Während Trainer Michael Köllner die Mannschaft in Spanien auf die Rückrunde vorbereitet und alles daran setzt, die bevorstehenden Spiele erfolgreich zu gestalten, wird auch in Giesing an einer erfolgreichen Zukunft für unsere Löwen gefeilt. Zentrales Thema ist dabei natürlich nicht zuletzt die Stadionfrage und die Perspektive des Städtischen Stadions an der Grünwalder Stadions.

 

Aus diesem Grund lud die Stadt München gestern Abend zu einer Informationsveranstaltung in die Sporthalle an der Säbener Straße, um mit Anwohnern über mögliche Szenarien zu diskutieren, aber auch deren Ängste und Sorgen im Falle eines Um- bzw. Ausbaus zu erfahren. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung kam es zu Unstimmigkeiten, da einige Bürgerinnen und Bürger keine Einladung erhalten hatten – für den Boulevard und einen Blogger natürlich ein gefundenes Fressen, obwohl das Event selbst über die Presse den Weg zur Bevölkerung fernab von Giesing/Harlaching finden konnte.

Nichtsdestotrotz räumte Beatrix Zurek, hauptamtliche Stadträtin für Bildung und Sport, ein, dass es bei der Verteilung der 9.000 Postwurfsendungen zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Die Aufgabe sei einem externen Dienstleister übertragen worden und sie werde der Sache nachgehen. Die von einer Anwohnerin und der parteilosen Politikerin Melly Kieweg geäußerten Vorwürfe, hinter der Nicht-Information stecke Kalkül oder gar System, wies Zurek entschieden zurück. Dass das generelle Interesse der Anwohner zu dem Thema sich anscheinend jedoch arg in Grenzen hält, kann man an der doch recht überschaubaren Besucherzahl ablesen: Statt der 1.000 möglichen Gäste fanden sich lediglich rund 120 Personen in der Halle ein, der mit gut zehn Mitarbeitern vertretene Sicherheitsdienst langweilte sich trotz anfänglicher penibler Taschenkontrollen in den folgenden Stunden. Überraschenderweise wurde keine Adresskontrolle durchgeführt, die Veranstaltung war also (entgegen der Ankündigung) de facto für alle Interessenten offen.

In einer offenen Gesprächs- bzw. Fragerunde beschwerte sich ein Anwohner darüber, dass er als unbescholtener Bürger an Spieltagen von der Polizei kontrolliert werde und abgesperrte Wege nicht betreten dürfe. Auch die mangelnde Parkplatzsituation in Giesing wurde bemängelt, die sich bei Heimspielen des TSV 1860 weiter verschärfe. Für alle offiziellen Vertreter und auch die Polizei wurde das Problem offenbart, dass viele Anwohner gar nicht wissen, wann ein Spieltag bevorsteht und dann tatsächlich überrascht sind, wenn die Massen in Richtung Sechzgerstadion ziehen. Die Löwen werden dem zukünftig mit der Verteilung von Flyern entgegenwirken.

 

 

Auch das altbekannte Thema Wildbieseln wurde aufgegriffen; sicherlich ein großes Ärgernis für die Betroffenen, das man wohl nur mit deutlich mehr Disziplin innerhalb der Fanszene ausräumen kann, wobei ich (und ich gehe mittlerweile seit gut 30 Jahren zu den Löwen) noch nie jemanden in einen Vorgarten hab schiffen sehen.

Ein großer Kritikpunkt besteht im monotonen und dauerhaften Trommeln, das für die Anwohner eine akustische Belästigung darstellt. An dieser Stelle leistete Löwen-Geschäftsführer Michael Scharold einen starken Wortbeitrag, in dem er über das Fußballspiel als Gemeinschaftserlebnis sprach, zu dem Trommeln einfach dazu gehört. Er war nach der Veranstaltung auch noch im Gespräch mit dem älteren Ehepaar, das unter dem Lärm leidet und konnte da vermutlich auch Verständnis erreichen.

Auch Beatrix Zurek blies in dieses Horn und stellte das Trommeln als existenziellen Bestandteil der Fankultur dar, nachdem sie zuvor die Geschichte des Stadions kurz skizziert hatte. Stephanie Dilba, in der Fanlandschaft der Löwen bekannte Ehrenrätin des TSV 1860, bat die Betroffenen um Toleranz und wies darauf hin, dass Fußball für viele wichtig sei und ein Gemeinschaftsgefühl präge, das weit über den Sport selber hinausgehe. Es sei wünschenswert, dass persönliche Befindlichkeiten einzelner an den Spieltagen hinter das Wohl vieler gestellt werde, so weit dies eben möglich sei.

Christian Jung, einer der Sprecher von „Sechzig im Sechzger“, stellte seine Initiative vor und wies die Anwohner darauf hin, dass man sehr an einem Dialog interessiert sei und für alle Sorgen und Nöte ein offenes Ohr habe. Leider habe man bisher auf die Gesprächsangebote jedoch keinerlei Rückmeldung bekommen, würde sich jedoch gerne für die Betroffenen einsetzen und sich um Lösungen bemühen.

Seitens der Stadt München wurden noch die angedachten Umbaupläne vorgestellt, die u.a. vorsehen, dass die Ostkurve um 6 Meter erhöht wird und somit auf dem Niveau der Haupttribüne sei. Zwischen Westkurve und der neuen Haupttribüne wird ein großer Eingang sein. Da ist dann der Zuschauerrang rund um das Spielfeld wohl unterbrochen, was bautechnisch wohl unumgänglich sein dürfte, aber in Fankreisen zu Diskussionen führen wird. Der Zugang zur neuen Haupttribüne soll aus Richtung Osten und Westen erfolgen. Die Gästefans werden entsprechend an einem neuen Eingang im Nordosten (nahe dem Polizeicontainer) eingelassen. Das hat dann aber  zur Folge, dass sich – nach heutigem Stand – die Wege der Gästefans (vom Wettersteinplatz kommend) mit den Hautptribünengästen (von der Silberhornstraße kommend) kreuzen – klingt nicht wie eine Ideallösung. Hintergrund dieser Einlassplanung für die neue Haupttribüne ist die Belastungsgrenze der Volckmerstraße, die bekanntermaßen sehr eng ist.

Genauere Infos zu den Umbauplänen folgen sicher, sobald die erste Widerspruchsphase Ende Februar abgelaufen ist.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es keineswegs unüberbrückbare Hürden gibt (wie manche so gerne behaupten), dass es vor allem darauf ankommen wird, dass Fans und Anwohner wahrnehmen, dass es darum geht, den jeweils anderen zu verstehen und auch zu respektieren. Leben in einer Großstadt bzw. im verdichteten Raum heißt, Rücksicht aufeinander zu nehmen, im Dialog zu sein, Lösungen zu erarbeiten und diese umzusetzen. Und genau darauf muss seitens der Stadt und der Löwen samt der Fans der Fokus liegen!

Artikel von Stefan Kranzberg