…oder: Wer ist eigentlich Valentin Pusnava

Unser Leser Martin (BlueCoat) hat uns seine Überlegungen zum kürzlich veröffentlichten Torwarttrikot aus dem Fanshop der Merchandising GmbH geschickt. Und er geht in seinem Text noch einen Schritt weiter zurück und beschäftigt sich mit dem Geschäftsführer dieser GmbH, Valentin Pusnava.

2025: Pusnava übernimmt von Power

Im April 2025 wurde Anthony Power von Hasan Ismaik als Geschäftsführer der Merchandising GmbH des TSV 1860 abgezogen. Abgezogen von der Firma, die im Januar 2012 unter enormem Finanzdruck von der damals schon bestehenden KGaA (Ismaik hält 60% der Anteile) an Ismaiks familieneigene Firma HI Squared International verkauft worden war. Geschäftsführer von HI Squared ist bis heute Ismaiks Bruder Yahya.

Beim Verkaufspreis soll es sich um eine Million Euro gehandelt haben. Wenn das stimmt, war es sicher ein Verkauf weit unter Wert. Wie auch immer: Ein geschickter – und legaler – Schachzug, da Ismaik sich die Firma zumindest als Mit- und Mehrheitseigner in der KGaA quasi selbst (bzw. seinem Bruder und seinem Geschäftspartner Hamada Iraki) in eigenem Auftrag verkauft hat.

Sicher ist jedenfalls, dass in jeden Geschäftsjahr die ersten 120.000 Euro Jahresgewinn vollständig der Eigentümerin HI Squared zustanden und bis heute zustehen. Erst was darüber hinausgeht, wird zwischen Merchandising GmbH und KGaA im Verhältnis 50:50 geteilt. Diese Regelung sollte bis 2031 gelten. Dass die Übergewinne bislang wirklich zur Hälfte bei der KGaA ankamen, darf bezweifelt werden. Es ist relativ einfach, die bilanzierten und gegengerechneten Ausgaben einer GmbH in die Höhe zu treiben (zum Beispiel durch exorbitante Gehälter für die eigenen Angestellten). Und damit die Gewinne zu schmälern.

Als Power weg war (offiziell auf eigenen Wunsch aus persönlichen Gründen, er arbeitet dem Vernehmen nach in den USA weiter für Ismaik), herrschte eine gewisse Erleichterung bei einem Großteil der Fans, wie auch in der Geschäftsstelle, wo Power nach Angaben mehrerer Mitarbeiter in “seinen” acht Jahren bei 1860 einen außerordentlich ruppigen “herrschaftlichen Führungsstil” durchgezogen hatte, selbst als er dort für die KGaA eigentlich gar nichts mehr zu melden hatte und von Ismaik auf dem Merchandising-Posten “geparkt” worden war. Die Beispiele sind bekannt: Drohungen gegenüber Mitarbeitern, Englisch als “Amtssprache”, Räumung ganzer Etagen wegen eines Ismaik-Besuchs etc. Powers Karriere der Unverschämtheiten bei Sechzig gegenüber Mitarbeitern und Fans könnte Bücher füllen, man kann sich aber auch hier auf sechzger.de in einer vierteiligen Artikelserie (ursprünglich erschienen im Da’Brunnemiller) einen ganz guten Überblick verschaffen. Links zu Teil I, Teil II, Teil III und Teil IV.

Wer ist Valentin Pusnava?

Valentin (er nennt sich manchmal selbst auch Valentino) Pusnava wurde schon im Dezember 2024 von Ismaik als neuer Geschäftsführer der Merch-GmbH vorgestellt. Pusnava hatte vorher zehn Jahre bei adidas verbracht und nach eigenen Angaben verschiedenste Bereiche des Unternehmens durchlaufen: Einzelhandel, E- Commerce, Concept Stores, bis hin zum Chef der Abteilung Merchandising Lifestyle & Sportswear. (Quelle: Linked’In)

