Jetzt sind wir gefühlt wieder da, wo man in dieser Saison keineswegs hinwollte. Auf dem Platz stimmt gar nichts, die Spieler wirken lust- und ideenlos und im Umfeld fängt es an zu brodeln. Nun geht es zu einer Art Krisengipfel nach Aue, wo der Trainer auch schon zur Diskussion steht. Damit die Stimmung nicht endgültig kippt ist im Erzgebirge nur ein Sieg genug, den die Schachter aber mindestens genau so dringend brauchen. Die Löwen fahren nach Sachsen zum Fußballclub Erzgebirge Aue e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Düster sieht es gerade aus im Erzgebirge. Aue steht aktuell mit 4 Punkten, einem Torverhältnis von 5:14 und einer Bilanz von 1-1-5 auf dem 18. Tabellenplatz. Der in der letzten Rückrunde verpflichtete Coach Jens Härtel steht schon ordentlich unter Druck, um die sich eigentlich in der 2. Liga verortenden Sachsen wieder in die Spur zu bringen.

Eigentlich sah nach der Vorbereitung, in welcher man sich nur Gladbach geschlagen geben musste, alles gut aus. Doch mit dem Ligastart konnte man die Form weder in Test- noch Pflichtspiele mitnehmen. Einzig gegen Havelse und im Länderpokal gegen den Sachsenligisten SG Taucha war man siegreich. Aktuell steht man in der Liga bei vier Niederlagen am Stück, zuletzt gab es ein 1:3 in Osnabrück. Man braucht in Aue also dringend ein Erfolgserlebnis, dass man sich laut Berichten mit den bisherigen Leistungen auch schon verdient gehabt hätte. Hoffentlich rutschen die Löwen nicht wieder in die Rolle des Beenders aller Schwächephasen und helfen den Sachsen den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Kader & Transfers

Auch in Aue gab es ein typisches Drittliga-Transferfenster. Es stehen 11 Abgänge 13 Neuzugängen gegenüber. Auf dem Papier sehen die Neuzugänge vielversprechend aus, auf den Rasen wurden die PS aber offensichtlich noch nicht gebracht.

Neben Kilian Jakob zu den Löwen wechselte mit Linus Rosenlöcher (24) ein weiterer linker Verteidiger innerhalb der Liga nach Bayern, in diesem Fall aber zum FC Ingolstadt. In die erste kroatische Liga zog es Omar Sijaric (23, RA) zum Spitzenklub HNK Rijeka. Ebenfalls in ein Oberhaus ging es für Niko Vukancic (23, IV) und Sean Seitz (23, LA) die fortan für MFK Skalica in der Slowakei am Ball sind. Außerdem wechselte Steffen Nkansah (29) zum ambitionierten Regionalligisten Homburg.

Ersetzt wurden diese Spieler mit Personal aus Liga Drei und den Regionalligen. Julian Guttau, Jannic Ehlers (22, LA, Bremen II) und Julian Günther-Schmidt (30, OM, Saarbrücken) verstärken die Offensive. Weiters zog es den amtierenden Torschützenkönig (18 Treffer) der Regionalliga Nordost Erik Weinhauer (24, RA) von Jena ins Erzgebirge. In der Defensive verpflichtete man mit Ryan Malone (32, Ingolstadt) einen routinierten Innenverteidiger, sowie mit Moritz Seiffert (24, LV, Ingolstadt) und Eric Uhlmann (22, DM, Hannover II) aufstrebende Spieler für die Hintermannschaft. Außerdem wurde Tristan Zobel (21, IV) aus Paderborn ausgeliehen.

Vom Bestandskader ist natürlich wieder einmal der “ewige” Martin Männel (37, TW) hervorzuheben, der noch immer Kapitän der Sachsen ist. Sonst sollten die Löwen noch auf Marvin Stefaniak (30, LA) achten. Die aktuellen Verletzungen von Marcel Bär (33, MS) und Boris Tashchy (32, OM) sollten den Siegchancen der Löwen eher guttun, als andere Diamanten zum Funkeln bringen.

Löwenpower: Julian Guttau, Marcel Bär (2021-23),

Vereinsgeschichte

Die Wurzeln für den heutigen FC Erzgebirge liegen im FC Aue der im Jahre 1908 gegründet wurde. Dieser flirte recht schnell sportliche Erfolge, benannte sich in (SV) Alemannia Aue um und musste unter dem NS-Regime mit dem VfB Aue zum Großverein SV Aue fusionieren.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden, wie den meisten bekannt sein dürfte, überall in Deutschland, und besonders in der sowjetischen Zone, neue Sportvereine gegründet. Am 4. März 1946 wurde dann die Sportgemeinschaft (SG) Aue gegründet, die dann 1949 als BSG dem örtlichen Betrieb Pneumatik Aue angegliedert war. Nur ein Jahr später änderte man Namen und Träger in BSG Zentra Wismut Aue, mit der SDAG Wismut (Uranbergbau) im Rücken und der sportliche Aufstieg begann.

