Schon im fünften Jahr hintereinander blicken sechzger.de-Redakteure am Ende der Saison in einem Rückblick aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zurück auf die zu Ende gegangene Spielzeit. Heute ist Stefan Kranzberg mit seinem Saisonrückblick an der Reihe und zieht Bilanz.

Saisonhighlight: Auswärts in Aachen

Welches war Dein Löwenspiel der Saison?

Da blieb mir besonders das Auswärtsspiel in Aachen in Erinnerung. Weniger wegen der 90 Minuten auf dem Rasen, als vielmehr wegen des Drumherums. Man wurde als Löwe freundlich empfangen, die hatten da richtig Bock auf das Duell mit 1860 vor voller Hütte. Ich habe das Wochenende zudem mit Besuchen bei Fortuna Köln und Fortuna Sittard garniert und trotz des Bahn-Chaos war es alles in allem ein super Trip.

Emotional war auch das Testspiel beim SSV Ulm 1846 etwas Besonderes, weil ich es mit meinem 7-jährigen Sohn besuchen konnte, der auf jedes einzelne Foto, das er zusammen mit seinen Helden schießen konnte, stolz ist. Ganz toll auch, wie zugänglich die Spieler waren.

Wer war Dein Spieler der Saison?

Auch wenn ich mich in der Vorrunde das eine oder andere Mal kolossal über Jesper Verlaat geärgert habe, so hat man in der Phase, als er verletzt ausfiel, ganz besonders gemerkt, wie wichtig er als Spieler, Mensch, Charakter und Kapitän für diese Mannschaft ist. Für mich war er – trotz Patrick Glöckner und der Neuzugänge im Winter – das Gesicht des Aufschwungs in der Rückrunde.

Jesper Verlaat

Was oder wer war für Dich die Überraschung (positiv/negativ) der Saison?

Positiv bleibt da nicht viel hängen, aber die Entwicklung von Sean Dulic war schon bemerkenswert. Vom Stammspieler in der U21 zum Notnagel bei den Profis, reichlich Lehrgeld in den ersten paar Spielen und dann mitunter eine Abgezocktheit, die man sich nicht hatte vorstellen können. Die Krönung war natürlich diese sensationelle Torvorlage für Patrick Hobsch gegen Energie Cottbus.

Stark war selbstverständlich auch die Saison der Amateure in der Bayernliga. Bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft mitgespielt, Talente für die Profis ausgebildet und ein Trainer, der zielstrebig und doch ungemein menschlich vorgeht. So muss das sein!

Negatives gab es reichlich, besonders diese katastrophale Heimbilanz bis zum Trainerwechsel war schmerzhaft. Dass man im Toto-Pokal einmal mehr gnadenlos versagt hat, passt da bestens ins Bild.

Was war für Dich das schönste Tor der Saison?

Die Heimniederlage gegen Viktoria Köln war zusammen mit dem 0:4 gegen den SC Verl vermutlich der sportliche Tiefpunkt der Saison. Gott, was das erbärmlich! Und doch hatte dieser Katastrophenkick auf Giesings Höhen ein Highlight, das in Erinnerung blieb. Raphael Ott erzielte sein erstes (und bislang einziges) Drittligator – und das mit einem sensationellen Fallrückzieher!

Wir brauchen mehr englische Wochen

Am Ende stand Platz 11. Bis Du zufrieden mit dieser Saison?

Mit dieser Saison kann man natürlich nicht zufrieden sein. Damit beziehe ich mich weniger auf die Platzierung, sondern vielmehr darauf, wie die Spielzeit verlaufen ist. Von Spielern mit dieser individuellen Klasse darf man mehr erwarten, aber zuerst fehlte es m.E. an Emotionen und am Saisonende am Biss, um eine bessere Tabellenposition zu erreichen. Kurz: Da war ganz, ganz viel Luft nach oben in allen Bereichen.

Wie schätzt Du die Arbeit von Patrick Glöckner und seinem Trainerteam ein?

Bis vier Spielrunden vor Schluss hätte ich gesagt, er hat den Hebel gefunden, wie man die Mannschaft packen kann und muss. Nach einer kurzen Eingewöhnung zeigte das Team teilweise begeisternden Fußball und fuhr auch entsprechende Ergebnisse ein. Nach dem feststehenden Klassenerhalt verfiel die Mannschaft aber wieder in alte Muster. Ich bin gespannt, ob Glöckner da zur neuen Saison wieder Impulse setzen kann, die den Kader reizen.

Was wird Dir von der Saison 2024/25 besonders in Erinnerung bleiben?

