Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht ein Mal drüber nachgedacht, ein Fußballspiel nicht zu besuchen. Im Vorfeld vor dem gestrigen Spiel gegen den MSV Duisburg habe ich mir, das erste Mal im Leben die Frage gestellt, ob ich wirklich ins Stadion muss oder ob es nicht klüger wäre, daheim zu bleiben. Am Ende habe ich mich dann doch entschieden, ins Stadion zu gehen und mich zu den masked (Gia)singers zu gesellen.

Der Stadionbesuch als Wert an sich

Ich gehe jetzt seit fast 40 Jahren zu Fußballspielen und ich wäre nie auf die Idee gekommen, mit mir selbst eine tagelange Diskussion zu führen, ob es jetzt gut ins Stadion zu gehen oder nicht. Die Frage stellte sich einfach nicht. Für mich ist der Stadionbesuch einfach ein Wert an sich. Oder ein intrinscher Wert, wie die Philosophen sagen würden. Gestern war das anders: Angesichts der bayerischen Krankenhausampel in der hässlichsten Farbe der Welt und einer Inzidenz von über 750 gestern lt. Süddeutscher Zeitung habe ich mich schon gefragt, ob ich jetzt wirklich da hin muss. Und es ist schon ein bisserl absurd, dass wir Ende letzter Saison bei Inzidenzen von unter 100 Geisterspiele hatten und jetzt ein Stadion vollauslasten dürfen. Natürlich, da war die Impfquote noch niedriger und es gab diese 2G, 3G-Regeln noch nicht in der Form, aber trotzdem fühlte es sich für mich irgendwie komisch an.

Natürlich bin ich dann doch gegangen

Nach den Diskussionen mit mir selbst, oftmals untermalt von einem passenden Lied der meistunterschätzten Band der Welt, bin ich dann doch zum Schluss gekommen, ins Stadion zu gehen und die Löwen im Abstiegskampf zu unterstützen. Immerhin stand ein extrem wichtiges Spiel an und ich halte das Risiko bei angewandter 2G-Regel für vertretbar. An den großen Lücken, die im offziell ausverkauften Stadion klafften, konnte man sehen, dass ich wohl nicht der einzige war, der sich diese Gedanken im Vorfeld des Spiels gemacht hat. Ich würde schätzen, dass ca. 11.000 masked (Gia)singers im Stadion waren.

Unter den masked (Gia)singers

Ich hatte mich natürlich gefragt, wie das wohl sein würde, ein Spiel komplett mit Maske zu verfolgen. Kann man da überhaupt singen und supporten. Nun ja, es geht schon. Aber nicht gut, würde ich sagen. Es ist einfach so, dass die Maske nicht nur den Corona-Virus herausfiltert, sondern auch einen Großteil der Lautstärke eines Schlachtrufs… Hätte ich mir eigentlich vorher denken können. Dennoch fand ich die Stimmung unter den gegebenen Umständen und der Abwesenheit der Münchner Löwen ziemlich passabel. Wir sind einfach ein heißblütiges Publikum. Und das Spiel war natürlich auch mitreißend und sehr emotional.

Offener Schlagabtausch zwischen Löwen und Zebras

Ein typisches Löwenspiel, wenn es wichtig ist. Höhen und Tiefen, man macht es sich selbst oft schwerer als es sein müsste und am Ende dann doch einen Dreier eingefahren unter dem frenetischen Jubel der masked (Gia)singers. Es wäre schade gewesen, wenn ich dieses Spiel auf dem heimischen Sofa hätte verfolgen müssen. Möglicherweise läge ich jetzt wegen eines Herzinfarkts nach so mancher Abwehraktion von Salger und Belkahia tot auf dem selben…

Lebendiges Abendprogramm der masked (Gia)singers

Und wenn man schon mal die Diskussion, ins Stadion zu gehen mit selbst ausgefochten hat, kann man ja gleich auch noch einige Bierchen am Grünspitz konsumieren, im Giesinger Bräu zu Abend essen und den Abend in einer Boazn mit guten Freunden und anderen Löwen ausklingen lassen. Unvernünftig, aber wunderschön. Und die nächsten Monate werden wir da eh wieder drauf verzichten müssen. Deswegen war es die richtige Entscheidung ins Stadion zu gehen. Das wird mir fehlen!!!

 

 

 

 

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Das mit den Betten wird von der Politik so in Kauf genommen. Jetzt kann man viel mehr Angst verbreiten. Und die Menge schluckts. Drauf geschissen auf nen stadionbesuch mit Maulkorb.
Wie blöd muss man eigentlich sein! Ihr macht wohl echt alles mit.

Du hast den Schuß noch nicht gehört, oder?

sehr gut geschrieben.

bei mir war es genauso in den letzten Tagen. aber ich bin auch gewesen. im Stadion. ich hoffe, (unvernünftig), dass es bei 25% Auslastung bleibbt und dann möglichst schnell wieder mehr werden wird. ich mag kein Spiel mehr vor dem TV erleben. ich mag auch nicht mehr gezwungenermaßen zu Hause bleibben müssen. drei Monate und eine Saison ohne Stadionbesuch ist einfach genug. ich hoffe wieder auf den sportlichen Aufwärtstrennt mich hat das Ergebniss gestern soviel gefreut. zwar nicht in der Pandemie aber sonst positiv bleibben.

Du sprichst mir so aus der Seele und ich habe es wirklich einszueins auch so empfunden. Irgendwie hat es sich nach dem Spiel angefühlt wie der xte Abschied aus dem 60er Stadion …

Ich finde es richtig das sich viele von der absoluten Panikmache nicht haben anstecken lassen. Der Eigentliche Skandal ist das eine 1,5 Millionenstadt wie München nicht in der Lage ist bei einer Hospitalisierungsrate von 9 (entspricht ca. 130! Intensivpatienten), die Versorgung zu gewährleisten, Prozentual gesehen ist das ein absoluter Witz! Unser Staat hat hier absolut versagt und es in zwei Jahren nicht auf die Reihe bekommen hier Abhilfe zu schaffen. Ich mache mir wirklich sorgen, sollte es irgendwann mal eine richtige Notsituation geben, dann sind wir geliefert!

Richtig 100 Patienten mit Corona, davon 33 Intensiv. Das ist doch genau was ich sage, wegen 33 Corona-Intensivpatienten stehen die Münchner Kliniken vor dem Kollaps? Ich bin bei weitem kein Leugner oder ähnliches, aber wenn wir medizinisch nicht mehr schaffen als das, dann finde ich das sehr bedenklich.

Das sind doch Momentaufnahmen! Es werden doch mehr und mehr…