“Tröpferlweise”, wie man in Bayern sagt, kommen die vollständigen Umstände zu Hasan Ismaiks Kündigung der Darlehensverträge und dem damit möglicherweise verbundenen Lizenzentzug der TSV 1860 München KGaA ans Licht. Nun sind die sieben ominösen Forderungen zur erneuten Freigabe der gekündigten Darlehen bekannt geworden.
Ismaik kündigt Darelehen und riskiert erneuten Zwangsabstieg von 1860
Die Vorgeschichte dürfte gut informierten Löwenfans mittlerweile bestens bekannt sein. Am 21.05.2026 kündigte HAM zwei Darlehensverträge mit der KGaA, wodurch sich die KGaA aktuell zahlungsunfähig sieht und nicht in der Lage ist, dem DFB die geforderte Liquidität in Höhe von 2,7 Mio. Euro am 03.06.2026 nachzuweisen. Geschieht dies nicht, wird der DFB 1860 keine Lizenz für die dritte Liga erteilen und die Löwen müssten somit nächste Saison in der Regionalliga Bayern an den Start gehen. Doch wie bereits mehrmals in der Vergangenheit nutzt Ismaik erneut die Finanzen, um Zugeständnisse vom e.V. als zweiten Gesellschafter der KGaA zu erzwingen. Manche sagen auch “erpressen”.
Ismaiks Forderungen im Überblick
Wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, sind sechs der sieben Forderungen von Hasan Ismaik unkritisch und sollten in jedem mittelständischen Unternehmen umgesetzt sein. Er fordert im Detail:
- ordnungsgemäße Finanzberichterstattung und Aufbau eines Compliance- und Finanzberichterstattungssystems bis zum 30. September 2026
- Beauftragung eines neutralen externen Finanzexperten bis zum 30. Juni 2026
- Ausgabebeschränkungen zur Gewährleistung einer strikten Zweckbindung neuer Mittel
- strikte Einhaltung des genehmigten Budgets
- Verzicht auf Herabwürdigung
- Umstrukturierung der KGaA bis zum 31. Oktober 2026 auf der Grundlage eines vereinbarten Umstrukturierungsplans, der bis zum 30. Juni 2026 fertiggestellt werden soll
Soweit so unspektakulär. Der Punkt “strikte Einhaltung des genehmigten Budgets” birgt eine gewisse Ironie in sich. Denn das Budget wurde ja laut Aussage der KGaA gar nicht überschritten und erst im Mai 2025 nach einem Patt im Aufsichtsrat erhöht. Und dies wurde nur mit der doppelten Stimme des damaligen AR-Vorsitzenden Saki Stimoniaris durchgewunken.
KGaA weist Anschuldigungen von HAM zurück
Wie die SZ weiter berichtet, weist KGaA-GF Manfred Paula die Vorwürfe, die sich aus Ismaiks Forderungen ergeben, strikt zurück. “Wesentliche Prozesse, die Gegenstand Ihrer Beanstandungen sind, waren zum Zeitpunkt Ihrer Kündigung bereits eingeleitet bzw. in Umsetzung“, wird aus einem Schreiben von Paula an HAM zitiert. Außerdem wird präzisiert, warum die KGaA die Kündigung für unwirksam hält. Die Darlehensgeberin (also HAM) habe weder vorher abgemahnt noch eine entsprechende Frist zur Beseitigung der Unzulänglichkeiten gesetzt. Dies widerspricht nach Auffasung der KGaA §314 Abs. 2 des BGB.
Forderung Nummer 7 hat es in sich
Die siebte Forderung allerdings ist sehr heikel. Sie verbrigt sich hinter der Überschrift “Exit-Unterstützung”. Denn Ismaik fordert vom e.V., dass er im Rahmen eines Verkaufs von Ismaiks Anteilen auf sein Vorkaufsrecht verzichtet. Im Kooperationsvertrag ist bekanntlich geregelt, dass der e.V. das Recht hat, einem Interessenten, der einen höheren Preis als ein von Ismaik akquirierter Kaufinteressent bietet, dessen Anteile zu verkaufen. Dieser Punkt könnte zum Tragen kommen, wenn Ismaik seine Anteile zu einem sehr niedrigen Preis veräußern will und der e.V. einen potentiellen Käufer an der Hand hätte, der bereit wäre, mehr zu bezahlen. Das Vorkaufsrecht einfach so herzugeben, dürfte für den e.V. keine Option sein.
Der SZ geht es übrigens wie sechzger.de. Hasan Ismaik antwortet nicht auf ihre Anfrage und verweist auf “Mr. Herbert”. Per Whatsapp schrieb er uns: “Hallo Thomas, vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie können alle Ihre Anfragen an Herrn Herbert oder Herrn Mang richten. Ich hoffe, dass diese Ihnen alle Antworten geben werden, die Sie benötigen. Mit freundlichen Grüßen.” Wir versuchen nun also, Herbert Bergmaier zu kontaktieren und mehr über Ismaiks Motivation für das ganze Hickhack in Erfahrung zu bringen. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht bis zur Deadline am 03.06.