Seit April 2025 ist er offiziell Geschäftsführer der TSV 1860 Merchandising GmbH mit Sitz in Oberhaching. “Endlich ein Mann mit Ahnung” mochte sich mancher gedacht haben. Im Prinzip machte der Shop aber erstmal so weiter, wie zuvor. Es gab gleich zu Beginn, nach dem Tod von Werner Lorant ein – gelinde gesagt – umstrittenes Lorant-Shirt. Es wurden wieder Fans wegen angeblicher markenrechtlicher Verstöße bei Privatverkäufen von Fanartikeln abngemahnt, was zwar gern dementiert wurde, nachweislich aber trotzdem stattfand. Und zahlreiche Fans boykottierten – weiterhin – wegen alledem die “Ismaik-Shops” und wichen auf andere Bezugsquellen, wie den e.V.-Shop aus.

Das änderte sich mit der Eröffnung des Fanshops in der Galeria Kaufhof am Marienplatz. Vor allem wegen der in der breiten Öffentlichkeit recht ansprechend empfundenen Trikots des neuen Ausrüsters Joma zur Saison 25/26 und natürlich auch wegen der zeitgleichen Verpflichtung von Volland und Niederlechner im Sommer 2025. Pusnava konnte mit gutem Timing die Euphorie dieser Tage voll mitnehmen. Sechzig war auf einmal im Herzen der Stadt richtig groß präsent. Der Marketing-Profi Pusnava hatte geliefert, die Zeiten des Powerschen Stümpertums schienen ein für alle Mal vorüber. Dass Joma (oder Pusnava?) das Jersey versehentlich und offensichtlich ohne Margen-Absprache mit HI Squared zunächst um ca. 30 Euro günstiger auf diversen KGaA-Kanälen gezeigt und angekündigt hatte, konnte der Begeisterung zunächst auch nicht viel anhaben. Ein paar wenige ließen sich angesichts dieser Taten von Pusnava allerdings auch zu maßlosen Übertreibungen hinreißen. Ein kommerzieller Blogger schrieb am 5. Juli 2025, dem Tag der Galeria-Fanwelt-Eröffnung überschwenglich: “1860 erobert den Marienplatz”, um dann einen unsinnigen Vergleich der Zahl der Kunden im Kaufhof mit der Anzahl der Anwesenden Mitglieder auf der MV loszulassen, die am Tag darauf stattfand. Ismaik ließ auf seinem Instagram-Account vermelden: “Heute ist ein historischer Tag für den TSV 1860 München, denn mit dem 5. Juli beginnt eine neue Zeitrechnung in der Geschichte unseres Traditionsvereins.”

Ein knappes Jahr später hat der selbe Mensch tatsächlich eine neue Zeitrechnung in unserer Geschichte eingeleitet. Dem werden wohl alle Beteiligten beipflichten. Eine ganz andere allerdings.

Was hat das mit dem roten Torwart-Trikot zu tun?

Die Frage war hier schon öfter zu lesen: Wer ist eigentlich verantwortlich für den KI-Fauxpas mit den Wappen und Jahreszahlen auf den neuen und jetzt schon unbrauchbaren Merch-Shop-Klamotten? Und vor allem für das rote Torwart-Trikot?

Die Antwort ist einfach: Valentin Pusnava!
Er entwirft das Design sicher nicht allein oder selbst, aber er macht Vorschläge und vor allem: Er segnet es ab.

Pusnava und die roten Stadtrivalen

Mit einer Nähe zu den Roten ist diese Verfehlung des guten Geschmacks auf allen Ebenen mit dem Torhüter-Jersey wahrscheinlich nicht zu erklären, aber diese Nähe existiert durchaus: Der Präsident der Seitenstraße, Herbert Hainer erklärte im März 2026 im Club Wirtschaftspresse (Quelle: Börse online vom  01.03.26):

Ich bin der festen Überzeugung, dass ’50 plus 1′ abgeschafft werden und jeder Verein selbst entscheiden sollte. (…) Warum wird den Vereinen vorgeschrieben, was sie zu tun haben? Eine Aufhebung der Grenze könnte auch den Konkurrenzkampf in der Bundesliga anheizen. (…) Wir können ja nicht schlechter werden, nur damit die anderen auch mal gewinnen.

