Nach dem Ligaauftakt steht für die Löwen nun das mit großer Freude erwartete erste Heimspiel auf Giesings Höhen auf dem Programm. Nachdem die exorbitanten Erwartungen durch das Unentschieden in Essen wieder etwas eingefangen wurden, brennen die Fans auf den ersten Dreier der Saison. Doch die Gäste aus Niedersachsen werden etwas dagegen haben und versuchen ihrerseits die Punkte mit ins Osnabrücker Land zu nehmen. Endlich gehts es wieder los zwischen TeLa und Candidplatz und wir erwarten den Verein für Leibesübungen von 1899 e. V. Osnabrück!
Aktuelles – Die Ausgangssituation
Mit einem Punkt, aber keinen Toren ist der VfL Osnabrück in die neue Drittligasaison gestartet. Im ersten Spiel gab es an der Bremer Brücke gegen die Alemannia aus Aachen nur ein mageres 0:0. Die Saisonvorbereitung lief auch eher holprig. Nur gegen den Bezirksligisten SV Büren 2010 konnte ein Sieg eingefahren werden. In den anderen vier Partien wurde gegen die Amateure von Werder Bremen remisiert, während man gegen Pilsen, Kiel und Gütersloh den Kürzeren zog. Insgesamt wirkt auch die Anzahl an Testspielen (5) ziemlich überschaubar.
Nach der, gelinde gesagt, durchwachsenen letzten Saison ist vieles neu an der Hase. Ein runderneuerter Kader mit neuem Trainerteam und einer veränderten Leitungsetage versucht den ins Schlingern geratenen Kahn wieder in ruhigere Gewässer zu führen. Mit dem anstehenden Aus- und Umbau der Bremer Brücke durch die Stadt Osnabrück wird im infrastrukturellen Bereich auf jeden Fall für eine positivere Zukunft vorgebaut.
Kader & Transfers
In der Sommerpause fand in Osnabrück ein riesiger Umbruch statt, bei dem 20 Abgänge ebenso vielen Zugängen gegenüber stehen. Darunter finden sich auch einiger Leihspieler, so z.B. Florian Bähr, der postwendend an Hoffenheim II weitergegeben wurde.
Abgänge
Auf der Abgangsseite konnte man für drei Spieler eine Ablöse generieren. Mittelfeldmann Bryang Kayo (22) wechselte zu OH Leuven in die belgische erste Liga und spülte 550 000€ in die Kassen, nachdem er letzte Spielzeit aus Ingolstadt ausgeliehen war und zu Beginn des Transferfensters für 150 000€ verpflichtet wurde. Eine weitere Viertelmillion gab es für Stürmer Marcus Müller (22), der in Zukunft für Bundesligaabsteiger Holstein Kiel auf Torejagd gehen wird. Außerdem bezahlte der aserbaidschanische Erstligavertreter Araz-Nakhchivan 200 000€ für Offensivspieler Bu-Muaka Simakala (28). Weitere namhafte Abgänge sind der Transfer von Dave Gnaase (28) zu Polonia Warschau ins polnische Unterhaus und der ablösefreie Wechsel von Innenverteidiger Maxwell Gyamfi (25) zum 1. FC Kaiserslautern. Der Vertrag von Ex-Löwe Joel Zwarts wurde nicht verlängert, womit dieser aktuell vereinslos ist.
Zugänge
Für Ersatz wurde an der Bremer Brücke natürlich auch gesorgt. Geld ausgegeben hat man nur für einen jungen Innenverteidiger. Robin Fabinski (21) wechselt für 50 000€ aus Erfurt in die 3. Liga. Aus Ingolstadt kommt David Kopacz (26, OM), der auch schon in der Audi-Stadt zum Stammpersonal gehört hat. Auf der rechten defensiven Außenbahn verteidigt zukünftig Patrick Kammerbauer (28), der aus Verl transferiert wurde. Für Erfahrung sorgt zum einen Kai Pröger (33, MS), der aus Regensburg kam, zum anderen Bjarke Jacobsen (31, DM), der aus Wiesbaden an die Hase wechselt. Auf der Linksverteidigerposition hat man auf ein dänisches Leihgeschäft aus Schweden zurückgegriffen. Frederik Christensen (23) kommt aus der Stockholmer Talentschmiede IF Brommapojkarna, dem nach aktiven Spielern gemessen größten Fußballclub Europas. Das Magazin 11Freunde zu der Jugendakademie auch einen schönen Artikel veröffentlicht.
Das Tor hütet weiterhin der 32-jährige Lukas Jonsson, im Mittelfeld räumen Bryan Henning (30) und Robert Tesche (38) ab und im Sturm wirbelt Nikky Goguadze (27). Der 1,77m große Mittelstürmer kam vor der vergangenen Saison vom Bremer SV. An der Seitenlinie betreut seit Juni Timo Schultz (47) die Osnabrücker, nachdem er zuvor den 1. FC Köln, den FC Basel und St. Pauli betreut hatte. Neue Assistenten sind Ferydoon Zandi (46) und Daniel Davari (37) als Tormanntrainer (vorher RW Oberhausen). Weiterhin wird das Team komplettiert von Frithjof Hansen (29), der auch schon Marco Antwerpen unterstützte und zuvor die U19 des VfL trainierte. Direktor Fußball ist nun die VfL Legende Joe Enochs.
Löwenpower: –
Vereinsgeschichte
Als Gründungsdatum des Verein für Leibesübungen von 1899 e.V. Osnabrück gilt der 17. April 1899. Eigentlich wurde damals aber der FC 1899 Osnabrück als erster Fußballverein der Stadt gegründet, der aus den drei Straßenfußballmannschaften Germania, Minerva und Antipodia hervorging. Das erste Spiel war im Jahre 1900 ein 1:1 gegen den FC Brema Bremen. In den kommenden Jahren entstanden in der Stadt noch weitere Vereine, so etwa der FC Teutonia Osnabrück (1902) – der in der Anfangszeit sportlich die Oberhand hatte, der FC Olympia Osnabrück (1903) und der Osnabrücker Ballspielverein 05.
Im Jahre 1918 fusionierten Olympia und Teutonia zu Spiel und Sport Osnabrück und zwei Jahre später der FC 1899 und der BV 05 zum Ballspielverein von 1899 (Gauliga Westfalen). Letzterer trug bereits die Farben lila-weiß. 1924 erfolgte dann die große Fusion der beiden Clubs. Zuerst als Spiel und Sport, dann aber als Verein für Leibesübungen von 1899. Spielstätte war zur damaligen Zeit das Stadion an der Gartlage.
Ein Jahr später traten einige Spieler aus dem VfL aus und gründeten den SC Rapid Osnabrück, der zwischen 1931 und 33 das Stadion an der Bremer Brücke erbaute und 1938 unter Druck der deutschen Faschisten wieder mit dem VfL Osnabrück fusionierte. Nach einem Umbau wurde danach die Bremer Brücke zum ersten Mal Spielstätte des VfL. Ab 1935 spielte der VfL zum ersten Mal in der Gauliga Niedersachsen, musste aber direkt wieder in die Bezirksliga absteigen. Kurz vor der Fusion mit Rapid stieg man aber wieder ins Oberhaus auf. Der Großverein nahm dann 1939 nach einem Sieg in der Gauliga an der Endrunde der deutschen Meisterschaft teil, ein Erfolg der 1940 wiederholt werden konnte.
Nachkriegszeit
Nach dem Kriegsende musste der Verein aufgrund von Verboten zuerst unter dem Namen 1. FSV Osnabrück antreten, durfte aber 46/47 wieder zur alten Bezeichnung zurückkehren. Im Jahre 1947 gehörte der VfL auch zu den Gründungsmitgliedern der Oberliga Nord, damals ein Teil der obersten Leistungsstufe. Drei Jahre später fuhr man den größten Erfolg der Nachkriegsgeschichte ein, indem man in die Endrunde der deutschen Meisterschaft einzog, dort aber dem VfB Stuttgart unterlag.
Bis zur Gründung der Bundesliga spielten die Osnabrücker durchgängig erstklassig, konnte aber nicht mehr an die Leistungen der Anfangsjahre anknüpfen. Ein positiver Ausreißer führte zur Teilnahme am International Football Cups, einem Vorläufer des UI-Cups. Der Vierte der ewigen Tabelle der Oberliga Nord hätte sich sogar 1963 sportlich für die Bundesliga qualifiziert, wurde aber vom DFB aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugelassen.
Deshalb muss man in der Regionalliga Nord antreten, der man von 1963-1974 angehört. Dort zeigte man gemischte Leistungen. Mehrmals scheiterte der VfL in der Aufstiegsrunde, profitierte aber als sportlicher Absteiger auch von Lizenzentzügen anderer Nordmannschaften in der Bundesliga. Ein Highlight aus dieser Zeit ist ein 5:4 Sieg gegen die Seitenstraße im Olympiastadion im DFB-Pokal 78/79. Im Jahre 1981 qualifizierten sich die Osnabrücker als Sechster für die neue, eingleisige zweite Liga.
“Neuzeit”
In den 80er und 90er Jahren steigt der VfL zweimal ab und auch wieder auf. Anfangs hatte Präsident Hartmut Piepenbrock sehr viel Geld in den Verein gepumpt, was sich 1997 in der Regionalliga fast rächte. Durch geringen sportlichen Erfolg und große Altlasten mussten die Lila-Weißen durch einen Kredit über 1,2 Millionen Euro gerettet werden. Hierbei trat die Stadt Osnabrück als Bürge auf um ihren Verein zu retten. Im Jahr 2000 gelingt dann endlich der Wiederaufstieg ins Unterhaus nach Relegationsspielen gegen Nord-Ost Meister Union Berlin.
