Vorweg: Dass die vier Championsleague-Clubs für die dritte Liga und die Frauen-Bundesliga etwas mehr als 7 Millionen Euro zahlen, ist eine noble Geste und keine Selbstverständlichkeit – auch nicht in Zeiten, wo es alleine darum geht ob der Torhüter der Bayern zukünftig 20 Millionen im Jahr verdient oder etwas weniger.

Geschenktes Geld von den roten für die blauen? Wohl kaum: Zufälligerweise spielt 1860 halt gerade in der als Pleiteliga verschrienen dritten Liga und ist somit von den Zahlungen der vier Klubs betroffen. Stimmen werden vernommen in den Weiten des worldwideweb, dass die roten den blauen schon so oft geholfen hätten: Bitte was?

1860 hat Bayern – nicht ganz freiwillig, sondern eher ziemlich dämlich – seinerzeit geholfen, dass diese die Allianzarena bekommen haben: Die öffentlichen Subventionen für Grundstück, Verkehrsanschließung etc – all das war wohl nur möglich, weil seinerzeit zwei Mieter für dieses Stadion vorgesehen waren. Gleichwohl wäre der Bürgerentscheid für die Allianzarena vermutlich nie positiv ausgegangen, wenn sich nicht beide Vereine so vehement in einer gemeinsamen Werbekampagne für den Bau eben dieser Arena eingesetzt hätten.

Dass die Arena für 1860 vollkommen überdimensioniert und quasi unbezahlbar war, trotz massiver öffentlicher Subventionen? Das haben die, die für 1860 heute wieder ein eigenes Stadion vor der Stadt fordern schon längst vergessen. Aber das ist ein anderes Thema.

Aus Wikipedia:

Darüber hinaus hat die öffentliche Hand rund 210 Millionen Euro für Arealerschließung und Infrastruktur gezahlt. Außerdem erfolgte für den Bau eine Umwidmung des Grundstücks vom Gewerbegebiet zur Sondernutzungsfläche, wodurch der Wert von 84 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro gesunken ist.

Durch den niedrigeren Grundstückswert sank auch der Erbbauzins. Der Landtagsabgeordnete Martin Runge sah darin eine wettbewerbswidrige Beihilfe und legte Beschwerde bei der EU-Wettbewerbskommission ein.

Zitat Ende.

…und dann bleibt da ja noch der damalige TSV 1860 Geschäftsführer Stefan Ziffzer, der die Arena-Anteile für eher lächerliche 11 Millionen an den roten Nachbarn verscherbelte: Wer Wikipedia bemüht, kann auch heute noch nachlesen dass Stefan Ziffzer beim Fußball genau zweimal in Erscheinung getreten ist – Zitate von Wikipedia:

1:

Ende 1999 soll er laut taz[1] den Geheimvertrag zwischen der Kirchgruppe und dem FC Bayern München über jährlich 40 Millionen Mark[2] ausgehandelt haben, der nicht im Lizenzierungsverfahren vorgelegt wurde und laut taz die Zustimmung von Bayern München zur Zentralvermarktung der Fernsehrechte der Bundesliga gesichert haben soll.

2:

Die von der Insolvenz stark gefährdete, in eine GmbH & Co. KGaA ausgegliederten Fußballabteilung des TSV 1860 München stellte ihn im April 2006 als Vorsitzender der Geschäftsführung ein und begann parallel unter Führung von Ziffzer Verhandlungen mit Bayern München über den Verkauf der Anteile der Allianz Arena GmbH für 11 Millionen Euro.

Zitate Ende.

1860 hat damals 11 Millionen Euro erhalten – und zugleich einen Mietvertrag abgeschlossen, der mit jährlichen Kosten für die Löwen in Höhe von drei Millionen verbunden war. Gleichwohl werden die jährlichen Einnahmen der Allianzarena alleine durch die Namensrechte mit 6 Millionen Euro taxiert.

Wie und warum kam Ziffzer seinerzeit zu den Löwen? Fand der damalige Präsident des TSV 1860, Alfred Lehner – dessen Qualifikationen sich hier schön nachlesen lassen – er wäre der richtige Mann? Oder war Ziffzer als Verhandlungspartner eine Bedingung des FC Bayern für die Löwen-Rettung gewesen? Gemunkelt haben dies damals viele, es können natürlich aber auch nur Spekulationen gewesen sein.

Nicht vergessen darf man natürlich damals auch den Aufsichtsrat des TSV 1860 – dessen Vorsitzender war seinerzeit mit einem – leider legendären – Auftritt bei Blickpunkt Sport:

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=AGQijMUpDCA” title=”Sepp Hilz bei Blickpunkt Sport – “wir haben viele Freunde“”]

Doch zurück zur Allianzarena: Wer sich heute in München eine Eigentumswohnung kauft, darf mit einigen Jahrzehnten rechnen bis diese durch Mietzahlungen abgezahlt ist.

1860 hat die halbe Arena für rund vier Jahre der Hälfte (weil halbe Arena) der Einnahmen alleine durch die Namensrechte an den FC Bayern abgegeben – inkl. des bereits oben beschriebenen Mietvertrages.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass die roten nichts dafür können dass die handelnden Personen bei 1860 gehandelt haben, wie sie gehandelt haben. Alles andere ist Spekulation, genährt durch pikante Details.

Eines ist aber alleine schon durch die Allianzarena für alle Zeiten ganz sicher: Der TSV 1860 schuldet dem FC Bayern nichts. Aber auch gleich gar nichts.

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here