Heute Vormittag konntet Ihr hier auf sechzger.de die interessanten Ausführungen vom Mitglied des Vorstands des 1860-Hauptsponsors “Die Bayerische” lesen.
Hier kommt Teil 2 des lesenswerten Gesprächs:

 

Der neue sogenannte Friede zwischen den Gesellschaftern, auch Ihre angenehme Art zu kommunizieren, wirkt eigentlich wie die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung, bei der – wie sie ja schon mal angedeutet hatten – die Bayerische auch mit dabei wäre. Oder?

Wir haben gemeinsam überlegt, was eine nachhaltige Lösung für die KGaA des TSV 1860 wäre. Zunächst wird in den nächsten Monaten aus unserer Sicht eine Entschuldung benötigt, sonst droht im Hintergrund immer die Gefahr einer Insolvenz. Das kann auch über eine Kapitalerhöhung funktionieren. Wenn der Hauptgesellschafter seine Anteile nicht verwässern will, ist es eine Möglichkeit, die Darlehen in Kapitalanteile umzuwandeln, dann wird es zu einer anderen Art von Investition. Aber wir sehen uns hier nicht in der Rolle des Beraters und wollen uns auch nicht aufdrängen. Wir haben großen Respekt vor dem Engagement des Hauptgesellschafters und ohne das Basispaket wäre auch die Investition in den Kader und insbesondere unsere Erhöhung des Sponsorings gar nicht denkbar gewesen.

Ich persönlich hielte es für den besten Weg, eine etwas breitere Gesellschafterbasis anzustreben. Über 50+1 muss man mit mir nicht diskutieren. Ich glaube, diese Regelung ist eigentlich kein Problem. Und zwar für niemanden, wenn man miteinander auf Augenhöhe und mit Wohlwollen, gegenseitigem Respekt nach Lösungen sucht. Das ist auch bei der Besetzung des Geschäftsführers, Herrn Pfeifer, gelungen, wie übrigens vorher schon bei Herrn Gorenzel – das wird gerne vergessen. Um eines klar zu sagen: Die Rolle der Bayerischen bei einer Kapitalerhöhung wäre aber immer nur die eines kleinen Minderheitsbeteiligten. Wir wollen keine dominierende Rolle einnehmen – das ist uns viel zu politisch.

Wir haben ein gutes Beziehungsnetzwerk in der Wirtschaft, welches wir mit einbringen können. Ich glaube, auch andere Firmen ließen sich für eine Kapitalerhöhung bei 1860 gewinnen. Dazu benötigt man aber eine gute Basis. Und die Basis beginnt damit, dass die beiden Gesellschafter einen Weg finden, miteinander in die Zukunft zu schauen. Was sind die Motive dafür? Da muss man ein bisschen Respekt zeigen. Jeder darf andere Motive haben. Das ist nicht schlimm. Mir wäre am liebsten, man sagt man sich offen: „Okay, ich respektiere dein Motiv, respektiere du aber bitte auch mein Motiv und dann versuchen wir umzusetzen, was letztlich funktioniert.“ Ich glaube, Fußball gehört den Fans und für die Fans wird es gemacht. Ohne Fans gäbe es keine Sponsoren, ohne Fans gäbe es niemanden, der über den Fußball schreibt und wenn man aufhört, über Sechzig zu schreiben – übrigens fast schon egal, wie – dann verliert Sechzig ökonomisch an Wert, weil es dann keine Aufmerksamkeit mehr gibt.

Da würden wir gerne nochmal einhaken. Sie haben es angesprochen: Die Vorwürfe der „Provinzversicherung“, gekaufter Platz im Aufsichtsrat, etc. Die kamen ja hauptsächlich aus einer Richtung. Wie schädigend haben sie das für ihr Unternehmen empfunden?

Gar nicht! Wir haben knapp eine Million Kunden, wir wurden 1858 gegründet. Ganz ehrlich (schmunzelt, macht eine Pause):  Solche Behauptungen sind vielleicht etwas, was uns persönlich mal ärgert – wobei ich „Provinzversicherung“ sogar extrem sympathisch finde. Wir sind nur in Deutschland tätig – wenn man das als „Provinzversicherung“ verstehen möchte, dann ist das okay. Die Unterstellung bezüglich des Aufsichtsratspostens ist schlichtweg falsch, da kann sich jeder selbst ein Bild machen. Ich glaube sogar, dass mein Kollege Thomas Heigl mit seiner unbestreitbaren Fachkompetenz gerade in finanziellen Fragen da einen wertvollen Beitrag leistet. Aber wir sind nicht abhängig davon, ob er Mitglied dieses Gremiums ist oder nicht.  Eine Vergütung ist mit diesem Mandat im Übrigen nicht verbunden.

