Die gestrige Bekanntmachung der Dauerkarten-Varianten für die neue Saison hat rund um den TSV 1860 zu einer intensiven Diskussion geführt. Wir haben heute Morgen bereits die wichtigsten Fakten zusammengestellt.
Zu den beiden von den Löwen angebotenen Modellen haben sich Christian Jung und Stephan Tempel Gedanken gemacht und präsentieren nachfolgend ihre unterschiedlichen Positionen:

+++ PRO +++

Ihr seid auf der Suche nach der ultimativen Herausforderung eures Lebens? Auf der Jagd nach einer echten Challenge, die euch so richtig fordert und alles abverlangt?

Ich habe den perfekten Vorschlag: Versucht doch mal, alle Löwen Fans zufrieden zu stellen, sodass am Ende kein Blauer mehr was zu mosern hat. Machbar? Ich glaube nicht.

Gestern Nachmittag präsentierte die KGaA – von vielen schon lange erwartet und ersehnt – das Dauerkartenmodell für die Saison 20/21 und sofort setzte er ein, der Chor der Unzufriedenen und der – man muss es mal so hart sagen – ewigen Besserwisser und -könner.

An dem Ansatz, mit „Löwenkopf“ und „Löwenherz“ zwei Dauerkartenvarianten anzubieten, gefällt offensichtlich vielen Fans nicht, dass Sechzig – anders als andere Vereine z.B. in Köln und Rostock – ein mögliches Zugriffsrecht auf die – wegen begrenzter Stadionkapazität – wenigen Tickets nicht an die Größe des Fangeldbeutels bindet. Euer Ernst? Ich finde das die absolut richtige Vorgehensweise. Gerne wird in München-Giesing das Klischee vom Arbeiterverein, vom Verein für die einfachen Leute gepflegt – auch und insbesondere von den Fans. Wir sind nicht die Großkopferten und nicht der Verein zu dem die Schickeria geht – in jeglicher Hinsicht. 🙂 Und in logischer Konsequenz dieses Selbstverständnisses kann man sich bei Sechzig eben auch nicht mit besserem Kontostand die Chance erkaufen, ein Spiel vor begrenzter Zuschauerzahl  zu besuchen. Gut und genau richtig gemacht, Löwen!

Ich gebe zu: Mich persönlich reizt der Erhalt der Sondertrikots, von dem ich noch nicht mal weiß, wie es aussehen wird, nicht genug, um meine drei Dauerkarten in der Stehhalle komplett und von vornherein mit dem Verzicht auf eine Rückerstattung zu belegen, also mein Löwenherz in den Vordergrund zu stellen. Da siegt der Löwenkopf. Aber ich bin froh, dass ich durch diese beiden vorgestellten Varianten auch nicht quasi dazu genötigt werde. Nämlich mit der möglichen Aussicht auf ein baldiges Livespiel (mit einigen wenigen anderen Unverbesserlichen). Ich werde mich sicher mindestens zweifach für den Löwenkopf entscheiden. Befremdlich finde ich, dass eine – so kann man das nämlich durchaus auch betrachten – sozial ausgewogene und wohlüberlegte Handlung der Verantwortlichen von zahlreichen Fans nun in der Hinsicht kritisiert wird, dass man es versäumt hat, mit einer Ausnahmesituation, die die ganze Gesellschaft betrifft, den “großen Reibach” zu machen. Wobei eines klar ist: Wäre Sechzig den Weg des 1. FC Köln oder von Hansa Rostock gegangen, wäre die Kritik von Teilen der Fans auch schon wieder sicher gewesen. Das ist wohl einfach so.

Mein Vorschlag in der Frage „Wer darf rein, wenn nicht alle dürfen?“ wäre übrigens, alle Allesfahrer, die ihre Treue mit den Auswärtskarten nachweisen können, bevorzugt ins Stadion zu lassen und unter den übrigen Dauerkarteninhabern dann zu losen, wer noch Zutritt erhält. Und mal ehrlich: Das echte Stadionfeeling wird es doch sowieso erst wieder geben, wenn wir irgendwann (hoffentlich!) wieder ganz komplett sind.