1860-Merchandising-Chef Valentin Pusnava meinte daraufhin, auf Linked’In zu diesem Thema folgendes posten zu müssen (Quelle: AZ vom 02.03.26):

Ich hatte das Privileg, Herbert Hainer während meiner Zeit bei adidas kennenzulernen – eine Führungspersönlichkeit, die genau versteht, was im heutigen Profisport wirklich zählt. (…) Seine Sichtweise zur Bedeutung von Investoren im Fußball trifft den Kern. Ohne gezielte Investitionen droht der Bundesliga, den Anschluss zu verlieren – nicht an Leidenschaft oder Tradition, sondern an Wettbewerbsfähigkeit und internationaler Attraktivität. Es ist höchste Zeit, dass wir in Deutschland erkennen: Ohne Investoren gibt es keine nachhaltige Zukunft für unsere Liga. Sonst bleibt am Ende nur noch eine Frage – mit wie vielen Punkten Vorsprung wird der FC Bayern München diesmal Meister?

Zu diesem Post erschien kurz darauf im Web ein Kommentar mit folgendem Inhalt:

(…) Die immer wiederkehrende Behauptung, die Bundesliga habe ohne Investoren und ohne eine Aufweichung der 50+1-Regel keine Zukunft, ist nicht nur falsch, sondern auch bequem. Sie dient vor allem dazu, strukturelle Versäumnisse zu kaschieren und Verantwortung von Vereinen, Verbänden und Funktionären auf externes Kapital abzuwälzen. Denn was passiert, wenn der Investor sein Interesse verliert? Dann haben alle Beteiligten verloren, die Investoren suchen sich das nächste Ziel, der Verein und seine Mitglieder stehen dann vor einem Scherbenhaufen.

Diesen Kommentar verfasste Robert Reisinger, vormaliger Präsident des TSV München von 1860 e.V.

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Gastbeiträge werden – unaufgefordert – durch Leser von sechzger.de verfasst und eingesendet. Sie spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung einzelner Redaktionsmitglieder bzw. der gesamten Redaktion wider. / Titelbild: Montage aus Bildern der TSV 1860 Merchandising GmbH und von Pinterest/Etsy

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12 Comments
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BigBad

Es ist mir einfach unbegreiflich man so wenig mit Merchandising “verdienen” kann wie wir all die Jahre. Selbst wenn Powers für “irgendwas anderes” (Achtung: Verschwörungstheorie) als Trikos unter die Leute zu bringen, großzügig entlohnt worden ist/wäre, geht die Rechnung hinten und vorne nicht auf.

Ja, so manches im Shop war jetzt nicht sonderlich ansprechend. Ja, hinsichtlich Kreativität und Auswahl wäre mehr drin gewesen. Ja, der ein oder andere hat evtl. wegen Hasi keine Unsummen im Shop auf den Kopf gehauen. Aber das betrifft nur die Umsatzseite und die dürfte trotz allem nicht so schlecht gewesen sein. Daher frag ich mich immer, wie man die Gewinne so schmälern konnte, dass am Ende kaum was übrig blieb, bzw. ob man dagegen nicht vorgehen konnte oder wollte.

Geht man davon aus, dass es keine vorsätzlichen “Gewinnschmälerungen” gegeben hat, muss man sich fragen wie Powers so lange seinen Job behalten konnte.

Wird auf jeden Fall interessant, wie sich die Einnahmenseite für den e.V./GmbH sich aus der Richtung die nächsten Jahre entwickelt – dann dürfte sich auch für Aussenstehende abzeichnen, ob hier in der Vergangenheit etwas “bereinigt” wurde, oder der Löwe von hausaus eher knausrig unterwegs ist und jeweils ein Trikot und Schal als Grundausstattung im Leben reichen müssen.

Ruinenkobold25

Es wurde ja im Allgemeinen viel dafür “geworben” nicht im KGAA Shop zu kaufen. Klar den Bock macht es am Ende auch nicht fett wenn es ein paar Euronen mehr geworden wären.