Nochmal zur Kapitalerhöhung: Da wäre dann ja auch ein neuer Kooperationsvertrag nötig. Die Frage ist, wie man dann hier verfahren würde … Der Kooperationsvertrag würde im Falle einer Kapitalerhöhung neu verhandelt.

Wer hat denn ein Interesse an einer Kapitalerhöhung? Wer denkt, nur eine Seite hätte einen Vorteil davon, der macht es sich zu leicht. Denn eigentlich sollten alle ein Interesse daran haben. Was sind denn die Vorteile der Kapitalerhöhung? Auf der einen Seite natürlich die Entschuldung. Und auf der anderen Seite: Der Verein hat jetzt einen Etat für zwei Jahre, der Geschäftsführer kann besser planen. Aber das heißt nicht, dass die Überschuldungssituation plötzlich vom Tisch ist. Eine nachhaltige Lösung sollte für alle wichtig sein. Ich glaube, die Beteiligten sollten einfach darüber reden, ins Gespräch kommen. Wenn man Respekt vor den Motiven des anderen hat und mit Selbstbewusstsein arbeitet, dann kann man über alles reden. Und wenn man weiß, was das Motiv eines Mehrheitsgesellschafters ist, der nicht in München wohnt, da gibt es sicherlich auch wirtschaftliche Interessen, wenn da so viel investiert wurde. Das ist von seiner Seite ein berechtigtes Interesse.

…Die Mitglieder spielen halt in dem Zusammenhang auch eine Rolle…

Gott sei Dank!

Die müssen ja auch überzeugt werden. Sehen Sie sich da dann auch in der Pflicht?

Nein, wir sind keine Akteure, wir stehen am Spielfeldrand. Wir haben großes Vertrauen gerade auch in das Präsidium sowie den Verwaltungsrat des e.V.. Dort liegt letztlich die Aufgabe, Lösungen vorzuschlagen und ich persönlich habe den Eindruck, dass das sehr ernsthaft unternommen und bedacht wird. Das grundlegende Problem des Profifußballs kann gelöst werden. Und wenn die Mitgliederversammlung zu gegebener Zeit einer Kapitalerhöhung zustimmt und sich Herr Ismaik als Hauptgesellschafter damit wohl fühlt, dann kann das eine mögliche Lösung sein – es gibt aber vielleicht noch andere Varianten. Manchmal helfen weitere Gesellschafter, dann kommen neue Persönlichkeiten hinzu mit vielleicht neuen, konstruktiven Ideen. Und die neuen Gesellschafter dominieren nicht, denn sie sind und bleiben Minderheitsgesellschafter.

Wenn man jemanden findet, der an einer Kapitalerhöhung teilnimmt, ist dieser in jedem Fall Minderheitsgesellschafter, das heißt, er hat – mit oder ohne 50+1 – keinen formalen Einfluss auf die Gesellschaft. Warum also sollte man als Minderheitsgesellschafter investieren? Das wird nur funktionieren – und man wird auch nur dann geeignete Interessenten finden -, wenn man für die bedeutenden Fragen auch Antworten hat und gemeinsam formuliert. Deswegen ist es eine gute Ausgangsbasis, wenn die beiden Gesellschafter weiter in die Diskussion kommen und sich fair in die Lage des jeweils anderen hineinversetzen.

Grundsätzlich muss man sich bei einem Fußballverein immer fragen, worin die Zielperspektive besteht. Ist die tatsächlich, einmal wieder in die 1. Bundesliga zu kommen? Es gab schon andere kleinere Vereine, die das geschafft haben, Paderborn zum Beispiel, ich finde auch den SC Freiburg sensationell. Aber dazu benötigt man eine wirtschaftliche Basis. Und wenn man in der 1. Liga ist, sollte man nicht damit zufrieden sein, ständig gegen den Abstieg zu kämpfen.

Und diese Orientierung am Branchenprimus führt in die Irre. Der FC Bayern hat nichts mit 1860 zu tun – das ist eine andere Welt, eine ganz andere Liga. Der Trikotsponsor dort zahlt 70 Millionen Euro, wenn ich es richtig gelesen habe. Auf Platz zwei sind es dann 35 Millionen und schon auf Platz fünf oder sechs sind sie im einstelligen Millionen-Bereich. Das sind nicht vergleichbare Kategorien. Das ist weder gut noch schlecht – das ist einfach anders.

Und doch suchen in dieser Stadt so viele Menschen nach etwas anderem, was sie offensichtlich bei uns finden.