Christian Jung

— CONTRA —

Wohl nicht zuletzt wegen den negativen Reaktionen beim 1. FC Köln hat der TSV 1860 darauf verzichtet, Löwen-Fans, welche sich bei den Jahreskarten für die „Herz-Variante“ entscheiden, ein vorrangiges Zutrittsrecht im Falle von Corona-Zutritts-Einschränkungen zu gewähren. Meiner Meinung nach ein Fehler: 

Mein Sitzplatz in der Stehhalle hat mich für die letzte Saison 460,- Euro gekostet. Dafür, dass ich zu einem Drittel der Spiele wegen Corona nicht gehen konnte, kann niemand etwas. Dass ich dafür mein Geld nicht zurückgefordert habe, war für mich selbstverständlich: Das Geld war ohnehin schon weg und die Löwen hatten damit geplant.

Diese Saison stellt sich das für mich jedoch etwas anders dar: Spiele mit Zuschauern, vor allem mit voller Kapazität sind aktuell schwer bis gar nicht vorstellbar. Jetzt bittet mich mein Herzensverein im Vorfeld, für den Fall, dass ich wieder nicht ins Stadion darf, auf mein Geld zu verzichten. Dafür bekomme ich einen Gutschein für ein Sondertrikot. Was auf den Stehplätzen für 245,- Euro schon ein stolzer Trikotpreis ist, geht auf den Sitzplätzen für 460,- Euro (Stehhalle) oder 550,- Euro (Haupttribüne) dann schon fließend in Wahnsinn über.

In Köln oder Rostock bekommt man bei vergleichbaren Modellen als Käufer der „Herz-Variante“ immerhin in Aussicht gestellt, bei Spielen mit reduzierter Kapazität vorrangig ins Stadion zu dürfen. Bei Sechzig ist das nicht so, weil man niemand benachteiligen will. 

Dabei wäre es nur gerecht: Wer bereit ist, auf einen Geldbetrag zu verzichten, um die Löwen zu unterstützen, der darf auch zuerst wieder ins Stadion – und gehört nicht in einen Lostopf mit denen, die sich im Falle eines Ausfalles ihr Geld wieder zurück holen. 

Es gibt Leute, die würden ihr letztes Hemd dafür geben, um die Löwen wieder live im Stadion sehen zu dürfen. Diese sollten auch die Möglichkeit haben, sich dieses Recht zu erwerben. Wer bezahlt, der darf ins Stadion – die anderen bekommen ihr Geld zurück. Das halte ich für deutlich gerechter, als wenn der, der draußen vor dem Stadion bleibt, ebensoviel bezahlt wie der, der ins Stadion gelost wurde. 

Ein Löwenfan äußerste eine ganz perverse Vermutung: „Wäre ja eigentlich praktisch, wenn die zufälligerweise nur Leute ins Stadion losen, die nicht verzichten würden. Dann haben sie von denen das Geld – und von den anderen Doofen auch.“ Soweit würde ich nicht gehen – ich gehe ohnehin davon aus, dass jemand, der ins Stadion gelost wird, bei der nächsten Ziehung dann nicht mehr im Lostopf dabei ist. Wobei es auch hier hilfreich wäre, im Vorfeld zu erklären, wie im Falle von Kapazitätsbeschränkungen verfahren wird. 

Es ist sehr gut möglich, dass wir auch in der kommenden Saison kein einziges oder sehr wenige Löwen-Spiele live sehen werden. Nicht böse sein, aber die Aussicht auf ein Trikot ist mir für 460,- Euro zu wenig. Ob das Geld dafür bzw. für die letzten Geistertickets in den Kader fließt (bzw. floss), oder nur Ismaiks Defizit verringert(e), verdient ohnehin eine genauere Betrachtung. Für mich gibt es da aktuell zu viele Fragezeichen.

Geld verschenkt habe ich genug, ohne genau zu wissen an wen oder wofür. Ich werde dieses mal die “Kopf-Variante” wählen, denn: Auf eine Rückerstattung verzichten kann ich immer noch, wenn ich sehe, dass das Geld wirklich in den Kader fließt. 

Stephan Tempel

 

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