Von 1954 bis 1963 spielte die Wismut Elf unter dem Namen SC Wismut Karl-Marx-Stadt (Aue lag im Bezirk Karl-Marx-Stadt und die Fußballabteilung wurde zum SC KMS delegiert) und gewann 1955 den FDGB-Pokal, sowie in den Jahren 1956, 1957 und 1959 die DDR-Meisterschaft. In den darauffolgenden Jahrzehnten baute man sportlich ab, da die goldene Generation in Fußballrente ging und durch Umstrukturierungen der neue SC Karl-Marx-Stadt als neues Leitungszentrum des Bezirks aufgebaut wurde. Die Fußballabteilung wurde vom SC Motor Karl-Marx-Stadt übernommen. Der Kampf gegen den Abstieg war in Aue in diesen Jahren allgegenwärtig, es gelang aber immer knapp der Demission zu entrinnen.

In den 80er Jahren erfolgte dann wieder ein Aufschwung. 1985 und 87 erreichte man jeweils den vierten Tabellenplatz. So qualifizierte man sich sogar für den UEFA-Pokal, man kam aber nie über die 2. Runde hinaus. Sonst landete man aber weiter meist im unteren Drittel des Tableaus, war aber mehrmals die beste BSG und konnte sogar achtmal den Rivalen aus KMS auf hintere Ränge verweisen. Die letzte Oberliga-Saison 89/90 bestritt zu Hälfte schon der neu gegründete FC Wismut Aue und es passierte das unvorstellbare. Die unbeugsamen Auer stiegen als Vorletzter ab und mussten als dienstältester Oberligaverein nach 40 Spielzeiten den Gang ins Unterhaus antreten.

Nach der Wende 1989 wurde wie gesagt aus der BSG Wismut der FC Wismut Aue gegründet. Anfangs hatte der Verein sportlich wie wirtschaftlich Schwierigkeiten, auch bedingt durch den Rückzug der Wismut GmbH als Hauptsponsor 1992. Nur dank neuer Sponsoren, dem Engagement lokaler Unternehmer (besonders der Brüder Leonhardt) und einer Umbenennung in FC Erzgebirge Aue im Jahre 1993 konnte der Verein überleben.

Sportlich spielte Aue zunächst in der drittklassigen Oberliga bzw. Regionalliga und etablierte sich dort. Unter Trainer Gerd Schädlich (ab 1999) gelang 2003 der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo sich der Verein mehrere Jahre behauptete und teils einstellige Tabellenplätze erreichte. Nach einem sportlichen Niedergang und dem Abstieg 2008 spielte Aue zwei Jahre in der 3. Liga. 2010 folgte jedoch der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga.

Nach dem Wiederaufstieg 2010 verstärkte sich Aue mit erfahrenen Spielern und wurde überraschend Herbstmeister, beendete die Saison aber als Fünfter. In den folgenden Jahren kämpfte der Verein meist gegen den Abstieg. 2012 und 2013 wurde der Klassenerhalt nur knapp gesichert, wobei mehrfach Trainerwechsel nötig waren. 2015 folgte nach einer schwachen Saison der Abstieg in die 3. Liga, doch unter Pavel Dotchev gelang 2016 der direkte Wiederaufstieg.

Von 2016 bis 2022 etablierte sich Aue in der 2. Bundesliga, musste aber zunächst im Abstiegskampf bestehen. 2017 rettete man sich in der Relegation gegen den Karlsruher SC. In der Saison 2019/20 erreichte man mit Platz 7 die beste Zweitligaplatzierung seit Jahren. Danach folgte jedoch ein sportlicher Niedergang, der 2022 mit dem Abstieg in die 3. Liga endete. Nach einem Fehlstart in Liga 3 trat Präsident Helge Leonhardt zurück, Timo Rost wurde als Trainer entlassen. Unter Rückkehrer Pavel Dotchev konnte der Abstieg 2023 mit Rang 14 verhindert werden.

Wer es noch genauer wissen will sei auf Wikipedia oder die entsprechenden Artikel auf der Vereinswebsite verwiesen.

Verein

Der FCE vereint Stand August 9633 Mitglieder unter dem lila-weißen Banner. Neben dem Fußball gibt es noch die Abteilungen Badminton, Billard, Bogenschießen, Frauenfußball, Kraftsport, Leichtathletik, Ringen, Schwimmen, Ski, Behinderten-Schwimmen, Volleyball und die FSG Aue-Zelle (Freizeitsport). Besonders erfolgreich ist sind die Ringer, welche aktuell wieder einmal in der Bundesliga vertreten sind.