Es scheint so, viele Kinder sind  – bundesweit betrachtet – ganz oft zunächst Bayernfans, wenn sie von den Eltern nicht anders geprägt werden. Und das ist ein Phänomen, das normal zu sein scheint, weil man als Kind lieber gewinnen möchte. Und sobald die Leute anfangen, das richtige Leben kennenzulernen, ändert sich das. Leidenschaft bedeutet ja nicht, immer nur zu gewinnen. Das Leben ist nun einmal anders und wenn ich im Grünwalder bin, ist das ein völlig anderes Gefühl als in der Allianz Arena. Und dieses Gefühl nimmt einen mit und macht einen fast schon ein bisschen süchtig. Ob der Preis dafür ist, ständig dritt- oder viertklassig zu spielen, dazu wäre ich auf Dauer nicht bereit, da sage ich lieber: „Komm, dafür ist die Ambition dafür viel zu groß und eigentlich die Rahmenbedingungen viel zu gut, das muss schon anders gehen“. Ich glaube, dass auf Dauer gesehen auch die Stadionfrage hochrelevant werden wird.

Das Grünwalder Stadion ist nun einmal im Moment – um dieses Wort auch zu verwenden – alternativlos…

So ist es wohl. Das sind die Realitäten, die man anerkennen sollte. Ich bin ein großer Fan davon, das Sechzgerstadion weiter umzubauen. Ich bin auch ganz zuversichtlich: Die Bereitschaft der Politik in der Stadt dafür ist gegeben und ich hoffe, die Corona–Krise wird diese Bereitschaft nicht wieder ins Wanken bringen. Ich persönlich kann mir im Übrigen gut vorstellen, dass auch ein konstruktives Miteinander der Gesellschafter darauf einen sehr guten Einfluss hat. Je mehr das in der Zeit anwächst, je mehr Konstruktives entsteht, umso mehr steigt auch die Bereitschaft der Stadt – und man braucht die Stadt unbedingt, bei jeder auftretenden Frage. Vielleicht ist es auch eine Vision, ein Traum, sich irgendwann das Stadion zurückzukaufen. Aber bitte sehen Sie es mir nach, dass ich mich hier nur als Fan äußere und nicht als Fachmann der Materie. Ich vertraue da ganz auf die Geschäftsführung und insbesondere auf das Präsidium des TSV.

Wo sehen Sie denn die Bayerische in der Stadionfrage? Haben Sie da auch Möglichkeiten?

Wir möchten nicht in dieses politische Fahrwasser hineingeraten. Und deswegen kann ich da immer nur persönliche Meinungen sagen. Ich glaube, für einen Sponsor ist das Sechzgerstadion, so wie es heute angelegt ist, auf Dauer nicht optimal. Wenn es darum geht, VIPs einzuladen, Gäste zu bewirten, dann wäre es im Stadion schon schön, wenn man besondere Bereiche für VIP-Gäste hätte. Dafür ist man auch bereit zu zahlen. Insofern finde ich die Richtung des angedachten Umbaus zunächst einmal gut. Ich finde auch diese Zäune hässlich, ich versteh nicht, wieso man die nicht einfach abmontiert.
Ansonsten glaube ich: Die Lage des Stadions ist herausragend, wenngleich Lärmschutz für die Anwohner sicher ein sehr berechtigtes Interesse darstellt. Wobei ich mir manchmal denke, das Stadion steht dort schon seit bald 90 Jahren und jeder Anwohner hat mit dem Wissen des Stadions dort sein Zuhause gefunden. Giesing wird durch das Grünwalder zu einem besonderen Ort.  Was das Thema Parkplätze angeht, da kann man lange diskutieren. Als die Sechzger Meister wurden, haben das 50.000 Leute live im Stadion verfolgt. Das lässt sich aus guten Gründen leider nie wieder realisieren, aber es zeigt schon, dass die Infrastruktur möglich ist. Da der Trend sowieso vom Auto weggeht, muss es zu schaffen sein, dass Zuschauer, die doch mit dem Auto anreisen, außerhalb parken.
Man sollte aber nicht die elfte Stufe vor der dritten nehmen. Ich finde, die Stadt zeigt Gesprächsbereitschaft. Mir wäre es auch lieber, wenn das Stadion größer wäre. Aber in dieses Fröttmaninger Rund passt Sechzig nicht rein. Vielleicht war das mal eine super-gute Idee, aber es ist nie ein Stadion für Sechzig geworden. Zudem war es auch wirtschaftlich auch nicht der Erfolg, den man sich gewünscht oder erträumt hat.  Da hätte man viele Möglichkeiten, verärgert in den Rückspiegel zu schauen und grantig zu sein, aber es ist Vergangenheit.

Den dritten und letzten Teil dieses Gesprächs lest Ihr dann Morgen Mittag hier auf sechzger.de

 

 

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