BigBad

Die Gewinne sind ja schon über Jahre eher dünn, nicht erst seit der HI-Shop als unliebsam empfunden wird. In den Jahren 2012 bis 2021, also einem Zeitraum den man eigentlich von einem “Boykott” ausklammern kann, hat der Laden in Summe lächerliche 2.318.796,87€ abgeworfen – in 10 Bilanzjahren! Die KGaA (nicht der e.V.) hat davon gerademal 559.398,45€ gesehen. Sorry, die Erklärung, dass manche/viele/alle im Shop nichts kaufen, fresse ich anhand dieser Zahlen nicht.

Last edited 4 Minuten zuvor by BigBad
Roloe

Müsste man halt mal schauen, wer da aller bei der Merchandising geparkt war und über sie bezahlt wurde und welche Gehälter da gezahlt wurden.

Benjisson

Denke das viele einfach nicht dort gekauft haben egal was verkauft wurde. Ich kenne in meinem Umfeld inkl. Familien mit Kindern Niemanden die dort etwas gekauft haben. Es war ja für den Verein überhaupt kein Gewinn dort zu kaufen.

Last edited 18 Minuten zuvor by Benjisson
_Flin_

Busher hatte ich von Herrn Pusnava kein negatives Bild, auch jetzt nicht. Die Investorenäusserung ist von einem konzernerfahrenen Menschen nicht anders zu erwarten. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Die abschliessende Bewertung wird einfach aus der Frage beantwortet: wieviel Gewinn erzielt die Merchandise? Als Benchmark kann Dynamo Dresden mit 8 Millionen Umsatz und bis zu zwei Millionen Gewinn herhalten.

Dass dieser Gewinn nichtmal zur Hälfte in den Fussball bei 1860 fliesst, dafür kann Herr Pusnava nichts.

Nichtsdestotrotz kaufe ich meinen Fankram lieber beim e.V. Denn weder bei der KGaA noch bei der HI2 wird in Zukunft auch nur ein einziger Cent in den Fussball bei 1860 fliessen. Wie es mit der Merchandise weitergeht, wird man im Laufe der Zeit sehen. Nur eins wäre überraschend: Eine geräuschlose und vernünftige Lösung zum Wohl von 1860.

Edit: Ansonsten gilt für Herrn Pusnava das gleiche wie für die Herren Schneider, Cassalette, zahlreiche Anwälte, PR Firmen, Aufsichtsräte, Geschäftsführer oder auch Trainer. Und 1860 als Ganzes. Die wenigsten, die sich mit Hasan Ismaik einlassen, kommen unbeschadet davon.

Last edited 55 Minuten zuvor by _Flin_
Stephan Tempel

Der Preis für die Rechte an unserem Logo war ähnlich angemessen wie seinerzeit der Kaufpreis für die Arena-Anteile.

Leider waren in den entscheidenden Momenten bei unserem Verein (…oder auch der KGaA…) meistens die falschen Leute in verantwortungsvollen Positionen.

Was da Geld hergeschenkt wurde. Irre.

flashgordonapproaching

soll das ein Badeanzug sein?
wenn ja, dann ist er aber ausm 18. Jahrhundert übriggeblieben….

BlueCoat

Naa, ist der von meiner Großtante aus den Siebzigern. Zumindest in meiner Erinnerung, plus Plastikblümchen-Bademütze.

Esperanza

Mal angenommen, dieser Mensch war tatsächlich “Chef der Abteilung Merchandising Lifestyle & Sportswear” bei Adidas. Was hat ihn dann wohl in den Fanshop eines Drittligisten verschlagen? Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Merchandising GmbH sich noch lange halten kann. Dort kauft doch niemand mehr? Letztens haben “tz/Merkur” versucht darüber zu schreiben und eine Stunde lang vergeblich auf Kundschaft gewartet.

Steffen Lobmeier

Sensationelles Titelbild! 😁

BlueCoat

Danke!