Fanszene

Wenn man bedenkt, dass die Große Kreisstadt Aue-Bad Schlema nur knapp 20 000 Einwohner hat, ist es schon bemerkenswert was für eine ordentliche Szene sich dort gebildet hat.

Die Ultras stehen im Block P um die Hauptgruppen “Fialova Sbor”, welche letztes Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feierte, und “Guerillas”. Gruppenübergreifend agiert man unter dem Namen “Erzbrigade” und unterstützt auch die Initiative “Verbandsstrafen Abschaffen”. Zu den großen Gruppen gehören noch kleinere Sektionen welche mit Überhängern präsent sind. Auf Fotos konnte ich daneben noch die “Violet Maniacs” und “East Company” ausmachen. Die Fanszene steht aktuell mal wieder im Fokus der Ermittlungsbehörden, nachdem es einen Angriff von Auer Fans auf jungendliche Anhänger des FSV Zwickau bei einem B-Jugend Spiel der beiden Vereine gab.

Zum Namen der FS heißt es auf deren website:

“FIALOVA SBOR ist tschechisch und bedeutet so viel wie “Violette Gruppe”. Wir wählten diesen Namen einfach, um aus der grauen Masse von Ultras, Boys, Girls, Horden etc. herauszustechen. Dabei fällt dem Tschechisch-Kenner auf, dass uns ein kleiner grammatikalischer Fauxpas unterlaufen ist. Aber stellt euch vor, wenn ein Erzgebirger “fialovy sbor” aussprechen soll. Da würden einem die Haare zu Berge stehen. So wählten wir “Fialova”, was übersetzt “Die Violetten” heißt und “Sbor” bedeutet so viel wie Gruppe, Chor oder Ensemble.”

Ähnlich dem MvfaZ Kollektiv bei den Löwen gibt es in Aue den “Block P e.V.”, der als Förderkreis der Kurve dient. Ein besonderes Anliegen der ganzen Kurve ist die Erhaltung des traditionellen Vereinsnamens “Wismut Aue”.

Feindschaften gibt es besonders zu Dynamo Dresden, aber auch zu deren Freunden aus Zwickau. Freundschaften bzw. Kontakte soll es zu Düsseldorf und Jena geben, früher war man auch mal mit Chemie Leipzig verbandelt. Auch welcher Ebene diese Beziehungen geführt werden konnte ich leider nicht herausfinden.

Mit der aktiven Szene sind beim Verein 97 offizielle Fanclubs gemeldet, auch aus Tschechien und Österreich.

Choreo in Aue

Stadion

Die Heimstätte der Lila-Weißen ist das Erzgebirgsstadion, welches sich im Besitz des Erzgebirgskreises befindet. Es ist ein Neubau, steht aber an gleicher Stelle und in der Tradition des 1950 eröffneten Otto-Grotewohl-Stadions. Zeitweise wird auch von einem umfassenden Umbau gesprochen, aber von 2015-18 wurde im Endeffekt ein komplett neues Stadion errichtet. Dieses reine Fußballstadion hat ein Fassungsvermögen von 16 485 Plätzen und ist komplett überdacht. Nach einem zwischenzeitlichen Namenssponsoring durch die örtliche Sparkasse hat das Stadion seinen ursprünglichen Namen nun wieder.

Bekannt ist die Arena für ihre Verpflegung, der dort verkaufte Nudeltopf ist deutschlandweit bekannt. Stefan hat dem Gericht auch einen Artikel gewidmet.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Wer den Nudeltopf besonders liebt, konnte anscheinend im Fanshop einen “Gartenzwerg Nudeltopp” erstehen, leider ist der Link nicht mehr aktuell.
  • Die alte Videowall aus dem Schalker Parkstadion fand 2004 ihren Weg in das alte Stadion und wurde dort weitergenutzt.
  • Die Stadt Aue-Bad Schlema entstand erst 2019 durch einen Zusammenschluss
  • Der Handballverein EHV Aue spielt aktuell in der 3. Liga.

Der 8. Spieltag im Überblick

Freitag 19:00 Uhr FC Energie Cottbus – VfB Stuttgart II
Samstag 14:00 Uhr FC Hansa Rostock – TSV Havelse 1912
14:00 Uhr SV Wehen Wiesbaden – 1. FC Saarbrücken 
14:00 Uhr MSV 02 Duisburg – FC Ingolstadt 04
14:00 Uhr FC Erzgebirge Aue – TSV 1860 München
14:00 Uhr 1. FC Schweinfurt 05 – Aachener TSV Alemannia
16:30 Uhr SV Waldhof Mannheim – Rot-Weiss Essen
Sonntag 13:30 Uhr SSV Jahn Regensburg – SC Verl 1924
16:30 Uhr TSG Hoffenheim 1899 II – SSV Ulm 1846 Fußball
19:30 Uhr FC Viktoria Köln 1904 – VfL 1899 Osnabrück

 

0 0 votes
Artikelbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments