdigen Spielzeit – konnten die Löwen schon drei Runden vor Saisonende im Heimspiel gegen den 1. FC Köln im ausverkauften Sechzgerstadion den sensationellen Klassenerhalt sichern. Davon hatte zum Zeitpunkt des hier besprochenen Spiels in Dortmund allerdings noch kaum ein Anhänger in weiß und blau zu träumen gewagt…
Die Aufstellung des TSV 1860
Werner Lorant schickte am 20. August 1994 folgende Mannschaft auf den Rasen des Dortmunder Westfalenstadions:
Berg – T. Schmid – Wolf (65. Braun), Maurer – Störzenhofecker, Trares (79. Seeliger), Miller, Dowe, J. Keller – Pacult, Winkler











