Am gestrigen Dienstag, den 21. Januar 2020 fand in der „Bayern-Stube“ des Landtags der erste 1860-Stammtisch statt, wie u.a. die tz berichtete. Ehrengast des Stammtischs war der Präsident des TSV 1860 München e.V. Robert Reisinger.

Mitglieder des Landtags, die auch Anhänger des TSV 1860 München sind, haben sich zu diesem Stammtisch entschieden, um über die Parteifarben hinweg den Verein zu unterstützen. Eingeladen hierzu hatte der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Hagen, der auch bei der Mitgliederversammlung
des TSV 1860 einen Redebeitrag hatte.

Unter den Gästen befand sich auch 1860-Jahreskarteninhaber Maximilian Deisenhofer. Der Berufsschullehrer aus Schwaben sitzt seit 2018 für Bündnis90/Die Grünen im Landtag, und ist Sprecher für Sport, Medien, digitale und berufliche Bildung der Fraktion. Max hat sich bereit erklärt, uns über die Veranstaltung ein paar Fragen zu beantworten:

Hallo Max, vielen dank erstmal dass du unsere Fragen beantwortest. Bitte beantworte uns erst einmal, welchen Bezug du zu 1860 hast und wie sehr du unseren Verein verfolgst?

Die Leidenschaft für die Löwen habe ich von meinem Papa, der in den „goldenen“ Sechzigerjahren regelmäßig im Stadion war und mir auch heute noch von der Meistermannschaft 1966 vorschwärmt. Mein erstes Spiel war ein Derby im Olympiastadion 1995, ganz klassisch „an Vaters Hand“. Danach dann regelmäßig Bundesliga und Europacup mit der Champions-Legaue-Qualifikation gegen Leeds. In der Allianz Arena war ich dann nicht mehr so oft im Stadion, sondern bin lieber manchmal zu den Amateuren. In der Aufstiegssaison 2017/2018 war ich dann aber wieder ca. 15mal im Stadion und stand am Ende mit Tränen in den Augen auf dem Rasen des Sechzgerstadions. Wahnsinn, was dieser Verein immer wieder für Emotionen wecken kann! Mitglied bin ich seit über 10 Jahren und diese Saison hat es zum Glück mit der Jahreskarte in der Westkurve geklappt.

Als Evangelischer, Grüner und Löwenfan im ländlich-katholischen Schwaben war und bin ich jetzt nicht oft in der Mehrzahl, aber vielleicht hat mich das auch ein bißchen für den politischen Betrieb abgehärtet…


Der Stammtisch der weiß-blauen Landtagsabgeordneten fand gestern das erste mal statt. Wie kam es dazu und was erhoffst du dir / ihr euch davon? Kann man bei seiner Liebe zu 1860 seine politischen Standpunkte ausblenden, oder wird auch hier gegenseitig gearbeitet? Welche Partei hat denn die meisten Löwenfans im Landtag?


Den Löwenstammtisch im Landtag gab es vor ca. 10 Jahren unter Franz Maget schon einmal, aber ist nach seinem Ausscheiden dann eingeschlafen. Mein Kollege Martin Hagen hat dann die Initiative ergriffen und gestern Abend den ersten Stammtisch in dieser Legislatur organisiert.

Gestern standen ganz klar die Geschehnisse bei unseren Löwen im Mittelpunkt und die Parteifarbe war egal, was in diesem Rahmen auch völlig richtig ist.

Wir Grüne und die SPD waren mit jeweils drei Abgeordneten vertreten, die CSU und die Freien Wählern zu zweit und die FDP mit einem Abgeordneten.

Robert Reisinger war der Ehrengast auf der Veranstaltung. Er hat eine Rede gehalten, die in der tz in Auszügen wiedergegeben wurde). Was kannst du über den Auftritt berichten?

Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht wie offen, ehrlich und ausführlich unser Präsident die Fragen beantwortet hat, obwohl ja auch die Presse im Raum war. Da war kein Marketingsprech dabei, sondern es war sehr sachorientiert und die Argumente hatten Hand und Fuß. Am Ende konnte er auch mit den entsprechenden Zahlen und Sachargumenten kritischere Kollegen (die sich fast ausschließlich auf einem bestimmten Blog informieren) vom aktuellen Kurs überzeugen. Fazit: Starker Auftritt.

Gibt es ein Thema in der Rede, welches dich besonders beschäftigt hat?


Wir haben uns natürlich auch über die ewige Stadionfrage unterhalten. Für mich war interessant, dass der Umzug zurück nach Giesing nicht nur ökonomisch notwendig war, sondern dass die Stimmung im Sechzgerstadion auch bei Spielerverpflichtungen und Vertragsverlängerungen ein positives Argument für Sechzig ist. Persönlich spüre ich seit der Rückkehr auch ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl bei Sechzig und mir persönlich macht auch das Stadionerlebnis mitten in der Stadt wieder viel mehr Spaß.

Wie beurteilst du sportlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten und Visionen von 1860 für die nahe Zukunft nach dem gestrigen Vortrag?

Wir müssen bei den Partnern, in der Öffentlichkeit und in Fussballdeutschland wieder als seriöser Verein ohne Größenwahn und mit Bodenhaftung wahrgenommen werden. Daran arbeitet das Präsidium trotz zahlreicher Querschüsse via Facebook und über die Boulevardpresse.

Sportlich war das Team ja zum Glück vor Weihnachten wieder im Aufwind und ich spüre auch einen engen Zusammenhalt im Team. Dass es dieses Jahr noch für ganz oben reicht glaube ich aber ehrlich gesagt nicht.

Das Spielerbudget wird in der kommenden Saison mindestens genauso hoch wie diese Saison sein und ich glaube dann können wir auch noch weiter vorne angreifen. 

Und zu Allerletzt: Was wünscht du dir für 1860 noch in dieser Saison?

Erstmal einen guten Start am Sonntag gegen Braunschweig und dann natürlich Derbysiege gegen Haching und die Roten. Wenn das Team weiter zusammenwächst und sich spielerisch nochmal weiter entwickelt, dann können wir vielleicht auch nochmal oben rankommen. Das würde ich mir natürlich wünschen! Ansonsten entspricht ein einstelliger Tabellenplatz am Ende auch ungefähr unserem Budget im Ligavergleich.

 

 

Vorheriger ArtikelIn eigener Sache: Konkurrenz unter Löwenfans?
Nächster ArtikelDas Phänomen und die Gefahren der Filterblasen