Jetzt war er also da, der erste öffentliche Auftritt von Daniel Bierofka nach seiner Kündigung, von vielen mit Spannung erwartet – wurde doch seit dem 05. November 2019 heftig darüber spekuliert, was die Gründe für seinen Hinwurf waren. Ob man nach der Sendung wohl schlauer sein würde? Das Fazit kann nur lauten: was die Gründe für Bierofkas Hinwurf angeht, darf munter weiter spekuliert werden. Schlauer ist man jedoch im Hinblick darauf, was sich heutzutage Journalismus bzw. Journalist nennen darf, noch dazu im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: das ist – gelinde gesagt –  eine Frechheit:

Von Anfang an gab es für Moderator Markus Othmer nur zwei mögliche Gründe: Entweder das Präsidium des TSV 1860 um Robert Reisinger – oder aber die Investorenseite um Hasan Ismaik.

Hatte sich Bierofka unter anderem nicht öffentlich darüber beschwert, dass es einen Maulwurf geben würde, der Internas aus der Kabine und dem Mannschaftskreis nach außen und an die Presse tragen würde?

Fraglich ist, wer bei den Mannschaftsbesprechungen mit in der Kabine gesessen ist: der Investor aus Abu Dhabi, der Präsident – oder am Ende keiner von beiden?

Stellt sich nicht jedem vernünftig denkenden Menschen an dieser Stelle die Frage, ob der mögliche Schuldige bzw. Maulwurf weder Reisinger noch  Ismaik waren, sondern jemand anders?  Sollte man das nicht von einem Journalisten erwarten können, dass er diese weitere Möglichkeit in Betracht zieht? Oder dass es für Daniel noch andere, gewichtige Gründe im Mannschaftsumfeld für den Rücktritt gegeben haben könnte?

Für Markus Othmer gab es in der Sendung keine weitere Möglichkeit: Wahlweise überforderte ihn dieser Denkprozess – dann ist er der falsche Mann am falschen Ort. Oder aber er zieht eventuelle Möglichkeiten durchaus in Betracht, baut aber lieber die altbekannten Feindbilder auf: Ismaik gegen Reisinger, KGaA gegen e.V. – Zwietracht säen bringt Diskussionen, Skandale, Lagerdenken und letztlich Klicks im Internet oder Quote im Fernsehen und somit Geld.

Aber auch das ist eines guten Journalisten nicht würdig.

Einziger Lichtblick in dieser Sendung: Daniel Bierofka: Gut sah er aus der Daniel, erholt, gut gekleidet und sichtlich bemüht, kein schlechtes Wort über seinen alten Arbeitgeber und wohl immer noch Herzensverein zu verlieren. Im Gegenteil: er ist der Meinung, dass sich Ismaik & Präsidium endlich zusammen setzen sollen.

Ein schwieriges Unterfangen, wenn heute doch schon wieder die sozialen Netzwerke voll sind mit Diskussionen Pro & Contra Bierofka oder  Ismaik, wozu natürlich auch ein Satz der ganz zu Beginn von Othmer gesagt wurde beigetragen hat:

„Das Präsidium steht für Konsolidierung in Liga 3 oder 4, der Investor Ismaik steht für sportlichen Erfolg.“

Eine bemerkenswerte Aussage für einen Moderator.

Zum Glück gab es in dieser Sendung auch Daniel Bierofka. Der Löwe wäre gut beraten, sich an seinem Verhalten und seinen Aussagen zu orientieren.