Die SZ hat nicht ganz unrecht. Auf das Vorkaufsrecht zu verzichten birgt ein erhebliches Risiko. Ismaik könnte an jeden dubiosen Schweizer Briefkasten verkaufen, der dann beispielsweise versucht die an sich schon insolvente TSV KGaA noch weiter auszuschlachten (auch “Asset Stripping” genannt). Das kann durch den Zugriff auf Barmittel nach dem Verkauf der Dauerkarten erfolgen, Kündigung von zwingend erforderlichem Personal oder Verkauf von Spielern. Es stünde nicht mehr die erfolgreiche Fortführung der Profiabteilung im Vordergrund, sondern die gewinnbringende Veräußerung von Unternehmenwerten.
Sind die ersten sechs Punkte wirklich unkritisch? Sehe ich anders. Das sind doch Forderungen, die zu einer überbordenden Bürokratie führen können. Für KMU sollen schlanke CMS-Strukturen ausreichend sein. Aber in seiner Kontrollwut kann damit alles bis ins Kleinste dokumentiert werden müssen.
Und was verteht man unter Risikoanalyse? Da 1860 ja permanent vor der Insolvenz steht, wäre es vertretbar, wenn z. B. zu den Kaderkosten umfangreiche Risikoanalysen durchgeführt werden müssen.
Und hinsichtlich der weiteren Finanzberichterstattung sollte man sich bei Michael Scharold erkundigen. Soweit ich mich erinnere, verstand es Ismaik bereits seinerzeit mit permanenten Anfragen den kaufmännischen Bereich zu blockieren, sodass das Tagengeschäft nicht mehr erledigt werden konnte. Manche Themen wie Sponsorenbetreuung mussten unterbleiben, da dafür keine Kapazität vorhanden war.
Und welches Budget stellt Ismaik für Beauftragung eines neutralen Finanzexperten zur Verfügung? Sitzt zukünftig ein Wirtschaftprüfer auf dem Schoß des kaufmännischen Geschäftsührers und lässt sich jeden Geschäftsvorfall haarklein erläutern?
Für mich ist das die Basis für die Sabotierung des Geschäftsablauf der KGaA. Es ist doch zu befürchten, dass Ismaik wie auch jetzt mit seinen Wünschen und Forderungen bis kurz vor Ultimo wartet. Entscheidungen über die Verpflichtung von Spielern werden wenn überhaupt erst kurz vor Ablauf der Transferperioden gefällt.
Ich bleibe bei der Meinung, dass Hasan überhaupt kein Recht hat Forderungen zu stellen, schließlich wurde er vertragsbrüchig, nicht 1860.
Prinzipiell stellt sich halt grundsätzlich die Frage wie Hasan überhaupt auf die Idee kommt hier Forderungen zu stellen. Es war doch er persönlich der vertragsbrüchig wurde.
Für mich vollkommen schleierhaft, weshalb man nun jetzt über Bedingungen diskutieren soll.
Er möchte das neue Präsidium austesten wie widerstandsfähig es ist ?
Gute Idee, das versuche ich jetzt bei meinem Mietvertrag auch.
Erst zahle ich die Miete nicht. Und damit ich sie wieder zahle, fordere ich vom Vermieter, dass er sein Haus an wen anderes verkauft.
Im SZ-Artikel steht ja auch, das 1860 bereits der Forderung von Hasan nachgekommen ist, die Dauerkartenpreise in “nicht unerheblicher Form” zu erhöhen.
Ich kann den Artikel leider nicht lesen da ich kein SZ plus habe . Aber ich schließe daraus das er tatsächlich versucht die Finanzen unter Kontrolle zu bekommen… auf die Ismaik Weise.
Der SZ-Artikel ist oben gut wiedergegeben
Wenn HI unbedingt das Vorkaufsrecht loswerden möchte muss über dessen Motivation gesprochen werden. Offensichtlich ist es nicht sein Ziel, seine Anteile zum Höchstpreis zu verkaufen.
Mir fallen dazu nur Erklärungen ein, welche dem Verein erheblich schaden würden.
Die SZ schreibt als Grund, dass der Verein schon einmal sein Vorkaufsrecht ausgeübt hätte, und Hasan das kein zweites Mal will.
Aber irgendwie fehlt mir jetzt die Kreativität dazu, das zu verstehen.
Dann müsste der Verein ja bereits einmal einen Käufer präsentiert haben, der mehr geboten hat, als ein Käufer den Ismaik gebracht hat.
Wie gesagt, um diese Passage zu deuten fehlt mir die Kreativität.
Für mich klang das so, dass er jetzt ein Vorkaufsrechtsverfahren für einen zukünftigen Deal erwartet. Ein bereits in der Vergangenheit genutztes Vorkaufsrecht konnte ich nicht herauslesen.
Allerdings machen für mich auch beide Interpretationen keinen Sinn.
Was bedeutet denn genau Unstruktuierung der KgaA?WIill er wieder die NLZ-Teams in die KgaA schieben.Also U17,U16 vorwiegend.Das war doch schon 2017 sein Plan,der nicht erfüllt werden konnte.
Und mit Forderung 7 verstößt er ja gg den Kooperationsvertrag.
Er verstößt ja nicht gegen den Vertrag er möchte ihn geändert haben. Daher muss der EV zustimmen.
Umstrukturierung der KGaA ist für mich der Punkt. Ich denke er möchte das mit dem Beirat und der Entscheidungsgewalt der GeschäftsführungsGmbh ändern. Das würde gegen 50+1 verstoßen