Danach folgen viele Auf- und Abstiege, zwischen 2011 und 2019 gibt es aber eine lange Durststrecke in Liga 3. Als Trost konnte man in dieser Zeit dreimal (13,15,17) den NFV-Pokal gewinnen. Nach dem Abstieg 2021, Wiederaufstieg 2023 und der sofortigen Rückkehr in die dritte Liga ist Osnabrück nun die zweite Saison in Folge in der untersten Profispielklasse und möchte sich nach einer turbulenten Saison als Absteiger mindestens in der Liga etablieren und sorgenfrei durch die Spielzeit kommen.
Der Verein
Wer nicht gerne liest oder sich noch genauer umfangreicher informieren möchte, sollte sich entweder dieses Video des Vereins, welches zum diesjährigen 125-jährigen Jubiläum produziert wurde oder diese 30-minütige Doku des NDR ansehen.
Der VfL vereint 8 785 Mitglieder unter den drei Rauten und ist damit der größte Sportverein in Osnabrück. Neben dem Fußball gibt es aktuell noch die Fanabteilung, Gymnastik, Schwimmen und Tischtennis. Die Tennisabteilung hat sich ähnlich wie beim TSV mittlerweile selbstständig gemacht. Mit Unterbrechungen existierte bis 2017 noch eine Basketballabteilung. Auch in Osnabrück ist der Profibetrieb in eine GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. Knapp 50% gehören dem Verein, fast 20% den Stadtwerken Osnabrück und der Rest verschiedenen Einzelaktionären. Wie es üblich ist, hält der Verein über die komplementäre Geschäftsführungsfirma 50+1 ein. Beim VfL sind aber Präsident und Geschäftsführer verschiedene Personen.
Fanszene
Auch in der viertgrößten Stadt Niedersachsens ist durchaus motiviertes Fußballpublikum zu finden. In der vergangenen Saison waren bei den 19 absolvierten Auswärtsspielen durchschnittlich 1 468 Fans mit dabei.
Die aktive Fanszene ist an der Hase übersichtlich strukturiert. Unangefochtene Hauptgruppe ist die “Violet Crew”, welche 2002 gegründet wurde und die Stimmung an der Bremer Brücke und auswärts koordiniert. Auf der Website der Gruppierung finden sich für besonders interessierte auch Links zu zwei Filmen über die Osnabrücker Ultrakultur. Daneben existiert seit 2005 noch das “Inferno Osnabrück”, eine Art Jugend- und Zubringergruppe für die Ultras. Die Mitglieder sind durchwegs jüngere Semester, das Inferno ist aber eine eigenständige Gruppe, welche mit der VC kooperiert.
Die Ultras unterhalten eine Fanfreundschaft zum “Ultra Caos Stockholm”, den Ultras des Djurgården IF aus der schwedischen Hauptstadt, wie mir ein Schwede beim Hoppen im Dantestadion zu berichten wusste. Feindschaften gibt es zu mehr oder weniger allen Klubs aus der Region, besonders hervorzuheben sind aber die Rivalitäten zu Preußen Münster und besonders Arminia Bielefeld.
Trivia – Unnützes Wissen
- Die mittlerweile aufgelöste Basketball-Abteilung des VfL war 1969 deutscher Meister.
- Auch die Tischtennisspieler*innen gewannen Ende der 1960er bis Anfang der 70er deutsche Meisterschaften.
- Der VfL hat noch nie in der Bundesliga gespielt.
- Seit 2017 unterhält Osnabrück keine U21 Mannschaft mehr.
Der 2. Spieltag im Überblick
| Freitag | 19:00 Uhr | 1. FC Schweinfurt 05 – FC Energie Cottbus |
|---|---|---|
| Samstag | 14:00 Uhr | 1. FC Saarbrücken – FC Viktoria Köln 1904 |
| 14:00 Uhr | SSV Ulm 1846 Fußball – FC Erzgebirge Aue | |
| 14:00 Uhr | TSV Havelse 1912 – Rot-Weiss Essen | |
| 14:00 Uhr | Aachener TSV Alemannia – TSG Hoffenheim II |
|
| 14:00 Uhr | TSV 1860 München – VfL 1899 Osnabrück | |
| 16:30 Uhr | SC Verl 1924 – SV Wehen Wiesbaden | |
| Sonntag | 13:30 Uhr | SSV Jahn Regensburg – MSV 02 Duisburg |
| 16:30 Uhr | FC Hansa Rostock – SV Waldhof Mannheim |
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| 19:30 Uhr | VfB Stuttgart II – FC Ingolstadt 04 |












Für mich der 3. LigaClub mit den schönsten Vereinsfarben, gleich nach 1860.