Bereits am heutigen Vormittag berichteten wir über das starke Signal aus der Bundeshauptstadt: Die Bundestags-Löwen – ein 2022 gegründeter Fanclub aus Abgeordneten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (mit Ausnahme der AfD) – haben sich mit einer Spende in Höhe von 1.860 Euro klar hinter den aktuellen Kurs des TSV 1860 München e.V. gestellt. In ihrer Pressemitteilung lobte der Fanclub-Vorsitzende Michael Schrodi (SPD) die Vorbereitung des Präsidiums um Präsident Gernot Mang auf die aktuelle Lage und betonte die „große Chance für einen strukturellen Neuanfang“.
Interview mit Michael Schrodi
Im Nachgang an diese klare Positionierung stand uns Michael Schrodi, der in dieser Legislaturperiode auch Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ist, für ein kurzes Interview zur Verfügung. Hier sind seine Antworten:
Servus Michael! Der „schwarze Mittwoch“ hat sich tief in die Seele der Löwenfans eingebrannt. Wie hast du persönlich – eingespannt zwischen dem politischen Alltag in Berlin und deinem Fan-Herz – diesen Tag und die Nachrichten aus München verfolgt?
Michael Schrodi: Ich habe diesen Tag sehr intensiv erlebt. Ich habe ständig den Ticker von sechzger.de gelesen und die Liveschalte des BR verfolgt. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass uns der sogenannte Investor ein zweites Mal in den Zwangsabstieg bis in die vierte Liga schickt. Das war für mich unfassbar und kaum zu glauben.
„Die Zeit dieses Investors ist nun vorbei“
Wenn du nun einen endgültigen Strich unter die „Ismaik-Jahre“ ziehst: Wie fällt deine Bilanz dieser Ära aus?
Michael Schrodi: Die Bilanz der vergangenen 15 Jahre ist verheerend und im Grunde ein riesengroßes Missverständnis. Schon mit dem ersten Präsidenten, Dieter Schneider, gab es nach gut einem halben Jahr ein tiefes Zerwürfnis. Hasan Ismaik ging es wohl nie um eine gedeihliche, gemeinsame Entwicklung des Profifußballs beim TSV 1860. Vielmehr wollte er Macht ausüben, die 50+1-Regel angreifen und selbst im Verein – respektive in der Profiabteilung – das Sagen haben, anstatt mit sportlicher Kompetenz und gemeinsam mit dem Mutterverein den Erfolg zu suchen. Er hat immer nur so viel Geld gegeben, um das Konstrukt KGaA am Leben zu erhalten, aber nie, um eine wirklich positive Entwicklung zu fördern. Damit hat er sich selbst und seinem Investment massiv geschadet, aber natürlich auch dem Verein, den Fans und den zahlreichen Präsidenten, die er in dieser Zeit verschlissen hat. Sie alle hatten – mit einer unrühmlichen Ausnahme, an deren Ende 2017 der Abstieg in die vierte Liga und ein riesiger Schuldenberg standen – mit seinen Drohgebärden und finanziellen Androhungen zu kämpfen. Zieht man also einen Schlussstrich, bleibt festzuhalten: Es ist gut, dass die Zeit dieses Investors nun vorbei ist.
Wie wurden die Personalie Hasan Ismaik und sein Agieren beim TSV 1860 München eigentlich außerhalb der bayerischen Landesgrenzen und im bundespolitischen Raum wahrgenommen?
Michael Schrodi: Außerhalb Bayerns – und das gilt auch für uns hier in Berlin – gibt es zwei Wahrnehmungen. Zum einen hat die Marke TSV 1860 München immer noch eine wahnsinnige Strahlkraft. Man interessiert sich für diesen Verein, jeder kennt ihn. Zum anderen blickt man jedoch nur noch mit Kopfschütteln auf die Entwicklungen der letzten Jahre und natürlich auch auf das Gebaren des sogenannten Investors.
“Absolute Meilensteine für eine nachhaltige Entwicklung des Vereins”
Warum siehst du gerade jetzt die „große Chance“ auf einen strukturellen Neuanfang?
Michael Schrodi: Für uns ist nach all den Erfahrungen klar, dass es eine positive Entwicklung mit dem Investor nicht mehr geben kann. Deshalb ist der Schritt richtig, den das Präsidium in Form der Kündigung des Kooperationsvertrages vollzogen hat – nachdem Hasan Ismaik mit seinen Erpressungsversuchen gescheitert war und uns erneut in den Zwangsabstieg geschickt hatte. Wir unterstützen das, denn jetzt bietet sich die große Chance auf einen echten Neuanfang ohne dieses belastende Verhältnis. Wir können nachhaltig neue, gesündere finanzielle Strukturen schaffen. Dazu gehört zum einen die Trennung vom Investor, zum anderen aber auch das Vorantreiben der Stadionfrage. Hier nehmen sowohl der Verwaltungsrat als auch das Präsidium aktuell wichtige Weichenstellungen vor. Wir sehen diese Entscheidungen als absolute Meilensteine für eine nachhaltige Entwicklung des Vereins. Deshalb unterstützen wir diesen Kurs voll und ganz.
Welche konkreten Wünsche und Hoffnungen hast du für die Zukunft unseres TSV München von 1860 e.V.?
Michael Schrodi: Das Präsidium und der Verwaltungsrat haben deutlich gemacht, dass ihnen eines ganz besonders bewusst ist: Sechzig ist mehr als nur ein Verein und mehr als nur die Fußballabteilung. Für viele Menschen ist es pure Identität. Der Verein bedeutet extrem vielen Menschen sehr viel in ihrem Leben. Auch der Ort an sich, also Giesing und das Sechzgerstadion, ist fester Bestandteil dieser Identität. Ich wünsche mir, dass das Präsidium, der Verwaltungsrat und alle führenden Personen des Vereins das weiterhin in ihrem Bewusstsein behalten und diese Identität pflegen. Sie ist absolut notwendig für die positive Entwicklung unseres e.V. Das ist meine Zukunftsvision von Sechzig München. Wenn ich daran mitarbeiten und meinen Teil dazu beitragen kann, möchte ich das sehr gerne tun.