Alles in allem wahrscheinlich nicht viel. Tatsächlich wird es für mich vermutlich wohl als die Saison im Gedächtnis bleiben, in der Marco Hiller zum letzten Mal im Tor des TSV 1860 stand. Als Learning aus der Saison nehme ich mit: Wir brauchen mehr englische Wochen, denn die haben uns irgendwie den Arsch gerettet, oder?

 

Samuel Althaus als große Überraschung?

Was rechnest Du Dir in der kommenden Saison mit den Rückkehrern Volland, Niederlechner und Jakob aus?

Man darf jetzt nicht den Fehler begehen und glauben, dass mit Kevin Volland der Messias an die Grünwalder Straße gewechselt ist. Nüchtern betrachtet hat er ein Jahr lang kaum ein Spiel bestritten und muss erstmal wieder seinen Rhythmus und sich in der neuen Liga zurecht finden. Niederlechner ist sicher auch ein Guter, aber halt auch schon 34. Von Kilian Jakob erwarte ich einiges, aber auch der muss sich erstmal durchsetzen.

Von welchem Spieler erwartest Du Dir in der Saison 2025/26 besonders viel?

Ich traue den jungen Samuel Althaus und Emre Erdogan zu, für eine große Überraschung zu sorgen und sich bei den Profis festzuspielen. Althaus ist womöglich noch ein bisschen zu impulsiv, aber was für ein geiler Fußballer!

Samuel Althaus Tsv 1860 U19

Was ist Dein dringendster Wunsch in Bezug auf den TSV 1860?

Ich würde mir sehr wünschen, dass sich die Gesellschafterstruktur verändert und es in der Stadionfrage endlich vorangeht. Der aktuelle Zustand ist einfach nur lähmend und ermüdend.

Bisher erschienene Saisonrückblicke der sechzger.de-Redaktion auf die Saison 2024/25:

Thomas Enn
Christian Jung
Thomas Spiesl

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Siggi

“Nach dem feststehenden Klassenerhalt verfiel die Mannschaft aber wieder in alte Muster.”
Nach wie vor bin ich immer noch ein bisschen schockiert. Das hatte ich unter Glöckner nicht erwartet und macht mich zugleich skeptisch für die kommende Saison.

1860ZELL

Bedenklich ist der Rückfall in alte Muster vor allem, weil Glöckner vor den letzten vier Spielen jeweils ein ernsthaftes und konzentriertes Engagement seiner Mannschaft eingefordert hatte. Dass diese dann jeweils einen eher müden Sommerkick abgeliefert haben, ist wirklich kein Beweis, dass das Team die Vorgaben von Glöckner ernst nimmt.

Es wird häufig ergumentiert: “Von Spielern mit dieser individuellen Klasse darf man mehr erwarten,” Haben die Spieler wirklich die individuelle Klasse oder haben sie in wenigen Spielen über ihr Limit performt und haben ansonsten regelmäßig ihr beschränktes Leistungsvermögen abgerufen?

Vorstopper

Osnabrück übrigens auch und heute haben sie noch 2:4 daheim verloren gegen BW Lohn. Das würde ich jetzt nicht überbewerten, auch wenn es natürlich nicht gerade toll ist. In zwei einhalb Monaten gehts wieder los. Dann ist die Saison 24/25 schnell vergessen.

Siggi

Da magst du wohl Recht haben. 1. August; eine Ewigkeit 😉

Kraiburger

Mit wem warst du denn am Vortag bei Fortuna Köln?

Vorstopper

Es kristallisiert sich heraus, Highlight auswärts entweder Aachen oder beim Waldhof. Sportlich und von der Stimmung her, bin ich eher beim Spiel in Mannheim. Tiefpunkt entweder das Spiel im Toto Pokal ( eine Frechheit) oder das Desaster gegen Verl mit der anschließenden Diskussion ob man bei so einem Schei..dreck auch einfach mal heim gehen kann, ohne als Event Fan zu gelten.
Dulic ist die positive Erscheinung der Saison, Deniz war auch ok. Eine einzige Enttäuschung: Fabian Schubert und René Vollath.
Mit der Platzierung wurde das gesteckte Saisonziel erreicht, nicht mehr aber eben auch nicht weniger.
Von der kommenden Spielzeit erwarte ich mir ehrlicherweise nicht viel mehr als irgendwas zwischen Platz vier im besten Fall und Platz acht.

1860ZELL

wobei Deniz doch erheblichen Leistungsschwankungen zeigte, so zuletzt gegen Verl (4,5), Essen (5,0), Aachen (4,0)

Vorstopper

Ich schrieb ja auch ok und nicht irgendwas anderes. Er hat schon wichtige Tore gemacht.